Hauptmenü

Cello-Saite zum Ersten

Begonnen von Georg Abele, Januar 01, 2017, 13:59:05 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Georg Abele

Zu Neujahr habe ich schnell mal die erste Saite (die mit dem blauen Ende) von Jürgen in Araldite 2020 eingebettet und geschliffen. Leider nicht ganz kratzerfrei, das muss ich noch lernen. Danach mit Pikro-Fuchsin gefärbt.

Man sieht sehr schön den Aufbau (von innen nach aussen):

Die (rot eingefärbte) verdrillte Saite aus organischen Material, dann irgend eine körnige Schicht als Übergang zu dem rundem Draht und zuletzt aussen die Umwicklung aus flachem Wolframdraht. Bei dem komplexen Aufbau ist es also sicher kein Wunder, dass die Dinger so teuer sind.

Bemerkenswert fand ich, dass beim Zerteilen ein Eisensägeblatt sofort die Flügel gestreckt hat (Wolfram!) und beim Teilen mittels Trennscheibe die Temperatur so sehr anstieg, so dass ich Sorge um den Erhalt des Organischen Anteils hatte, es qualmte und roch ähnlich wie beim Hufschmied. Zum Ziele führte dann ein simpler Seitenschneider, wider Erwarten ist die Saite dann auch nicht aufgesprungen und die vorsorglich angebrachten Sicherungen aus Lüsterklemen erwies sich als Überflüssig.



Wer hat eine Ahnung, aus welchem Material die körnige Schicht besteht? Und warum?

Mein Dank gilt den Spendern der Saiten, Jürgen und Timm. Sobald ich dazu komme, werde ich die anderen Saiten auch noch schleifen und hier einstellen.

Allen alles Gute für 2017!!!

Grüße aus Aalen

Georg Abele
www.duennschliff.com  www.thin-section.com  Gute Ideen sind fast immer einfach.

Eckhard F. H.

Hallo Georg,
vielen Dank für Deine Mühe. Sehr ungewohntes und interessantes Bild einer Cellosaite. Ja, "... so sind denn manche Sachen, die wir getrost belachen, weil uns´re Augen sie nicht sehn."
Gruß - EFH

Johannes Kropiunig

Hallo Georg,

definitiv mal was anderes, Danke! :D
Sehe ich das Richtig, es handelt sich um einen Längsschliff? Da ich eine solche Seite noch nie in den Händen hielt und mir deren Aussehen so überhaupt nicht vorstellen kann, muss ich dich wohl um einem kleinen Übersichtsbild bitten. Eine Bildersuche im Netz brachte leider keine Ergebnisse welche das Aussehen erkennbar machen würden.

Viele Grüße,
Johannes
Biologische Mikroskop: Zeiss Standard 16
Stereomikroskop: Lomo MBS 10
Kameras:  EOS 1100D, EOS 1000D, EOS 1000Da, und EOS 350Da Peltier gekühlt

Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich daran erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen.
Laotse

the_playstation

Hallo Georg.

Wow. Das glaube ich, daß die Herstellung des "Schnittes" ziemlich kniffelig und schwer war. Die ist ein wirklich wunderbares Bild gelungen. Mal etwas anderes. Der Aufbau ist interessanter, als ich gedacht hätte. Mich wundert die ovale Form der Drahtwicklung zwischen Innenseele und der Wolframwicklung.

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

treinisch

Hallo Georg,

sehr sehr sehr genial! Vielen Dank fürs zeigen!


@Johannes,

ja, das ist ein Längsschliff. Wenn man genau hinschaut, sieht eine moderne Cello-Saite aus wie ein Gürteltier, wegen der äußeren Wicklung. Die ist immer aus Wolfram, Nickel oder Stahl. Innendrin ist ein Kern, der unterschiedlich aufgebaut sein kann, zum Beispiel aus Polyamid oder Stahl.

@Jürgen
Welches Modell ist das denn? Ist das eine Spirocore? Ich dachte, die hätten einen Stahlkern?

vlg

Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

Georg Abele

Hallo Jorrit,

die Ovale Form hat mich auch zuerst sehr verwundert, nach dem Moto "whow, die ovalen Drähte sind ja alle gleich ausgerichtet..". Bis mir die Lösung eingefallen ist: Die Saite ist nicht genau durch die Mitte geschliffen, so dass sich, weil leicht schräg angeschnitten, aus der kreisrunden Formen der Drähte Elypsen bilden.

Hallo Johannes,

ja, es handelt sich um einen Längsschnitt.  Die runden und die flachen Drähte sind um die Seele gewickelt, so dass es von aussen wie eine Zugfeder aussieht. Ist das verständlich? Sonst mache ich doch noch Bild von aussen ohne Schnitt.

Grüße aus Aalen

Georg
www.duennschliff.com  www.thin-section.com  Gute Ideen sind fast immer einfach.

the_playstation

Hallo Georg.

Stimmt. Ich Dussel. ;) Ist ja logisch. :)

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Jürgen H.

#7
Lieber Georg,

Was für ein gelungenes Bild! Ganz herzlichen Dank für Deine Mühe!

Sicher zeigst Du die Passionesaite von Pirastro. Das ist eine Schafdarmsaite mit einer Wolframumwicklung. Eine m.E.sehr schön warm klingende und doch auch volltönige Saite.

Früher wurden Streichinstrumente nur mit reinen Darmsaiten gespielt. Ihnen ist ein warmer und obertonreicher Klang generell zu eigen. Aber die reinen Darmsaiten haben ihre Nachteile. Sie halten die Stimmung schlecht. Sie reagieren extrem auf die Feuchtigkeit sowohl der Luft als auch der schwitzenden Musikerhände. Sie sind nicht laut, können daher die heutigen riesigen Konzertsäle kaum füllen. Dies gilt speziell fürs Cello, das aufgrund seiner Tonlage ohnehin seine Schwierigkeiten hat, gegen andere Instrumente durchzudringen.

Viele Cellisten spielen daher Stahlsaiten. Sie sind in der Regel lauter, klingen dafür aber auch etwas hart und monoton. Weiterhin wird die größere Lautstärke oft mit einer höheren Saitenspannung erkauft, was alten Instrumenten nicht gut bekommt.

Die hier gezeigte Saite ist ein Kompromiss zwischen einer reinen Stahlsaite und einer reinen Darmsaite. Durch die Wolframumwicklung hält sie die Stimmung gut, klingt kräftig, bringt Gewicht des Wolframs für die Schwingungsverhältnisse bei den Tiefen Saiten mit und hat doch eine verhältnismäßig geringe Saitenspannung: das sind allerdings immerhin doch noch rund 12,5 kg nur für die C-Saite. Auch mit dieser Saite muss die Cellodecke, die gerade mal ein paar Millimeter stark ist, also einiges aushalten.

Woraus die Körnerschicht ist, weiß ich leider nicht. Eine Verklebung vielleicht?

Schöne Grüße

Jürgen

Bob

Hallo Georg,

vielen Dank fürs Zeigen - ein sehr interessanter Anblick!

Sind die "Körner" vielleicht quergeschnittene Fasern? Wenn es lose Partikel wären, könnten sie sich durch Spalten aus der Saite herausmogeln.
Spannend finde ich, dass die Komponenten so gut zusammen geblieben sind. Ich hätte befürchtete, dass die Drähte unter Spannung stehen, und auseinanderspringen, wenn sie unterbrochen werden.

Es ist ein Produkt für höchste, sehr spezielle Anforderungen, bei dem der Meterpreis keine Rolle spielt. Das ist offenbar ein Garant für ein interessantes Objekt.

Viele Grüße,

Bob

Georg Abele

Hallo Jürgen,

vielen Dank für die Erläuterungen und die Zurverfügungstellung der Saiten.

Hallo Bob,

"quergeschnittene Fasern" sind zumindest ein vielversprechender Denkansatz. Ich werde diese These mittels eines Querschliffes überprüfen.

Grüße aus Aalen

Georg
www.duennschliff.com  www.thin-section.com  Gute Ideen sind fast immer einfach.

Lupus

Hallo,

eine sehr schöne Aufnahme. Ich kann mir gut vorstellen dass der innere verdrillte Kern erst einmal durch umwickeln stabilisiert wird um dann seine metallischen Mantel zu erhalten. Hier zur Ergänzung ein Artikel zum gleichen Thema, der Autor muss allerdings hinsichtlich mikroskopischer Techniken noch etwas üben. :)

http://www.vonbohlen.net/bilder/AvB128_GIT_II.pdf

Hubert

the_playstation

Ich könnte mir vorstellen, daß der untere Draht das organische Material vor dem recht harten und steifen Wolfram bei der Produktion schützt.
Das Wolfram erhöht wahrscheinlich auch die Abriebfestigkeit der Seite was Sie langlebiger macht. Sonst hätte man auch andere Materialien verwenden können.

Im übrigen wieder ein schönes Beispiel für die Vorteile von Verbundwerkstoffen bzw Kombination von unterschiedlichen Werkstoffen. Viele Seile nutzen ja auch sehr reißfeste Innenseelen und einen abriebfesten Mantel.

Liebe Grüße Jorrit.
Die Realität wird bestimmt durch den Betrachter.

Lupus

Hallo Jorrit,

die Metallumwicklung dient der Erhöhung der Saitenmasse und Dicke ohne die notwendige Zugkraft zu steigern. Wolfram wird wegen seiner hohen Dichte vorzugsweise für tiefere Saiten verwendet, nicht wegen der Abriebfestigkeit. Das andere Extrem sind leichte Titanumwicklungen für die höchste Saite.

Hubert

Bernhard Lebeda

#13
Zitat von: Jürgen H. in Januar 01, 2017, 16:17:01 NACHMITTAGS
Sicher zeigst Du die Passionesaite von Pirastro. Das ist eine Schafdarmsaite mit einer Wolframumwicklung. Eine m.E.sehr schön warm klingende und doch auch volltönige Saite.


Hallo Jürgen

woran erkennst Du, daß das ein Kern aus Darm ist und nicht aus Kunststoff?

Viele Mikrogrüße

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

Georg Abele

Hallo Bernhard,

Pikro-Fuchsin würde Kunststoff nicht anfärben, nur Biologisches Gewebe.

Grüße aus Aalen

Georg
www.duennschliff.com  www.thin-section.com  Gute Ideen sind fast immer einfach.