Autor Thema: Brachionus urceolaris  (Gelesen 994 mal)

limno

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Re: Brachionus urceolaris
« Antwort #15 am: März 13, 2021, 21:44:46 Nachmittag »
Lieber Stephan,
Verzeihung, das war mir jetzt nicht mehr präsent, dass Du auch Biologe bist, aber das ist ja ein schier unerschöpfliches Feld.....Was die Rotatorienliteratur angeht, habe ich die zwei Standardwerke über die Ordnung Bdelloidea von P. Josef DONNER (1956) bzw. den Text- und Tafelband von VOIGT/KOSTE über die Monogononta. Die Rädertiere Mitteleuropas  in der 2. Auflage von 1978  Damit ist die mitteleuropäische Rotatorienfauna gut abgedeckt (und vermutlich darüber hinaus). Neuere Literatur ist mir nicht bekannt und das ist vielleicht das einzige Manko.
Nein, natürlich sind aussagekräftige Fotos gegenüber dem reinen Beobachten im Vorteil. Und ich kann jetzt Deine Frustration gut nachfühlen Und ich meine, da geht noch was. Aber im Moment habe ich mich ziemlich im Schlüssel verfranzt.
Update: ich habe entdeckt, dass die Zeichnungen  der Zehen betreffend B. urceolaris sich erheblich voneinander unterscheiden (Fehler?) (Michael bezieht sich auf die Zeichnung auf S. 67, da sind die Zehen spitz zulaufend, auf dem Foto aber abgerundet. Im Schlüssel (S.68; Punkt 17  hingegen wird auf die Abbildungen 30 a - e des Fußes  verwiesen, und das stimmt dann wieder mit Deinem Foto überein. Bei den 6 Dornen sehe ich aber nach wie vor nichts., was sich aber mit Deinen weiteren Fotos doch klären lassen sollte.Weiteres Update:Ich verfolge jetzt den Schlüssel zu B. ulceolaris auf S. 76f. weiter:Ventral- und Dorsalpanzer miteinander verbunden? Ja?Bis auf Weiteres!
Heinrich
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SNoK

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Re: Brachionus urceolaris
« Antwort #16 am: März 13, 2021, 23:25:29 Nachmittag »
Lieber Heinrich,

danke für die Rückmeldung. Das Werk von Voigt/Koste hatte ich schon mehrfach im Netz gesehen...und habe es mir eben kurzentschlossen für 123 Euro bestellt. Dann kann ich das mit der Bestimmung noch mal selber angehen. Was meinst Du mit Donner 1956, den Titel in der Franck‘schen Reihe? Da kann man doch nicht wirklich mit bestimmen. Was anderes habe ich nicht gefunden.

Grüße
Stephan
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limno

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Re: Brachionus urceolaris
« Antwort #17 am: März 14, 2021, 11:17:50 Vormittag »
Lieber Stephan,
dass der DONNER ein Standardwerk ist, wirst Du im Vorwort des VOIGT/KOSTE  gleich zu Beginn feststellen:
Zitat
"Der Begrenzung  auf die Überordnung Monogononta [...] kam  der glückliche Umstand entgegen, dass die vortreffliche Bearbeitung der Ü.-Ordnung der Digononta (Bdelloidea) von P. J. DONNER (1965), 6. Lieferung in in der Reihe "Bestimmungsbücher  der Bodenfauna Europas "(Akademie-Verlag, Berlin) vorliegt,die auch alle aquatischen Formen dieses Taxons behandelt. Bei den Schwierigkeiten  die der Möglichkeit der Determination der bdelloiden Rotatorien eigen sind,ist damit zu rechnen, dass für lange Zeit dieser Veröffentlichung DONNERs nichts Besseres an Qualität und Vollständigkeit entgegengestellt werden kann."

Und Michael Plewka führt uns ja mit seinen wunderbaren Beiträgen in Wort und Bild, die Schwierigkeiten bei der Bestimmung immer wieder vor Augen.Die Altvorderen wie DONNER oder KAHL bewundere ich sehr, was sie ohne Phasenkontrast und Kamera gesehen und zeichnerisch festgehalten haben. Und es wird immer noch auf diese Arbeiten zurückgegriffen!
Sorry, übrigens für den Zahlendreher in einem der letzten Beiträge. Da hatte ich das Erscheinungsdatum des DONNER mit 1956 angegeben. Das bezieht sich aber auf die KOSMOS-Reihe "Einführug in die Kleinlebewelt", die im übrigen immer dann zu empfehlen ist, wenn man sich in die Bestimmung einer Organismengruppe erst einarbeiten muss. Aber sie ist natürlich teilweise veraltet.
Nach der Reihe "Bestimmungsbücher  der Bodenfauna Europas " habe ich übrigens lange gesucht, aber nichts gefunden! Einzig DONNERs Werk ist als "lebendes Fossil" aus lang vergangener Zeit übriggeblieben, und ab und zu antiquarisch erhältlich.

Mit besten Grüßen
Heinrich
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SNoK

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Brachionus urceolaris (?) Panzer
« Antwort #18 am: März 14, 2021, 14:40:34 Nachmittag »
Lieber Heinrich,

ich habe mal eben im Netz nach dem Donner geschaut aber nichts gefunden. Ich werde weiter suchen, klingt spannend. Ansonsten gebe ich mit der Bestimmung nicht auf. Anhand meiner Bilder habe ich eine Zeichnung des Panzers von der Ventralseite angefertigt. Danach wären es tatsächlich sechs Dornen und nicht vier. Zwei ventral, vier dorsal. Und dann habe ich noch mal in den "Wassertropfen" geschaut, wo verschiedene Panzer von Brachionus abgebildet sind. Und da käme tatsächlich B. urceolaris hin. Aber jetzt warte ich mal auf den Voigt/Koste.

Grüße
Stephan

« Letzte Änderung: März 14, 2021, 15:00:15 Nachmittag von SNoK »
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limno

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Re: Brachionus urceolaris
« Antwort #19 am: März 14, 2021, 15:37:59 Nachmittag »
Lieber Stephan,
anhand Deiner akkuraten Zeichnung habe ich nochmals die entsprechenden Abbildungen im Tafelband damit verglichen; sie stimmen m.E. nicht annähernd  überein.
Auf die widersprüchlichen Zeichnungen der Zehen habe ich schon hingewiesen.
Aber niemand ist fehlerlos. Einen derart umfangreichen Schlüssel zu erstellen, erfordert einen großen Aufwand an Zeit und Geduld.
Mit besten Grüßen
Heinrich

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SNoK

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Re: Brachionus urceolaris
« Antwort #20 am: März 19, 2021, 21:16:59 Nachmittag »
Lieber Heinrich,

heute kamen die zwei Bände Voigt/Koste. Ich habe mich erstmal eine ganze Weile damit vertraut gemacht, da das eine andere Art der Bestimmung ist, als ich sie von meinen Insekten kenne, zumindest was die Aufsummierung von Merkmalen angeht. Aber das geht dann schon. Meine Schlussfolgerung ist, das es sich um Brachionus urceolaris handelt, wie Michael Plewka auch vermutet hat. Warum? Dass wir es mit der Gattung Brachionis zu tun haben, begründe ich jetzt nicht mehr, aber auch dahin habe ich mich von Anfang an mittels Bestimmung gearbeitet. Ich nehme aber mal Deine Liste und kommentiere die (Entschuldigung an alle die, die nicht den Voigt/Koste haben, denn für die ist es völlig unverständlich):

    2+? (das sehe ich auch so, würde aber durchaus auch die 3 nicht ausschließen)     
    5a + (das sehe ich nicht so, und habe das durch meine Zeichnung und Bilder belegt)
    6  - (ich sehe ganz eindeutig sechs Dornen, sehe also 6+)
    8 - (sehe ich auch so)
    9 + (sehe ich auch so)
    10 ? - (ist in meinen Augen nicht der Fall)
    11 + (sehe ich auch so)
    12? (das ist schwer zu sagen, aber im Prinzip würde ich das, was ich sehe als Dornen bezeichnen)
    13? (das könnte natürlich auch sein)
    15+ (ja, da sind nur schwache Bögen auf der Ventralseite zu sehen
    17+ (sehe ich auch so)
    18- (sehe ich auch so)
    20+ (kann  ich nicht beurteilen, kenne ich mich zu wenig aus, da ich nicht weiß, was eine Basalplatte ist)
    22+ (ich gehe davon aus, dass der Panzer fest ist, stimme also zu)

Zusammenfassend: 2, 6, 9, 11, (12), (13), 15, 17, 22

Wenn ich das vergleiche, passt das eigentlich am besten zum Formenkeis B. urceolaris. Und wenn ich mir dann die Tafel 9 anschaue und mit meiner Zeichnung vergleiche, dann passt die sehr gut zur Abbildung 3b oder 3c. Ich hänge mal einen Scan an, damit die, die jetzt überhaupt nicht mehr wissen, worüber wir sprechen, wenigsten meine Abbildung mit der aus Voigt/Koste vergleichen können. Ich habe dann auch noch versucht, die Artgruppe weiter zu bestimmen, und komme zu urceolaris. Danach sollte es also B. urceolaris urceolaris sein.

Grüße
Stephan



« Letzte Änderung: März 19, 2021, 21:18:56 Nachmittag von SNoK »
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Re: Brachionus urceolaris
« Antwort #21 am: März 20, 2021, 11:05:18 Vormittag »
Lieber Stephan,
ich denke, Du liegst richtig. Eindeutiger wäre die Formulierung "insgesamt 6 Anterioraldornen (4 dorsal + 2 (an der Seite des Vorderrands)
Der Rumpfpanzer, übrigens, wird vom Autor als "ballonförmig", bezeichnet.
Dieses Merkmal ist unterstrichen, also zwingend.
Beste Grüße von
Heinrich
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