Altersbestimmung von Rehwild durch Zahnzementlinienmethode

Begonnen von Georg Abele, August 15, 2009, 17:43:18 NACHMITTAGS

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Georg Abele

Guten Tag!

Ich versuche mich gerade an der Altersbestimmung von Rehwild mittels der Zahn-Zementlinienmethode.  Ich habe bereits vieles versucht: Auflicht, Auflicht Pol, Auflicht mit vorherigem Einfärben, Dünnschliff. Leider sind nicht immer Linien so gut zu erkennen wie bei diesem Beispielen. Da diese Zementlinienmethode zu forensischen Zwecken jedoch Standard ist, könnte ich mit vorstellen, daß sich hier irgendjemand damit auskennt. Ich suche ein Verfahren, mit dem ich möglichst sicher das Alter von Rehwild bestimmen kann.

Hier sind einige Beispielbilder:


Übersicht gefärbt, 1. Molar eines sehr alten Rehes, Pulpa teilweise eingedrückt.


Das selbe Reh, Auflicht Pol 50x, (mit gelber Knetmasse positioniert)


Das selbe Reh, Auflicht Pol 50x, gefärbt zuerst mit Basischem Fuchsin, dann mit Tulouidinblau. Mutmaßliche Zementlinien gekennzeichnet.





Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!








www.duennschliff.com  www.thin-section.com  Gute Ideen sind fast immer einfach.

TPL

Hallo,
ich schicke voraus, dass ich keinen unmittelbaren Beitrag zur Atersbestimmung machen kann, sondern nur zur Steigerung des Kontrastes zwischen den "Anwachsstreifen". Andere Zahnschnitte, die ich mikroskopiert habe, zeigten mit Kathodolumineszenz (KL) sehr deutliche Anwachsmuster. KL ist vielleicht ein bisschen zu exotisch und im Privatbereich zu teuer, aber mit konventioneller Fluoreszenz-Mikroskopie (Ultraviolett-Anregung zwischen 360 und 400 nm) haben Kollegen von mir die Anwachsmuster in diversen Apatiten schön darstellen können.

Viel Erfolg und Waidmannsheil, Thomas

Georg Abele

Hallo Thomas,

vielen Dank für die Antwort. Habe heute Fluoreszenz versucht, vielleicht aber nicht mit dem richtigen Schieber. Auf der einen Seite steht drauf:

BP 546
FT 580
LP 590
(das Bild erscheint grün )

auf der anderen Seite:

450-490
FT 510
LP 520
( Bild erscheint rot )

Leider war auch nicht mehr zu sehen. Ich muß vielleicht mal irgendwo in einem Institut für Rechtsmedizin nachfragen. Vielleicht läßt sich ja dort jemand erweichen mir das Rezept zu verraten.

Grüße, Georg Abele

www.duennschliff.com  www.thin-section.com  Gute Ideen sind fast immer einfach.

TPL

Hallo Georg,
die Anregungsstrahlung müsste kurzwelliger (<400 nm) sein als die von Dir bisher eingesetzte Blau- und Grünanregung. Aber sicherer (in jeder Hinsicht, besonders auch für die Augen ;)) ist es, bei den Spezialisten nachzufragen. Der Ausgang würde mich interessieren.
Viel Glück, Thomas

A. Büschlen

#4
Guten Tag,

hier ein Link zu einer Publikation zur forensischer Altersschätzung:
http://www.sso.ch/doc/doc_download.cfm?uuid=E38A441C1185B8C4BA5F9F55D5682932&&IRACER_AUTOLINK&&

Freundliche Grüsse

Arnold Büschlen
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Klaus Schloter

Hallo,
beschäftige mich ebenfalls mit diesem Thema,wie weit ist die Recherche bisher erfolgreich gewesen,wo gibt es Information über Auswertung und Durchführung der Altersbestmmung an Zahnschliffen?

Dünnschliffbohrer

Ich hab zwar bisher noch keine Säugerzähne mikroskopiert, aber viele Zähne (und Schuppen) von Fischen. Dort ist die übliche Methode einen orientierter Dünnschliff im Polarisationsmikroskop (Durchlicht) zu untersuchen. Die einzelnen submikroskopisch kleinen Apatit-Kristallite sind in den verschiedenen Anwachsschichten geringfügig unterschiedlich orientiert, und löschen daher unterschiedlich aus, was oft einen schönen Kontrast ergibt. Vieleicht könnte auch eine Färbung des Dünnschliffes mit Alizarin-S helfen. Damit habe ich jedoch keinerlei eigene Erfahrung. - Dünnschliffbohrer
"Und Gott sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; und er schuf um ihn Laubmoose und Lebermoose und Flechten und ein Mikroskop!"
[aus: Kleeberg, Bernhard (2005): Theophysis, Ernst Haeckels Philosophie des Naturganzen,  S. 90]

Georg Abele

Habe erst heute bemerkt, daß es neue Antworten auf mein Thema gibt. Zunächst vielen Dank!

Der Stand der Angelegenheit ist folgender:

Recherchen haben zunächst in Sackgassen geführt. In den meisten gefundenen Dokumenten wird z.B. ein Prof. Eidmann (1933 und 1939) als Urheber relevanter Publikationen erwähnt. Habe mir diese dann besorgt. Eidmann hat zwar zwei sehr umfassende Abhandlungen über Altersbestimmung an Rotwild geschrieben, leider jedoch schrieb er nichts über Zahnzementlienien sondern nur über Ersatzdentin. Also, wieder bei Null angefangen...

Zunächt versuchte ich mich an manuell hergestellten Dünnschliffen von Rehzähnen. Leider ist diese Arbeit sehr mühsam, für eine ausreichende Anzahl von Dünnschliffen braucht es wohl mehr als nur ein Mikroskopikerleben. Also erfand ich zuerst eine Methode um schnell und Mühelos Dünnschliffe herzustellen. Hier ein Beispiel eines Rehzahnes:



(Plan Neofluar 20x, POL, KEIN "Lambada"-Schieber, Thomas, der größte Fan von Lambdaschiebern, möge mir verzeihen). Der graue Streifen ist Zahnzement und die darin sichtbaren Streifen die ersehnten Zahnzementlinien.

Jetzt bin ich also endlich soweit, mit der eigentlichen Arbeit zu beginnen. Wer sich damit auskennt oder sich dafür interessiert, ist herzlich eingeladen. Ich bitte also um Informationen von Praktikern.

Vielen Dank

Georg Abele
www.duennschliff.com  www.thin-section.com  Gute Ideen sind fast immer einfach.

Klaus Schloter

Das sieht vielversprechend aus!
Mich würde interessieren welche Orientierung der Schlff hat? Längs,das Areal zwischen den Wurzeln einschließend?

Werner Jülich

Sehr geehrter Herr Abele,
wie bereits von TPL angemahnt, sollte die Anregungswellenlänge im nahen UV liegen, typisch wäre der Filtersatz 02 von Zeiss würde ich einmal probieren, jedenfalls wird dieser immer nachgefragt. Hier die Daten dazu: https://www.micro-shop.zeiss.com/de/de_de/spektral-info.php?i=488002-9901-000

Viel Erfolg

Werner Jülich

Nomarski

Die Mahnung liegt aber schon länger zurück, kann man da nicht schon von Verjährung sprechen? Zumal ist TPL eh nur noch Gast und nicht mehr angemeldet. Zum Filtersatz für UV-Anregung gehört außerdem eine entsprechende Lichtquelle, ansonnsten wird man nicht viel sehen.

Werner Jülich

Hallo Normarski,
ja ich weiß, aber das weiß Herr Abele auch. Trotzdem haben Sie völlig Recht darauf hinzuweisen, wir sollten vielleicht einen Filter einführen, Verfahren und Produkte, die teurer als X sind, werden einfach weder empfohlen noch behandelt.
Werner Jülich

Klaus Herrmann

#12
Hallo ,

Georg hatte mir ja mal einen Rehkiefer gegeben und ich habe Längsschliffe durch Zähne gemacht, die noch im Kiefer stecken. Ich hatte ihm von meiner Idee erzählt, dass man mit Fluoreszenz sicher was sehen könnte. UV-;Blau-; und Grünanregung haben leider nicht so überzeugende Ergebnisse gebracht, wie ich erwartet hätte. Hier nur die UV-Anregung. Das letze ist im Kiefer selbst. Wenn man den Anschliff poliert, dann wird das Bild noch deutlicher.





Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Georg Abele

#13
Zitat von: Klaus Schloter in Oktober 25, 2011, 11:38:05 VORMITTAG
Das sieht vielversprechend aus!
Mich würde interessieren welche Orientierung der Schlff hat? Längs,das Areal zwischen den Wurzeln einschließend?


Ja, genau. An dieser Stelle scheint auch in der Regel die mächtigste Zahnzementschicht zu sein.

Grüße aus Aalen

Georg Abele
www.duennschliff.com  www.thin-section.com  Gute Ideen sind fast immer einfach.

Bastian

Guten Abend Herr Abele,
ich denke dass Sie es vielleicht mal in der Archäozoologie an der Universität Tübingen probieren sollten. Die Archäozoologie ist der Institut für Ur-und Frühgeschichte angegliedert, sollte also auch per Internet leicht zu finden sein. Das ist von Aalen ja auch nicht so weit... Der nun pensionierte und sich selbst vertretende Prof. Uerpmann kann Ihnen da sicherlich ohne größere Mühe Literatur zu diesem Thema nennen. Er wird Ihnen sicherlich auch eine  Einschätzung geben können, ob und wie präzise diese Methode funktioniert. Es gibt die Methode ja auch für menschliche Zähne, entwickelt bzw. weiter entwickelt von einer Professorin in Freiburg.

Soweit ich weiss kann aber doch das Alter der Tiere relativ genau am gesamten Unterkiefer bestimmen? Ich kann natürlich verstehen dass Sie das lieber am Mikroskop machen möchten. Oder haben Sie nur einzelne Zähne?

Mit besten Grüßen,
Dr. B. Asmus