Praktische Frage zum Köhlern

Begonnen von mwinkler, Dezember 16, 2015, 22:53:02 NACHMITTAGS

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mwinkler

Guten Abend, ich habe jetzt mal eine ganz praktische Frage zum Köhlern:

Beim Köhlern stelle ich ja auf die fast geschlossene Leuchtfeldblende scharf. Beim anschließenden Öffnen der Blende wird sichtbar, dass die äußeren Bildbereiche nicht auf Ebene der Blende, sondern leicht darüber scharfgestellt sind. Beim meinem Standard 16 ist dieser äußerer Bereich dann auf das Abdeck-Glas direkt über der Leuchtfeldblende scharf gestellt. Dort ist nun schön der ganze Staub auf dem Glas und dessen Unreinheiten oder Krätzerchen zu sehen.

Fange ich nun an das Präparat zu verschieben, ziehe ich diesen "Staubrand" mit über mein Präperat. Das nervt mich doch gewaltig.

Nun kann ich den Kondensor etwas aus der Köhlerposition nach oben schieben, dann bekomme ich jedoch die matte Glasscheibe der Lampe
im Detail zu sehen :-(

Schiebe ich den Kondensor aus der Köhlerposition weiter nach unten, dann tausche ich den "Staubrand" des Abdeckglases mit dem "Staubrand" des daraufliegenden Polarisationsfilters. Gehe ich mit dem Kondensor noch weiter nach untern, dann bekomme ich endlich ein homogenes Hintergrundlicht.

Jetzt wollte ich wissen wie ihr das so handhabt?

Ist der Verlust der Bildqualität durch das Verlassen der optimalen Köhler-Höhe verschmerzbar? Oder nehmt ihr lieber eine etwas unsauberen Hintergrund in kauf? Oder ist etwa euer Equipment immer so sauber, dass da kein Staubkorn auf dem Licht liegt?

LG

Matthias




Klaus Herrmann

Hallo Matthias,

der Mikroskopiker kämpft solange er mikroskopiert gegen Fussel und Co. Ich bin zu faul und geh wenn was stört aus der Schärfenebene der Köhlerposition raus. Die Fusseln stören mich mehr als der kleine Verlust an optimaler Kondensorstellung.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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reblaus

PS. Klaus war schneller - aber ich dafür ausführlicher:

Hallo Matthias -

wie du wohl erkannt hast, gehört der endlose Kampf gegen Dreck und Staub zum Leben des Mikroskopikers. Das "Köhlern" ist für viele eine rituelle Handlung an die sie sich klammern, obwohl die schlechte Bildqualität durch ganz andere Faktoren bedingt ist.
Du hast richtig erkannt, dass bei einem preiswerteren Kondensor weder der Rand der Leuchtfeldblende einwandfrei scharfgestellt werden kann (die Optik hat starke chromatische Fehler), noch beim Öffnen scharf bleibt (starke Bildfeldwölbung).
Wenn du also den Dreck nie vollständig wegkriegst (wie die meisten Mikroskopiker, die lieber mikroskopieren als die 77 staubanfälligen Oberflächen der Optik zu reinigen), verstelle also beruhigt den Kondensor aus der legendären Köhlerschen Idealposition. Wenn du das nicht übertreibst, wirst du mit normalen Mitteln keinen Unterschied in der Bildqualität bemerken!

Viele Grüße

Rolf

Peter Reil

Hallo Matthias,

das was Klaus schreibt, mache ich genau gleich. Die - für mich unmerkliche - Qualitätsverschlechterung des Bildes nehme ich gerne in Kauf.

Ich denke, es kommt aber ganz auf das Mikroskop an. Ich hatte einmal ein recht altes Mikroskop, da war ohne exaktes Köhlern kaum was vernünftiges zu sehen.

Freundliche Grüße
Peter

Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

mwinkler

 ;D

Das dachte ich mir doch. Dann mache ich das ab jetzt auch so!
Ich hatte schon befürchtet ihr habt alle einen Putzfimmel....

Jetzt kann ich beruhigt schlafen

Matthias

the_playstation

Hallo.
Ich bekenne mich auch schuldig. :D Zumindest, wenn es störende Fusel, ... gibt, die man so leicht "entfernen" kann. Die schlimmsten Fusel sind auf den Stichplatten/Meßplatten/... in manchen Okularen. Diese liegen exakt in der Zwischenbild-/Schärfeebene und man sieht jeden kleinsten Fusel, den man oft mit dem Auge beim Putzen nicht sieht. Auf anderen Glasflächen ausserhalb der Schärfeebene übersieht man dagen manchmal ganze Staubschichten. ;) Ist auch oft abhängig vom gewählten Objektiv.

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Peter V.

#6
Hallo,

der Purist möge mich virtuell federn, teeren, rädern und vierteilen.....
Wie formulierte es mal jemand so schön? Der Köhler ist ein aussterbendes Handwerk.  ;)
Es erscheint mir auch (gerade bei morderneren Mikroskopen) als eher rituelle Handlung, ein wenig so wie eine Teezeremonie. Du kannst den Kondensor problemlos aus der optimalen Köhlerstellung verfahren, bis zu ein homogenes Bild ohne Fussel und Mattescheibengekrissel bekommst. Einen Qualitätsverlust wirst Du im Bild kaum - ich behaupte einmal, gar nicht - bemerken.

Herzliche Grüße
Peter

Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

limno

#7
... aber wenn's ans Fotografieren geht, zeigt es sich, dass das Befolgen der "Rituale" für gute Bilder wichtig ist, das wolltest Du doch noch sagen, und das man es schon deshalb fleissig üben sollte, nicht wahr lieber Peter ;) ;) ;) ;D. Il faut des rites.
Liebe Mikrogrüße von
Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.

reblaus

#8
Hallo Heinrich -

Um den Fuchs in Bezug auf den Köhler-Ritus vollständig zu zitieren:

C'est aussi quelque chose de trop oublié... ;D,

Mein Hirn ist beim Köhlern nicht mehr beteiligt, sondern das wird vom Rückenmark automatisch erledigt. Aber man sollte trotzdem berücksichtigen, dass von vielen Regeln, wenn deren Sinn bekannt ist, auch mal sinnvoll abgewichen werden muss um das Ergebnis zu verbessern.

Viele Grüße

Rolf

Lupus

Hallo,

ZitatAber man sollte trotzdem berücksichtigen, dass von vielen Regeln, wenn deren Sinn bekannt ist, auch mal sinnvoll abgewichen werden muss um das Ergebnis zu verbessern.
das ist der Punkt, man sollte wissen warum man etwas tut und was das bewirkt. "Köhlern" ist so ein Schlagwort, bei dem zwar jeder versteht was damit gemeint ist, aber die Bezeichnung ist m.E. trotzdem irreführend, da man die gleichen Einstellungen auch bei einer guten kritischen Beleuchtung mit Leuchtfeldblende machen kann.

Bei einem idealen oder zumindest sehr guten Kondensor (minimale sphärische Aberration, Bildfeldkrümmung) bewirkt die Defokussierung der Leutfeldblende
1. dass sie unscharf in der Präparat-Ebene abgebildet wird und der sich ergebende Helligkeitsverlauf außerhalb des Bildrandes in geringem Maß das Streulicht erhöht. Das dürfte aber so minimal sein, dass man selbst bei streulichtempfindlichen Objektiven wenig Wirkung hat.
2. Dass der Anteil des Beleuchtung mit hoher Beleuchtungapertur zunehmend aus dem Bildfeld wandert und damit die potenzielle Auflösung zunächst am Bildrand verringert ist. Da die Auflösung aber nur zur Hälfte von der Beleuchtungsapertur abhängt, und diese auch höchstens zur Hälfte (auf einer Seite) durch die Defokussierung verringert wird, ist der Effekt wiederum gering. Und auch nur bei Objektiven mit hoher n.A. feststellbar. Und wenn man berücksichtigt, dass meist die Aperturblende mehr oder weniger geschlossen ist um den Kontrast bzw. die Schärfentiefe (oder Tiefenschärfe je nach Philosohie  :D ) zu erhöhen, wirkt sich das in der Praxis auch nicht aus.

Es kann ja gerne einmal jemand fotografisch dokumentieren, wenn es bei ihm/ihr tatsächlich nachweisbare Effekte gibt. Das würde mich dann auch interessieren.

Hubert

limno

Hallo Matthias,
ich muss Abbitte leisten, weil ich Deine Eingangsfrage etwas übergangen hatte :-[, aber die Versuchung, den Peter ein wenig zu kitzeln, war doch zu groß. Der tut diese Meinung immer dann kund, wenn es um eben diese Frage geht. Im alten Forum hat er das Köhlern zumindest für die Fotografie als wichtig gelten lassen, aber jetzt...
Die Mattscheibe brauchst  Du ohnehin nur bei geringen Vergrößerungen -10x und auch nur bei der Verwendung einer Niedervolt- Glühlampe um die Abbildung der Wendel zu vermeiden.Eine gute LED (ich z.B. habe eine von Herrn Hiller) löst  das Problem. Was die Fussel angeht, habe ich kaum jemals welche; da bin ich also völlig inkompetent. Zudem sind 3 von 5 meiner Objektive Immersionsobjektive (20, 60, 90).Ich kann's mir glücklicherweise "leisten", die Leuchtfeldblendenränder scharf abzubilden. Bei Fotos (hochauflösender Objektive) sind bei zu hoher Kondensorstellung ("wenn man's übertreibt") diese überstrahlt. Natürlich betrachte ich  die 2/3-Regel  für die Kondensorblende eigentich nie, ich mach' das nach Gefühl und schaue ob der "Kontrast" noch gut ist. Wenn es z.B. ganz rasch gehen muss, hilft die Kreutzblende (siehe die "Mikrofibel" von Klaus Henkel). Dann kommt man ohne Köhlern aus.
Mit undogmatischen Mikrogrüßen
Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.

Wutsdorff Peter

Guten Abend in die Runde!
Hier mein Senf:
Da der radiale Freiheitsgrad der eingebauten Köhlerblende meines Leica CME zu gering war, habe ich die Leuchtfeldblende ca 80 - 10 mm nach oben verschoben. Jetzt kann ich problemlos mit einer neuen LFBl."köhlern". Ich stelle den Rand der LFBl. scharf und schließe die Kond.-bl. so weit bis der Rand von blau in rot umschlägt. Der Blick durch den Tubus zeigt, daß die2/3- Regel für die Kond-bl. eingestellt ist.   

Bernhard Lebeda

Zitat von: limno in Dezember 17, 2015, 15:53:42 NACHMITTAGS
Wenn es z.B. ganz rasch gehen muss, hilft die Kreutzblende (siehe die "Mikrofibel" von Klaus Henkel). Dann kommt man ohne Köhlern aus.


Hallo Heinrich

klär mich doch mal auf: was hat denn die Kreutzblende damit zu tun, da geht es doch um schiefe Beleuchtung  ???

Viele Mikrogrüße

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

mwinkler

Hallo,

danke für die zahlreichen Antworten. Es scheint ja ein richtiges Dogma zu sein, das Köhlern :-)

Ich bin auf das Thema nur so genau eingestiegen, weil ich beim "Optimieren" meines Zeiss Standard 16 auf die
verschiedenen "Fussel-Ebenen" aufmerksam geworden bin.

Beim Putzen habe ich für mich folgenden Grundregel entdeckt:
Mein oberster Maßstab ist es die geschlossene Leuchtfeldblende bei 10x "perfekt" abzubilden.



Perfekt heißt:
- Weißes Polygon (sieh Bild) auf pechschwarzem Hintergrund
- während der Höhenverstellung des Kondensors müssen die Farbränder am Polygonrand immer gleichzeitig an allen Seiten von Blau nach Rot umschlagen
- Glanzlichter/Flares müssen beseitigt werden

Dabei ist mir weiter aufgefallen, dass mein Schutzglas direkt über der Aperturblende viel diffuses Licht, sowie 2 Glanzlichter im obigen Bild erzeugt.
Durch Zentrierung und Putzen konnte ich diesen Effekt verringern. Allerdings verbessert sich das Bild nochmals, wenn die dieses Glas ganz weglasse.

Da es auf Dauer wohl ungünstig ist ohne dieses Schutzglas zu arbeiten, hatte ich mir überlegt es durch ein evtl höherwertiges Glas zu ersetzen.
Vielleicht irgendetwas x-fach entspiegeltes?



Des weiteren sitzt ein Schutzglas gleicher Größe auf meiner Lichtquelle. Da mein Pol-Filter obenaufliegt könnte ich doch auf diese Glas komplett verzichten, oder?
Daher meine neuen Fragen:

- Woher könnte ich so eine höherwertiges Schutzglas/Planglas der Größe 22mm und Dicke ~2mm beziehen?

- Kann die Lichtquelle (10Volt/6Watt Halogen) ohne ihr Schutzglas betrieben werden oder handelt es sich evtl dabei um
einen UV-Filter oder IR-Filter, den ich besser nicht entfernen sollte?

Schöne Grüße

Matthias



limno

Aber gerne, lieber Bernhard,
direkt natürlich nichts, auch wenn es in beiden Fällen um Beleuchtung geht! Mit der Erwähnung der Kreutzfeldblende wollte ich nur zeigen, dass ich das nicht soo eng sehe, und viele Wege nach Rom führen! Es kommt Matthias doch vor allem auf ein gutes Bild an.
Liebe Abendgrüße
Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.