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Trochilia minuta

Begonnen von Martin Kreutz, Oktober 25, 2018, 21:06:07 NACHMITTAGS

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Martin Kreutz


limno

Guten Abend Martin,
wieder eine wunderbare Dokumentation!
ich gebe ehrlich zu, dass ich hier keine Reuse erkenne, aber bei der Winzigkeit des Tierchens ist das eigentlich kein Wunder. Bei einer Reuse denke ich z.B.eher an Holophrya, aber das ist auch eine andere Größenordnung.Beim letzten Bild hast Du das Exemplar vermutlich quetschen müssen um die Kerne besser zu sehen.Du konntest keinen Mikronukleus entdecken; wäre hier keine schnelle Kernfärbung möglich gewesen, zumal der Ciliat nach der Quetschung ohnehin den Weg allen Fleisches geht?
Gutenachtgrüße von

Heinrich
So blickt man klar, wie selten nur,
Ins innre Walten der Natur.

Martin Kreutz

Hallo Heinrich,

das ich den Mikronukleus nicht ausmachen konnte, liegt einfach nur daran, dass ich nur ein Exemplar untersucht habe. Ich bin mir sicher, ihn noch ausfindig zu machen, wenn ich weitere Exemplare untersuche. Färbungen führe ich selbst nie durch, aber Du hast recht, damit würde man ihn sicher sichtbar machen können.

Die Reuse ist die V-förmige Struktur im letzten Bild des Beitrages. Ja, sie sieht nicht so aus, wie man es von Holophrya oder Nassula gewohnt ist, wo man die separaten Reusenstäbe erkennen kann, weil der Fokus genau in der Mitte der Reuse liegt und nicht auf der Außenseite des Bündels von Reusenstäben. Dadurch sind nur zwei Reisenstäbe im Längschnitt zu erkennen, welche die V-förmige Struktur bilden. Ich habe die übrigen Fotos der Serie geprüft, aber leider habe ich nie genau auf die Außenfläche der Reuse von Trochilia fokussiert. Hier nur noch ein weiteres Foto, wo die Reuse im Längsschnitt besser getroffen ist. Am Vorderende der Reusenstäbe erkennt man die hochbrechenden Reusenzähne, die für Trochilia minuta typisch sind.

Martin


RS = Reusenstäbe
RZ = Reusenzähne

Bernd

Hallo Martin,

eine von unglaublichen Detailreichtum geprägte Dokumentation über diesen sehr kleinen und schnell beweglichen Ciliaten. Meisterhaft! Wie hast du es geschafft, ihn von seinem bevorzugten Aufenthaltsort auf Algenfäden herunterzukriegen und zu vereinzeln, damit du die für deine Fotos benötigte geringe Schichtdicke realisieren konntest?

Viele Grüße
Bernd

Martin Kreutz

Hallo Bernd,

danke für die Lorbeeren. Aber mit der Auflösung bin ich selber nicht ganz zufrieden. Das liegt aber nicht an der Schichtdicke, sondern an meinem setup für die Mikrofotografie. Da ich das Zwischenbild aufnehme, gibt es keine Nachvergrößerung, bevor das Bild auf den Sensor landet. D.h. der Sensor muss alle Details festhalten, die das Zwischenbild liefert. Wenn es ans Eingemachte geht, also Strukturen < 1 µm, komme ich da an die Grenzen, weil diese Strukturen nur noch auf wenige Pixel des Sensors fallen. Da ist man mit einem Projektiv dazwischen besser bedient, da dann diese kleinen Strukturen "aufgezogen" werden und auf mehr Sensorfläche fallen. Auf der Plus-Seite habe ich Vorteile bei der Abbildung größerer Objekte mit Ölimmersion und dem Erfassen schneller Objekte, weil ich mehr Fläche abbilde. Man muss eben Kompromisse eingehen.

Trochilia klammert sich an die Algenfäden oder Detritusflocken nicht fest. Meist reicht ein Aufsaugen und Ausstoßen mit der Pipette, um frei schwimmende Exemplare zu finden. Je nachdem, in welcher Gemüsesuppe man Trochilia findet, muss man die Exemplare aber trotzdem isolieren, damit man die nötige geringe Schichtdicke erreichen kann. Fremdkörper und Algenfäden dürfen dann nicht unter dem Deckglas liegen.

Martin

Ole Riemann

Hallo Martin,

vielen Dank für diese Aufnahmen eines wirklich kleinen Ciliaten - und auch für die technischen Anmerkungen in Deiner Antwort an Bernd.

Aus unterschiedlichen und nicht nur rationalen Gründen habe ich mich von meinem Unendlich-System getrennt und damit auch von der Möglichkeit, direkt das Zwischenbild zu fotografieren. Beim Olympus BHS arbeite ich mit den Projektiven NFK 2,5x und 1,67x, beim Zeiss Standard WL mit der üblichen Pancake-Adaptation. Alles prima in puncto Auflösung, aber das maximal abbildbare Feld (=die maximale Bilddiagonale) ist bei der 100x-Ölimmersion wieder sehr klein geworden. Objekte, die ich vorher mit der 100x-Ölimmersion erfasst hätte, fotografiere ich nun wieder mit dem 40x-Trockenobjektiv kleinerer Apertur. Es ist eben alles ein Kompromiss, wie Du auch schon sagtest.

Ergänzen will ich noch, dass der Abbildungsmaßstab auf dem Sensor natürlich auch Auswirkungen auf die notwendige Belichtungszeit bzw. Leuchtdauer des Blitzes hat. Auch hier fährt man mit der direkten Abbildung des Zwischenbildes auf dem Sensor natürlich deutlich besser ...

Beste Grüße

Ole

Martin Kreutz

Liebes Forum,

ich habe meinen Beitrag über Trochilia minuta überarbeitet und mit neuen (hoffentlich besseren) Fotos aktualisiert. Für alle Ciliaten-Interessierte lohnt sich vielleicht ein Blick!

Martin