Autor Thema: Botanik: (Cryptomeria japonica), der heilige Baum der Japaner *  (Gelesen 5328 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Botanik: (Cryptomeria japonica), der heilige Baum der Japaner *
« am: Oktober 22, 2014, 08:46:24 Vormittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

die Sicheltanne ist die einzige Art  der immergrünen Nadelbaumgattung und kommt in zwei Varietäten in China und Japan vor, von wo sie 1842 zuerst nach England gebracht wurde.

Bild 01

Sicheltanne (Cryptomeria japonica) im Neuen Botanischer Garten Marburg, Hessen, Deutschland
Quelle: Wikipedia; User: Willow

Als japanischer Nationalbaum und wichtigste japanische Nadelbaumart mit Höhen bis 50 Meter  und einem Stammdurchmesser bis zu 6 Meter wird sie dort auch oft an Straßenrändern und in Tempelbezirken angepflanzt.

Bild 02  Jōmon Sugi in Yakushima, Kagoshima Pref., Japan

Quelle: Wikimedia
Urheber: Σ64

In Deutschland, als Windschutz und Schmuckbaum angepflanzt wird dieser Baum oft nur 10 – 25 Meter hoch, dieses ist eine Folge deutlich geringeren Niederschlages.
In China und Japan wurde dieser Baum kultiviert, um das duftende, harzfreie Holz für Brücken, Möbel, Sake – Fässer und Wannen zu gewinnen.
Da der Sugi den Japanern als heilig gilt, zieren oft mächtige, bis über 500 Jahre alte Bäume ihre Tempelanlagen.
Der Name Cryptomeria kommt von griech. „kryptos“ = verbogen und „mereia“ = Teil, wegen der als getrennte Teile kaum sichtbaren, da weitgehend verwachsenen Samen- und Deckschuppen der Zapfen. Die deutschen Namen bringen durch „tanne“ oder „-zeder“ eine Wertschätzung zum Ausdruck, obwohl es sich weder um eine Tanne (Abies) noch Zeder (Cedrus) handelt.
Cryptomeria japonica steht auf der Liste der weltweit gefährdeten Gehölzarten nach der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN Red List 2008).
Die Rinde der Sicheltanne ist braunrot und blättert in Längsstreifen ab. Die zahlreichen, relativ dünnen Äste sind spiralig angeordnet und stehen waagerecht ab. Charakteristisch sind die pfriemlich, zierlich steifen, max. 12 mm langen, am Zeig herablaufenden Blätter. Sie stehen relativ dicht und sind sichelförmig nach innen gekrümmt.

Bild 03 Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

Foto: H.-J_Koch

Bei Frost färben sich die Nadeln rötlich. Die männlichen Blüten öffnen sich ab Februar meist so zahlreich, dass die Baumkrone gelb wirkt. In Japan gehören ihre Pollen zu den häufigsten Auslösern von Heuschnupfen. Die Zapfen sitzen meist noch zwei bis drei Jahre leer am Baum. Die Sicheltanne wurzelt flach. Während eine senkrecht nach unten orientierte Hauptwurzel fehlt, besteht aber ein gut entwickeltes Seitenwurzelsystem.
Nach neuesten molekulargenetischen Untersuchungen ordnen Wissenschaftler die Sumpfzypressengewächse nicht mehr in diese separate Familie ein, sondern stellen sie zu den Zypressengewächsen.

Systematik:

Klasse: Coniferopsida
Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Zypressengewächse (Cupressaceae)
Unterfamilie: Taxodioideae
Gattung: Cryptomeria
Art: Sicheltanne
Wissenschaftlicher Name der Art: Cryptomeria japonica
Volkstümliche Bezeichnung: Japanische Zeder oder Sugi
Englischer Name: Japanese cedar

Zweijähriger Spross, Querschnitt, 30 µm

Bild 04 Schnittstelle, Spross, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

Zuerst habe ich die abstehenden Nadelblätter gekürzt um den Spross im Probenhalter besser einspannen zu können. Für den Querschnitt wurde eine Stelle gesucht, in der zwei Blätter auf einen Ebene liegen.

3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Arbeitsablauf :

1. Schnitte  liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung  8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.    15 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung nur 1 Minute.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis  4 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10. Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen.
11. Einschluss in Entellan

Ergebnis :

Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5000, die Übersichtsaufnahmen wurde mit „MagniFlash“ erstellt.


Bild 05 Übersicht, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

Mit zwei Ansätzen von Nadelblättern

Bild 06 Übersicht, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

Mit drei Ansätzen von Nadelblättern in unterschiedlichen Ebenen

Bild 07 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

RP = Rindenparenchym, PH = Phloem, K = Kambium, ST = Strahl, XY = Xylem, MP = Markparenchym, J = Jahresringgrenze

Bild 08Leitbündel, Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

PH = Phloem, XY = Xylem

Bild 09  Vergrößerung, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)


Bild 10  Vergrößerung aus der Übersicht mi Beschriftung, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

H = Hohlraum (Lumen), D = Drüsenepithel, S = sklerenchymatische Scheide, L = Leitbündel

Bild 11  Vergrößerung aus der Übersicht, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

Zentrum des Sprosses

Bild 12 Dunkelfeld, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)


Bild 13 Dunkelfeld, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)


Bild 14 Vergrößerung, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)


Bild 15 Markparenchym, ungefärbter Schnitt, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)


Bild 16 Xylem, ungefärbter Schnitt, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)


Bild 17 Vergrößerung,  Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)


Bild 18  Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 19  Markparenchym, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 20  Markparenchym, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 21  Markparenchym, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10

Bild 22 Nadelblattanschnitt,  Markparenchym, Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica)

Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Spaltöffnungen sind Luftlöcher der Blattepidermis. Für den Stoffwechselbetrieb der Blätter ist der Gasaustausch mit der Atmosphäre unerlässlich und dazu sind in der Epidermis besonders der Blattunterseite besondere Spaltöffnungen (Stomata) eingelassen.

Eckhard hat vor 4 Jahre einen super feinen Schnitt (8 µm Schnittdicke) von der Sicheltanne erstellt.

http://www.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fi351.photobucket.com%2Falbums%2Fq462%2Feckhardv%2F2010-07-12_0021.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.mikroskopie-forum.de%2Findex.php%3Ftopic%3D6445.0&h=532&w=800&tbnid=hbGQoPUvXOK93M%3A&zoom=1&docid=pAbGu2ezokamSM&itg=1&ei=6QZBVNaSMKr4ywOAxoCICA&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=1254&page=12&start=375&ndsp=18&ved=0COcBEK0DMEs4rAI


Quellenangaben :

Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
Kosmos Baumführer Europa, ISBN: 978-3-440-11741-5
Schmidt Peter. A. /Hecker Ulrich „Taschenbuch der Gehölze“, ISBN: 978-3-494-01448-7
Aas Gregor/ Riedmiller Andreas „ Bäume“ ISBN: 3-7742-4058-2
Sphohn  „ Kosmos-Baumführer Europa“ ISBN: 978-3-440-11741-5
Peter Schütt „Lexikon der Baum-und Straucharten“ ISBN: 978-3-86820-123-9
Schütt „Lexikon der Nadelbäume“ ISBN: 13: 978-3 933203-80-9

Mit freundlichem Gruß

Hans-Jürgen


« Letzte Änderung: Oktober 22, 2014, 15:02:21 Nachmittag von Fahrenheit »
Die Natur ist die beste Lehrmeisterin.

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hajowemo

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  • Jochen Mooßen
Re: Botanik: (Cryptomeria japonica), der heilige Baum der Japaner
« Antwort #1 am: Oktober 22, 2014, 09:26:04 Vormittag »
Lieber Hans-Jürgen,
Eine tolle Arbeit, danke fürs zeigen.
Die Fluoreszenzaufnahmen begeistern mich immer wieder.
Liebe Grüße
Jochen
Vorstellung
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Gerne per "Du"
Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

Jan Kros

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Re: Botanik: (Cryptomeria japonica), der heilige Baum der Japaner
« Antwort #2 am: Oktober 22, 2014, 15:00:20 Nachmittag »
lieber Hans-Juergen
eine sehr schoene Arbeit, danke fuers zeigen
Herzlichen Gruesse
Jan

Fahrenheit

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Re: Botanik: (Cryptomeria japonica), der heilige Baum der Japaner *
« Antwort #3 am: Oktober 22, 2014, 15:03:58 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen,

vielen Dank für den schönen Beitrag zu diesem interessanten Baum!
Insbesondere die Fluoreszenzaufnahmen 21 und 22 mit den gut sichtbaren Chloroplasten finde ich faszinierend,.

Herzliche Grüße
Jörg
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HDD

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Re: Botanik: (Cryptomeria japonica), der heilige Baum der Japaner *
« Antwort #4 am: Oktober 22, 2014, 19:52:01 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen

Ein wunderschöner Bericht von einem faszinierenden Schnitt. Vielen Dank, der kommt in mein Archiv. ;)

Herzliche Grüße 
Horst-Dieter

Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: (Cryptomeria japonica), der heilige Baum der Japaner *
« Antwort #5 am: Oktober 23, 2014, 09:24:50 Vormittag »
Liebe Freunde,

herzlichen Dank für Eure netten Worte.
Für mich Motivation für neue Schnitte. Ohne Motivation läuft nichts, doch manchmal kommt auch bei mir der „Mach-Lust-Motor“ ins Stottern.

Gruß

Hans-Jürgen
Die Natur ist die beste Lehrmeisterin.

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koestlfr

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Re: Botanik: (Cryptomeria japonica), der heilige Baum der Japaner *
« Antwort #6 am: Oktober 23, 2014, 10:31:10 Vormittag »
Hallo Hans-Jürgen!

SENSATIONELL! Tolle Fluo-Fotos!

Liebe Grüße
Franz
Liebe Grüße
Franz

Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: (Cryptomeria japonica), der heilige Baum der Japaner *
« Antwort #7 am: Oktober 24, 2014, 10:48:05 Vormittag »
Hallo Franz,

danke.

Gruß

Hans-Jürgen
Die Natur ist die beste Lehrmeisterin.

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