Autor Thema: Botanik: Die Seidenhaarige Weide oder Arktische Grau-Weide Salix glauca *  (Gelesen 254 mal)

Carsten Wieczorrek

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Botanik: Die Seidenhaarige Weide oder Arktische Grau-Weide Salix glauca *
« am: Februar 07, 2019, 15:25:15 Nachmittag »
Die Arktische Grau-Weide habe ich bei meinem Grönlandbesuch 2017 gesehen. Nun bin ich dazu gekommen, mein damals gesammeltes Pröbchen zu verarbeiten.

Die Arktische Grau-Weide kommt auf der Nordhalbkugel cirkumpolar vor. Im Gegensatz zu der noch weiter nördlich vorkommenden Arktischen Weide Salix artica, die gerade einmal eine Wuchshöhe von 10 cm erreicht und der Nicht-Fachmann gerne zweifelt, ob das "Gras" wirklich ein Baum ist, kann die Arktische Grau-Weide selbst auf Grönland in windgeschützten Tälern bis zu 3 m hohe, sehr dichte, Gebüsche Bilden.

Bild 1 zeigt einen etwa 1 m hohen Busch am Rande des Wanderweges. Bild 2 zeigt eine Detailaufnahme der Pflanze. Die Laubblätter besitzen einen glatten Rand, sind bis zu 4 bis 6 Zentimetern lang und in der Regel stark behaart. Auch die Äste sind behaart. Die kätzchenförmigen Blütenstände werden gelblich bis gelblich-braun. Die Kapselfrüchte sind dicht behaart, siehe Bild 2.

Präparation
Ein etwa 3 mm dickes Ästchen der Pflanze wurde nach dem Schnitt direkt in AFE fixiert. Nach dem Durchlaufen der Alkoholreihe wurde zunächst in Isopropanol, dann in Butanol entwässert. Das Ästchen wurde dann in Paraffin eingebettet. Der Schnitt wurde am Rotationsmikrotom bei einer Schnittstärke von 15 µm mit einem C-Messer durchgeführt. Der Ast ließ sich sehr gut am Rotationsmikrotom schneiden.

Nach dem Entparaffinieren in Xylol und Roticlear wurde der Schnitte über die umgekehrte Alkoholreihe gewässert und mit ASIM I 10 Minuten bei Raumtemperatur gefärbt. Der Schnitt wurde 10 Minuten in dest. Wasser von überschüssiger Farbe befreit und nach dem üblichen Entwässert in Euparal eingedeckt.

Entgegen meiner bisherigen Erfahrung mit Holzschnitten in Paraffin haben alle Schnitte die Prozedur auf dem Objektträger überlebt, kein Schnitt ist beim Färben, Waschen, Entparaffinieren, Wässern und Entwässer abgefallen.

Bild 3 zeigt den gesamten Schnitt mit dem 6,3 er Objektiv aufgenommen. Es besteht aus 19 Einzelbildern, die mit Microsoft Image Composite Editor gestitched wurden. Jedes Einzelbild besteht aus durchschnittlich 15 Bildern, die mit PICOLAY gestackt wurden. Putzen, Farbkorrektur, Helligkeit und leichtes Nachschärfen wie immer mit Helicon Filter.

Der Schnitt zeigt einen sehr grossen Markanteil, in dem ich allerdings keine Stärkekörner finden konnte. Wie die POL-Aufnahme zeigt, werden aber gelegentlich Kristalle eingelagert.


Details und Bilder in Auflicht-Fluoreszenz habe ich auch, die folgen in einer Antwort auf den Eingangsbeitrag.

Viel Spaß beim Betrachten


Carsten
« Letzte Änderung: Februar 07, 2019, 20:34:10 Nachmittag von Fahrenheit »
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Carsten Wieczorrek

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Re: Botanik: Die Seidenhaarige Weide oder Arktische Grau-Weide Salix glauca
« Antwort #1 am: Februar 07, 2019, 15:29:18 Nachmittag »
So, hier sind die versprochenen Detail und Fluoreszenzbilder.




Bild 1 zeigt ein Leitbündel/Leitbündelscheide, Bild 2 Details des Mark und Bild 3 das Mark bei gekreuzten Polarisatoren.


Und nun die UV-Bilder. Anregung mit einer 430 nm LED und dem CZJ Filterwürfel 450-3/0 und einen Sperrfilter G245.

Bild 4 zeigt Tüpfel,die in Floureszenz gut als Schatten zu erkennen sind.


Bild 5 zeigt die ringförmige Anordnung von Xylem und Phloem.


Bild 6 schließlich zeigt die Epidermis (rechts) und das Rindenparenchym.

Viel Spaß beim Betrachten


Carsten
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Carsten Wieczorrek

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Re: Botanik: Die Seidenhaarige Weide oder Arktische Grau-Weide Salix glauca
« Antwort #2 am: Februar 07, 2019, 15:29:47 Nachmittag »
Und noch das letzte Bild (Bild 6).

Carsten
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Fahrenheit

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Re: Botanik: Die Seidenhaarige Weide oder Arktische Grau-Weide Salix glauca *
« Antwort #3 am: Februar 07, 2019, 20:35:22 Nachmittag »
lieber Carsten,

vielen Dank für den interessanten Beitrag zu einer nicht alltäglichen Pflanze, den ich natürlich gelistet habe!

Du hast einen jungen Zweig erwischt, der noch kein sekundäres Dickenwachstum zeigt. Hast Du vielleicht in der Probe noch einen älteren Zweig, bei dem es schon Jahresringe gibt? Ich würde kleine. kompakte Zellen als Spiegel des langsamen Wachstums erwarten.

Herzliche Grüße
Jörg
« Letzte Änderung: Februar 07, 2019, 20:37:34 Nachmittag von Fahrenheit »
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