ZEISS Standard – Versuch der Rehabilitation eines Klassikers

Begonnen von Ole Riemann, April 14, 2022, 10:29:21 VORMITTAG

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Ole Riemann

Liebe Kollegen,

wenn man über Jahre regelmäßig am Geschehen im Forum teilnimmt, bekommt man einen guten Eindruck davon, welche Mikroskope bei mikrofotografisch aktiven Amateuren hauptsächlich im Einsatz sind. Ich spreche hier insbesondere von der ,,Tümplerszene"; andere im Forum ebenfalls vertretene Anwendungsbereiche der Mikroskopie sind mir weniger vertraut. Nach meiner Beobachtung arbeiten mittlerweile viele an Kleinstorganismen des Wassers interessierte Mikroskopikerinnen und Mikroskopiker mit großen Unendlich-Forschungsstativen (Leica DMRB/E/X, ZEISS Axio-Serien, Olympus BX, ZEISS Jenaval) und zeigen eindrucksvolle Ergebnisse hier im Forum. Ohne die Vorteile der Unendlich-Mikroskope zu relativieren (Möglichkeit der optikfreien Ofenrohradaptation der Kamera, Verfügbarkeit eher niedrig vergrößernder Objektive mit hoher Apertur für vollgültigen Einsatz im Differentialinterferenzkontrast (DIC) wie z.B. ZEISS Plan Neofluar 40/1,3 Öl, i.d.R. hohe Sehfeldzahlen von um 25), steht jedoch außer Frage, dass man auch mit den klassischen Endlich-Systemen gut arbeiten und fotografieren kann. Dies – und hierüber möchte ich etwas berichten – gilt in besonderem Maße für das ZEISS Standard-Mikroskop in seinen unterschiedlichen Varianten (Standard RA, 14, 16, 18, WL). Mittlerweile wird DIC fast als instrumentelle Grundvoraussetzung für die Fotografie der wasserlebenden Mikroflora und Mikrofauna wahrgenommen; sicherlich trägt das Mikroskopie-Forum mit seinen Fotobeiträgen im Sinne einer positiven Rückkopplung zu dieser Entwicklung bei. Wann haben wir hier zuletzt richtig schöne Hellfeld- oder Phasenkontrastbilder gesehen? Aber auch ich bin weit davon entfernt, mich dieser Dynamik entziehen zu wollen und zeige in diesem Beitrag ausschließlich DIC-Bilder.

Warum ist das ZEISS Standard heutzutage für den ambitionierten Tümpler mit Ansprüchen an die mikrofotografische Dokumentation bestenfalls ein Einsteigergerät, das man noch am ehesten wegen seiner vielseitigen Ausbaubarkeit empfiehlt, zumal viele Teile problemlos auf dem Gebrauchtmarkt zu erhalten sind? Warum ist der Eindruck entstanden, dass man mit diesem über Jahrzehnte gebauten Klassiker keine Ergebnisse abliefern kann, die auch höheren Ansprüchen genügen?

Gewiss, die Leitz-Fraktion im Forum hat mit ihrer mal dezent, mal drastischer vorgetragenen Polemik gegenüber dem ZEISS Standard in manchen Punkten recht: Gewisse ZEISS-Konstruktionen wirken überkompliziert, sind nicht gerade bedienerfreundlich und für den reinen Anwender im Bedarfsfall nur sehr schwer selbst zu warten. Warum braucht ein INKO-Revolverkondensor mehrere Aperturblenden (die über einen verharzungsanfälligen Mechanismus dennoch funktionell gekoppelt sind)? Warum ist der Wechselmechanismus des DIC-Objektivrevolvers so kompliziert ausgeführt, dass man beim Tausch ständig Gefahr läuft, den Revolver mit Objektiv auf das Präparat aufzuschlagen? Die aus den Stühlchen herausschauenden DIC-Schieber machen die Angelegenheit nur noch komplizierter; es gibt auch für eher filigrane Finger keine Möglichkeit, irgendwo fest anzufassen. Alles richtig – bei einem Leitz Orthoplan (und auch beim Olympus BH-2) hat man Platz genau da, wo man ihn braucht, sämtliche Konstruktionen sind übersichtlich und funktional, und Schnittstellen sind so ausgeführt, dass der Wechsel dafür vorgesehener Komponenten richtig Freude macht. Das Innenleben (Triebe, Konstruktion der Prismenhalterungen in den Tuben etc.) kann ich nicht beurteilen, aber auch da schwärmen Leitz-Kenner von der Übersichtlichkeit z.B. eines Leitz Orthoplans.

Warum sich dann als ambitionierter, mikrofotografisch interessierter Tümpler mit einem ZEISS Standard herumplagen?

Nach meiner Erfahrung gibt es im gesamten Endlich-Sektor keine Optik, die dem ZEISS-System das Wasser reichen kann. Hierbei denke ich vor allem an die Multi-Immersionsobjektive Plan Neofluar 16, 25 und 40 (ich kenne aus der eigenen Praxis nur das Plan Neofluar 25/0,80 Multi Imm.), für die es optisch exakt passende DIC-Schieber gibt, den Planapo 25/0,65 (der im DIC hervorragend mit dem Schieber Plan Neofluar Multi Imm. 25/0,80 funktioniert) sowie den Planapo 63/1,4. Neben diesen absoluten Spitzenobjektiven kann man auch mit normalen Planachromaten 16, 40 und 100 im DIC gut arbeiten. Insbesondere der Planachromat 100/1,25 zeichnet sehr kontrastreich und weist nur mäßige Farbfehler auf.

Anders als viele (die meisten?) Kondensoren bei Unendlich-Systemen ist der für den DIC erforderliche ZEISS INKO-Kondensor mit einer Frontlinse N.A. 1,4 ausgestattet. Man kann ihn also immergieren, um die Auflösung der Immersionsobjektive voll auszunutzen. Selbst wenn es nicht um das letzte Quäntchen Auflösung geht, erhöht eine Kondensorimmersion die Lichtstärke des Systems und ermöglicht kürzere Belichtungszeiten bzw. eine niedrigere Blitzteilleistung beim Mikroblitzen.

Sämtliche Standard-Stative kann man problemlos in einer kleinen Aluminiumkiste aus dem Baumarkt transportieren. Ich habe ein ZEISS Standard u.a. am Pillersee eingesetzt sowie auf mehreren meeresbiologischen Exkursionen nach Helgoland, Sylt und an die Ostseeküste. Kein anderes Mikroskop-System bietet so viel Leistung bei begrenztem Volumen und Gewicht.

Die folgenden Bilder sind allesamt an einem ZEISS Standard entstanden, entweder am heimischen Arbeitsplatz oder auf Exkursionen. Ich habe die Bilder nach aufsteigender Objektivapertur angeordnet. Teilweise kam ein Mikroblitz zum Einsatz, als Kamera habe ich bei allen Fotos eine Canon EOS APSC-Spiegelreflex eingesetzt. Die Adaptation der Kamera erfolgte über ein Kompensationsokular (ZEISS Kpl 8x oder 10x Brille bzw. S-Kpl 10x Brille) + 40mm Canon pancake als Relaisoptik. Ich hoffe, die Bilder demonstrieren, dass ein ZEISS Standard mit entsprechender Ausrüstung auch mikrofotografisch gut nutzbar ist und mehr ist als nur ein transportables Einsteigermikroskop, das man irgendwann durch ein großes Unendlich-Forschungsstativ ersetzen muss. Und wenn man ein solches zusätzlich zur Verfügung hat, umso besser!

Planachromat 16/0,35 (links) bzw. Neofluar 16/0,40 (rechts) – nicht näher bestimmte freilebende Plathelminthes (,,Turbellarien", Strudelwürmer):



Planapo 25/0,65 – eine unbestimmte Mayorella aus Moosproben:



Planachromat 40/0,65 – marine Sandlückenfauna; der Tardigrade Batillipes mit Haftscheiben anstelle von Krallen zum Anheften an die Sandkörner (links); Halichaetonotus, ein Gastrotrich mit Lamellenstacheln (rechts): 



Planachromat 40/0,65 – Colpidium kleini und Cyclidium glaucoma aus Moosproben:



Plan Neofluar 25/0,80 Multi Imm. – Oscillatoria-Fäden mit Kieselalgen:



Plan Neofluar 25/0,80 Multi Imm. – Pleuronema coronatum:



Planachromat 100/1,25 – die Diatomee Encyonema prostratum, die in Gallertschläuchen lebt:



Planachromat 100/1,25 – eine unbestimmte Mayorella aus Moosproben:



Alle folgenden Aufnahmen mit Planapo 63/1,4.

Microgromia spec. mit anastomosierenden Filopodien an einem schwimmenden Deckglas:



Cyclidium glaucoma – kein besonders spektakulärer Ciliat, aber sehr klein und schwierig zu fotografieren:



Plagiopyla nasuta:



Trachelomonas spec. mit freiem Blick auf den Protoplasten (die bräunliche Zellwand, die die Zelle ansonsten dicht umschließt, ist durch Deckglasdruck geplatzt und weggeschwommen):



Peridinium spec.:



Beste Grüße

Ole

Peter Reil

Hallo Ole,

danke für deinen Beitrag!

Er zeigt für mich wieder mal, dass es nicht das XYZ-Mikroskop der modernsten "Unendlichen Geschichte" sein muss, um hervorragende Bildergebnisse zu erzielen.

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

A. Büschlen

Hallo Ole,

gut geschreiben! Und mit eindrücklichen Bildern ergänzt.

Danke für diesen Beitrag.

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

reblaus

Hallo Ole -

dazu bekenne ich offen: Es hatte kaum etwas mit der Bildqualität zu tun, dass ich über GFL, Standards, Phomi 0/II/III zu den Axios gekommen bin, sondern eher mit dem GAS (neudeutsch: gear aquisition syndrome). Es war für mich einfach faszinierend, dass ich plötzlich mit relativ geringem Finanzaufwand Geräte in Besitz nehmen und damit spielen konnte, die in der Vergangenheit einst der ganze Stolz des Institutsleiters waren bzw. der Gegenstand von Berufungszusagen waren (z.B. Phomis).
Mit anderen Marken (Leitz, Nikon, Olympus) mit denen ich auch gerne gearbeitet habe wäre das etwas schwieriger und teurer gewesen).

Viele Grüße

Rolf

reblaus

Hallo Adi -

die kleinen Standards hatten alle einen Feintrieb über den ganzen Bereich. Allerdings mit Kugelumlaufgetriebe = Schlupf. Zum Messen ungeeignet, aber falls gut im Schuss reicht es zum Stacken bei schwächeren Vergrößerungen aus.

Viele Grüße

Rolf

wilfried48

Lieber Ole,

wenn das Mikroskop "nur" Standard ist muss halt der Operator  Spitze sein !

Schöne Bilder hast du da gezaubert ! Die Zeiss endlich Multiimmersions Plan-Neofluare genieße ich auch immer wieder, allerdings nur im Hellfeld, da ich dafür nicht die DIC Komponenten habe.

Am Axioplan habe ich zwar den DIC aber dafür keine unendlich Multiimmersions Plan-Neofluare. Da ist bei DIC das PlanApo 40x / 1.3 mein Favorit.

Interessant für die Reisemikroskopie, wäre ja auch mal das putzige noch kleinere und  leichtere Standard Junior auf DIC umzubauen. Oben müsste ja alles passen, aber für den Kondensor müsste man halt eine Lösung finden.

viele Grüße
Wilfried



vorzugsweise per Du

Hobbymikroskope:
Zeiss Axiophot,  AL/DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Axiovert 35, DL/Ph/DIC/Epi-Fl
Zeiss Universal Pol,  AL/DL
Zeiss Stemi 2000 C
Nikon Labo-/Optiphot mit CF ELWD Objektiven

Sammlung Zeiss Mikroskope
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=107.0

-JS-

Lieber Ole,
vielen Dank für Dein überaus eindrucksvoll mit Bildern untermauertes Plädoyer für die Zeiss-Standardreihe.

Lieber Winfried,
"Interessant für die Reisemikroskopie, wäre ja auch mal das putzige noch kleinere und  leichtere Standard Junior auf DIC umzubauen.
Oben müsste ja alles passen, aber für den Kondensor müsste man halt eine Lösung finden."

Im Prinzip geht das sogar, schau bitte mal hier:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=13242.msg99859#msg99859
Natürlich sind bei einer derartigen Modifikation ein paar Altteile umzuarbeiten, aber mit einer passenden und genügend hellen LED-Beleuchtung und einem INKO-Kondensor nebst DIC-Schieber ist zumindest der "alte" DIC realisierbar.

Viele Grüße, Joachim
... bevorzugt es, ge_Du_zt zu werden ...

Peter Reil

Hallo,

Zitat von: Adalbert in April 14, 2022, 14:27:13 NACHMITTAGS

OK, die Schlussfolgerung für mich wäre also die folgende:
Beim Fotografieren ist die Qualität der Optik (z. B. des Objektivs)
und nicht der Mechanik (z.B. des Stativs) entscheidend.


ich halte es da eher mit Wilfried

Zitat von: wilfried48 in April 14, 2022, 15:32:53 NACHMITTAGS

wenn das Mikroskop "nur" Standard ist muss halt der Operator  Spitze sein !


Ich halte es für einen weit verbreiteten Irrglauben, dass die Technik den Hauptanteil an guten Bildern ausmacht. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass über 90% der guten Bilder auf die Fähigkeiten des hinter den Okularen sitzenden Menschen zurückzuführen sind.

Das ist auch der Grund, weshalb meine Bilder nie diese Qualität erreichen.  8)

Gruß
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

ImperatorRex

#8
Lieber Ole,
vielen Dank für Deinen Beitrag. Du hast in Deinem Beitrag ja auch die Teileverfügbarkeit und Ausbaubarkeit des Zeiss Standard Systems angesprochen.
Ich habe auch den Eindruck gewonnen, dass Zeiss (endlich) Gebrauchtteile doch vergleichsweise günstig angeboten werden. Eine Zeiss endlich DIK Ausrüstung sollte doch um einiges günstiger zu erwerben sein, als beispielsweise eine DIK Ausrüstung für ein Olympus BH2 oder Leitz Orthoplan?
Wie sehen das die Olympus bzw. Leitz Spezialisten?
viele Grüße
Jochen

anne

Lieber Ole,
ganz große Klasse!
Ich hatte den Zeiss DIC am Universal und fand ihn toll!
Da ich dann aber das Vanox bekommen habe mit dem großen Gesichtsfeld, wurde das Zeiss nicht mehr genutzt und ich habe es abgegeben.
Der Olympus endlich DIC ist sicherlich auch sehr schön.
Zur Verfügbarkeit und den Preisen kann ich nur sagen, dass der Vanox DIC nahezu nirgends komplett zu finden ist und die Einzelteile völlig überteuert gehandelt werden. Auch der BH2 DIC ist nicht einfach zu finden und teuer. Bei Zeiss ist es wesentlich günstiger umzusetzen. Einziges Problem, dass manche Schieberchen auch recht selten sind. Und natürlich, die optisch oft nebensächliche, Geschichte mit der Delamination.
lg
Anne

Ralf Feller

Hallo Ole, Deine Bilder sind natürlich klasse!

ich denke das die Beleuchtung auch einen großen Anteil an der Bildqualität hat.
Die modernen Systeme haben wohl alle LED??? Wie ist das bei Deinen Aufnahmen
am Standard und Du hattest auch mal schöne Bilder mit dem Orthoplansystem eingestellt?
Ich habe das Uralt Zeiss System mit LED und CP990, und das macht schöne Bilder, auch
ohne Blitz. Am Orthoplan mit 100W Halogen und Eos 700D ist die Bildverarbeitung, bzw.
Kameraeinstellung viel schwerer.
Das es nicht so auf das System an kommt sehen wir doch auch an den tollen Aufnahmen
die hier mit dem Pluta-System gezeigt wurden und werden.
LG Ralf

(@Jochen, mein Orthoplan-DIC war fast doppelt so teuer wie das Zeiss-System, es ist einfacher
in der Bedienung und hat fast keinen Gradienten, ICH sehe aber damit auch nicht viel mehr,
bis auf die winzigen Feinheiten die wohl mur mit einem hochaperturigen System zu sehen sind).

Siegfried

#11
Hallo Ole
Bewundernswerte Mikrofotos mit dem Standard-System zeigst du hier.
Danke dafür.
Mein persönlicher Favorit ist das Foto "Oscillatoria-Fäden mit Kieselalgen"
Da von Ralf Feller das Pluta-System hier angesprochen wurde,
mit dem ich ja auch arbeite, hier meine Meinung generell.
Ich habe festgestellt, auch nach fast einem Jahr,
daß mit den Einstellungen am DIK, als auch an der Kamera und
auch mit der Bildnachbearbeitung nur durch Beharrlichkeit
immer bessere Dokufotos erreicht werden. (Rückschläge gibt es immer)
Also die Erfahrung und das Können des Fotografen spielt eine große Rolle.
Und davon bin ich nach fast einem Jahr mit dem Pluta DIK noch um einiges entfernt.

            Frohe Ostern wünscht Siegfried



Ole Riemann

#12
Liebe Foristen,

vielen Dank für Eure Rückmeldungen und das Interesse.

Ralf: Ich habe an meinen Stativen praktisch ausschließlich eine 100W-Halogenlampe im Einsatz. Für Exkursionszwecke nehme ich LED-Beleuchtungen, aber richtig warm bin ich damit nicht geworden. Wobei die Frage der Lichtqualität der Beleuchtung für die Mikrofotografie mit Blitz ja unerheblich ist - das Pilotlicht (warum heißt das eigentlich so?) soll ja möglichst schwach sein.

Anne: Na klar, der Olympus DIC endlich ist ebenfalls sehr schön, das sind alles Nuancen. Und mit dem großen Sehfeld hast Du vollkommen recht; das BH-2 mit Großfeldtubus (oder das Vanox, das ich nicht kenne) oder das Orthoplan sind gerade zum Beobachten besonders schön. Soweit ich weiß, geht das bei ZEISS endlich auch - Jochen hatte mir das mal geschildert -, aber man braucht spezielles Zubehör wie einen Großfeldoptovar, was wiederum beim DIC mit dem Zwischentubus für den Analysator Probleme macht.

Jochen: Ja, Deine Einschätzung zu den Preisen deckt sich mit meiner Erfahrung. Ein Einstieg in das ZEISS-System endlich ist sicherlich der preiswerteste Weg, die Teile sind einfach auch recht gut zu bekommen. Olympus ist super rar, Leitz ist einfacher, auch über Kontakte im Forum.

Wilfried, Joachim: Ich hatte den ganzen Aufbau auch schon am GFL adaptiert, um das System noch kompakter zu bekommen. Für meinen Geschmack war dann aber der Aufbau zu hoch; der runde Fuß des GFL bedingt eine kleine Stellfläche, und beim schweren Trinotubus mit 30°-Einblick wurde mir das Ganze doch etwas zu wackelig.

Rolf und Adi: Danke für Eure technischen Ergänzungen, das könnt Ihr besser beurteilen. Für mich war dies nie ein Thema, da ich bisher kein Fokus-Stacking betrieben habe. Ergänzen kann ich noch, dass beim WL und GFL der Feintrieb in beide Richtungen einen Anschlag hat, was vermutlich die Nutzbarkeit dieser Stative beim Stacking einschränkt.

Peter, Siegfried: Schönen Dank - aber auch mit einiger Erfahrung kann man manche Gesetzmäßigkeiten nicht aushebeln. So kann man beispielsweise am ZEISS Axioplan mit dem Plan Neofluar 40/1,3 und Ofenrohradaptation ein riesengroßes Feld mit hoher Apertur aufnehmen. Selbst beim Plan Neofluar 100/1,3 ist das noch so. Ein Endlich-System bietet diese Möglichkeit so nicht. Wenn man das richtig beherrscht, kommen solche Spitzenbilder dabei raus, wie Martin Kreutz sie regelmäßig zeigt. Da werden 150 µm lange Ciliaten in voller Fahrt erwischt, und das bei Immersion "oben und unten". Abgesehen davon, dass das ohnehin nur Martin schafft, braucht er als technische Voraussetzung dafür die Möglichkeit, das korrigierte Zwischenbild direkt zu fotografieren.

Beste Grüße

Ole

Peter V.

#13
Lieber Ole,

vorweg: Es ist eine Tatsache, dass es weniger am Hersteller und an der Preisklasse liegt, ob man gute Mikrofotos - mit oder ohne DIC - anfertigt als an der Fähigkeit, Erfahrung oder einfach dem "Händchen" des Mikrofotografen. Ich denke, dass ich (und das durchaus mit "Spitzenausrüstung") zwar recht akzeptable Mikrofotos zustande bringe, aber vermutlich niemals Bilder in der Qualität, wie Du, Martin Kreutz, Michael Plewka, Frank etc. sie abliefern, hinbekommen werde - ist einfach so! Auch der tollste und teuerste  Pinsel macht niemanden zum Picasso.
Und natürlich kann man auch mit dem DIK am Standard tolle Bilder machen - man brauche sich nur die Fotos von Wolfgang Bettighofer anzsuchauen.

Dass das Standard-System nicht mehr so d e r "Standard" ist wie vor Jahren, hat nach meiner Boeobachtung vielerlei Gründe. Die Miroskopiker (selbst Einsteiger) wollen heute oft von Anfang an "mehr" (z.B. das große Sehfeld) und ein Mikroskop ohne Trinotubus ist praktisch nicht mehr verkäuflich. Selbst das war vor 15 Jahren noch anders, da waren die Einsteiger eher bereit, "klein" anzufangen und erst nach und nach (z-B. mit einem Trinotubus) aufzurüsten. Heute steht oft das Mikrofotografieren im Vordergrund. Dann ist es so, dass Großfeld-Mikroskope (wie das Orthoplan) oder Unendlich-Mikroskope ebenfalls vor ca. 15 Jahren kaum bezahlbar waren, das Angebot war gering. Das hat sich ebenfalls geändert und für ein Hellfeld-Orthoplan zaht man heute nicht mehr als vor 10 - 15 Jahren für ein Hellfeld-Standard. In den 80ern und 90ern waren die Mikroskopiker glücklich, wenn sie von Gerd Göke ein PZO bekommen konnte, und die waren ja auch keine Billigheimer. Versuch mal heute, ein PZO Biolar zu verkaufen....   Ein Standard oder Olympus BH war zu jeder Zeit allenfalls ein Traum vieler Mikroskopiker. Temopra mutantur.
Viele andere Unzulänglichekiten (z.B. im Bedienkonzept und bzgl. der Mechanik) des Zeiss-Standard-Systems hast Du ja selbst angeführt, hinzu kommt das Elend mit der Delamination. Bei Okularen sieht es noch viel düsterer aus als bei den Objektiven, es  sind praktisch kaum mehr undelaminierte Okulare zu bekommen.  Und die Generation der Mikroskopiker, für die eben das Standard d e r Standard war, die auch eine emotionale Beziehung zu ZEISS und speziell dem Standard-System hatten und die es entsprechend propagiert haben, stirbt langsam aus. Viele ältere Mikrokopiker waren regelrechte Fans, ein WL war früher für viele das Traumgerät. Damit lockt man heute kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervor. Aber zweifelos kann man mit dem Standard-DIK gut arbeiten und hervorragende Ergebnisse erzielen, ich finde sogar den Zeiss DIK "uralt" mit dem Zentralschieber noch besser als das System mit Stühlchen und Schieberchen.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Ralf Feller

Lieber Peter,
ich habe nun seit über 30 Jahren Zeiss Standardmikroskope,
habe natürlich nie Okulare mit beginnender Delamination
gekauft, und ich habe gerade noch einmal nach gesehen, ich
finde kein einziges mit Delamination. Wer übrigens am
Standard einen Großfeldeinduck haben möchte, der probiere
Gerne mal die Leitz GF 12,5 / 20 aus. Das Sehfeld bleibt zwar
20mm, aber er Eindruck durch den Einblickwinkel ist klasse. Ich
benutze an den Standards, nicht nur zum fotografieren, auch Leitz-
Okulare bis Sehfeld 20. Auch hier bei mir keine Delamination,
aber in unserer MTA-Schule hatten wir ständig Delaminationen,
sowohl bei Zeiss wie aber auch bei Leitz.
Das lag daran, dass die zwischen den Kursen die Heizung
abgestellt haben. Optiken lieben Wohnzimmertemperatur,
das ganze Leben lang.
LR Ralf

(PS der Sache mit der Übung und Erfahrung beim DIC stimme
Ich vollständig zu, nach jetzt 8 Wochen mit dem Leitz-DIC
habe ich die ersten Bilder die man nicht gleich löschen muss,
besonders das Leuchten in den Bildern bekomme ich nicht hin.)