Neottiella rutilans, einen kleinen Ascomyceten in einer grossen Landschaft

Begonnen von A. Büschlen, September 18, 2016, 22:14:22 NACHMITTAGS

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A. Büschlen

Hallo,

hier stelle ich einen kleinen Ascomyceten Neottiella rutilans, ein bryoparasitischer Pezizales vor.

Aber zuerst einige Bilder zum Fundort.

Stausee auf der Grimselpasshöhe >2000m.ü.M



Kleine Wasserläufe und Tümpel prägen diese Landschaft



Scheuchzers Wollgras, Eriophorum scheuchzeri



Scheuchzers Wollgras trägt ein Kopf pro Stengel (Fruchtstand)



Neottiella rutilans parasitert Polytrichum juniperum, Polytrichastrum longisetum und Oligotrichum hercynicum



Habitus; sehr gut erkennbar ist die stielartige Basis und die filzigen Haare. Kein gestapeltes Bild!



Schnitt durch das Apothecium



freigestellte Asci und Paraphysen gefärbt mit Baumwolllau.  8 Sporen sind in einer Reihe angeordnet.



Die Sporen sind netzförmig ornamentiert. Die Sporen sind mit Baumwollblau gefärbt. Kein gestapeltes Bild!



Alle mikroskopischen Aufnahmen am Zeiss Phomi III mit der Canon EOS 650D.

Weiterführendes zu dieser interessanten Ascomyceten-Gruppe: www.octospora.de

Gruss Arnold Büschlen

Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Heiko

Hallo Arnold,

ich bin begeistert!

Ein Zufallsfund mit anschließender Detektivarbeit?

Viele Grüße,
Heiko

A. Büschlen

Hallo Heiko,

N. rutilans war für mich neu. Wir waren 2 Tage in den Bergen unterwegs um alpine Basidiomyceten zu sammeln.
Mit Hilfe von J. Eckstein konnte N. rutilans bestimmt werden.

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Ole Riemann

Hallo Arnold,

eine klasse Dokumentation - da weiß man gar nicht, was schöner ist: der Fundort oder die technisch saubere Mikroskopie mit den schönen Abbildungen.

Danke und viele Grüße

Ole

HDD

Lieber Arnold

Eine wunderschöne Dokumentation, die Du genauso schön präsentiert hast, wie man es von den Schnippelspezialisten und ihren Arbeiten gewohnt ist.

Herzliche Grüße
Horst-Dieter

KlausB

Hallo Arnold,

eine sehr schöne Dokumentation mit tollen Bildern.
Ich war in der letzten Woche in der Eifel unterwegs um Speisepilze zu suchen,
allerdings absolut tote Hose. Alles war viel zu trocken.

Frage zu den Sporen: Hast du ein Dauerpräparat erstellt von den gefärbten Sporen, oder
in Wasser, mikroskopiert?

Viele Grüße

Klaus
Zeiss Phomi III im Einsatz
Zeiss OPMI als Stereo

Web-Seite:
https://www.freizeit2012undmehr.com/

A. Büschlen

Lieber Ole, lieber Horst-Dieter,

es freut mich, dass euch die Doku gefällt. Herzlichen Dank für die Blumen!

Klaus, Bumwollblau-Milchsäure gilt als gängiges Kontrastmittel bei der Ascomyceten-Mikroskopie. Man gibt einen Tropfen Baumwollblau-Milchsäure zum Objekt auf dem OT und legt das DG auf. Fertig. Ich fertige keine Dauerpräparate von Pilzen an.

Gruss Arnold

Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Peter Reil

Hallo Arnold,

schöne Doku, Kompliment! Es zeigt, dass Pilze auch schöne Bilder bringen können.

Danke fürs Zeigen.

Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

Fahrenheit

Lieber Arnold,

sehr schön gemacht, makroskopisch wie mikroskopisch. Die Landschaftsbilder erinnern mich schmerzhaft daran, dass mein Urlaubskontingent für dieses Jahr schon aufgebraucht ist. :)

Für mich wirklich sehr schön ist der Schnitt durch das Apothecium - insbesondere in der Kombination des Baumwollblaus mit den orange Tröpfchen in den Pilzzellen.
Kann man sagen, um welche Art von Substanzen es sich dabei handelt? Sind das Reservestoffe für den Pilz?

Herzliche Grüße
Jörg
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Und hier zur Webseite des MKB: Klick !

Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

A. Büschlen

Hallo Peter,

ja, gerade die Ascomyceten zeigen oftmals sehr eindrückliche Strukturen und zusammen mit Baumwollblau faszinierende Farbkombinationen. Kannst du etwas zu den orangen Tropfen in den Paraphysen sagen? Sind dies reine Farbstoffeinlagerungen und/oder als Oeltropfen auch Vorratsstoffe?

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

A. Büschlen

Lieber Jörg,

zu deiner Frage habe ich recherchiert und diesen Beitrag gefunden. Siehe hier:  http://www.dgfm-ev.de/sites/default/files/ZM551119Baral.pdf In der Einleitung werden dazu einige Erklärungen abgegeben.

Und hier eine verständliche Erläuterung zu dern Paraphysen: http://www.spektrum.de/lexikon/biologie/paraphysen/49452

Viele Grüsse Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

reblaus

Hallo Arnold -

ich bin schwer beeindruckt!

Die Tröpfchen in den Paraphysen erinnern mich an frühere Untersuchungen an Oidiosporen von Mehltau. Diese keimen auch auf trockenen Objektträgern und bilden einen recht langen Keimschlauch ohne dass flüssiges Wasser zur Verfügung steht. Sie müssen dies also aus der Luft aufnehmen was bedeutet, dass sie ein enormes osmotisches Potential habe müssten. Ich hatte immer den Verdacht, dass dieses Tröpfchen etwas damit zu tun haben könnte. Öl sollte es dann nicht sein. Aber vielleicht hat das alles auch nichts miteinander zu tun...

Viele Grüße

Rolf

Heiko

Hallo Arnold,

die im BARALschen Artikel erwähnten Carotin(oide) habe auch ich im Verdacht. Mir fiel auf, dass trockengefallene orangerote Rostpilzsporen Kristallbildungen zeigen, die denen carotinroter Früchte zu ähneln scheinen.

Viele Grüße,
Heiko

Fahrenheit

Lieber Arnold,

vielen Dank für die verlinkten Infos!
Mitdiskutieren kann ich hier nicht: mit Pilzen kenne ich mich nicht aus.

Herzliche Grüße
Jörg
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gdno81

Hallo Arnold,
das nenne ich mal eine Ascomycetendokumentation zum genießen. ;D
Mich würde mal interessieren wie das mir dem freistellen der Paraphysen und Asci funktioniert ???
Liebe Grüße
Björn