Hat jemand einen Tipp zum Kauf einer Zentrifuge?

Begonnen von witweb, Mai 27, 2022, 16:39:32 NACHMITTAGS

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witweb

Hallo zusammen,

ich suche eine Zentrifuge, mit der ich Pollen- oder Honigproben zentrifugieren kann. Vielleicht später auch anderes. Aber nur im Rahmen des Hobbys.

Nun habe ich mich auf ebay mal umgeschaut, auch auf anderen Seiten. Aber es ist wie so oft: Ein großes Angebot, Hand- oder Elektrozentrifugen, Tischzentrifugen, Profi-Laborzentrifugen.
3000 rpm bis 12000 rpm, mit Timer oder ohne? Kapazität 2x20 ml oder 8 x 15 ml? Oder besser ein 4-fach-Ausschwingrotor?
Alles von echt preiswert (billig?) bis echt teuer.
Vermutlich würde eine einfache Handzentrifuge mit zwei Röhrchen reichen, aber die kosten auch nicht weniger, als mache ,,Hightech"-Maschinen. Teilweise sind die sogar deutlich teurer, als die motorisierten aus Asien.
Und falls mal, aus welchem Grund auch immer, der Strom ausgeht, ich habe noch eine tragbare Powerstation mit 220V... :)

Was soll ich nun tun?

Verwirrte Grüße

Michael
Dieser Post wurde aus recycelten Elektronen erstellt
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Leitz Orthoplan
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treinisch

Hallo Michael.,

wenn 3000 RPM reichen, das weiß ich nicht: Ich habe einen dieser billig-Chinakracher mit rotem Acryldeckel.

Ich finde das Ding sehr preiswert. Es läuft sehr leise mit recht mäßiger Erwärmung und überraschend gleichmäßig.
Ich finde, dass man diese Geräte durchaus in Betracht ziehen kann.

Viele liebe Grüße!
Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

Tommmy

Eigentlich reichen für die meisten Sachen auch Zentrifugen für 1,5 bzw. 2ml -Tubes völlig aus...Ebay-Kleinanzeigen ist hier auch eine Seite, wo man mal schauen kann...

detlef.q

Hallo Michael,

die Frage ist, welche Zentrifugalbeschleunigung Du zum Abzentrifugieren Deiner Proben brauchst.
Hat das Medium, welches Du bearbeiten willst, eine höhere Viskosität und sind die Teilchen sehr leicht, brauchst Du eine Zentrifuge mit einer höheren Beschleunigung. Dieser Wert ergibt sich aus dem Rotorumfang und der Umdrehungsgeschwindigkeit.
Wenn Du Deine Honigproben mit Wasser verdünnst, wovon ich ausgehe, dürfte ein kleineres Gerät reichen.
Ich habe vor längerer Zeit durch Zufall 2 Zentrifugen über ebay-Kleinanzeigen gekauft. Beides Geräte von Hettich und schon etwas älter. Eba III von 1975 und eine EBA 3S (ein jüngeres Modell). Die Umdrehungsgeschwindigkeiten liegen bei 5000 U/min. Beide Geräte laufen trotz des höheren Alters einwandfrei!
Arztpraxen mustern öfters solche Geräte aus.

Evtl. reicht auch eine Handzentrifuge. Eine Handzentrifuge hat einen Vorteil: Da sich die Zentrifugenröhrchen beim Zentrifugieren waagerecht ausrichten, sammel sich alle Partikel am Boden des Gefäßes. Bei den schrägstehenden Röhchen findet man die Partikel eher im unteren Bereich an der Wandung.
Dafür braucht man nicht zu kurbeln!

Gruß Detlef

A. Büschlen

Hallo Michael,

du schreibst:
Zitatsuche eine Zentrifuge, mit der ich Pollen- oder Honigproben zentrifugieren kann

Möchtest du in erster Linie Honiganalysen machen, oder einfach Pollen beschaffen? Was meinst du mit: "Mit der ich Pollen- zentrifugieren kann?"

Gruss Arnold

Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Bob

Hallo Michael,
altes Profi-Equipment ist auch nicht zwangsläufig eine sichere Wahl: Ich hatte mal einen Heizrührer von einem der beiden Top-Hersteller gekauft. Der funktionierte vorher unauffällig, erzeugte bei mir eine Qualmwolke und schubste den FI raus. Ich habe das Ding dann mit viel Aufwand restauriert, fand aber an wichtigen Stellen zweifelhafte Lösungen darin vor. Man kann also gute Funktion in der Vergangenheit nicht unbedingt in die Zukunft extrapolieren.
Zur Zentrifuge: Ich benutze eine Kurbelzentrifuge zum Diatomeen-reinigen. Da finde ich vor allem die 15ml Fassungsvermögen wichtig. Was für Pollen und Honig wichtig ist weiß ich nicht.

Viele Grüße,

Bob

jako_66

#6
Hallo Michael,

mein Tipp: eine Hettich EBA 20, idealerweise aus einer Arztpraxis-Auflösung. Meine hat mich damals 100,-€ gekostet, musste aber länger suchen. Laufruhig, robust & raucht nicht!

Verwende damit 8x 12 ml starkwandige Zentrifugengläser 17x1,8x 100 mm mit Rundboden ohne Rand. Bis zu 15 ml Röhrchen gehen. Die Zentrifuge schafft (je nach Rotor) 6000 RPM. Vor 2 Jahren hatten wir bei der Mikro-Hamburg Pollen isoliert mit ca. 3000 RPM, das ging ganz gut.

Wenn Du mit weniger Zentrifugengläser auskommst, reicht sicher auch eine Hettich EBA 3s - mit einem schönen orangefarbenen Rotor!

Viele Grüße

Sven

PS: maximale Drehzahl bei Stoffgemischen mit einer höheren Dichte als 1,2 kg/dm3 reduzieren


witweb

#7
Hi,

vielen Dank für die Tipps, Hinweise und Anmerkungen!

@ Timm – roter Acryleckel, ja habe ich schon gesehen...

@ Detlef und Sven. Danke für die Hinweise auf die Hettich-Geräte. Die gibt es noch, aber auch nicht gerade günstig. Ich habe bei den ebay-Kleinanzeigen schon etwas gefunden. Mal schauen. Der orangefarbenen Rotor ist natürlich unverzichtbar!  :)
Zur Drehzahl kann ich, mangels Erfahrung, noch nichts sagen. Ich denke aber, 4000 U/min wären in Ordnung. Regelbar wäre wohl optimal.

Frage zur Hettich EBA 3s – Habt ihr da ein Datenblatt oder eine Bedienungsanleitung? Bei Hettichs Downloadseite ist die wohl schon aufs Altenteil geschickt worden. Ich könne aber mal per Email nachfragen.
Und Labexchange bietet die zwar an, aber unter folgenden, auszuwählenden Möglichkeiten.
-  Gratis. Die Bedienungsanleitung wird Ihnen kostenlos übermittelt. Dafür erhalten Sie regelmäßig Angebote und Informationen zu relevanten Inhalten per Mail oder Post. Sie können diese Benachrichtigungen jederzeit abbestellen.
- 29,00 €. Eine Gebühr von 29,00 € wird Ihnen in Rechnung gestellt.
Na ja...

Was für Probenröhrchen muss ich für die Hettich EBA 3s besorgen?
Wozu ist das Messinstrument an der Frontseite?

@ Arnold – Neben Honiganalyse geht es mir auch um die Arbeitsschritte, wie sie Klaus Henkel in ,,Pollen sammeln und präparieren" beschrieben hat. Dort empfiehlt er die Nutzung einer Handzentrifuge. Allerdings stammt die Arbeitsanleitung aus einer Zeit, wo sicher elektrische Zentrifugen für Normalmikroskopiker eher nicht erschwinglich waren.

Viele Grüße

Michael
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Jürgen Boschert

Hallo Michael,

die EBS 3A habe ich auch, läuft sehr leise (im Gegensatz zu manchen Neugeräten, manche von denen hören sich an wie ein Düsentriebwerk). Habe auch die Version mit dem orangefarbenen Rotor, es gab sie auch mit grünem. Das Messwerk zeigt die Drehzahl an. Als Röhrchen verwende ich diese hier:
https://www.ebay.de/itm/192703582043
Beste Grüße !

JB

Flagellate

Ich möchte hier mal eine kleine Anmerkung machen, die bisher nur kurz erwähnt wurde:

Bei allen Zentrifugen sind zwei Punkte ausschlaggebend:
1. Proben Volumen
2. "Power"

Zu 2. sei nochmal deutlich gesagt, dass sich dies durch rpm und Rotordurchmesser ergibt. Jegliche Angaben von rpm sind nutzlos, wenn man den Rotodurchmesser nicht kennt. Üblicherweise wird dies normiert in rcf oder g angeben ( aus Prinzip würde ich nie ein Gerät kaufen, wo im Angebot nicht rcf/g angeben ist)
Beide Punkte korrelieren bedingt miteinander. Wer 15 ml und mehr zentrifugieren will hat meist eine größe Zentrifugen (= größere Durchmesser) und benötigt weniger rpm um den gleich rfc Wert zu bekommen.

Mein Tipp:
Erstmal überlegen was das Probenvolumen ist. (Wer im Bereich von 0,2-15ml zentrifugieren will sollte lieber zwei Zentrifugen nehmen; bis 2ml und >2-15ml)
rcf/g ist bei jeder vernünftigen Zentrifuge i.R. ausreichend.
Ob elektrisch oder handbetrieben ist für das Ergebnis relativ egal.
Je höher rcf, desto stärker würde ich zu etablierten Marken tendieren.
Eine Laborzentrifuge ist komplexer als man glauben mag (Steuerelekteonik usw.) ob man da auf Laborqualität setzt/ sie benötigt muss jeder selbst entscheiden. Mir persönlich kommt da nichts ins Haus was keine Laborqualität hat (es muss aber auch keine teure Eppendorf sein)

Grüße,
Tobias

witweb

@ Jürgen -Tippfehler? Du meinst aber die EBA 3s? Danke für den Link zu den Zentrifugenröhrchen.

@ Tobias - Ja, verstehe ich. Angaben von rcf oder g habe ich teilweise schon gesehen, für die Hettich EBA 3s habe ich keine Werte. Interessant aber, Hettich bietet online einen RCF/RPM Umrechner.
Was das Probenvolumen angeht, denke ich, wären max. 4 x 15 ml gewiss ausreichend.
Marke oder Low-Cost-Asia ist natürlich auch eine Preisfrage. Da ich die Zentrifuge nur gelegentlich brauche, ist das abzuwägen. Andererseits habe ich mich ja schon fast für die Hettich EBA 3s entschieden, gebraucht könnte das ein guter Kompromiss sein, oder?

Beste Grüße

Michael


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Flagellate

Mit Hettich macht man nichts verkehrt würde ich sagen. Ich selbst habe keine Erfahrung damit, aber man kennt den Namen. Die rcf/rpm Sache ist eigentlich recht einfach.
Solange der Rotordurchmesser gleich ist, kann man problemlos auch rpm angeben. Im Labor ist das aber eben häufig nicht der Fall, was blöd ist, wenn es wirklich auf die wirkende Kraft drauf ankommt. In der Praxis ist es aber i.R. egal ob das jetzt 1500 oder 1600 rcf sind.
Sehr alte Zentrifugen sind meist einfach gebaut. Die geben rpm an, aber im Manual steht genau wie man es umrechnen muss. Bei neueren Zentrifugen kann man das direkt umrechnen lassen (das ist absoluter Standard für aktuelle Modelle). Da die China-Varianten keine alten Schätze sind und das interne Umrechnen im Smartphone-Zeitalter eigentlich nicht erwähnenswert sein sollte, ist das für mich ein Indiz für schlechte Konzeption. Das ist wie ein Fernsehr oder Fernbedienung  ::)

Also wenn du eine Hettich für 100-200 € abstauben kannst, mach das. Es kann aber auch eine Eppendorgäf oder Hereaus sein. Sind alle gut und zwischen 100-200 ein Schnäppchen.

Grüße,
Tobias

smashIt

eigentlich wollte ich jetzt sagen, dass du dich nicht so blöd anstellen sollst, und dir eine eba 20 holen solltest.
aber ALTER SCHWEDE!
die preise sind ja abartig  :o
da hatte ich mit meiner wohl wirklich glück...

auf willhaben.at ist zumindest eine 3s mit vernünftigen preis eingestellt.
müsstest du einmal fragen, ob er auch nach germanien versendet.

MfG,
Chris

Bildung ist das was uns vom Tier unterscheidet.

Funtech.org

Peter V.

Hallo,

vielleicht hilfreich:

http://www.neuendorf-labordiagnostik.de/Zentrifugen-Nomogramm-mit-Berechnungsformel.pdf

Bei gebrauchten Zentrifugen ist zu bedenken, dass es möglich ist, ein Modell mit ausgeschlagenem Lager zu bekommen. Diese sind dann extrem laut. Eine Reparatur ist selbst bei den neueren Modell wirtschaftlich unsinnig.

Prinzipiell bevorzuge ich Zentrifugen mit Ausschwingrotoren, aber die sind in der Regel teurer und größer. Die Klassiker im Arzt-/Tierarzt-Kleinlabor (mit Festwinkelrotoren) sind die schon vielfach erwähnten EBAs von Hettich.

Herzliche Grüße
Peter


Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

detlef.q

Hallo Michael,

meine EBA 3S hat übrigens einen grünen Rotor und ist aus dem Jahr 1990.
Sie läuft wirklich sehr ruhig, schafft aber nur etwas unter 5000 U/min.
Eine Anleitung habe ich nicht, doch ich denke die ist auch nicht unbedingt notwendig. Wichtig ist, aber das weiß ja wohl jeder, dass auf den gegenüberliegenden Seiten immer die exakt gleichen Gewichte vorhanden sind. Niemand möchte seine Zentrifuge durch die Gegend rumpeln sehen.

Auf dem Typenschild steht folgendes: Zul. Dichte: 1,2kg/dm; 50W; E kin: 750Nm.
Ich nutze Zentrifugenröhrchen aus Glas mit: Außendurchmeser: 17mm, Höhe: 105mm. Diese konnte ich mal über den Laborgerätehandel beziehen. Leider habe ich diese Möglichkeit nicht mehr. Es gibt aber im www. viele Zentrifugenröhrchen aus Kunststoff zu kaufen.

Sicherlich werden, wie Peter es gerade geschrieben hat, leider auch defekte Geräte angeboten. Aber dieses hat man ja immer zu beachten, wenn man im Gebrauchtgerätemarkt unterwegs ist.

Gruß Detlef