Autor Thema: Quarz - orientierter Zement  (Gelesen 3784 mal)

Holger

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Quarz - orientierter Zement
« am: Januar 13, 2010, 16:21:45 Nachmittag »
Hallo Dünnschliffreunde,

ich habe kürzlich einen quarzitisch gebundenen Sandstein unter dem Mikroskop gehabt, der im Hellfeld nicht allzuviel hermacht: man sieht gerade ein paar gut gerundete Quarzkörner in recht strukturloser Matrix:



Interessanter wird die Sache im polarisierten Licht mit Hilfobjekt Rot I; da wird nämlich deutlich, dass der Quarzzement dieselbe kristallographische Orientierung einnimmt wie die Körner, die er umwächst. Erkennbar ist dies an einem "Zementhalo" der dieselbe Interferenzfarbe zeigt wie das Korn, auf dem er aufsitzt:



Gruß,
Holger

Ragin

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Re: Quarz - orientierter Zement
« Antwort #1 am: Januar 13, 2010, 19:34:06 Nachmittag »
Hallo Holger
Deine Bilder machen mich ganz neidisch. Mit was für einem Mikroskop arbeitest Du denn? Muss wohl ein richtiges Polarisationsmikroskop sein.
Was bedeutet denn Hilfobjekt rot I ? Die anderen großen Kristalle werden sicher auch aus Quarz bestehen denke ich mal. Liegen die dann gerade irgend wie anders rum, so dass sie eine andere Farbe haben?
Eigentlich müsste doch Quarzit dann ziemlich ähnlich aussehen wenn der Quarzsandstein mal morphologisch höher verdichtet wurde. Hast Du da auch ein Bild auf Lager?
Schönen Gruß
Rainer
Ich pflege das bayrische Du, von Mensch zu Mensch

Holger

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Re: Quarz - orientierter Zement
« Antwort #2 am: Januar 13, 2010, 22:03:26 Nachmittag »
Hallo Rainer,

das Mikroskop ist ein Leica DM-EP, ein "richtiges" Polarisationsmikroskop, wie Du es genannt hast. Übrigens kein Grund zum Neid - es wurde ja vor einiger Zeit im Forum die Frage gestellt, ob es denn ein "richtiges" Polarisationsmikroskop sein müsse, oder ob nicht auch eine einfache Umrüstung mit Polarisationsfiltern genüge. Ich habe lange Zeit mit einer ensprechenden Improvisationslösung gelebt, und natürlich ist das "echte" Polarisationsmikroskop in der Bedienung komfortabler, aber es geht auch improvisiert.

Das Hilfsobjekt Rot I... Oh je, jetzt muss ich aufpassen, was ich sage, in Physik bin ich nicht so gut: Praktisch handelt es sich um ein doppelbrechendes Objekt (früher ein Gipsplättchen), welches im Tubus so in den Strahlengang gebracht wird, das bei gekreutzten Polarisatoren das gesamte Gesichtsfeld in der Farbe des "Rot 1. Ordnung" erscheint. Befinden sich ausserdem noch doppelbrechende Objekte auf dem Objekttisch, so ändern sich ihre Farben nach polarisationsoptischen Gesetzen, deren vernünftige Erklärung ich mir hier nicht zutraue. Das Praktische an der Sache ist, dass man beispielsweise Zwillingsbildungen in Kristallen - oder wie im gegebenen Beispiel - die Orientierung verschiedener Kristalle besser erkennen und bestimmen kann. (Die Profiphysiker mögen mir diese extreme Kurzfassung verzeihen :-[).

Ich habe leider nicht viele Vergleichsobjekte aus der Sandstein- und Quarzitfamilie, so dass ich Dir auch den Wunsch nach einem Vergleichsbild aus meinem Bestand leider nicht erfüllen kann :-[ Aber mir ist auch ehrlich gesagt nicht ganz klar, was Du mit "morphologisch höher verdichtet" meinst? Denkst Du in Richtung eines metamorphen Quarzitgesteins?

Gruß,
Holger

Ragin

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Re: Quarz - orientierter Zement
« Antwort #3 am: Januar 13, 2010, 23:00:48 Nachmittag »
Hallo Holger
Danke für Deine Erklärung. Was Physik angeht da bin ich auch nicht so fit.
Du magst mir meine Wortschöpfung verzeihen, ich meinte wohl ein metamorphes Quarzgestein.
Das entsteht doch wenn Quarzsandstein in größere Tiefen gelangt und sich dann durch Druck und Hitze
zu Quarzit umwandelt oder?
Ich träume schon von einem zweiten Mikroskop wo ich mir mal mit besserer Polarisation meine Schliffe ansehen kann.
Heute habe ich mich mit Eklogit gespielt. Ist viel interessanter als der Serpentinit von neulich. Würde mich schon mal
interessieren, wie so was unter Deinem Mikroskop aussieht.
Ich kann ja mal sehen, was ich an Quarziten so rum liegen habe und mich mal dran machen. Hier finden sich manchmal rosa gefärbte Sandsteine, welche auch schon stark in Richtung Quarzit tendieren. Mein Buch beschreibt diese als Quarzsandstein aus dem Alpinen Buntsandsstein.
Ist im Permotrias ( Skyth) entstanden und bildet die Basis der nördlichen Kalkalpen. Er lässt sich zumindest mal ganz hübsch pollieren und ist recht hart.

Bis denne, lieben Gruß
Rainer
Ich pflege das bayrische Du, von Mensch zu Mensch