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Optikempfehlung für Laboval

Begonnen von JoHa, Januar 13, 2016, 09:17:21 VORMITTAG

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JoHa

Hallo und guten Morgen!

Ein Laboval 2 hat den Weg zu mir gefunden und für eine Erweiterung der Optik würde ich mir hier als Laie gern Rat einholen.

Bestückt ist es mit:

Okulare:
CZJ A 10x (für Achromate, wie ich gelesen habe?) - Tubus 1,6x

Objektive:
CZJ Semiplan 3,2/0,10/160/-
CZJ Apochromat 6,3/0,20/160/-
CZW 40/0,65
CZJ Apochromat HI 100/1,32/160/0,17 sowie
CZJ HI 100/1,25/160/0,17

Allgemein bestimme ich Nematoden und wäre vorallem an einem brauchbaren Objektiv in der 40er Region interessiert. Passt denn das Carl Zeiss West Objektiv in das System hier oder ist mit einem CZJ Objektiv hier noch mehr zu erreichen??  Und welcher Sinn steht hinter der zweifachen 100er Bestückung?

Wenn mir jemand ein paar Tipps geben könnte, wäre ich sehr dankbar!

Viele Grüße!

Johannes

Oecoprotonucli

Hallo Johannes,

zu den CZJ-Spezialfragen musst Du noch auf die Spezialisten-Antworten warten.

Zitat von: JoHa in Januar 13, 2016, 09:17:21 VORMITTAG
Und welcher Sinn steht hinter der zweifachen 100er Bestückung?

Vermutlich hat das keinen großen Sinn. Der Apochromat ist wohl das bessere Objektiv und sollte ausreichen. Vielleicht hat der Verkäufer einfach alles ans Mikroskop geschraubt, was er zur Verfügung hatte. Andererseits könnte es ja sein, dass ein Objektiv eher für Routineaufgaben verwendet wurde, während das andere geschont wurde. Außerdem können Objektive einen "unterschiedlichen Charakter" haben, also vielleicht hat das "schlechtere" Objektiv irgend etwas, was das Bild für manche Anwendungen "schöner" macht, als der Apochromat. Probier's doch mal aus.

Viele Grüße

Sebastian
Ich benutze privat:
Leitz SM-Lux mit (LED-) Durchlicht und Phaco-Ausrüstung (ca. 1975-77)
Hensoldt Wetzlar Stereomikroskop DIAMAL (1950er Jahre)

JB

Hallo Johannes,

Die stark-vergroessernden Achromate (>16:1), alle Planachromate und alle Apochromate am Laboval sind fuer die Verwendung mit kompensierenden Okulare (markiert mit K oder PK, letztere insbesondere fuer Plan(apo)chromate) vorgesehen gewesen. Die Farbkorrektur dieser Objektive stimmt mit denen von Zeiss West anscheinend gut ueberein. Welchen Kondensor haben Sie?

Verschiedene Punkte sind zu beruecksichtigen:

1) Tubusfaktor

Ihr Tubusfaktor ist 1.6x, damit ist es insbesondere bei hohen Vergroesserungen vorteilhaft Okulare mit niedriger Vergroesserung zu verwenden. Damit wirkt das Bild schaerfer. Zu empfehlen waeren Jena K 6,3x (wenn es die gibt) oder PK 6,3x. Von Zeiss West gaebe es hoechstens die Kpl 8x/18. Tragen Sie eine Brille?


2) Okularabgleichlaenge

Okularabgleich ist 13 mm bei Jena und 10 mm bei Zeiss West. Wenn die niedrigen Objektive (6,3) parfokal mit dem 40er sein sollen, dann muss die Abgleichlaenge eingehalten werden. Also Okular Jena + Objektiv Jena 6,3 ODER Okular West + Objektiv West 6,3. Bei den hohen Objektivvergroesserungen ist das egal. Wenn Ihnen die Parfokalitaet nicht wichtig ist, koennen Sie frei mischen.


3) 40er

Das Zeiss-West 40er passt im Prinzip. Auf mittlere Sicht koenneten Sie es durch ein Zeiss-West Plan 40 (fuer Bildfeldebnung, wenn Ihnen das wichtig ist) oder Neofluar 40 (deutlich brillianteres Bild als beim Achromat) ersetzen.


4) 100er

Zwei 100er brauchen Sie als Praktiker nicht. Waehlen Sie einfach das aus Ihrer Sicht und fuer Ihre Anwendung "bessere" Objektiv aus. Sie brauchen dazu unbedingt Immersionsoel!


5) weitere Objektive?

Jena Apochromat 16 oder Zeiss-West Plan 25 waeren vielleicht ganz praktisch, die sind aber beide nicht billig.


Zusammenfassung:

Unmittelbarer Handlungsbedarf besteht nicht. Sie koennen einfach loslegen.
Sinnvolle Zukaeufe waeren IMHO:
- Jena PK 6,3x Okulare
- Zeiss West Plan oder Neofluar 40
- Apo 16 oder Plan 25

Beste Gruesse,

Jon

Gerd Schmahl

Hallo Jon,
das CZJ Apochromat 40/0,95/160/0,12-0,20 (Deckglaskorrektur) kann ich sehr empfehlen (wenn Du in der Zeiss-Jena-Familie bleiben willst), aber dazu unbedingt K- besser PK Objektive. Die PK-10 Objektive sind auch gut für die Mikrofotografie geeignet.

Wie Jon schon sagte: Du kannst auf jeden Fall erstmal loslegen und du solltest vielleicht über den Zukauf einen Tubus mit Faktor "1" nachdenken (nur das Teil zwischen Bino und Stativ - kein neuer Bino) Das sollte preiswerter sein, als ein Apochromat und auch als ein Paar PK-10. Dann kommst Du nicht so schnell in die leeren Vergrößerungen, wenn Du etwas größere Okulare hast. Das ist aber bei den Apochromaten i.d.R. kein Problem, weil die so hohe Aperturen haben. Faustregel max. 1000x Aperturwert, das hieße beim 40/0,95 950-fache Vergrößerung
Mit 40x1,6x15= 960x würdest Du selbst bei einem 15er Okular und dem 1,6er Tubus nur minimal drüber liegen.
Bei dem jetzt vorhandenen Achromaten 40/0,65 wäre aber schon beim 10er Okular die Sache ausgereitzt.

Wenn ich eine Dringlichkeitsliste erstellen sollte:
1. Komensationsokulare
2. ein 40er Apochromat
3. Tubus ohne Eigenvergrößerung

Apochromate haben übrigens nicht nur Vorteile, wie ihr höherer Preis vermuten ließe, meist haben sie auf Grund der höheren Apertur eine geringere Schärfentiefe als Achromate der gleichen Vergrößerung. Man hat es in der Optik leider immer mit Kompromissen zu tun und muss entscheiden, was für seine Arbeit wichtiger ist. Also erstmal anfangen und ausprobieren. Vielleicht gibt es auch einen Mikroskopiker in der Nähe, bei dem Du mal durch das Mikroskop schauen kannst oder der Dir mal ein 40er Apo ausborgt, damit Du weißt, ob Dir der Zugewinn an "knackigerem" Bild das Geld wert ist.
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

rhamvossen

Hallo,

Zitatdas CZJ Apochromat 40/0,95/160/0,12-0,20 (Deckglaskorrektur) kann ich sehr empfehlen

Ich habe den Eindrück das Johannes ein Anfänger ist. Warum sollte er mit ein fummeliges deckglasempfindliches 40/0.95 anfangen? Seit wann ist ein normaler 40er Achromat, wenn man gerade anfängt, nicht gut genug mehr? Nur so ein Paar Fragen. Beste Grüsse,

Rolf

Klaus Henkel

Zitat von: rhamvossen in Januar 13, 2016, 18:04:04 NACHMITTAGS
Hallo,

Zitatdas CZJ Apochromat 40/0,95/160/0,12-0,20 (Deckglaskorrektur) kann ich sehr empfehlen

Ich habe den Eindrück das Johannes ein Anfänger ist. Warum sollte er mit ein fummeliges deckglasempfindliches 40/0.95 anfangen? Seit wann ist ein normaler 40er Achromat, wenn man gerade anfängt, nicht gut genug mehr? Nur so ein Paar Fragen. Beste Grüsse,

Rolf

Richtig. Auch meine Meinung.

Außerdem würde ich - ohne ein Foto der beiden Hunderter - nicht behaupten wollen, eines davon sei überflüssig. Das zweite könnte ja eines mit Irisblende oder für Ph sein.

KH

JB

Zitat von: plaenerdd in Januar 13, 2016, 17:42:12 NACHMITTAGS
... du solltest vielleicht über den Zukauf einen Tubus mit Faktor "1" nachdenken (nur das Teil zwischen Bino und Stativ - kein neuer Bino) Das sollte preiswerter sein, als ein Apochromat und auch als ein Paar PK-10.

Volle Zustimmung; wenn Sie so einen 1x finden, dann sollten Sie den 1,6x austauschen.

Gerd Schmahl

#7
Hallo Rolf, Hallo Herr Henkel,
ZitatZitat
das CZJ Apochromat 40/0,95/160/0,12-0,20 (Deckglaskorrektur) kann ich sehr empfehlen

Ich habe den Eindrück das Johannes ein Anfänger ist. Warum sollte er mit ein fummeliges deckglasempfindliches 40/0.95 anfangen? Seit wann ist ein normaler 40er Achromat, wenn man gerade anfängt, nicht gut genug mehr? Nur so ein Paar Fragen. Beste Grüsse,

Rolf

Dem stimme ich durchaus zu und habe ja auch darauf verwiesen, dass Johannes
-erstmal anfangen sollte,
-Apochromate nicht nur Vorteile haben,
-er sich möglichst vor dem Erwerb durch Borgen/Zeigen lassen vergewissern sollte, ob der Zugewinn an optischer Präzision ihm das Wert ist.
Trotz alledem bleibe ich bei der Aussage, dass das Objektiv empfehlenswert ist, zumal er explizit nach einem guten Objektiv in der "40er-Region" gefragt hat. Wenn er "allgemein Nematoden bestimmt" wird er wohl auch kein vollkommenen Anfänger sein, es sei denn er hat sich falsch ausgedrückt und meint " dass er gerne Nematoden bestimmen möchte". Wer sich aber unpassend ausdrückte wäre natürlich in gewisser Weise selber Schuld, wenn er nicht die passenden Ratschläge bekommt.

@Johannis: Hast Du Dich bei "Mikroskopiker im Netz" schon vorgestellt? Wäre wichtig, wie wir gerade sehen.
Beste Grüße
Gerd

EDIT: Habe gerade die Vorstellung gefunden, in der unter anderem steht:
ZitatSpäter bin ich immer mal wieder als Anwender an schöne Mikroskope gekommen. LEO435 (REM-EDX), Zeiss Axio Imager2, Leica DM LB2.
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

JoHa

Einen guten Morgen!

Ganz herzlichen Dank für die vielen und ausführlichen Tipps zu meinem Fragen!

Was meine Erfahrung angeht: ich mikroskopiere seit einigen Jahren, habe mir die beruflich genutzten Geräte erklären lassen und war halt Anwender. Wie jemand der gerne Auto fährt, aber nicht weiß was ein Schaltsaugrohr ist, noch wie er es reparieren könnte. In Sachen Mikroskoptechnik seh ich mich als Laie.

Meine Absicht ist Nematoden mit dem Laboval bis zum Familienniveau zu bestimmen. D.h. ich wechsel ständig zwischen einer Übersichtsvergrößerung (~40x) und einer Bestimmungsvergrößerung (~400x) und durchmustere Massenpräparate.


Zu den Fragen:

-der Kondensor ist die 1.2er Standardausführung
-eine Brille trage ich am Mikroskop nicht

Die Abgleichlänge des CZW 40er ist nicht optimal, ich muß deutlich (Grobtrieb) nachverstellen. Läßt sich dies mit einem CZJ 40er wesentlich mildern?

Zu den Okularen gab es ja auch verschiedene Tipps. Welche Paarung ist eigentlich optimaler? 1x Tubus+10er PK Okulare, oder der verbaute 1,6er+6,3er PK Okulare? Das Plus des größeren Sehfeldes der 6,3er scheint mir erstmal verlockend.

Hier noch ein Bild der zwei 100er Objektive 


Nochmals danke für Eure Hilfe und viele Grüße!

Johannes


JB

Hallo Johannes,

Gerd hat recht; die Kombination Tubus 1x mit Okular 10x ist besser.

Bei Okularen 6,3x/18 haben Sie einen Sehwinkel von um die 26 Grad, bei Okularen 10x/18 einen Sehwinkel um die 40 Grad (Angaben sind von Leitz, sollten aber bei Jena aehnlich sein). Der groessere Bildwinkel wird wohl von den meisten als angenehmer empfunden, wenn ich das richtig verstanden habe.

Koennen Sie noch ein Photo von den anderen 3 Objektiven zeigen und am besten auch vom Mikroskop?

Beide 100er haben eine Irisblende fuer Dunkelfeldmikroskopie! Versichern Sie sich, dass die Blende fuer Hellfeld voll geoeffnet ist.

Beste Gruesse,

Jon

JoHa

#10
Hallo Jon,

hier die Bilder des restlichen Equipment:



Mir scheint die alten CZJ Okulare haben je Vergrößerung und Qualitätsklasse unterschiedliche Sehfeldweiten. Die bei mir verbauten A 10x (14) unterscheiden sich von im Netz befindlichen Bildern von PK 10x (15,5) und PK 6,3 (19) deutlich. Darum kam ich auf die Schlußfolgerung daß die PK 6,3er Okulare das beste Sichtfeld hätten.  

Viele Grüße

Johannes

Gerd Schmahl

Hallo Johannes,
das ist ein sehr frühes Laboval (I oder II). Du bräuchtest doch einen komplett neuen Binotubus. Die späteren Mikroskope der MICROVAL-Serie, zu der auch das LABOVAL gehört, haben einen 2-teiligen Tubus. Da hättest Du nur das untere Teil besorgen müssen, um auf den Vergößerungsfaktor "1" zu kommen.

Sowohl das 3,2er Semiplan als auch das 6,3er APO sind sehr schöne Objektive. Das 40er Zeiss-West kenne ich nicht aus eigener Benutzung, aber auch das 100er APO ist sehr gut, aber schon recht anspruchsvoll in der richtigen Anwendung und in den Anforderungen an die Präparateherstellung.

Die Beleuchtung lässt sich nur mit zwei Spezialschlüsseln richtig justieren. Könnte ich Dir borgen, wenn es nötig sein sollte. Hast Du eine Bedienungsanleitung zum Gerät? Lampenwechsel und Spiegeljustage sind schon etwas speziell an dem Gerät.

Ein 40er Zeiss-Jena-Objektiv sollte vom Abgleich schon ordentlich mit den anderen harmoniern, aber Vorsicht! Es Darf keines aus der alten Serie sein - die hatten 33mm Abgleichlänge. Sieht man aber eigentlich sofort an der Länge. Das 40er sollte fast genauso lang sein wie Dein 100er Objektiv nud als Achromat auch den schwarzen Teil unter dem Rändelring zum Einschrauben haben. Apos sind immer komplett "silbern" so wie Dein 6,3er. Ich kann Dir auch nochmal Links raussuchen oder Fotos von beiden Baureihen, damit Du Dich da nicht vergreifst.

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

JoHa

Zitat von: plaenerdd in Januar 15, 2016, 18:45:36 NACHMITTAGS
Die Beleuchtung lässt sich nur mit zwei Spezialschlüsseln richtig justieren. Könnte ich Dir borgen, wenn es nötig sein sollte.

Vielen Dank für das Angebot Gerd,

ich habe die 4Kant Stifte der Justierung mit einem passenden Torx-TR Bit bewegen können. Diese findet man oft in den Bit-Sammlungen von Akkuschraubendrehern.

Gruß

Johannes




the_playstation

Hallo Johannes.
Da Du Nematoden mikroskopieren möchtest und dein Mikroskop eher hoch vergrößernde und niedrig vergrößernde Objektive, besitzt, würde ich mich auf den Kauf von mittel vergrößernden Objektiven (10x oder 16x, 20x oder25x), wie Jon es schon angesprochen hat, konzentrieren. Das Zweite wäre eine LED-Beleuchtung, falls noch nicht vorhanden.

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Klaus Henkel

Zitat von: the_playstation in Januar 17, 2016, 11:48:50 VORMITTAG
Da Du Nematoden mikroskopieren möchtest und dein Mikroskop eher hoch vergrößernde und niedrig vergrößernde Objektive, besitzt, würde ich mich auf den Kauf von mittel vergrößernden Objektiven (10x oder 16x, 20x oder25x), wie Jon es schon angesprochen hat, konzentrieren. Das Zweite wäre eine LED-Beleuchtung, falls noch nicht vorhanden.
Jorrit.

Jorrit, für die exakte Bestimmung von Nematoden bis zur Gattung und Art braucht man mindestens das 40er Objektiv und auch gar nicht so selten die 100er Ölimmersion. Die artbestimmenden Organe sind sehr fein und klein.
Gruß
KH