Leitz Strichkreuzplatte 15/150 Teilungen

Begonnen von talrand, August 27, 2014, 11:03:35 VORMITTAG

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talrand

 ;) Hallo ihr Lieben,
Diesmal zwar wieder ein Thema zur Meßplatte, aber bitte ein ,,Ruhiges".......please!
Ich besitze zur Zeit eine 19mm Strichkreuzplatte mit einer Teilung von 15 Hauptstrichen mit 150 Feinteilungen. Auf jeder Seite des Strichkreuzes sind 7,5 Hauptteilungen zu finden, ich vermeide bewußt die Bezeichnung Millimeter.
Eine Skalierung mit Zahlen ist nicht vorhanden, links und äußerst rechts fängt die Skala mit 5Feinteilungen an, dann kommt die erste Hauptteilung. Es sind also insgesamt 14 Hauptteilungen und 2 mal eine Halbe.
Die Platte soll von Leitz stammen.
Ich habe diese Platte in mein Periplan 12,5x 20 M eingelegt, einiges gewischt und ge-Blasebalgt, um die Flusen und Krümel zu entfernen (lebe ja nicht in einem Reinraum Klasse 3 oder 4, was-weiß-ich-denn), und dann mit meinem "teuren" Olympus Objektmikrometer kalibriert, an 3 Objektiven:
Hund A4 0,10/ Leitz EF10 0,25 und Leitz EF 25 0,50. Die erhaltenen Einzelwerte spielen mal keine Rolle, jedoch wenn ich Ist/Soll dividiere, erhalte ich einen gut zu reproduzierenden Wert von 0,7013. Das heißt, die Platte zeigt nur 70,13% des zu erwartenden Wertes.
Zur Erklärung: 100Teile des Objektmikrometers (1mm) entsprechen 5,7 Hauptteilungen beim 4er Objektiv. Theoretisch müßte dieses 25 Mikrometer/Teilung zeigen, 100/5,7 ergeben jedoch 17,54 Mikrometer pro Teilung. 17,54/25= 0,7016. Beim Leitz EF 10 waren es auf 100 Teile Objektmikrometer 13,9 Teile der Strichplatte. Also 100/13,9= 7,194 Mikrometer pro Strich oder auf die theoretischen 10 bezogen 0,7194, ich, weiß ja, bisschen viel Stellen! Werte sind sehr reproduzierbar!
Meine 10mm/100 Tl. Platte hat einen Faktor von 1,108, die Werte müssen mit 10,8% beaufschlagt werden, um den Istwert zu erhalten, die Leitz 12mm/120 Teile in dem alten 12,5er Periplan 18 M hat den Faktor 1,008, also sehr maßhaltig.  :D
Dies ist eine ziemlich große Abweichung bei der 15er, oder?
Was sagt ihr dazu, ist das akzeptabel? Wer hat da Erfahrung?
Ist eine 15er Strichplatte überhaupt für ein 12,5x Okular geeignet oder nur sinnvoll bei einem 15x Okular?
Was mache ich mit dieser Platte, schreibt mal.

Nette Grüße vom Randolf
Randolf aus Duisburg

Hund Medicus HF mit schiefer Beleuchtung (Kreutzblende) und Dunkelfeld.

Werner

#1
Hallo Randolf!

Ist doch prima, Du hast Deine Strichplatte erfolgreich kalibriert. Jetzt kannst Du messen. Das einzig störende ist die fehlende Bezifferung wegen der Verzählgefahr.
Bei einem 15x-Okular siehst Du die Skala größer, sonst ändert sich nicht viel, das Zwischenbild bleibt ähnlich groß.

Das Periplan ist vom Huygens-Typ, das heißt, die Bildebene liegt zwischen den Linsen und die Frontlinse verkleinert das Bild etwas, dafür muß die Okularlinse stärker vergrößern um die 12,5x wieder zu erreichen.
Anders ist das bei Ramsden-Okularen, da liegt die Bildebene vor den Linsen. Deshalb werden sie auch bei den meisten Meßgeräten verwendet.
Daß die Platte von Leitz stammt, heißt nicht automatisch, daß sie für ein normales Mikroskop ist, die haben auch noch mehr gebaut.

Eine Anpassung der Maßstäbe wäre nur durch Ändern der Bildgröße möglich, durch Okularauszug oder ein Zoom-Objektiv (gab es für ein Werkzeugmikroskop).
Bei einem von mir geschätzten russischen Meßmikroskop (25x und 50x) sind die Objektive auf die Meßskala abgestimmt.

Beim normalen Mikroskop begnügt man sich deshalb mit der Objektmikrometer-Kalibrierung, zumal ein 60x-Objektiv real irgendwo zwischen 55 und 65 vergrößert.

Gruß   -   Werner

Oecoprotonucli

#2
Hallo zusammen,

Zitat von: Werner in August 27, 2014, 17:12:38 NACHMITTAGS
Das Periplan ist vom Huygens-Typ, das heißt, die Bildebene liegt zwischen den Linsen und die Frontlinse verkleinert das Bild etwas, dafür muß die Okularlinse stärker vergrößern um die 12,5x wieder zu erreichen.

Die Leitz Periplan Okulare sind eben gerade keine Huygens-Okulare, sondern bestehen aus mehr als zwei Linsen zur Farbvergrößerungsfehlerkorrektur etc.

Besten Gruß

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

Werner

... Das Periplan hat eine korrigierende Augenlinse, was aber nichts am Huygens-TYP ändert.
Die Bildebene liegt ZWISCHEN den Linsen im Inneren des Okulars.

Gruß   -   Werner

Klaus Henkel

Zitat von: Werner in August 28, 2014, 13:38:10 NACHMITTAGS
... Das Periplan hat eine korrigierende Augenlinse, was aber nichts am Huygens-TYP ändert.
Die Bildebene liegt ZWISCHEN den Linsen im Inneren des Okulars.

Gruß   -   Werner

Ja. Die Okulare vom Typ Periplan sind echte Huygens-Typen mit Kompensationswirkung durch Aufspalten der Augenlinse in mindestens zwei Linsen mit unterschiedlichen Eigenschaften.

Gruß
KH

talrand

#5


Heißen die nicht achromatisches Ramsden? Oder aber etwa Kellner? (Meine 10er Periplan /18 made by Leitz Portugal sind echte Kellner und die Platte liegt vor der Bikonvexen Feldlinse, ich weiß es, weil mir das M Okular schon zig mal auseinandergepurzelt ist, zum Glück auf dem Tisch).
Das gab heiteres Linsenanordnungs Raten....und Pröbeln. Ich weiß jetzt, wie die Linsen rein müssen, nämlich exakt wie beim gezeigten Kellner.

http://www.quadibloc.com/science/opt04.htm

Grüße vom Randolf,
Der jetzt ins Kino geht.....
Randolf aus Duisburg

Hund Medicus HF mit schiefer Beleuchtung (Kreutzblende) und Dunkelfeld.

Klaus Henkel

#6
Zitat von: talrand in August 28, 2014, 17:43:15 NACHMITTAGS

Heißen die nicht achromatisches Ramsden? Oder aber etwa Kellner? (Meine 10er Periplan /18 made by Leitz Portugal sind echte Kellner und die Platte liegt vor der Bikonvexen Feldlinse, ich weiß es, weil mir das M Okular schon zig mal auseinandergepurzelt ist, zum Glück auf dem Tisch).
Das gab heiteres Linsenanordnungs Raten....und Pröbeln. Ich weiß jetzt, wie die Linsen rein müssen, nämlich exakt wie beim gezeigten Kellner.

[url]http:/...
Grüße vom Randolf,
Der jetzt ins Kino geht...

(Gibts einen Historienfilm über Talleyrand?)

Randolf, sogar Sie auch Sie haben selbstverständlich recht! Nämlich: Als nach dem Krieg, so nach 1950 Industrie und Gesundheitswesen wieder zu Geld kamen, wurden die teureren Instrumente mit Binokulartubus immer beliebter, denn sie machten lange Mikroskopierabende erträglicher. Doch die Umlenkprismen in den Binokulartuben brauchten Platz. Deshalb zog man Okularkonstruktionen vor, die nicht so viel Baulänge benötigten. Das ist abhängig von der Brennweite und der Pupillenlage im Okular. Für alle kompensierenden Okulartypen behielt man bei Leitz Wetzlar jedoch die Bezeichnung Periplan bein, die Leitz erfolgreich populär gemacht hatte.

Streng genommen sollte man also sagen: Wie zu Zeiten der Huygensokulare mit Kompensationswirkung auf den Farbvergrößerungsfehler heißen auch heute die Leitz-Okulare noch immer Periplan.

Alles Klar?

Was das Kellnersche Okular anbelangt: Sein Erfinder war Carl Kellner aus der Wetterau, der in Wetzlar ein Opt. Institut gründete. Nach seinem Tod übernahm Witwe und Institut der Geselle Friedrich Behlthle, nach ihm der junge Württemberger Ernst Leitz.

KH

Oecoprotonucli

Hallo miteinander

und Danke für die Aufklärung! Wie konnte ich auch nach der kurzen Erwähnung/Erklärung in der alten Leitz-Broschüre annehmen, dass es so einfach sei! Die im Link gezeigte Vielfalt der Okulare ist ja unglaublich, und noch unglaublicher, dass jeder Typ noch einen eigenen Namen hat (naja, bis auf abgewandelte wie "achromatic Ramsden" und "reversed Kellner" und so...)!

Linsengepflasterten Gruß

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

talrand

#8
Hallo, es ist schön, das meine Links gefallen.
Und vielen Dank für die erklärenden Ausführungen unseres geschätzten Herrn Henkel.

Wer da meint, dieser Link wäre das Non Plus Ultra über Okulare im www,
der schaue sich mal Folgendes an:
http://www.astrosurf.com/re/evolution_of_eyepieces.pdf

Das Original steht auf Chris Lords Brayebrook Observatory Seiten! Eine tolle Fundgrube für Optiker und Astronomen:

http://www.brayebrookobservatory.org/BrayObsWebSite/HOMEPAGE/BRAYOBS%20PUBLICATIONS.html

Ich hoffe, ihr habt viel Spaß beim Studium.
Übrigens gibt das den Stand der Okulartechnik bis ca. 1990? wieder, mittlerweile hat sich in Sachen Astronomische Weitwinkelokulare (z.T. zu astronomischen Preisen (bis zu 1250€) und auch z.T. mit astronomischen Gewichten -Al Naglers "Handgranate", das 31mm Nagler 5 mit 82 Grad Gesichtsfeld und 2" Hülse, d.h. 50,8mm Durchmesser, wiegt nur etwas unter 1kg, nämlich 998g- bis fast 2kg bei 120 Grad Gesichtsfeld) noch in letzter Zeit getan und tut sich auch noch.

Das zum Thema astronomisch verwendete Okulare.
Randolf aus Duisburg

Hund Medicus HF mit schiefer Beleuchtung (Kreutzblende) und Dunkelfeld.

talrand

#9
ZitatNach seinem Tod übernahm Witwe und Institut der Geselle Friedrich Behlthle, nach ihm der junge Württemberger Ernst Leitz
;D

Ein schönes Bonmot, mein lieber Herr Henkel (lol = laughing out loud, wie wir Anglophile sagen). ;D

Nein, mein Pseudonym oder nom de plume stammt einerseits von meinem geliebten TAL 2m Teleskop, ein unheimlich leistungsstarkes Newtonteleskop 150mm Öffnung 1200mm Brennweite aus Novosibirsk, das seinem Vorbild, dem legendären Criterion Dynascope 6" nachempfunden ist. Dieses Criterion Dynascope war mein Traumteleskop in den 70igern und in USA und GB weit verbreitet. Für mich als Schüler/Student war es damals unerschwinglich.

Und zweitens gab es gestern den schönen und sehr humorvollen Film Wir sind die Neuen mit der Gisela Schneeberger, Michael Wittenborn und Heiner Lauterbach. Hab mich gut amüsiert.

Schöne Grüße an die Runde...
Randolf K
Randolf aus Duisburg

Hund Medicus HF mit schiefer Beleuchtung (Kreutzblende) und Dunkelfeld.