Diatomeen im Heilschlamm Pelose

Begonnen von piu58, März 12, 2021, 22:19:27 NACHMITTAGS

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piu58

Liebe Mikoskopiker,

Harald hat einigen von uns Heilschlamm-Proben geschickt. Ich habe versucht, davon Präparate zu machen. Ich bin das nicht gewöhnt und dazu auch nicht ausgerüstet. Das große Problem sind die mineralischen Bestandteile, die ich nicht gut trennen kann.
Ich habe es mit fraktionierter Sedimentation in Zentrifugenröhrchen versucht.
Die ersten 15 Minuten sind so voller Ton, dass sie nicht auswertbar sind.
Fraktionen mit einer Sedimentationszeit von länger als 15 Sekunden und bis zu 5 Minuten sind gut. Danach folgen nur noch feine mineralische Bestandteile, und kaum noch Diatomeen.
Natürlich ist in allen Proben Ton enthalten. Ich bekomme das nicht getrennt, und chemisch auflösen kann man es natürlich auch nicht, es sind ja Aluminosilikate. Ich habe schließlich das Material so verdünnt, dass auf dem Deckglas die Diatomeen und der "Dreck" meist nebeneinander zu liegen kamen.

Ein weiteres Problem ist, dass die Diatomeenschalen auch verdreckt sind. Ich habe in meinen Zeichnungen nicht versucht, sie so wiederzugeben, als gäbe es das nicht. Ich habe weitgehend das gezeichnet, was ich gesehen habe. Alles in normalem Durchlicht bei 60x, nur das erste Bild entstand bei 40x.

Heute habe ich etwas gesehen, was der Form nach wie die Grünalge Pediastrum assah. Kann es freilich nicht sein, denn diese sind ja vergänglich. Weiß jemand Rat?

Die Bilder in der Reihenfolge unten:
Gyrosigma sp. (40x)
Navicula sp.
Suriella biseriata
Melosira granulata
unklar

Weiteres folgt.

Danke, Harald! So eine Vielfalt.

Bleibt dran, am Okular.
--
Uwe

anne

Hallo Uwe,
das ist super!!!!
Die ,,Gerüste" von den Pediastren sind normal in der Pelose und auch wunderschön!
lg
Anne

Gerd Schmahl

Hallo Uwe,
schön gezeichnet hast Du!
Die Hüllen von Pediastrum sp. bestehen aus recht widerstandsfähiger Zellulose. In dem Schlamm dürfe Sauerstoffarmut herrschen. Da wird die nicht so schnell abgebaut. Wie hast Du denn aufbereitet?
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

piu58

Guten Morgen, ich habe eine linsengroße Menge (wirklich sehr wenig) mit ca 15 ml Wasser in einem Zentrifugenröhrechen verschüttelt, bis alles dispergiert war. Dann habe ich 15 Sekunden gewartet und danach den Überstand in ein neues Röhrchen überpipettiert. Nach einer Minute diesen Überstand weiter, nach 5 Minuten wieder weiter und nach 30 Minuten wieder. Das letzte habe ich zwei Stunde nstehen lassen.

Wie oben geschrieben, waren die Fraktionen 15s - 1 min und die Fraktion 1 min - 5 min sinnvoll auswertbar.

Ich habe vom Bodensatz ein ganz klein wenig (im µl -Bereich auf ein Uhrglasschälchen pipettiert und dann unter Sicht so weit verdünnt, bis es mir sinnvoll erschien. Das auf einem Deckglas eintrocknen lassen.

"Eingeschlossen" habe ich in Luft, d.h. das Deckglas mit Hilfe von Tesa- Abstandshilfen festgeklebt, wieder mit Tesa.
Bleibt dran, am Okular.
--
Uwe

Bob

Hallo Uwe,
schöne Zeichnungen hast Du da angefertigt! Das Zeichnen von mikroskopischen Objekten ist ja heute nicht mehr so verbreitet, was eigentlich schade ist.
Neben dem Absinken lassen oder Zentrifugieren ist Sieben ein Weg, um solches Material zu reinigen. Große Diatomeen- Schalen sinken nämlich so schnell wie z.B. kleine Sandkörner. Als Siebmaterial verwende ich Edelstahlgewebe von ebay in verschiedenen Maschenweiten. Mit 25µ Maschenweite wird man nur wirklich kleine Diatomeen abreichern, selbst wenn man vorher nicht nach Absinktempo aufteilt. Bei 25µ geht das Wasser auch noch ganz gut durch. Das Gewebe schweißt man einfach mit einem warmen Gegenstand auf ein Kunststoffrohr, Filmdose, HT-Rohr, gelber Sack...

Viele Grüße,

Bob

Gerd Schmahl

Hallo Uwe,
Du hast also keine Chemie angewendet. Die Aufbereitung mit Wasserstoffperoxyd benutzt man ja nicht nur, um die organischen Bestandteile lebender Diatomeen zu oxydieren und somit in lösliche Bestandteile zu überführen, sondern auch in der Mikropaläontologie (darum handelt es sich ja hier streng genommen), um die mehr oder weniger zusammenkelbenden Sedimentkörner zu trennen. Das könnte auch hier sinnvoll sein, um das Zeug sauberer zu bekommen.
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Herbert Dietrich

Hallo Uwe,

das von Gerd empfohlene Wasserstoffperoxyd habe ich leider nicht, bzw. nur niederprozentig (wo gibt es 25 oder 30% Wasserstoffperoxyd zu kaufen?)
Ich siebe das Material grob, löse in ganz wenig Wasser auf und gebe die gleiche Menge Clorix zu, rühre gelegentlich um und wasche dann mit Wasser aus.
Die Diatomeen sind bei mir überwiegend sauber, die Schlammteilchen habe ich auch durch sieben noch nicht wegbekommen. Vielleicht muss ich damit leben :)
Bei 25µ Maschenweite bleibt bei mir immer noch viel Beimengung, Pediastrum habe ich auch dabei und Fichtenpollen.

Ich werde versuchen, die Schlammteilchen durch Ultraschall klein zu bekommen. Die Versuche laufen.

Viel Glück weiterhin wünscht Dir

Herbert

schmidt

Zum Peloseschlamm gab es im Mikrokosmos vor Jahren mal einen schönen Artikel von E. Raap, weis nur nicht mehr genau wann.
Vielleicht hat ja jemand ein geordnetes Archiv und kann mitteilen in welcher Ausgabe.

pschmidt
Mikroskope:
Lomo Biolam Ph+; DF; HF-Abbe; Epi HF/DF/Pol; Epi-Fl; //Biolar DIK, IK, Ph variabel+-//
Nikon Eclipse -U  HF; DIK, Ph+, Epi-Fl//
MBS 10

Siegfried

#8
Hallo
Der Artikel von Eberhard Raap und Ralf Nötzel ist hier als PDF Datei zu lesen.

https://www.zobodat.at/pdf/Mikrokosmos_89_4_0001.pdf

Auf Seite 37 in der PDF oder Seite 227 im Mikrokosmos.
Und hier hatte ich mich auch schon mal an Pelose versucht.
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34044.msg249343#msg249343
                       Gruß von Siegfried


piu58

Recht vielen Dank für die Antworten. 30%iges Perhydrol wird man nicht mehr kaufen können, weil man daraus ganz einfach explosive Gemische herstellen kann. Clorix sollte ähnlich wirken.

Ich versuche mal, diese Siebe zu bekommen. Damit bekommt man zumindest die feinen Tonbestandteile weg, die ich ja durch die Sedimentation auch schon ganz gut abgetrennt habe.

Ich melde mich wieder, wenn ich mehr gezeichnet habe.
Bleibt dran, am Okular.
--
Uwe

Bob

Sowas nehme ich dafür : https://www.ebay.de/itm/Edelstahlsieb-Edelstahlgewebe-200mm-x100mm-25-34-42-50-62-Mesh-250-bis-500/182443645450?epid=1257460901&hash=item2a7a7d1a0a:g:8dQAAOSwADxcKPVp

Es gibt im Aquarien-Zubehör wohl auch kleine stapelbare Siebe, aber eher nicht mit dem robusten und gut zu reinigenden Edelstahlgewebe.

Herbert Dietrich

Hallo Bob,

genau diese Siebe habe ich auch. Auf PVC-Rohr Abschnitte, super Sache.

Herzliche Grüße

Herbert

mikropit

Hallo Uwe!

Ist Deine "Grünalge" nicht eine Radiolare. Manchmal schmuggelt sich bei mir in Diatomeenpräparate auch eine Radiolare ein.
vG Peter - mikropit
mikropit

anne

Hallo Pelose-Fans,
Pelose war auch meine erste Probe auf der ich im wahrsten Sinne des Wortes wochenlang herumgekocht habe.
Pelose ist nicht einfach zu reinigen!
Was aber an Pelose schön ist, ist dass sie unglaublich gesättigt ist mit Diatomeen und daher auf jeden Fall zu einem Erfolgserlebnis führt.
Ich hatte diese mit Schwefelsäure oxidativ gereinigt.
Ob es mit anderen Mittel such klappt, hängt wohl auch vom Anspruch an die Reinheit ab.
Auf jeden Fall ein tolles Material!
lg
Anne

Dr. Jekyll

Hallo Peter,

Uwes Grünalge ist ganz sicher eine Grünalge. Sie kommt in der Pelose recht oft vor.
Beste Grüße
Harald