(Multi)Antireflektionsschichten an einzelnen Linsen

Begonnen von PiusX, März 03, 2017, 12:54:58 NACHMITTAGS

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PiusX

Hallo Ihr lieben Mikroskopiker,

es ist einfach unfaßbar, wie manche Menschen mit ihren Präzisionsoptiken umgehen bzw. umgegangen sind >:(: In meinem Fall mit der Vorderseite einer Okularfrontlinse (Zeiss Kpl-W)... Ich weiß nicht, was der Vorbesitzer gemacht hatte, aber auf der Vorderseite der Frontlinse existiert die Antireflektionsschicht nicht mehr. Hatte der Vorbesitzer etwa das Okular mit Aceton gereinigt oder was hatte er nur gemacht?
In diesem Zusammenhang nun meine Fragen an Euch: Kann man sich bei einer Firma oder einer akademischen Institution preiswert eine neue, qualitativ hochwertige (Multi)Antireflektionsschicht auf die Vorderseite einer einzelnen Okularfrontlinse aufdampfen bzw. -sputtern lassen? Wenn ja, wo? Hat einer von Euch Erfahrungen diesbezüglich sammeln können? Wenn ja, welche? Oder kann man sich gleich eine eigene Anlage bauen, indem man z.B. einen Sputter Coater für die Abscheidung von dünnen Metallschichten auf nicht elektrisch leitenden Oberflächen von Objekten für die Untersuchung mit dem Elektronenmikroskop modifiziert? 


Nette Grüße,

PiusX

jochen53

Hallo,
ich habe auch ein Kpl 10x, dessen Frontlinse (dem Auge zugewandt) regelrechte Anätzungen aufweist. Diese sind wahrscheinlich durch Tränenflüssigkeit in Verbindung mit den Wimpern hervorgerufen worden.
Antireflexvergütungen sind sehr komplex aufgebaute, mehrschichtige Systeme aus im Hochvakuum aufgedampften Schichten aus Metallsalzen mit definierten Brechungsindices und genau definierter Schichtdicke. Es ist unwahrscheinlich, daß ein Fremdbeschichter, wenn es überhaupt einen geben sollte, der das beherrscht, genau die Vergütung hinkriegt, die Zeiss damals für diese Linse optimiert hat. Bezahlbar wäre es vermutlich auch nicht.
Die ersten Vergütungen wurden 1937 etwa zeitgleich von Zeiss (Smakula) und Kodak patentiert und gleich unter militärische Geheimhaltung eingestuft. Erst nach dem Krieg, so ab 1948 wurden sie zivil zugänglich gemacht und brachten vor allem bei den kontrastschwachen Viellinsern (Apochromaten, Planapochromaten, lichtstarke Foto-Objektive, Ferngläser) dramatische Verbesserungen der Abbildungsqualität. Die damaligen einschichtigen Vergütungen waren sehr weich und überhaupt nicht abriebfest. Heute gibt es mechanisch wesentlich beständigere  Vergütungsschichten, die aber immer individuell auf die Linse und den Spektralbereich abgestimmt sein müssen.
Gruß Jochen

PiusX

#2
Hallo jochen53,

Zitat...ich habe auch ein Kpl 10x, dessen Frontlinse (dem Auge zugewandt) regelrechte Anätzungen aufweist.
Bei meinem Okular sind es nicht nur Anätzungen, sondern die Antireflexvergütung ist gänzlich weggeätzt.

Zitat...ein Fremdbeschichter...genau die Vergütung hinkriegt, die Zeiss damals für diese Linse optimiert hat.
Dies genau hinzubekommen, erwarte ich von einem Fremdbeschichter auch gar nicht. Es würde vollkommen ausreichen, wenn dieser eine Antireflexvergütung mit ähnlichen Eigenschaften wie der original Antireflexvergütung von Zeiss hinbekommen würde. Es wäre z.B. völlig ausreichend, wenn die Linse mit der neuen Antireflexvergütung bei Betrachtung unter diffusem Tageslicht eine bläulich-purpurne Reflektionsfarbe liefern würde.


Netten Gruß,

PiusX

ortholux

Lieber Pius,

frag doch einfach mal, ob nicht jemand ein kaputtes Okular  in der Bastelkiste hat, bei dem die Frontlinse noch intakt ist.
Ich kenne die Okularpreise bei Zeiss nicht. Aber bei Leitz-Okularen (außer vielleicht Orthoplan-Brillenträger) würde sich der Aufwand nicht lohnen.

Viele Grüße
Wolfgang

l'œil armé

#4
Zitat von: PiusX in März 03, 2017, 12:54:58 NACHMITTAGS
es ist einfach unfaßbar, wie manche Menschen mit ihren Präzisionsoptiken umgehen bzw. umgegangen sind ...

Nein, das ist es nicht. Im Gegenteil sind es genau diese Juhser, die man bei ZEISS, LEICA, OLYMPUS u.ä. am liebsten hat: Heute teuer kaufen, morgen schon kaputt und dann entweder für teures Geld reparieren oder - noch viel besser - spätestens übermorgen für noch mehr Geld neu kaufen und den "alten Kram" auf den Müll werfen. Sprich mal mit `nem Außendienstler ein paar intime Worte in diesem Zusammenhang und Du wirst lernen, dass aus deren Sicht die ganzen alten Geräte viel zu lange halten und man mit solchen Kaspern wie wir es sind, die ihre alten Schätze hegen und pflegen, keinen Blumentopp gewinnen und schon garnicht von unserem Kaufverhalten leben kann.

Mein ganz persönlicher Rat zu Deinen Okularen: Polier die Vergütungsreste auch herunter, dann sehen die Okulare wieder schmuck aus :D ;)  Du wirst den Unterschied, zumindest wenn Du in einem abgedunkelten Raum mikroskopierst, kaum je feststellen. Richtige Kratzer stören ganz entschieden mehr. Es ist auf dem Weg vom Präparat zum Auge nur eine von vielen Vergütungsschichten und ein anstatt dessen wirklich peinlich sauberer Strahlengang bringt mehr an Kontrast als perfekt vergütete, aber durch die Zeit ganz allmählich und ganz fein zugestaubte und mit Fettausdünstungen belegte optische Oberflächen. Leuchte mal mit einer Taschenlampe durch Dein Gerät ...

Freundliche Grüße

Wolfgang
"Du" fänd' ich absolut in Ordnung

das schönste: Zeiss Lumipan
das liebste: Leitz Ortholux/Panphot
das beste: Zeiss Axiomat

Ich bin übrigens keineswegs mit meinem Umfang an Intelligenz zufrieden; ich bin lediglich froh, mit meiner Dummheit so weit gekommen zu sein.

Werner

Es gibt Dienstleister, die Optiken entspiegeln. Einfach und mehrfach.
Habe ich sogar im Branchentelefonbuch gefunden, weiß anber nicht mehr, in welchen.
Googlesuche hilft warscheinlich.

Gruß   -   Werner

PiusX

#6
Hallo Werner,

ZitatEs gibt Dienstleister, die Optiken entspiegeln. Einfach und mehrfach.
Habe ich sogar im Branchentelefonbuch gefunden, weiß anber nicht mehr, in welchen.
hattest Du vielleicht einmal so einen Dienstleister in Anspruch genommen? Wenn ja, welchen?


Netten Gruß,

PiusX


PiusX

Hallo Ihr lieben Mikroskopiker,

hatte sich noch keiner von Euch eine Aufdamp- oder Sputteranlage selber zusammengebaut :P? Ist hier keiner von einer universitären Einrichtung dabei, wo auch schon einmal dünne optische Schichten auf einem Substrat aufgedampft werden?


Gruß,

PiusX 

Lupus

Hallo PiusX,

mir scheint dass Du weniger Interesse an einer Instandsetzung des Okulares als am Bau einer solchen Anlage hast.  ;)  Wie die beiden Wolfgangs es schon gesagt haben, Ersatzlinse rein oder Aufpolieren und fertig. Dienstleister findest Du mit zwei Mausklicks, Du musst dann nur das Anfrageformular für den Preis eines Auftrages ausfüllen - wo ist das Problem? Für den Preis einer individuellen Beschichtung kannst Du Dir ein nagelneues Zeiss Okular kaufen.

Wir hatten im Labor eine Aufdampfanlage um Optik mit hochreflektierenden oder entspiegelnden Schichten zu versehen, die Prozedur braucht so seine Zeit von der Optikreinigung über das staubfreie Handling bis zum korrekten Schichtaufbau. Und das kostet. Außerdem muss man die Linsenfläche vorher noch aufarbeiten.

Hubert

peter-h

#9
Hallo PiusX,

ja ich habe eine Anlage für Bedampfungen gebaut und auch betrieben. Weniger für Antireflexschichten, sondern für Mehrfachschichten um Interferenzfilter selbst zu bauen. Ging auch gut bis 9-fach Systemen. Und die Überraschung - auch nach 20 Jahren ist die Schicht noch ok.
Aber gleich vorweg, ich mache es jetzt nicht mehr !!! Der Aufwand ist erheblich.

Mal bei Fa. Anders nachfragen. Aber vorher ein Beruhigungsmittel nehmen wenn die Kostenschätzung kommt  ;D
https://www.11880.com/branchenbuch/nabburg/040850118B68038682/anders-hugo-dr-optische-laboratorien-ges-fuer-duenne-schichten-mbh.html

Viel Glück
Peter

P.S. gibt auch ein schönes Buch:
https://books.google.de/books/about/D%C3%BCnne_Schichten_f%C3%BCr_die_Optik.html?id=evPPAAAAMAAJ&redir_esc=y

Werner

Ich möchte noch zu bedenken geben, daß´die Vergütung an der äußeren Augenlinse optisch  kaum wirksam ist. Das Auge ist sehr nahe an der Linse und es wird kein Licht ins Auge reflektiert.
Ein größeres Problem sind fleckige Schichten auf den Umlenkprismen, deren Streulicht bemerkt man.

Einen Hinweis auf chemische Abscheidung von Schichten durch mehrfache Tauchung habe ich mal irgendwo gelesen, kann ihn aber nicht finden. Könnte in "Applied Optics" gewesen sein. Da müßte jemand mal geziehlt danach suchen...

Gruß   -   Werner



ortholux

Zitat von: Werner in März 04, 2017, 13:14:41 NACHMITTAGS
Ich möchte noch zu bedenken geben, daß´die Vergütung an der äußeren Augenlinse optisch  kaum wirksam ist. Das Auge ist sehr nahe an der Linse und es wird kein Licht ins Auge reflektiert.

Aber egal von welcher Seite das Licht kommt, an einer unvergüteten Luft/Glas-Schicht gibt es 4% Reflexion. Dieses Licht vagabundiert dann im System umher und vermindert den Kontrast.

Das ist die Theorie.

In der Praxis kann das lediglich störend wirken, wenn die Leselampe während der Beobachtung seitlich aufs Okular leuchtet. Sonst wird man wahrscheinlich gar nichts merken.

Also polieren, dann mikroskopieren! Und los!
Wolfgang

liftboy

Hallo erstmal,

gehört eigentlich nicht hierher, passt aber!
Die Vergütung (Antireflexschicht) meiner Brille ist partiell hops.
Wie krieg ich jetzt den RTest ab?
Mein Optiker will/kann nicht polieren, ich habs noch nicht probiert.

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
LOMO-Service
Das Erstaunen bleibt unverändert- nur unser Mut wächst, das Erstaunliche zu verstehen.
Niels Bohr

Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

bei teilweise "angefressener" Vergütung habe ich den Rest schon mehrfach mit Display-Politur (ich meine die kleinen Tübchen,die es zum Entfernen von Kratzern gibt) entfernt, ohne dabei das Glas selbst zu verkratzen. Dauert aber immer ein bischen.

Gruß !

JB
Beste Grüße !

JB

reblaus

Hallo -

das Wegpolieren bei einer Okular-Augenlinse mag angehen, ich hatte aber mal ein Objektiv, bei dem jemand die Frontlinse poliert hatte und das war völlig im Eimer.

Viele Grüße

Rolf