Autor Thema: Chloroplasten in Pflanzenhaaren von der Blütenknospe der Esche?  (Gelesen 466 mal)

pdeeskow

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Chloroplasten in Pflanzenhaaren von der Blütenknospe der Esche?
« am: April 10, 2021, 22:06:47 Nachmittag »
Hallo zusammen,

darf ich als Anfänger noch einmal um Hilfe bei der Interpretation des Gesehenen bitten?

Im Anhang Pflanzenhaare von der Blütenknospe einer Esche. Ich war verblüfft über die bizzaren Formen und hatte erwartet, keine Strukturen in den Haaren zu finden. Was sehe ich in den Zellen? Chloroplasten? Danke für eure Hinweise im Voraus .

Viele Grüße

Peter

Fahrenheit

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Re: Chloroplasten in Pflanzenhaaren von der Blütenknospe der Esche?
« Antwort #1 am: April 11, 2021, 08:20:26 Vormittag »
Lieber Peter,

bitte beschreibe einmal kurz, wie Du die Haare präpariert hast, es macht die Deutung einfacher.

Herzliche Grüße
Jörg
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pdeeskow

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Re: Chloroplasten in Pflanzenhaaren von der Blütenknospe der Esche?
« Antwort #2 am: April 12, 2021, 11:23:57 Vormittag »
Hallo zusammen,

Sorry, hatte am Sonntag eine andere „Baustelle“.

Zum Präparat: Einfach den Intensiv gelben Flaum an der Knospe abgezupft, mit einer Präpariernadel einige Haare isoliert und dann in Wasser mikroskopiert. N-Achroplan 40x, Nikon D800.

VG

Peter

Fahrenheit

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Re: Chloroplasten in Pflanzenhaaren von der Blütenknospe der Esche?
« Antwort #3 am: April 15, 2021, 21:50:49 Nachmittag »
Lieber Peter,

ich habe einmal selbst nachgesehen. Die Blütenknospen der Eschen in den Siegauen sind leider erfroren, aber an der Innenseite der schwarzbraunen Deckblätter der Blattknospen finde ich ähnliche Trichome.
Ich habe sie trocken mikroskopiert und sehe den gleichen Effekt, den Deine Fotos zeigen und den ich als Plasmolyse oder schlicht Austrocknung deute. 

Chloroplasten fallen raus: ich kenne zumindest keine Pflanze, bei der sich Chloroplasten in Trichomen finden ausserdem hätten diese eine für die Pflanze typische einheitliche Form.

Ich denke, dass die Deckblätter oder Knospenschuppen hier eine Schutzfunktion haben - u.A. vor Austrocknung der darunter liegenden Blattanlagen aber auch vor Frost.
Somit wäre das Zellplasma der Trichome an der Innenseite der Knospenschuppen mit eingelagerten sekundären Pflanzenstoffen gegen das Einfrieren geschützt, daher sicherlich die braungrüne Farbe.
Sterben die Haarzellen im Rahmen der Knospenentwicklung ab, kommt es wohl zur Plasmolyse: die Zelle verliert Wasser, die Zellvakuole schrumpft und das Zellplasma löst sich von der Zellwand ab. Dies zeigen m.E. Deine Bilder.

Die Zugabe von Wasser ist dabei zunächst unerheblich (bei mir schaut es "trocken" genau so aus), ggf. lässt sich bei längerer Beobachtung und einem salzarmen Wasser auch der gegenteilige Effekt (Deplasmolyse) beobachten.

Dann gibt es in Deinem Bild auch Zellen, in denen sich kugelförmige Gebilde finden. Die sehe ich in meinem trocknen Präparat nicht, aber hier ist die Zelle bereits abgestorben und die innere Struktur hat sich aufgelöst, die wasserabweisenden Inhaltsstoffe sind aber noch vorhanden und führen mit dem Eindringen des Wassers zu den Kügelchen.

Wenn ich mit meiner Interpretation falsch liege, wird sich sicher Detlef noch melden ;)

Herzliche  Grüße
Jörg

p.s.
Weiterführende Informationen zum Thema Zellplasma und Plasmolyse findest Du z.B. im Buch Mikroskopisch-Botanisches Praktikum von Gerhard Wanner (Thieme). In der ersten Auflage von 2004 auf den Seiten 43 ff. und 58ff.
Die erste Auflage hat den großen Vorteil, auf jeder Seite aufgeschlagen liegen zu bleiben: sehr gut, wenn man das Buch neben dem Mikroskop benutzt. Bei der neueren zweiten Auflage ist dies leider nicht mehr der Fall ...

Wenn Du Dich für die Mikroskopie botanischer Proben interessierst, ist der "Wanner" aus meiner Sicht der optimale Einstieg.

p.p.s.
Ich habe meinem Präparat nun auch mal ein Deckglas und etwas Aqua dest. gegönnt: da tut sich auch nach mehreren Minuten nichts mehr. Die Zellen der Trichome sind sicherlich schon durchgetrocknen ...
« Letzte Änderung: April 15, 2021, 22:09:49 Nachmittag von Fahrenheit »
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pdeeskow

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Re: Chloroplasten in Pflanzenhaaren von der Blütenknospe der Esche?
« Antwort #4 am: April 16, 2021, 22:17:10 Nachmittag »
Hallo Jörg,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Die Erklärung kann ich nachvollziehen. Das mikroskopisch botanische Praktikum habe ich mir schon besorgt. Habe sogar noch eine alte Ausgabe aus Jugendtagen in den 80er Jahren.

Muss aber gestehen, dass ich auf den Gedanken Plasmolyse nicht gekommen bin...

Freue mich über Deine Erläuterung, meine naturwissenschaftliche Ausbildung treibt mich dazu, verstehen zu wollen, was ich sehe.

Viele Grüße

Peter