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Grüße aus Franken

Begonnen von micro_jürgen, Juli 22, 2020, 23:24:03 NACHMITTAGS

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micro_jürgen

Hallo zusammen,

ich heiße Jürgen, bin 44 Jahre alt, wohne im mittelfränkischen Ansbach und begeistere mich eigentlich schon immer für die Welt im Kleinen. Unsere beiden Kinder (6 und 8 Jahre alt) haben letztes Jahr von den Großeltern je ein Kindermikrosokop (Monokular von Kosmos) bekommen. Die billigen Teile weckten bei den Kleinen und auch mir das grundsätzliche Interesse an der Mikrosopie, wobei einem der Spass mit den "Spielzeugen" leider schnell vergeht. Am meisten interessiert uns die Betrachtung und Erkundung von Objekten wie Insekten, Pflanzen oder Steinen. Wir haben mit der kleinsten 40-fach Vergößerung allerlei Exponate betrachtet, leider natürlich ohne entsprechende Bildqualität. Ich bin daher auf der Suche nach einem guten und brauchbaren Stereomikroskop.

Zwangsläufig stösst man beim Recherchieren im Internet auf das Mikro-Forum. Ich bin vom Forum an sich und den fundierten Beiträgen total begeistert. Daher hier ein großes Lob an die Betreiber und aktiven Mitglieder des Forums.

Nun zu meinem Anliegen: Eine bekannte Biologin meinte ich solle besser nach einem gebrauchten Markengerät wie z.B. Zeiss Ausschau halten, anstatt für das gleiche Geld ein in China gefertigtes Neugerät mit minderwertiger Optik zu beschaffen. Bei meiner bisherigen Suche auf ebay-kleinanzeigen und Co komme ich daher auf Geräte wie das Zeiss West DV4 oder das MBC-10. Meine Frage in die Runde: Lohnt sich der Kauf eines gebrauchten Stemi oder bekommt man für ähnliches Geld mit einem Neugerät eine gleichwertige oer gar bessere Optik? Ich habe vor max. 400 € zu investieren. Vorab vielen Dank für eure Ratschläge und Hinweise.

Beste Grüße
Jürgen

Herbert Dietrich

Hallo Jürgen,

willkommen hier im Forum, schön dass es Dir in unserem Forum gefällt.
Für Kinder mit 6 und 8 Jahren ist ein Stereomikroskop die erst Wahl. Dabei kommt es nicht auf hohe Vergrößerung an.
Bei 10facher Vergrößerung können Deine Kinder noch gut einen Bezug zu dem gesehenen Objekt herstellen. Schön ist es dann, wenn man das Gesehene
entweder stufenweise oder stufenlos nochmals vergrößern kann, bei 40fach ist dann vorerst Schluß. Höhere Vergrößerungen benötigen überwiegend Spezialisten.

Ob ein Markengerät oder eines aus Fernost, das ist eine Gewissensfrage. Ich habe ein MBS 10 und ein Zeiss DR zu verkaufen. Auf meinem Schreibtisch steht auch ein
Stereomikroskop aus China. Von der Verarbeitung und der Optik bin ich angenehm überrascht. Für Kinder könnte ich das durchaus empfehlen (es steht nicht zum Verkauf) In der von Dir angestrebten Preisklasse solltest Du ein gutes Gerät bekommen. Das MBS 10 liegt sicher deutlich darunter.

Ich habe auch noch zwei einfachere Stereo-Mikroskope so in der Preisklasse < 100.-- zu verkaufen

Ich wohne in der Nähe von Augsburg, Ansbach ist ja nicht sooo weit.

Bei einem Durchlichtmikroskop, das sicher später noch dazu kommt, geht meine Empfehlung eindeutig zu Zeiss West oder Leitz/Leica, aber das hat ja noch Zeit.

Herzliche Grüße

Herbert




Gerd Schmahl

Hallo Jürgen,
in der Altersklasse, in der sich Deine Kinder z.Z. noch befinden, solltest Du darauf achten, dass nicht zu viele Bedienteile am Mikroskop sind. Ein MBS-10 würde ich da z.B. nicht empfehlen. Da kann man durch Drehen einer einzigen Rändelschraube das teure Objektiv herunterplautzen lassen. Auch die generelle Voreinstellung der Arbeitshöhe, die ab bestimmten Objekthöhen notwendig wird und durch Lösen einer Klemmschraube und Anheben des ganzen Gerätes an einer Stativstange erfolgt, sollten die Kinder nicht selber machen. In dieser Altersklasse (aus der sie ja aber schnell herauswachsen!) sind etwas einfachere Geräte sicher die bessere Wahl, wenn sie ganz selbständig von den Kindern bedient werden sollen.
Wichtig ist wirklich der Einstieg mit maximal 10-facher Vergrößerung. Viele der Schul-Stereomikroskope, die von Lehrmittelverlagen angeboten werden haben leider nur die Kombination 20x /40x.
10x/30x ist da wesentlich besser!
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Dirk Schlage

Hallo Jürgen,
da will ich auch meinen Senf dazu abgeben.

Ich bin erst vor einem halben Jahr ernsthaft angefangen und hätte damals nicht gedacht, dass mich ein Stereomikroskop so von den Socken haut.
Ein paar Gedanken möchte ich beisteuern:
Ich hatte schon vor 10 oder 15 Jahren zwei Stereomikroskop  für 50 und 100 Euro gekauft. Diese Teile würde ich heute nicht einmal einem Achtjährigen schenken wollen, und zwar nicht wegen der optischen Qualität, China ist sicher auch kein Abwertungskriterium an sich.

Das eine Mikroskop hat einen Trieb, der nicht befriedigend funktioniert. Der Tisch, ist unpraktisch, um eine Petrischale darauf abzulegen, zu hoch, zu klein. Die Auflichtbeleuchtung ist so, ... la la.
Die Vergroeßerung: Beide haben nur eine Vergroeßerung. Für das Loeten von Elektronik, hat das genau für mich gepasst, aber wenn ich Proben aus der Natur betrachten will, sowohl riesige Springschwänze, als auch kleine Bärtierchen suchen, dann sollte es, aus meiner Sicht, mehrere Stufen haben.

Ich habe jetzt ein wunderschönes antikes Zeiss Opton, das auch nicht super billig war und eine tolle Optik hat... egal.

Dieses Mikroskop hat so eine Schaltwalze für die Vergrößerung und ist sauschwer. Da ist genau so eine Schraube dran, wie Gerd vermutlich meinte, um das Mikroskop nochmal grob zu verschieben. (Meins hat sogar noch eine Sicherheitsvorrichtung, so einen Käfig um das einzugrenzen. Ist wohl ein Extrazubehör.) Wenn man die Schraube löst und das Mikroskop nicht gleichzeitig festhält, krachen ein paar Kilo Metall eine Stufe tiefer.
Mein Zeiss hat so eine Scheibe im Fuß, die eine schwarze und eine weiße Seite hat. Das hat sich auch schon als nützlich erwiesen.

Mein Mikroskop ist toll, und ich würde es jederzeit wieder Kaufen, aber vermutlich braucht nicht jeder ein so schweres Mikroskop.

Ich würde mich an deiner Stelle daran orientieren was dir bestimmt schon angeboten wird. Ein MBS ist sicher eine gute Wahl und wird immer wieder angeboten. Der Wertverlust, bei einem gebrauchten Mikroskop, hält sich vermutlich in Grenzen. Im Gegensatz zu einem der massenhaft vorhandenen 200-Euro-China-Stereomikroskope, wenn du das neu kaufst.

Ich habe für mein Mikroskop alte Okulare und welche mit hohem Einblick. (Wie nennt man das in der Astronomie sagen sie High Eyepoint). Die alten Okulare funktionierten für mich auf Anhieb, an die 'modernen' Okulare musste ich mich erst zwei Tage gewöhnen. (Gerd weiß sicher ob das für Kinder evtl. überhaupt kein Problem ist, oder doch.) Man muss für diese Okulare den Kopf im richtigen Winkel und im richtigen Abstand halten. Wie gesagt für mich war es eine Gewöhnung, jetzt ist es kein Problem mehr.

Vielleicht solltest du ggf. schauen, ob an dem Mikroskop so eine moderne billige, chinesische' LED-Beleuchtung für 15 Euro montierbar ist.

Es gibt auch verschiedene Arbeitsabstände bei Stereomikroskopen. Das kann auch ein limitierender Faktor werden.

Ich kann noch aus Erfahrung sagen, dass du hier gut aufgehoben bist.

Zum Thema Ansbach. Das liegt ja fast schon in Baden-Würtemberg. Ich wohne in Erlangen, das hat mich damals geschockt, dass ihr unsere Bezirkshauptstadt seid... ;)

Gruß
    Dirk


Gerd Schmahl

#4
Hallo Dirk,
deine "modernen" Okulare sind Brillenokulare mit erhöhter Austrittspupille, damit man beim Mikroskopieren die Brille nicht absetzen muss und andererseits sich die Gläser nicht verkratzt. Sie sind aus dem gleichen Grund auch besser geeignet, um durch das Okular zu fotografieren. Es stimmt, dass man den Augenabstand sauberer einstellen muss, um gut damit zu sehen.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

micro_jürgen

Hallo miteinander,

vielen Dank für eure umfassenden Antworten und Ratschläge!

Grundsätzlich finde ich meine bisherige Meinung bestätigt besser ein solides Gebrauchtgerät zu kaufen als die Eierlegendewollmilchsau aus China, auch unter dem Aspekt später das Gerät zu veräußern wenn man sich technisch verändern will.

Ich tendiere gerade stark zu einem Zeiss DV4 in gutem Zustand für deutlich unter 300 €. Müsste einfach zu bedienen sein und hat einen ausreichenden Vergrößerungsbereich, allerdings nur eine Auflichtbeleuchtung. Hat jemand Erfahrung mit dem Stemi, bzw. könnt ihr mir das Teil empfehlen?

Grüße aus der Bezirkshauptstadt Ansbach

Jürgen

Klaus Herrmann

Hallo Jürgen,

und du glaubst, dass der "Plasikbomber" DV4 bei Zeiss in Deutschland gefertigt wurde? Meine Meinung: da ist keine einzige Schraube in D gefertigt!
Das hat ja neu ca 1300.- gekostet macht dich das nicht nachdenklich?

Also ich hatte vor Jahren mal eine Weile mit einem gespielt. Ein stabiles Mikroskop, das länger als 5 Jahre halten soll ist was anderes!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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micro_jürgen

Hallo Klaus,

dass ich mich nicht groß auskenne gebe ich ja deutlich zu verstehen. Ich spekuliere denke ich auf ein altes Vor-Vorgängermodell aus den 80-ern, welches m.E. größtenteils aus Metall besteht. Da ich noch nicht durchgesehen habe kann ich die Wertigkeit der Optik eben nicht beurteilen, an der Stabilität des Teils zweifle ich jedoch nicht.

Gruß
Jürgen

Klaus Herrmann

Hallo Jürgen,

ich muss gestehen, dass ich deine Antwort nicht verstanden habe: Was hat das DV4 mit einem Vor-Vorgänger zu tun? Und was willst du jetzt DV4 oder älteres solides Zeiss Stemi. Da gäbe es das Stemi III oder etwas vornehmer das IV b aber das muss es eigentlich nicht sein, weil teurer. Ich hätte ein Wild M5. Sehr schön mit Zoom und einer Stabilen Transportschutzhaube. Das ist vergleichbar mit dem Zeiss IV b Tubuskopf abnehmbar um einen Fototubus dazwischen zu setzen.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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ManK

Guten Abend,
"DV4" ist doch wohl doppelt belegt - sowohl der neue "Plastikbomber" als auch das grundsolide Modell aus den ?80er? Jahren...
Grüße
Manfred

Klaus Herrmann

Hallo Manfred,

du hast Recht. Wenn das alte DV4 gemeint ist, dann nehme ich alles zurück. Das ist absolut was ordentliches und für knapp 300.- auch ein gut zu akzeptierender Preis.

Nur der Bitubus kann nicht abgenommen werden wie beim größeren Bruder dem SV 8.
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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Mikroman

Moin,

das DV4 ist ein ordentliches Gerät - mit den richtigen: 10x/25 Okularen. Das Plastikmodell hatte ich auch schon unter meinen Fingern. Optisch gibt's da eigentlich auch nichts zu beanstanden, mir aber zu legomäßig. Für optisch überlegen halte ich das DR/C, also das mit den verschiebbaren Objektivköpfen, z.B. ist die n.A. höher als bei der Zoomoptik des DV4. Für Kinder aber vermutlich nicht einfach genug zu bedienen. Hier könnte ich mir vorstellen, dass das neuere DV4 gut ankommen könnte. Leider werden gebraucht noch über 500 € dafür aufgerufen.

Gruß
Peter
Zu sehr auf sich selbst zu beharren,
ist ein unvernünftiges Vergeuden der Weltsubstanz (Juarroz, 9. Vertikale Poesie,1)

micro_jürgen

Hallo,

ich meine das alte DV4, sieht fast genauso aus wie in der von Klaus gezeigten Abbildung. Schon mal vielen Dank für eure Einschätzung!

Grüße
Jürgen

Jürgen Boschert

Hallo Jürgen,

das alte DV4 sieht so aus wie auf der von Klaus eingestellten Abbildung, ein anderes gab es nicht. Noch eine Anmerkung zu Tubus: Der ist nicht wechselbar, weil das DV4 nach dem Greenough-Prinzip aufgebaut ist, da geht das wohl optisch nicht mit vertretbarem Aufwand. Tubuswechsel sind nur bei Stemis nach dem Teleskopprinzip möglich; das waren aus der Zeit bei Zeiss das SR (Stufenwechsler mit Galileo-Fernrohren) und das SV8 (Zoom 1:8).
Beste Grüße !

JB

Klaus Herrmann

Hallo Jürgen

damit ist alles in Butter. Mein Rat: für etwa 300.- bekommst du was solides (natürlich vorausgesetzt es hat keine Macke, da musst du selbst drauf achten) Defekte gibt es viele, deshalb ist ein seröser Verkäufer die halbe Miete!
Also sind die originalen Okulare drin. Sieht man keine Doppelbilder; hat man ein klares scharfes Bild? Kann man die Vergrößerungsstufen sauber wechseln; präzise Rastung beim Wechsel?
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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