Autor Thema: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *  (Gelesen 1402 mal)

Wutsdorff Peter

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #15 am: Februar 02, 2019, 16:51:57 Nachmittag »
Guten Abend Jörg,
im Buchhandel gibt es den Nultsch in der 12. Aufl. nicht mehr.
In meiner Buchhandlung kann ich mir Bücher  z. Ansicht bestellen. Das geht nun leider nicht.
Bei Amazon kann man die 12. Aufl. kaufen (ca. 38€), aber nicht  z. Ansicht.
Ich möchte gerne  wissen, wie die Aufl. sich unterscheiden. Wenn sie sich nicht wesentlich unterscheiden, behalte ich meine 7. Aufl.
Kannst Du mir gegen eine Kaution und die Portoerstattung die 12. Aufl. z. Ansicht schicken?
Vielen Dank im Voraus

Peter

Alex H.

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #16 am: Februar 02, 2019, 17:28:49 Nachmittag »
Hallo miteinander,

@ Jörg,

vielen Dank für den Link und die Literaturvorschläge! Wenn es so ist, dass wenn man "Strasburger" sagt auch "Haberlandt" sagen muss, dann hast du mein Interesse an seinem Werk geweckt. Ich habe die "Physiologische Pflanzenanatomie", ebenfalls in der 6. Auflage, auf i-bäh per Sofortkauf ergattert und bin schon sehr gespannt auf das Buch! Es wurde dort von einem Antiquariat angeboten.


@ Peter,

botanische Fachbücher gibt es in den ebay Kleinanzeigen einige, oftmals zu preisen von € 3,- oder € 5,-. Wenn's kein nagelneues Buch sein muss, kann ich dir diese Plattform empfehlen. Ich habe dort schon einige Bücher erworben, meist von ehemaligen Studenten die sich nun ihrer Bücher entledigen wollen. Ein kurzes Nachfragen bringt auch Klarheit über den näheren Zustand der Bücher, etwa ob Anstreichungen o. Ä. darin vorhanden sind...

Wie groß der Unterschied zwischen Nultsch's 7. und 12. Auflage ist kann ich zwar nicht sagen, da ich weder die 7. noch die 12. Auflage kenne, aber ich möchte anmerken dass gerade in den neusten Auflagen botanischer Bücher manche Abschnitte gekürzt worden sein sollen, um neuen Gebiete wie der Genetik Platz zu geben, ohne dabei die Seitenanzahl übermäßig ansteigen zu lassen. Das wäre dann für viele weniger Interessant, da hieraus für den Amateur kaum praktischer Nutzen ableitbar ist. Zumindest soll das beim Strasburger der Fall sein, wie ich gelesen habe.

Grüße
Alex
« Letzte Änderung: Februar 02, 2019, 17:30:40 Nachmittag von Alex H. »
mikroskopischer Schwerpunkt: Pflanzenmorphologie mit dem MBS-10

Fahrenheit

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #17 am: Februar 02, 2019, 18:22:19 Nachmittag »
Lieber Alex,

herzlichen Glückwunsch! Eine Zeit lang war der Haberlandt gar nicht mehr zu haben. Man muss natürlich beachten, dass sich seit nunmehr gut hundert Jahren auch in der Botanik noch einiges getan hat, aber ich empfinde es immer wieder als Genuss, im Haberlandt zu lesen.

Ich habe gerade mal geschaut: der liegt zur Zeit zwischen 30 und 100 Euro, je nach Zustand - und es gibt einige Angebote. Da lohnt es sich ggf. sogar, das Buch neu binden zu lassen. So habe ich es mit meinem Esau gemacht: keine 30 Euro für einen neuen Einband in Bibliotheksleinen (feuchtigkeits- und schmutzabweisend), neu bekanntet und zwei defekte Hefte neu genäht. Natürlich mit Goldprägung wie beim Original. :)   

Lieber Peter,

eben habe ich mal meine Regale umgegraben und einen Nultsch in der 8. Auflage von 1986 gefunden. Der hat mehr als 100 Seiten weniger als die neueste Auflage. Ein kurzer Vergleich zeigt, dass insbesondere Abbildungen nun vielfarbig gedruckt sind (in der 8. Auflage gibt es nur schwarz und rot ...) und auch die Texte teils deutlich überarbeitet wurden. Insgesamt erscheint mir die neue Auflage klarer gegliedert und eingänglicher.
Allerdings muss man sagen, dass der größte Teil der für den Hobbymikroskopiker relevanten Botanik bereits im 19. Jahrhundert entwickelt wurde und nicht mehr viele wesentliche Neuerungen erfahren hat.

Da Du den Nultsch schon hast, würde ich an Deiner Stelle also erst mal nach einem anderen Buch schauen. Meine wärmste Empfehlung ist da Pflanzenanatomie von Kathrine Esau. Ich habe die erste deutsche Auflage von 1969 und das Buch hilft eigentlich bei allem weiter, was sich bei botanischen Präparaten so unter dem Mikroskop zeigt.
Zur Zeit z.B. hier gebraucht erhältlich:
https://www.abebooks.de/buch-suchen/titel/pflanzenanatomie/autor/esau/

Wenn Du doch nach dem Nultsch suchst: die 12 Auflage ist ein unveränderter Nachdruck der 11. Auflage. Da ist die Versionspolitik von Thieme für mich nicht so ganz nachvollziehbar, aber die 11 ist natürlich günstiger zu haben, als die 12. Oft sieht man aber auch Traumpreise, so werden z.B. über 100 Euro aufgerufen ... Warten lohnt.

Das Geld fürs Porto hin und zurück steck' also lieber ins Buch. Eine Kaution würde ich eh nicht aufrufen. ;)

Herzliche Grüße
Jörg
« Letzte Änderung: Februar 02, 2019, 18:32:35 Nachmittag von Fahrenheit »
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Wutsdorff Peter

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #18 am: Februar 03, 2019, 12:10:59 Nachmittag »
Grüß´dich Jörg,
vielen Dank für  Deine Erläuterungen.
Bzgl. Nultsch hatte ich schon den Verdacht, daß die 11/12 Aufl. von den Graphiken her besser ist.
Bei e-b habe ich die 12. Aufl. erstanden.
Ebenso bei der von Dir angegebenen Adresse das Buch von Esau.
Von Hans- Jürgen wurde mir  der "Bryan G. Bowes" empfohlen, den ich schon seit Sommer habe.
Für Anfänger, wie mich, eine sehr gute Hilfe.
Im Internet habe ich "Das Skript zu Botanik"  der Uni Kiel (?) entdeckt. Die Farbfotos sind sehr instruktiv. Ich habe es  downgeloadet und werde es mir in einem Copyshop farbig ausdrucken lassen.
Schönen Sontag Peter

ulipl

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #19 am: Februar 03, 2019, 14:02:12 Nachmittag »
Hallo Jörg,

auch von mir herzlichen Dank und den allergrößten Respekt für Deinen Beitrag! Ab sofort habe ich immer diese großartigen Bilder vor Augen, wenn ich die Überreste dieser Pflanze aus dem Fell von meinem (Langstockhaar) Schäferhund zupfe... ;D

Gruß
Uli

Fahrenheit

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #20 am: Februar 03, 2019, 21:49:02 Nachmittag »
Lieber Peter,

da bist Du ja bestens versorgt. Ich denke, der Esau wird Dir gefallen.

Lieber Uli,

vielen Dank für Dein Lob! Respekt ist nicht notwendig, das ist alles Handwerk: mit Anleitung und Übung von jedem zu erreichen.
Kletten im Fell sind schon recht hartnäckig, das sind bleibende Erinnerungen. Unser Langhaarkater geht in der Regel nicht so weit, bringt aber ab und an auch mal welche mit, die wir ihm dann aus dem Fell klauben müssen. Gott sei Dank begleitet er unser Bemühen mit wolhligem Schnurren und nicht mit Krallen und Zähnen ... ;)

Herzliche Grüße
Jörg
« Letzte Änderung: Februar 07, 2019, 11:24:38 Vormittag von Fahrenheit »
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Fahrenheit

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #21 am: Mai 09, 2019, 20:34:46 Nachmittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

wie im Januar angekündigt, hier die Fortsetzung mit schnitten vom frischen Blattstiel der Großen Klette (Arctium lappa). Der Spross ist leider noch nicht so weit, das wird noch etwas dauern.

Die Probe stammt wieder von einer Pflanze aus der Siegaue:

Bild 22: Arctium lappa Ende April in der Siegaue


Die Blätter sind am Blattstiel und an der Blattunterseite stark behaart: 

Bilder 23a,b: Blattober- und -unterseite der Großen Klette



Der Blattstiel (Petiolus) ist am basalen Ende mit Mark gefüllt und weißt keine Lakune auf (Bestimmungsmerkmal für A. lappa). Am distalen Ende zeigt er eine kleine Lakune:

Bilder 24a,b: Querschnitt des Blattstiles basal (24a) und distal (24b)



Bild 25: Die Makroaufnahme lässt die dichte Behaarung erkennen



Vergleichen wir nun einmal Aufnahmen vom verrotteten Blattstiel aus dem Januar (immer das erste Bild) mit vergleichbaren Bereichen vom frischen Blattstiel!

Bilder 26a,b: Eine der Ausbuchtungen des Blattstiels, beide Aufnahmen ungefärbt und gestapelt



Bilder 27a,b: Eine ähnliche Stelle, nun in W3Asim I Färbung, gestapelt. Diesmal mit Beschriftung und Maßstab



Erstaunlicherweise zeigt die Färbung kaum einen Unterschied, was ich so nicht erwartet hätte. Der Pilz hat also die für die Aufnahme der Farben relevanten Strukturen im verrotteten Blattstiel kaum angegriffen. Obwohl das Altmaterial bei der Probenahme sehr feucht und schwammig-weich war, zeigen die Schnitte im Vergleich zum Frischmaterial aber massive Schrumpfungen. Für mich ein Zeichen, dass die Form zu großen Teilen auch durch den Turgor der einzelnen Zellen aufrecht erhalten wird, bei dessen Abwesenheit aufgrund des Absterbens und des Zerfalls auch die Zellwände zusammen fallen.
Wie zu erwarten war, zeigen die Leitbündel mit ihren Kappen die geringsten Veränderungen. Dort ist lediglich das Phloem in sich zusammen gefallen. 

Schauen wir bei den Leitbündeln einmal genauer hin!

Bilder 28a,b: Leitbündel mit Kappen, beide Aufnahmen ungefärbt



Bilder 29a,b: Eine ähnliche Stelle, nun in W3Asim I Färbung, gestapelt. Diesmal mit Beschriftung und Maßstab



Wie bereits oben zu sehen: die empfindlichen Zellen des Phloems haben am meisten gelitten. Spannend: die Sklerenchymkappen der Leitbündel sind auch in der frischen Probe nicht lignifiziert, erscheinen also blaugrün.

Zum Schluß werfen wir noch einen Blick auf die Epidermis und das Rindenparenchym.

Bilder 30a,b: Epidermis und Rindenparenchym, färbung W3asim I



Keine Überraschungen: während die verrottete Probe hier deutlich den Pilzbefall zeigt, erkennen wir bei der frischen Probe nur die erwartete gesunde Zellstruktur ohne Befall. Einige Trichome haben es ebenfalls geschafft und sind dem Messer zumindest zum Teil entkommen.

Das war es für heute, der Vergleich mit der Sprosse folgt dann im Spätsommer, wenn die Kletten blühen.
vielen Dank fürs Lesen, Anregung und Kritik sind wie immer willkommen.

Herzliche Grüße
Jörg
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Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #22 am: Mai 10, 2019, 17:11:43 Nachmittag »
Lieber Jörg,

ich hätte mir bei der W3Asim I Färbung auch mehr Unterschiede erwartet.

Die Vierfachfärbung nach Johannsen habe ich Dir zusammengestellt und werde die 8 Flaschen zum „Dörnberger – Treffen“ im September mitbringen.

Ansätze:

Safraninlösung: 1g Safranin 0 wird in 50ml EGMME gelöst. Zu dieser Lösung werden 25ml 95%iger Ethanol, 25ml Aqua dest., 1g Natriumacetat und 4ml 37%ige Formaldehydlösung. gegeben

Methylviolettlösung.: 1g Methylviolett in 100ml Aqua dest. lösen.

Echtgrünlösung.: Echtgrün gesättigt in 10 ml Nelkenöl-EGMME-Gemisch (1:1). Diese Lösung wird mit 30ml Ethanol 96%ig, 30ml tert. Butanol und 2-3 Tropfen Eisessig versetzt.
Diese Farblösung muss vor Gebrauch einige Tage alt sein.

Orange G-Lösung.: Orange G gesättigt (ca. 0.5g) in 50ml Nelkenöl-EGMME-Gemisch (1:1). Diese Lösung wird mit 25ml EGMME und 25ml 95%igen Ethanol versetzt.

Mischung A: 33ml 95%iger Ethanol, 33ml tert. Butanol, 33ml EGMME
Mischung B: 50ml 95%iger Ethanol, 50ml tert. Butanol, 0.25ml Eisessig
Mischung C: 33ml Nelkenöl, 33ml 95%iger Ethanol, 33ml EGMME
Mischung D: 33ml Nelkenöl, 33ml abs. Isopropanol, 33ml Xylol

Die Vierfachfärbung nach Donald Alexander Johannsen (J.s Quadruple Stain) wird für pilzinfiziertes Pflanzenmaterial, wie Laubblätter oder Gräser und Getreide angewandt, besonders auch bei Rostpilzbefall.

Du hast sicher noch verdorrtes Material von der „Großen Klette (Arctium lappa) so dass sich Pilze sehr gut nachweisen lassen.

Gruß
Hans-Jürgen
Rück die Dinge ins richtige Licht und sie werden leuchten.

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Gerne per "Du"

Fahrenheit

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #23 am: Mai 10, 2019, 20:49:11 Nachmittag »
Lieber Hans-Jürgen,

ja, ich habe noch Material, das ich in der kommenden Woche mit den Kolleginnen und Kollegen des MKB präpariere. Aber da bleibt genug für den Dörnberg übrig!

Danke, dass Du die doch etwas komplexere Färbung nach Johannsen gebraut hast und mit bringst. Ich bin auf die Ergebnisse gespannt.

Herzliche Grüße
Jörg
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