Autor Thema: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *  (Gelesen 1401 mal)

Fahrenheit

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Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« am: Januar 21, 2019, 21:44:06 Nachmittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

die Große Klette ist um diese Jahreszeit längst verblüht, die Samen sind gefallen und es stehen nur noch die kahlen Sprosse mit den leeren Fruchtkörbchen traurig in den Siegauen. Mikroskopische Schnitte vom Frischmaterial? Wo soll das her kommen? Konserviert durch Stückfixierung aus dem vergangenen Herbst? Nein. Auch aus den verdorrten Sprossen und den verrotteten Blattstielen lassen sich Schnitte erstellen.

Wie kommt man auf so eine Idee? Seit einiger Zeit beteilige ich mich auf der Plattform iNaturalist (www.inaturalist.org) an der Dokumentation und Erfassung von Sichtungen verschiedener Pflanzen- und Tierarten. Die KI des Systems schlägt dabei anhand der hochgeladenen Fotos teils bis auf Artebene eine Bestimmung vor (ziemlich gut!) und die Community verwertet die Sichtungen, die z.B. für räumliche und zeitliche Verteilungskarten genutzt werden.
Dort habe ich auch die Großen Kletten aus unserer Siegaue vorgestellt (Arctium lappa), aber die Unterscheidung zu z.B. Arctium nemorosa (die Hainklette) ist anhand des im Dezember noch verfügbaren Materials gar nicht so einfach. Ein recht sicheres Unterscheidungsmerkmal ist der Blattstiel: bei A. lappa ist dieser auch bei den basalen Blättern markhaltig, bei A. nemorosa zeigt er eine große vermutlich lysigene Lakune.
Also raus in die Wildnis und schauen, ob von den Blattstielen noch was übrig ist. Es war genügend übrig und der erstaunlich gute Erhaltungsgrad der sich beim groben Querschnitt zeigte, hat Lust auf mehr gemacht. Außerdem wollte ich schauen, in wie weit sich z.B Pilze nachweisen lassen. Nun, seht selbst.

Wer sich den Auslöser ansehen möchte, wird hier fündig:
https://www.inaturalist.org/observations/19465077
https://www.inaturalist.org/observations/19351817
Bei iNaturalist wird auch gerne diskutiert :)


Wie immer zunächst etwas zur Pflanze selbst

Der Jahreszeit angemessen zeige ich hier Bilder von der Pflanze, wie sie zur Zeit draußen anzutreffen ist. Im Sommer werde ich das Experiment mit Frischmaterial wiederholen, so dass wir vergleichen können.

Die Große Klette oder Butzenklette (Arctium lappa) ist eine Pflanzenart aus der Unterfamilie der Carduoideae in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist in Eurasien heimisch und das Hauptverbreitungsgebiet ist Europa ohne die Iberische Halbinsel und das nördliche Skandinavien. Auf den Britischen Inseln beschränkt sich die Verbreitung weitgehend auf England. In Nordamerika und in Australien ist die Große Klette ein Neophyt. Angepflanzt wird die Art in Europa, Nordamerika, auf Hawaii, Neuseeland, Japan, China, den Philippinen, Indonesien und in Vietnam.

Bild 1: Eine der vielen Großen Kletten am Siegufer

Im Winter nicht ganz so üppig wie im Sommer :)

Sie wächst an Wegrändern, Zäunen, Ruderalstellen, auf Flussschottern und in Auwäldern. Letztere sind wohl die Primärstandorte. Sie bevorzugt frische, nährstoffreiche Lehmböden und kommt bis in die montane Höhenstufe in Höhenlagen von bis zu 1300 Metern vor. In den Allgäuer Alpen steigt sie am Hinterberg am Fuß des Fellhorns bis zu 1100 m Meereshöhe auf.

Die Große Klette ist wie die anderen Arten der Gattung eine zweijährige Pflanze und bildet eine verholzende Pfahlwurzel. Die aufrechten und 80 bis 150 (200) Zentimeter hohen Sprossachsen (Stängel) sind kantig und spinnwebig behaart.

Bild 2: Eine weitere Pflanze an einer Parkplatzböschung in der Nähe der Sieg


Die einfachen Blattspreiten sind bei einer Länge von bis zu 50 Zentimeter herzförmig-oval. Die Blätter sind unterseits kahl bis schwach graufilzig behaart. Die Stiele der Grundblätter sind markhaltig (im Gegensatz zu A. nemorosa, deren Blattstiele eine Höhlung aufweisen).

Bild 3: Bei A. lappa ist der Querschnitt des Blattstiels gewellt und hat ein Mark (makroskopischer Schnitt unter dem Präparationsmikroskop)


Bild 4: Vom Blatt ist zwischenzeitlich nur noch wenig übrig ...#


Bild 5: Ein Blattstiel am Spross


Auf etwa 3 bis 10 Zentimeter langen Blütenstandsschäften stehen kugelförmige Blütenkörbe, die Durchmesser von 3 bis 5 Zentimeter aufweisen. Die grünen, fast kahlen Hüllblätter besitzen eine bräunlich-gelbe Spitze, die hakig gekrümmt und so lang wie oder länger als die Blüten ist. Die Blüten sind rot bis purpurfarben und erscheinen zwischen Juli und September.

Bild 6: Die Fruchtstände im Winter


Bild 7: Die Frucht- oder Blütenstandsstiele (Peduncle) müssen zwischen 3 und 10 cm lang sein. Bei der recht ähnlichen A. nemorosa sitzen die Fruchtstände auf ganz kurzen Stielen direkt am Spross.


Die leicht gebogenen Achänen sind 6 bis 8 Millimeter lang und bräunlich mit schwarzen Flecken. Sie sind oben breiter als am Grund, undeutlich kantig, sowie kahl. Oben tragen die Achänen einen Borstenkranz aus kleinsten spitzen Pappushaaren, die für denjenigen, der mit reifen Kletten hantiert, zur Gefahr werden können. Die Ausbreitung geschieht durch Epichorie, indem die Fruchtstände mit den Widerhaken im Fell von Tieren hängen bleiben und vertragen werden.

Bild 8: Achänen


Verwendung:
Die Große Klette wurde bereits im 9. Jh. im Capitulare de villis vel curtis imperii Karls des Großen als Nutzpflanze erwähnt. Im Kapitel 70 ist sie als „parduna“ aufgelistet. In Großbritannien ist Dandelion and Burdock (engl. wörtlich Löwenzahn und Große Klette) eine traditionsreiche alkoholfreie Getränkespezialität, die es dort seit etwa dem Jahr 1265 gibt.
Wurzel und junge Blätter können als Wildgemüse verwendet werden. Die Wurzel wurde, ähnlich wie die Garten-Schwarzwurzel heute, im Mittelalter häufig als Gemüse gegessen, hat jetzt aber nur noch in Japan Bedeutung, wo sie Gobo genannt wird, sowie in Taiwan als Niúbàng bzw. Korea, wo man sie Ueong nennt.

Bild 9: Eine einzelne Achäne mit den typischen Haaren oder Borsten am oberen Ende


Heilpflanze:
Die Große Klette wurde auch als Volksarzneipflanze verwendet, die Wurzeln werden zur Droge „Radix Bardanae“ verarbeitet. Das Klettenwurzelöl findet in der Kosmetik Anwendung. Ein wasserlösliches Polysaccharid, ein sogenanntes Fructan, der großen Klette zeigt in vitro und in vivo hohe antioxidative Wirkungen und könnte in der Herstellung von Pharmazeutika oder Nahrungsmitteln in Zukunft eine Rolle spielen. Für Arctigenin, ein Aglykon von Arctiin und typisches Lignan von Arctium lappa, konnten antivirale und antitumorale Wirkungen beobachtet werden. Arctigenin zeigt phytoöstrogene Eigenschaften und vermochte im Versuch, die Apoptose von östrogenrezeptornegativen Brustkrebszellen zu forcieren. Unter den volkstümlichen Verwendungen der Klettenwurzel als Heilpflanze finden sich Hauterkrankungen, Leberleiden, Haarausfall und rheumatische Erkrankungen.

Bild 10: Illustration der Großen Klette - auch winterlich in schwarzweiß

Aus Wikipedia, gemeinfrei

Aus David Hoffmann: Natürlich gesund – Kräutermedizin.: Anwendungsgebiete der Großen Klette seien Hautleiden, die zu Trockenheit und Hautschuppen führen; sowie, über längere Zeit angewendet, Schuppenflechte und Ekzeme. Sie sei bei Rheuma hilfreich, das mit Schuppenflechte einhergeht. Die Wirkung beruhe zum Großteil auf Anregung der Verdauungssäfte, in erster Linie der Galle. Dadurch fördere sie die Verdauung und helfe bei Anorexia nervosa (Magersucht), stärke die Funktion der Nieren und könne Zystitis (Harnblasenentzündung) ausheilen. Äußere Anwendung als Umschlag beschleunige die Heilung von Wunden und Ulcera (Geschwüre). Ekzeme und Schuppenflechte könnten zusätzlich zur inneren Anwendung äußerlich behandelt werden.

Bild 11: Ein wenig Grün sei erlaubt, so sieht die Pflanze zur Blütenzeit aus

Aus Wikipedia, von Christian Fischer, CC BY-SA 3.0

Beschreibungstext aus Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Klette – mit Anpassungen wo notwendig.


Und nun zur Präparation

Der Blattstiel ist auch nach der Fixierung sehr weich (wenn er trocknet wird er hart und steif), während der trockene Spross wirklich sehr hart und kaum zu schneiden ist. Daher habe ich den Blattstiel in AFE fixiert, den Spross hingegen mit AFE-Essigsäure mit einem guten Schuss derselben, um das Gewebe etwas aufzuweichen.

Geschnitten habe ich auf dem Tempelchen (Zylindermikrotom im Halter als Tischmikrotom) mit Leica Einmalklingen 818 im SHK Halter. Beim Blattstiel war die Unterstützung mit Bobs Schneidehilfe unumgänglich (Schnittdicke 60 mm), der Spross ließ sich sehr gut freistehend schneiden (Schnittdicke 50µm).

Gefärbt habe ich nach Überführen in Aqua dest. mit W3Asim I nach Rolf-Dieter Müller für ca. 8 Minuten mit einmaligen Erwärmen bis kurz vor den Siedepunkt.

Eingedeckt wurden die Schnitte nach gründlichem Entwässern mit reinem Isopropanol wie immer in Euparal.

Bild 12: Schnitt des Sprosses auf dem Tempelchen, eine Unterstützung war beim Spross nicht notwendig



Kurz zur verwendeten Technik
 
Die Aufnahmen sind auf dem Leica DMLS mit dem 5x NPlan, den 10x, 20x und 40x PlanApos und dem 100x PlanFluotar entstanden. Die Kamera ist eine Panasonic GX7, die am Trinotubus des Mikroskops ohne Zwischenoptik direkt adaptiert ist. Die Steuerung der Kamera erfolgt durch einen elektronischen Fernauslöser. Die notwendigen Einstellungen zur Verschlusszeit und den Weißabgleich führe ich vor den Aufnahmeserien direkt an der Kamera durch. Der Vorschub erfolgt manuell anhand der Skala am Feintrieb des DMLS.

Alle Mikroaufnahmen sind mit Zerene Stacker V1.04 (64bit) gestackt. Die anschließende Nachbereitung beschränkt sich auf die Normalisierung und ein leichtes Nachschärfen nach dem Verkleinern auf die 1024er Auflösung (alles mit XNView in der aktuellen Version). Bei stärker verrauschten Aufnahmen lasse ich aber auch mal Neat Image ran.


Und nun zu den Schnitten

Das besondere am heutigen Thread ist, dass ich keine frischen Proben sondern beim Blattstiel schon ziemlich verottetes und beim Spross völlig eingetrocknetes Material verarbeitet habe. Das zeigt sich natürlich auch in den folgenden Bildern. Beginnen wir mit dem Blattstiel.   

Bild 13: Gefärbter Schnitt des Blattstiels unter dem Präparationsmikroskop


Das Rindenparenchym um die sieben äußeren Leitbündel gibt dem Blattstiel der großen Klette ein gewelltes Äußeres, das auch im trockenen Zustand noch gut zu erkennen ist (siehe auch Bild 3). Wichtig für die Bestimmung: es gibt keine Lakune, der Stiel ist massiv und enthält ein Mark. Auffällig ist die blassgrüne Färbung der Sklerenchymkappen der Leitbündel. Woran das wohl liegen mag?   

Bilder 14a-c: Etwas näher heran, eines der großen äußeren Leitbündel mit dem umliegenden Gewebe, Bild 14a vom ungefärbten Schnitt, Bild 14c mit Beschriftung, alle Bilder gestapelt




Eigentlich keine Auffälligkeiten, aber warum sind die Sklerenchymkappen grünlich und nicht orange-rot gefärbt? Der Blattstiel ist von Pilzhyphen durchzogen: ob der Pilz sich die Cellulose der Sklerenchymzellen schon komplett einverleibt hat?

Bilder 15a-f: Leitbündel im Detail, Bilder 15a&b in der Übersicht, Bild 15c ungefärbter Schnitt, Bild 15d im Polarisationskontrast und Bilder 15b&f mit Beschriftung, alle Bilder gestapelt







Im polarisierten Licht (Bild 15d) zeigt sich schön, dass es sich bei den Zellen der mit SklK (Sklerenchymkappen) gekennzeichneten Gewebe tatsächlich um sklerenchymatische Zellen handelt, die aber aufgrund des fortgeschrittenen Zerfalls den Farbstoff Acridinrot nicht mehr annehmen. Ansonsten sehen wir ein typisches geschlossen kollaterales Leitbündel, das im Umriss bis auf die Zellen des Phloems noch sehr gut erhalten ist.

Werfen wir noch einmal einen genaueren Blick auf die Pilzhyphen, die das Gewebe des Querschnitts durchziehen!

Bilder 15a-d: Dem Pilzbefall auf der Spur, Bilder 15b&d mit Beschriftung, alle Bilder gestapelt   





Im Querschnitt lassen sich die Hyphen 8Hyp) nicht in ganzer Länge verfolgen, es wird aber schon deutlich, das das gesamte Gewebe des Blattstiels vom Pilz befallen ist.

Bilder 16a,b: Pilthypen auf der Epidermis, Bild 16b mit Beschriftung, alle Bilder gestapelt



An vielen Stellen auf der Epidermis zeigen sich kleine Büschel von Pilzhyphen. Hier vermute ich, dass diese Sporangien getragen haben, die ihre Sporen bereits entlassen haben und abgefallen sind.

Nach dem weichen Blattstiel nun zum sehr harten Spross, der sich nach der Behandlung mit AFE-Essigsäure aber erstaunlich gut schneiden ließ.

Bilder 17a-d: Der Spross in der Übersicht. Bild 16a ungefärbt, Bild 16b im Polarisationskontrast, Bild 16d mit Beschriftung. Alle Bilder gestapelt





Auffällig hier ist die doppelte Reihe Leitbündel, die noch diskret im Markparenchym liegen. Dabei sorgen die großen äußeren Leitbündel wieder für den profilierten Querschnitt des Sprosses. Unterhalb dieser Bündel folgt dann ein Ring sehr lang gestrekter Leitbündel mit vergleichsweise großen Sklerenchymkappen, getrennt von Markstrahlen. Hier fällt auf, dass das Phloem sehr angegriffen ist und beim Schnitt oder der Präparation eingerissen ist. Dies liegt vermutlich daran, dass die Phloemzellen nach Absterben des Sprosses von den enthaltenen Enzymen und sekundären Pflanzenstoffen stark angegriffen wurden.
Im zentralen Mark fallen kleine Zellgruppen auf, die aber im vorliegenden Erhaltungszustand nicht einwandfrei zu identifizieren sind, das die Differenzierung durch die Färbung versagt.
Bei den Leitbündeln handelt es sich wahrscheinlich ebenfalls um den geschlossen kollateralen Typus, da ein Cambium nicht zu erkennen ist und es m.E. kein sekundäres Wachstum gibt.

Bilder 18a-c: Etwas näher heran, ein Ausschnitt vom Rand des Sprosses mit zwei großen Leitbündeln. Bild 18a ungefärbt, Bild 18c mit Beschriftung, alle Bilder gestapelt




Bilder 19a-c: Ein genauerer blick auf die Struktur der Leitgewebe, Bild 19a ungefärbt, Bild 19c mit Beschriftung, alle Bilder gestapelt




Unterhalb des großen Leitbündels links im Bild sind jeweils zwei Nebenleitbündel zu erkennen. Dabei handelt es sich wohl nicht um Blattspuren, da der Querschnitt für die großen Bündel im Blattstiel zu gering ist.

Bilder 20a-f: Weitere Details aus den Leitbündeln, Bilder 20b,d&f mit Beschriftung, alle Bilder gestapelt







Bilder 21a,b: Auch im Gewebe des Sprosses lassen sich Pilzhyphen nachweisen. Bild 21b mit Beschriftung, alle Bilder gestapelt



Die Präparation hat gezeigt, dass auch von sehr stark verrotteten oder vertrockneten Proben noch gute Präparate erstellt werden können, die über die Färbung auch Aussagen zum Abbau der präparierten Gewebe erlauben. Dabei müssen die Proben jeweils passend aufbereitet werden.
Weiterhin zeigt sich, dass es bei der Großen Klette einige anatomisch interessante Details zu entdecken gibt, die alleine schon eine Untersuchung am frischen Material nahe legen. ich werde der nächsten Generation Arctium lappa in der Siegaue also im Frühsommer einen Besuch abstatten und den Thread hier fortsetzen, so dass im Vergleich auch eine Klärung der offenen Fragen und getroffenen aussagen möglich ist.

Vielen Dank fürs Lesen, Anregung und Kritik ist wie immer willkommen.

Herzliche Grüße
Jörg
« Letzte Änderung: Februar 02, 2019, 08:38:24 Vormittag von Fahrenheit »
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hajowemo

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  • Jochen Mooßen
Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #1 am: Januar 22, 2019, 04:15:32 Vormittag »
Lieber Jörg,
auch diesmal ist dir ein toller Beitrag gelungen.
Herzlichen Dank dafür.
Ich bin jedes Mal von deinem Wissen um die Anatomie der Pflanzen begeistert.
Da helfen mir meine Fachbücher sehr oft nicht weiter.
Liebe Grüße
Jochen
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Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

wejo

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #2 am: Januar 22, 2019, 11:00:22 Vormittag »
Hallo Jörg,
auch ich möchte mich Jochen anschließen und Dir für die tollen Bilder und die interessanten Erklärungen danken!
Herzliche Grüße
Werner

Fahrenheit

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #3 am: Januar 22, 2019, 13:01:23 Nachmittag »
Lieber Jochen, lieber Werner,

vielen Dank für Euer Lob, das mich sehr freut. Diesmal war ich selbst gespannt, wie das Experiment mit dem verotteten und vertrockneten Material aus geht und das Ergebnis hat mich in verschiedener Hinsicht überrascht. Da ist zum einen der doch noch sehr gute Erhaltungszustand der Gewebe, die erstaunlich gute Schneidbarkeit nach entsprechender Fixierung und nicht zuletzt die im Vergleich zu Frischmaterial deutlich unterschiedliche Farbwirkung der W3Asim I Färbung.

Was die Anatomie angeht, da gibt es einige Bücher, die ich immer gerne empfehle:

1. Mikroskopisch-Botanisches Praktikum von Gerhard Wanner
    Link zur Rezension auf der MKB Seite: http://www.mikroskopie-bonn.de/literatur/index.html#a223

2. Pflanzenanatomisches Praktikum I von W. Braune A. Leman H. Taubert
    Link zur Rezension auf der MKB Seite: http://www.mikroskopie-bonn.de/literatur/index.html#a878

3. Pflanzenanatomie von Katherine Esau
    Link zur Rezension auf der MKB Seite: http://www.mikroskopie-bonn.de/literatur/index.html#a6691

Dabei wird es von 1 nach 3 immer genauer und umfangreicher. Ich bin froh, alle drei Bücher im regal zu haben. :)
Und mit etwas Glück gibt es sie im Antiquariat für kleines Geld, wenn es nicht die aktuelleste Ausgabe sein soll.

Herzliche Grüße
Jörg
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Wutsdorff Peter

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #4 am: Januar 22, 2019, 13:53:54 Nachmittag »
Hallo Jörg,
vielen Dank für´s Zeigen.
Die Diesteln bewundern wir auch im August auf 1700m.

Die Bücher 1 und 2 kann ich nur weiter empfehlen. Sie sind auch für einen "Inschenör-Grufti"
sehr lehrreich.
Ebenfalls zu empfehlen : Nultsch, Allgem. Botanik, 7. Aufl.
Sehr gut finde ich die  Glossare, in denen die Begriffe erklärt werden.
Aber hier im Forum trage ich wahrscheinl. "Eulen nach Athen"

Gruß Peter


Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #5 am: Januar 23, 2019, 08:17:09 Vormittag »
Lieber Jörg,

ich habe deinen Beitrag mit großem Interesse gelesen.
Im Winter einen verdorrten Spross und den verrotteten Blattstiel zu untersuchen ist interessanter, als ich es mir vorgestellt habe.
Für mich ein neues Feld in der Mikroskopie.
Super Bilder.

Gruß
Hans-Jürgen
Rück die Dinge ins richtige Licht und sie werden leuchten.

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Rolf-Dieter Müller

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #6 am: Januar 23, 2019, 16:45:38 Nachmittag »
Da muss man erst darauf kommen, einfach einen verrotten Spross zu präparieren.

Lieber Jörg,

und daraus wird dann ein super Beitrag von Dir.

Viele Grüße,
Rolf-Dieter

Klaus Herrmann

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #7 am: Januar 23, 2019, 19:39:26 Nachmittag »
Lieber Jörg, ganz toll!

Jetzt fehlt nur noch ein Schnitt durch eine Achäne.

Habe ich ein Mal gemacht nach Einbettung in PEG. Zeige ich aber nur, wenn ich deinen Schnitt sehe! ;)
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Bob

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #8 am: Januar 23, 2019, 19:41:38 Nachmittag »
Lieber Jörg,
ein spannendes Thema hast Du da untersucht, schön abseits der üblichen Pfade!
Normalerweise würde man ja eher ein besonders gut erhaltenes Exemplar in besonders frischem Zustand wählen.
Eine Tücke können bei solchen angewitterten Objekten mit rauher Oberfläche sandhaltige Schmutzanhaftungen sein. Das ist regelmäßig ein Problem, wenn man Schnitte mit dem 0,65mm-Reihen-Dickschnittmikrotom macht (Kettensäge). Da stumpft ein Schnitt durch schmutziges Holz genauso ab wie 30 durch normal sauberes.

Einen interessanten Vergleich könnte es ergeben, wenn man grundsätzlich ähnliche Hölzer mit unterschiedlicher Verrottungsbeständigkeit in angerottetem Zustand vergleichen würde. Auch der schnell verrottende Bambus wäre interessant.

Viele Grüße,

Bob

Fahrenheit

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #9 am: Januar 23, 2019, 20:31:06 Nachmittag »
Liebe Freunde,

vielen Dank für Euer Lob - schön dass Euch der Thread gefällt!

Lieber Peter,

den Nultsch in der 12. Auflage habe ich auch da, ein klar gegliedertes, modernes Lehrbuch mit vielen Abbildungen und auf jeden Fall auch zu empfehlen.

Lieber Hans-Jürgen, lieber Rolf-Dieter,

ja, das rottige Zeugs ist tatsächlich interessant und ohne die Anregung aus dem iNaturalists hätte ich wohl auch im Leben nicht dran gedacht, so was zu präparieren. :)
Das hat mir so gut gefallen, dass ich mit dem noch vorhandenen material einen MKB-Abend anbieten werde.

Lieber Klaus,

mh. schwierig. Die sind echt hart. Mal schauen, ob sich da was machen lässt. Da muss dann auf jeden Fall wieder Bobs Schneidehilfe mit ran, da das PEG sonst wohl ausbrechen würde.

Lieber Bob,

nein, ein Schmutzproblem hatte ich nicht, ich konnte auf Blattstiele zurück greifen, die noch am Spross hingen (siehe Bild 5) und auch den Spross habe ich ganz oben genommen, also in fast 2 Meter Höhe, die Pflanzen werden wirklich groß.
Haltbarere Hölzer haben in aller Regel kleinere Zellen mit dickeren Zellwänden im Holzteil und sind somit auch schwerer. Das führt einfach dazu, dass Bakterien und Pilze einen harten, langwierigen Weg vor sich haben, zumal es kaum Angriffsfläche gibt. Ausserdem sind einige Hölzer stark Säurehaltig (z.B. Bankirai), das schützt natürlich auch. Aber Du hast recht: interessant währe so eine Serie schon (Pappel max. 6 Monate alt, Bankirai eher 6 Jahre ... ;)

Allen herzliche Grüße
Jörg
 

 
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Fahrenheit

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #10 am: Januar 31, 2019, 21:43:45 Nachmittag »
Lieber Peter,

eine kleine Ergänzung: zu dem von Dir weiter oben angesprochenen Nultsch (Allgemeine Botanik) gibt es auf der Webseite des MKB nun auch eine kleine Rezension, allerdings der 12. und vermutlich letzten Ausgabe:
http://mikroskopie-bonn.de/literatur/index.html#a9395

Du hast Recht: das Glossar ist wirklich gut.

Herzliche Grüße
Jörg
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Alex H.

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #11 am: Februar 01, 2019, 07:25:23 Vormittag »
Hallo Jörg,

wieder mal ein sehr interessanter Beitrag von dir, in dem auch die Pflanzenmorphologie, die mich so sehr interessiert, nicht zu kurz kommt! Vielen Dank!
Das Buch von Nultsch hab' ich auch (die 10. Auflage), wobei die m. E. unnötig exzessive Verwendung von Fremdwörtern dem Lesefluss aber schon etwas abträglich ist.  Den "Strasburger" (33. Auflage) nehme ich unter Anderem auch deswegen lieber zur Hand. Dafür geht der Nultsch schon mal mit auf Reisen oder dient als Bettlektüre, wofür mir der Strasburger zu schade ist.

Grüße
Alex
« Letzte Änderung: Februar 01, 2019, 07:28:23 Vormittag von Alex H. »
mikroskopischer Schwerpunkt: Pflanzenmorphologie mit dem MBS-10

Wutsdorff Peter

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #12 am: Februar 01, 2019, 10:25:30 Vormittag »
Lieber Jörg,
vielen Dank für den Hinweis auf den Nultsch. Ich habe nur die  7. Aufl. 1982.
Wie unterscheidet sich die 7. von der neuesten?
Zu Deinen Bildern: sehe ich da einige Luft- oder H2O-blasen?
Herzliche Botanikgrüße
                                    Peter

Wutsdorff Peter

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Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #13 am: Februar 01, 2019, 10:51:56 Vormittag »
Hier im Sommerkleid



Gruß Peter

Fahrenheit

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    • Mikroskopisches Kollegium Bonn
Re: Botanik: Schon fast verrottet - Arctium lappa *
« Antwort #14 am: Februar 01, 2019, 13:56:17 Nachmittag »
Lieber Alex,

auch Dir vielen Dank für Dein Lob!

Jaaa, der Strasburger, da hat man was in der Hand. :) Als Bonner muss man den ja im Regal haben und er ist, zusammen mit Biologie der Pflanzen von Raven, Evert & Eichhorn oft meine erste Anlaufstelle. Letzterer gefällt mir als amerikanisches Lehrbuch im guten Sinne besser, da er für mich übersichtlicher gestaltet ist.

Aber wenn man Strasburger sagt, muss man auch Haberlandt sagen. Er war mit seinem Buch Physiologische Pflanzenanatomie ein Zeitgenosse und Konkurrent Strasburgers. Man sagt, die beiden haben sich nicht wirklich gemocht. Während Strasburger "nur" beschrieben hat, was es zu sehen gab, hat Haberlandt versucht, Morphologie und Histologie mit der pflanzlichen Physiologie gemeinsam zu betrachten und zu beschreiben: verkürzt "das sieht so aus, weil es die folgende Funktion hat". Für mich das attraktivere Buch, ich habe das große Glück, die 6. Auflage von 1924 antiquarisch erwischt zu haben.
In Haberlandts Fußstapfen findet sich übrigens die Funktionelle Pflanzenanatomie von Walter Eschrich. Leider ist das Buich auch nur noch antiquarisch zu haben.

Zu allen Titeln findest Du auf der MKB Webseite kurze Rezensionen: http://mikroskopie-bonn.de/literatur/index.html.

Lieber Peter,

danke für das Blütenbild in meinem zur Zeit eher winterlich tristen Thread! Zum Vergleich der 6. und 12. Auflage des Nultsch kann ich leider nichts sagen, ich habe nur die letztere Ausgabe. Aber anhand der Rezenzion auf der MKB Seite kannst du zumindest grob abgleichen.
Wilhelm Nultsch hat aber versucht, sein Werk immer wieder an neu gewonnene Erkenntnisse anzupassen. Teils wurden ganze Kapitel umgeschrieben oder neu erstellt. Es dürfte sich also einiges getan haben. Ob das eine Neuanschaffung rechtfertigt, kann ich allerdings nicht beurteilen.

Nachtrag: ja, es sind Luftblasen, z.B. in den Bildern 17 und 18a. Trotz Anfeuchten von Probe und Klinge mit Ethanol 70% wurde die Luft nicht völlig aus dem Mark verdrängt. Im Laufe der Präparation sind die Blasen dann verschwunden.

Euch beiden herzliche Grüße
Jörg
 
« Letzte Änderung: Februar 02, 2019, 08:41:15 Vormittag von Fahrenheit »
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