Autor Thema: Botanik: Wandelröschen Lantana camara *  (Gelesen 1281 mal)

Hans-Jürgen Koch

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Botanik: Wandelröschen Lantana camara *
« am: Mai 03, 2019, 14:05:51 Nachmittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

(Lantana camara) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Wandelröschen (Lantana) innerhalb der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae). Es ist in den Tropen und Subtropen eine sich stark ausbreitende invasive Pflanze.
Bild 01 Wandelröschen Lantana camara

Urheber: Alvesgaspar

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Unterarten von Lantana camara reicht von Mexiko bis Zentralamerika sowie nördliche Südamerika und sie kommt auf Karibischen Inseln vor. Sie ist aber in allen warmen Gebieten der Welt ein Neophyt und kann sich insbesondere in feuchtwarmen Gegenden auf Ödland, auf Weiden und in Wäldern stark ausbreiten, wozu auch die Ausbreitung der Samen durch Vögel beiträgt. Manchmal wird sie aber auch gerade deshalb auf erosionsgefährdeten Hängen angepflanzt. In Südafrika ist die Kultur des Wandelröschens wegen seines invasiven Charakters in Gärten verboten worden.

Die hierzulande als Topfpflanze erhältlichen Exemplare sind Zuchtformen (Camara-Hybriden) der Wildart Lantana camara.
Bei Lantana camara handelt es sich um Sträucher. Die oft langen, leicht herabhängenden Zweige sind durch abwärtsgerichtete Borsten oder kurze Stacheln rau.

Die meist gegenständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der flaumig behaarte Blattstiel ist 1 bis 2 Zentimeter lang. Die einfache, pergamentartige Blattspreite ist bei einer Länge von 3 bis 8,5 Zentimetern sowie einer Breite von 1,5 bis 5 Zentimetern eiförmig bis länglich mit gerundeter bis fast herzförmiger Spreitenbasis. Der Blattrand ist gekerbt bis gesägt.

Die Blätter sind runzelig und behaart und fühlen sich etwas rau an – mit der besonderen Blattstruktur sind die Pflanzen gut an sommerliche Trockenperioden angepasst.
Wenn die Laubblätter zerdrückt riechen sie aromatisch. Es sind fünf Paare deutlich erhabene Seitennerven vorhanden.
In endständigen köpfchenförmigen Blütenständen mit Durchmessern von 1,5 bis 2,5 Zentimetern stehen viele Blüten zusammen. Die Blüten sind gelb oder orangefarben, später oft rötlich bis violett. Durch die sich mit der Zeit ändernde Blütenfarbe bekommen die Blütenköpfchen ein charakteristisches, buntes Aussehen mit verschiedenen Farben innen und außen. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit einer doppelten Blütenhülle. Der Fruchtknoten ist kahl.
Die Knospen öffnen sich stets von außen nach innen, sodass die letzten Knospen im Innern des Blütenstandes beispielsweise gerade gelb aufblühen, während sich die anderen Blüten zum äußeren Rand hin mit zunehmendem Alter in kräftiger werdendem Orange präsentieren. Es gibt aber auch Sorten, bei denen der Farbumschlag nur gering ausgeprägt ist und die fast einfarbig wirken.

Die wenigsamigen, giftigen Steinfrüchte sind bei einem Durchmesser von etwa 4 Millimetern kugelig und färben sich bei Reife metallisch dunkel-purpurfarben bis schwarz.

Alle Pflanzenteile sind giftig, besonders die reifen und unreifen Früchte. Hauptwirkstoffe sind Lantaden A und B, Icterogenin sowie Triterpene. Die invasive Pflanze ist besonders für Weidetiere gefährlich. Erste Vergiftungserscheinungen sind Appetitverlust und Verstopfung, es folgen Symptome der Gelbsucht und Lichtempfindlichkeit. Infolge der Hepatotoxizität der Pflanze kommt es zu einer hohen Mortalität.
Wenn man Verblühtes nicht entfernt, bilden sich erst grüne, dann schwarz glänzende kugelige Steinfrüchte, die sowohl unreif als auch im reifen Zustand sehr giftig sind. Manche Vögel vertragen die Beeren allerdings problemlos und sorgen so für die Verbreitung der Samen.
Es gibt vereinzelte Berichte über tödliche Vergiftungen bei Kindern nach Verzehr der grünen Beeren.
Der Samen des Wandelröschens spielt beispielsweise im Nahrungsspektrum der Dunklen Kuckuckstaube eine Rolle, obwohl diese Pflanzenart in Australien – dem Lebensraum dieser Taube – eine eingeführte Art ist.

Systematik: 
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Eisenkrautgewächse (Verbenaceae)
Gattung: Wandelröschen (Lantana)
Art: Wandelröschen
Wissenschaftlicher Name: Lantana camara


Bild 02 Illustration, Wandelröschen Lantana camara

Quelle: https://www.flickr.com/photos/biodivlibrary/7795747996
Dieses Werk ist gemeinfrei.

Dieses Gewächs ist so eine Art Dr.Jekyll und Mr. Hyde der Pflanzenwelt:
In den feuchtwarmen Gebieten der Erde ist sie nicht besonders gern gesehen, da sie sich wild wuchernd in Wäldern und auf Weideland ausbreitet und das Vieh vergiftet, in etwas kühleren, trockeneren Regionen ist sie als Zierpflanze sehr beliebt.
Die „gespaltene Persönlichkeit“ lässt sich auf die außerordntliche Vielgestaltigkeit dieser Art zurückführen, so dass einige Botaniker schon Bedenken angemeldet haben, ob es sich wirklich um nur eine Art handeln kann.

Spross, Querschnitt, 25 µm

Zunächst einmal 4 Bilder von ungefärbten Schnitten.

Bild 03 Übersicht, Wandelröschen Lantana camara


Bild 04 Lentizelle, Wandelröschen Lantana camara

Lentizellen entstehen im Verlauf der Borkenbildung. Unterhalb der Epidermis bildet ein Korkkambium (Phellogen) Korkzellen; die Rinde aus Kork ersetzt schließlich die Epidermis. Korkzellen sind durch Suberineinlagerung für Gase und Wasser undurchlässig.

Bild 05 Vergrößerung, Wandelröschen Lantana camara


Bild 06 Vergrößerung, Wandelröschen Lantana camara


Bild 07 Autofluoreszenz, Wandelröschen Lantana camara

Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz iLED 455 nm
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert

Arbeitsablauf :
1. Probe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca. 15 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 2 Minute.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
Tipp:
Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus
Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % )
10. Einschluss in Euparal.
Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5000.

Bild 08 Übersicht, Wandelröschen Lantana camara


Bild 09 Übersicht mit Beschriftung, Wandelröschen Lantana camara

PHE = Phellem, TR = Trichom oder abwärtsgerichtete Borsten), T = Trachee, SK = Sklerenchym – Inseln, RP = Rindenparenchym, JRG = Jahresringgrenze, PH = Phloem, K = Kambium, WB = Eeichbast ( Phelloderm), XY = Xylem, MP = Markparenchym.

Bild 10 Vergrößerung, Wandelröschen Lantana camara


Bild 11 Drüsenhaar, Wandelröschen Lantana camara


Bild 12 Drüsenhaar, Wandelröschen Lantana camara

Drüsenhaare, pflanzliche epidermale Haare, die aus köpfchenförmigen Drüsenzellen Sekrete abscheiden, z.B. etherische Öle, Harze, zuckerreiche Substanzen und Schleime. Die Drüsenhaare bestehen meist aus Köpfchen, Stiel und den in die Epidermis eingesenkten Fußzellen. Das Köpfchen habe ich leider abgeschnitten.

Bild 13 Xylem, Wandelröschen Lantana camara


Bild 14 Kambium, Wandelröschen Lantana camara

Bild 15 Xylem, Wandelröschen Lantana camara


Bild 16 Vergrößerung, Wandelröschen Lantana camara


Bild 17 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme,

Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz iLED 455 nm
LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 18 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Wandelröschen Lantana camara


Bild 19 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Wandelröschen Lantana camara


Quellen und weiterführende Informationen:
 „Botanica“ Das Abc der Pflanzen, ISBN: 3-8290-0668-6
Die Informationen für Beschreibungen werden von mir selbst aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Dabei benutze ich sowohl Bücher als auch Internet Quelle. Texte werden anschließend individuell von mir selbst verfasst.
Für konstruktive Kritik bin ich ebenso offen wie für lobende Worte.
Doch zunächst einmal wünsche ich viel Freude beim Lesen.

Hans-Jürgen

 
« Letzte Änderung: Mai 04, 2019, 21:04:54 Nachmittag von Fahrenheit »
Die Natur ist die beste Lehrmeisterin.

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Gerne per "Du"

Wutsdorff Peter

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Re: Botanik: Wandelröschen Lantana camara
« Antwort #1 am: Mai 03, 2019, 17:51:22 Nachmittag »
Grüß Dich Hans-Jürgen,
wieder einmal  ein "typischer Hans-Jürgen", Gratulation!!
Es ist interessant, daß die Kühe auf den Almen (CH) die giftigen Pflanzen meiden. Trotzdem stechen die Bergbauern die Pflanzen aus. Ob es diese Pflanze ist, weiß ich natürlich nicht.
Gruß Peter

Vorticella

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Re: Botanik: Wandelröschen Lantana camara
« Antwort #2 am: Mai 03, 2019, 18:37:00 Nachmittag »
Hallo Hans-Jürgen,

immer, wenn ich deinen Namen im Forum lese, gibt es für mich nur eins: Kaffee machen mit dem Laptop aufs Sofa. Die Bilder sind wie immer klasse.

Danke fürs Zeigen
Jan

unkenheini

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Re: Botanik: Wandelröschen Lantana camara
« Antwort #3 am: Mai 03, 2019, 22:08:59 Nachmittag »
Hallo Hans Jürgen,
Ich kann Vorticella nur zustimmen,Deine Berichte werden bei mir auch in Ruhe mit einer Tasse Kaffee genossen.Es ist immer wieder spannend und informativ,sowas liest man nicht nebenbei.Vielen Dank fürs Zeigen
Mit freundlichen Grüßen Jörg
Mit freundlichen Grüßen
Jörg G.

p.s. Mir ist es lieber mit Du angesprochen zu werden als mit Sie.Danke.

Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Wandelröschen Lantana camara
« Antwort #4 am: Mai 04, 2019, 08:22:55 Vormittag »
Liebe Pflanzenfreunde,

danke für Euer Feedback.

@ Peter,

die Kühe in der Schweiz sind schon clever. ;)
Die toxischen Hauptwirkstoffe wie Lantaden A und B sie sind vor allem in den Blättern enthalten.

Gruß
Hans-Jürgen
Die Natur ist die beste Lehrmeisterin.

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Wutsdorff Peter

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Re: Botanik: Wandelröschen Lantana camara
« Antwort #5 am: Mai 04, 2019, 09:27:26 Vormittag »
Hallo  Hans-Jürgen,
vielen Dank für die Info.
Ich bevorzuge Tee, einverstanden?
Gruß Peter

Fahrenheit

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    • Mikroskopisches Kollegium Bonn
Re: Botanik: Wandelröschen Lantana camara
« Antwort #6 am: Mai 04, 2019, 21:04:42 Nachmittag »
Lieber Hans_Jürgen,

wie immer vielen Dank für den interessanten und spannenden Beitrag mit den schönen Bildern.
Das Wandelröschen ist gelistet. :)

Herzliche Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

Hans-Jürgen Koch

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Re: Botanik: Wandelröschen Lantana camara *
« Antwort #7 am: Mai 05, 2019, 08:41:36 Vormittag »
Hallo Jörg,

auch Dir danke.

Gruß
Hans-Jürgen
Die Natur ist die beste Lehrmeisterin.

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