Hilfe gesucht bei der Mikroskopwahl...

Begonnen von balumbala, April 02, 2022, 17:27:23 NACHMITTAGS

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A. Büschlen

Hallo Nina,

du schreibst:
ZitatUnendlichoptik wird für die Hauptanwendung der Fotographie nicht nur hier im Forum sondern auch in der Literatur empfohlen.

Kannst du uns dazu Quellenangaben machen? Für eine gute Dokumentation ist es egal ob du endlich oder unendlich Optik verwendest.

Verstehe ich richtig: du möchtest mit einem Monotubus starten um dann wenn nötig einen binokularen Tubus mit Fotoausgang nachrüsten?

Gruss Arnold Büschlen
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Gerd Schmahl

Hallo Nina,
ZitatUnendlichoptik wird für die Hauptanwendung der Fotographie nicht nur hier im Forum sondern auch in der Literatur empfohlen. Siehst Du das anders?
Das ist im Prinzip meistens richtig aber meistens auch teurer. Entscheidend ist der Korrekturgrad der Objektive: Ein voll auskorrigiertes Objektiv benötigt bis zum Chip nicht zwingend eine weitere korrigierende Optik. Somit lässt es sich etwas leichter adaptieren. Die Einführung voll auskorrigierter Optiken fällt bei den meisten Firmen mit der Komplettumstellung auf Unendlichoptiken zusammen, aber es gab auch schon vorher voll auskorrigierte Objektive und es gab auch schon mindestens seit den 50er Jahren Unendlichoptiken, die aber damals noch nicht auskorrigiert waren, also immer auch ein passendes Okular oder Projektiv benötigten. In der Praxis liefert ein gutes Endlichobjektiv mit dem richtigen Okular/Projektiv ein genausogutes Bild auf dem Chip ab. Die Adaption ist etwas aufwendiger, aber das Mikroskop mit solcher Optik i.d.R. wesentlich preiswerter, als die moderneren Unendlich-Mikroskope, die noch nicht so lange am Markt sind. Deshalb ist da i.d.R. Zubehör häufiger und damit auch billiger auf dem Gebrauchtmarkt.
Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

A. Büschlen

Lieber Gerd,

wenn du schreibst: Ein voll auskorrigiertes Objektiv benötigt bis zum Chip nicht zwingend eine weitere korrigierende Optik so mag das für die Adaption einer passenden Fotokamera gelten. Nina erwähnt aber eine C-Mount Kamera. Will man eine C-Mount Kamera optimal an ein Stativ mit unendlich Optik adaptieren benötigt man meines Wissens eine passender Adapter . Dieser ist zu aktullen Neugeräten ohne weiteres erhältich kostet aber in der Regel >200.-. Bei gebrauchten Geräten ist die Adaption einer C-Mount Kamera beschwerlicher weil die passenden Adapter nicht mehr auf dem Markt erhältich sind.
Wie beschwerlich suboptimale Mikroskopkameras sein können lesen wir hier: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=43893.0

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

rhamvossen

#18
Hallo,

Ich glaube, hier geht etwas durch einander. Ein modernes Unendlich-Objektiv ist kein voll auskorrigiertes Objektiv, es braucht die Korrektur einer Tubuslinse. Erst danach ist die Korrektur vollständig. Beste Grüsse,

Rolf

jcs

Zitat von: balumbala in Mai 27, 2022, 19:09:46 NACHMITTAGS
- Mono-, Bino- oder Trinokular
- Mikroskop mit Unendlich-Optik (+)
- Planachromate oder (+)
- Planfluoritobjektive (+)
- entnehmbar -> C-Mount-Kamera (+)
- LED bevorzugt; in jedem Fall ohne zusätzliches Lampen-/Trafogehäuse (+)
Hallo Nina,

ich finde, Deine Randbedingungen sind gut gewählt, bis auf den Tubus: Wenn Du gerne fotografierst und Videos machen willst, solltest Du unbedingt einen Trinokular-Tubus nehmen. Unendlich-Optiken haben den Vorteil, dass die Fotoadaption sehr einfach ist. Mit der richtigen Sensorgröße kann die Kamera ohne Zwischenoptik über ein "Ofenrohr" an den Tubus angeschlossen werden. Je nach Bidfeldgröße des Objektivs kann man z.B. mft-Kameras bzw. APS-C-Kameras ohne Vignettierung direkt adaptieren.

In Dein Budget (bis zu 1500 Euro) fallen z.B. einige Mikroskope von Motic, eventuell sogar ein Zeiss Primostar als Neugerät. Beim Primostar muss man nur berücksichtigen, dass die Unendlichoptik nicht mit dem Standard-Zeiss-Objektivprogramm kompatibel ist.

Gebraucht bekommst Du etwas in der Liga von Leica DM 750 bzw. Zeiss Axiostar. Ein Axiostar mit Trinotubus war vor ein paar Wochen hier im Forum für knapp 1000Euro zu bekommen.

Die modernen Optiken in Kombination mit einer LED-Beleuchtung geben in meinen Augen sehr kontrastreiche und helle Bilder. Da schaut man immer wieder gerne ins Mikroskop. Hier noch ein Bild von mir (Querschnitt durch einen Stängel des Wiesensalbeis), heute frisch gemacht mit LED-Beleuchtung, mft-Kamera am c-mount-Tubus und Unendlichoptik.

LG

Jürgen

3nzo

Hallo Nina,
Ich denke, jetzt haben Sie genug Elemente für Ihre Entscheidung. Sie lernen, indem Sie Fehler machen  :)
Wählen Sie ein Mikroskop mit Standard- und zukünftig verfügbaren Komponenten. Das Zeiss ist eine gute Lösung, aber nicht das erwähnte mit einer Optik, die nicht mit anderen Zeiss-Mikroskopen kompatibel ist. Hüten Sie sich vor Leitz, da es ständig Aufsätze und Komponenten variiert, selbst bei demselben Mikroskoptyp. Nehmen Sie sofort oder so schnell wie möglich ein Trino-Röhrchen.
Statt ,,Telan" sind jetzt Infinity-Optiken angesagt. diese binden Sie an eine bestimmte Marke, weil sie mit den Tubuslinsen ergänzt werden müssen, für die und mit denen sie richtig sind.
Ich persönlich habe andere Geschmäcker  :)
Gute Wahl und beste Grüße.

balumbala

#21
Wow, danke sehr alle zusammen.

Das sind eine Menge mehr hilfreiche Hinweise.
Aus den Zeilen lese ich heraus, dass offenbar unterschiedliche Anforderungen an die Mikroskopoptik gestellt werden in Abhängigkeit vom Kameratypen, den ich "hintendran" hängen möchte? Richtig, ich möchte den Schwerpunkt auf eine über C-mount-montierte Kamera legen.
Dann bleibe ich beim Trino. Zwischenzeitlich war ich etwas verunsichert, ob das nicht -zu neudeutsch- ein Overkill wird, wenn ich letztlich "nur" mit der Kamera gucke. Aber vielleicht ändert sich das Bedürfnis ja dann auch, wenn ich die Möglichkeit habe mit den eigenen Augen schauen zu können.  :)

Der Hinweis auf Leitz und die große Variabilität ist gut. Da werde ich aufpassen.
@Jürgen: ui, da fange ich ja schon an zu lechzen :) Da muss ich ja gleich mal nachlesen, was Du so für ein Mikroskop dazu nutzt. Bei mir wird es vermutlich eine von der Bauform her kompaktere Kamera, da ich nicht zu viel Platz habe für einen hohen Aufbau. Aber die Abbildung besticht schonmal. Hast Du das Bild noch nachbearbeitet oder ist das ein "Rohbild" wie Du es aufgenommen hast?

Fröhliche Grüße,
Nina

Und da die Frage nach der Literatur aufkam:
Meine Nachtlektüre besteht derzeit aus "Grundlagen der Licht- und Elektronenmikroskopie" von Alexander Linnemann und Susanne Kühl, sowie "Das Lichtmikroskop" von Dieter Gerlach.

Peter V.

#22
Hallo,

ZitatHüten Sie sich vor Leitz, da es ständig Aufsätze und Komponenten variiert, selbst bei demselben Mikroskoptyp.

Wie kommst Du auf diesen Unsinn?

Genau so undifferenziert könnte ich schreiben: "Hüte Dich vor Zeiss, da delaminiert alles, sogar schon bei den Unendlichoptiken und die Bedienung ist umständlich"

Erstaunte Grüße
Peter

Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

jcs

#23
Zitat von: balumbala in Mai 31, 2022, 17:31:50 NACHMITTAGS

@Jürgen: ui, da fange ich ja schon an zu lechzen :) Da muss ich ja gleich mal nachlesen, was Du so für ein Mikroskop dazu nutzt. Bei mir wird es vermutlich eine von der Bauform her kompaktere Kamera, da ich nicht zu viel Platz habe für einen hohen Aufbau. Aber die Abbildung besticht schonmal. Hast Du das Bild noch nachbearbeitet oder ist das ein "Rohbild" wie Du es aufgenommen hast?

Hallo Nina,

anbei ein Bild von meinem Setup. Bei Verwendung von Unendlich-Optik bleibt die Kamera-Adaption sehr kompakt. Bei Endlich-Optiken sind die Aufbauten oft deutlich höher, weil eine umfangreiche Zwischenoptik erforderlich ist.

Das "Ofenrohr" mit dem C-Mount-Gewinde ist in meinem Fall ca. 8cm hoch, darauf sitzt ein C-Mount-nach-mft-Adapter (ca 3mm hoch). und da kommt die Kamera drauf.

Das oben gezeigte Bild des Salbei hat schon etwas Nacharbeit in Lightroom und Photoshop gebraucht, siehe die Rohbilder und die finalen Bilder im angehängten Screenshot.

Das Bild ist ein Panorama aus vier Einzelbildern. In LR habe ich die zusammengesetzt, danach Weißabgleich, Weißpunkt und Schwarzpunkt setzen, kleinere Retouchen mit dem Pinsel, Luminanz und Sättigung der bunten Bereiche einstellen und zum Schluss schärfen sowie den Maßstab einfügen.

Hat in dem Fall 20-25min gedauert.

LG

Jürgen


rhamvossen

#24
Hallo,

Ich glaube, die Werbung für Unendlichoptik ist jezt Komplett  ;). Das einzige was vielleicht Vorteilhaft wäre mit Unendlichoptik ist der Anschluss einer Mikroskopkamera statt DSLR. Sonnst nichts.

Zitateventuell sogar ein Zeiss Primostar als Neugerät. Beim Primostar muss man nur berücksichtigen, dass die Unendlichoptik nicht mit dem Standard-Zeiss-Objektivprogramm kompatibel ist.

Das nenne ich mal eine Sackgasse. Es ist mit gar nichts kompatibel. Und es hat auch keine echte Unendlichoptik.

ZitatBei Endlich-Optiken sind die Aufbauten oft deutlich höher, weil eine umfangreiche Zwischenoptik erforderlich ist.

Das muss nicht immer so sein, vor Allem wenn ohne Zwischenoptik oder mit ein flaches "pancake' Objektiv adaptiert wird.

ZitatMikroskopiert werden sollen z.B. Pollen, feinste Sandkörnchen, Kristallstrukturen, Federhaare, Schmetterlingsflügel, vielleicht auch mal die "Tümpelbrühe"

Für diese Zwecke  reicht einem sehr einfachen Mikroskop. Gerd hat es schon gesagt: zuerst ein einfaches Mikroskop kaufen oder leihen wäre keine schlechte Idee. Ich kenne schon einige Leute die zu viel erwartet haben wenn sie als Anfänger ein Mikroskop gekauft hatten und ihr Interesse war schnell wieder weg. Deswegen empfehle ich nie ein teures Gerät um mit an zu fangen.

ZitatAplanatisch oder(/und) Achromatisch

Das kriegt man davon wenn man zuviel im Internet liest  ;). Für deine Zwecke bringt eine teure apl achr Kondensor gar nichts! Und der Kondensor alleine (gebraucht) ist teurer als ein komplettes einfaches Mikroskop.

Beste Grüsse,

Rolf

Peter V.

Hallo,

Unendlich heißt übriegns nicht immer, dass eine einfache Ofenrohradaption möglich ist. Es gibt Unendlichmikroskope, bei denen das Zwischenbild innerhalb des Fotoausgangsstutzens liegt und dann kommt man sogar um eine teure Originaloptik zur Adaption nicht herum.

Herzliche Grüße
Peter
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