Colpoda steini vs. Colpoda aspera

Begonnen von paramecium, Februar 23, 2015, 22:48:58 NACHMITTAGS

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paramecium

Kahl beschreibt für die beiden Arten Colpoda steini (Maupas 1883, Enriquez 1908) und die von ihm selbst später beschriebene Art Colpoda aspera (Kahl 1926) eine gewisse Gefahr der Verwechslung und auch die Möglichkeit der Modifikation derselben Art. Die hier abgebildeten Exemplare wurden in einem Heuaufguss eines Rasenschnitts mit Moosanteil vorgefunden. Der Lebensraum scheint daher ebensowenig wie das Abzählen der Rippen der Cuticula ein Unterscheidungskriterium zu bieten. Neuere Arbeiten beschreiben das Vorkommen von C. aspera auch in den Exkrementen von Hasen. Dies wäre nur dann eine Erklärung für den Fundort von C. aspera im "Aufguss von Rasenschnitt", wenn entsprechende Exkremente gefunden werden, was nicht der Fall war. Der Sommer 2014 war in jedem Fall eindeutig das Jahr der Mäuse und Wühlmäuse. Es bleibt fraglich, ob die rein phänomenologische Beschreibung heutigen Methoden der DNA Analyse noch standhalten kann und was seinerzeit tatsächlich beschrieben war. Kahl beschreibt ebenfalls, dass die Zahl der Rippen mit dem Alter der Colpoda zusammenhängen soll, was die Unterscheidung zweifellos noch schwieriger macht.

Nach Färbung mit Acridinorange und Fluoreszenz in blauem Licht offenbaren die hier abgebildeten Individuen, die zumindest der Gattung Colpoda einigermaßen sicher zuzuordnen sind, einige Details: Entlang der "Rippen" liegen saure Zellorganellen knapp unter der äußeren Zellmembran, die sich mittels Fluoreszenzfärbung darstellen lassen. Der Befund wurde erstmals für Paramecium beschrieben und hier in Verbindung mit der Lage der Trichocysten dieser Gattung gebracht. Solche und ähnliche Färbungen offenbaren sich als ein Charakteristikum etlicher, jedoch nicht aller Arten der Ciliaten (Ciliophora), welche für die Bestimmung genutzt werden können. Wichtige Hinweise zur richtigen Interpretation solcher Färbeergebnisse bei der Färbung von Ciliaten mit Acridinorange können in der kommenden Ausgabe des Mikroskopie Journal 1/2015 nachgelesen werden. An dieser Stelle mein herzlicher Dank an J. Piper für sein Bemühen um die junge Zeitschrift.

Aufnahmen mit Zeiss AxioLab.A1 FL, Plan-Neofluar 40x/0,75 Ph2. Von links oben nach rechts unten: Hellfeld, Phasenkontrastaufnahme, ventraler (links unten) und dorsaler Fokus (rechts unten) von Fluoreszenzaufnahmen (Anregung: 470 nm LED, unten) mit Anordnung winziger, rot gefärbter Zellorganellen entlang der Rippenlinien. Die Orientierung "ventral" bzw. "dorsal" geschieht hier in Anlehnung der Beschreibung der Abbildungen von Kahl, "Urtiere oder Protozoa", Hrsg. F. Dahl, "Die Tierwelt Deutschlands", 21. Teil, Gustav Fischer, 1931, S. 278/279.