Autor Thema: Trompetentier, Glockentier oder was? - Geklärt: Vermutlich Ophrydium crassicaule  (Gelesen 982 mal)

KayZed

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Hallo Ciliatenfreunde,

heute ist mir in einer Hochmoorprobe ein seltsames Mischwesen unters Okular gerutscht.

Zellkörper eher wie ein Stentor, aber mit starrem, dünnen Stiel eines Peritrichen. Selbst für Campanella umbellaria mit 250 µm schon fast zu groß.
Der Makronukleus war nicht ganz deutlich zu erkennen, eher wurstförmig.
Das Mundfeld (Peristom?) wurde durch den Deckglasdruck leider nicht entfaltet. Man konnte jedoch unterhalb des Mundfeldes Cilienbewegungen erkennen.
Das Tier löste sich bald vom Stiel. Auch in der freien Bewegung wurden die Peristomcilien nicht ausgefahren.





Wer kann weiterhelfen?

Liebe Grüße
KlausZ

« Letzte Änderung: August 16, 2022, 13:21:36 Nachmittag von KayZed »
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plaenerdd

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Re: Trompetentier, Glockentier oder was?
« Antwort #1 am: August 15, 2022, 20:36:24 Nachmittag »
Hallo Klaus,
schau mal in den FOSSNER u.a. Taxonomische usw. Bd. II auf Seite 236: Ophrydium versatile.
LG Gerd
Fossilien, Gesteine und Tümpeln mit
Durchlicht: Olympus VANOX mit DIC, Ph, DF und BF; etliche Zeiss-Jena-Geräte,
Auflicht: CZJ "VERTIVAL", Stemi: MBS-10, CZJ SMXX;
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KayZed

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Re: Trompetentier, Glockentier oder was?
« Antwort #2 am: August 16, 2022, 08:48:07 Vormittag »
Hallo Gerd,

super deine Hilfe. Ich werde deinem Tipp nachgehen.

An Ophridium dachte ich gar nicht, weil ich sie nur mit symbiontischen Algen als Kolonien kenne.
Habe erst letztes Jahr eine wunderbare Gallertkugel aus dem Starnberger See geholt.
Versatile wird es wohl eher nicht sein, aber es gibt da noch andere Kandidaten.
Werde mich später nochmal melden.

Lieben Dank
Grüße
KlausZ
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KayZed

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Re: Trompetentier, Glockentier oder was?
« Antwort #3 am: August 16, 2022, 09:58:41 Vormittag »
Hallo Gerd,

also ich habe auf deinen Hinweis hin nochmals genauer recherchiert.

Da es sich wahrscheinlich um ein symbiontenfreies Ophrydium handelt und zudem um ein solitär lebendes Exemplar, kommt eigentlich nur Ophrydium crassicaule in Frage.
(Foissner Bd 2 S. 242f) Dieser Ciliat lebt in stehenden Gewässer einzeln oder in kleinen Gruppen mit maximal 5 Exemplaren. Der fadenförmige Makronukleus ist stückweise zu erkennen.

Foissner schreibt, dass Einzelexemplare farbloser Ophrydien nicht bestimmbar sind, weil sie sich kaum austrecken und kaum von solitär lebenden Gerda crassicaule zu unterscheiden sind. Fraglich bleibt allerdings ob Gerda nicht nur ein altes Synonym für Ophrydium ist oder es sich tatsächlich um eine eigene Gattung/Art handelt.

Jedenfalls hast du mir gut weitergeholfen.

Liebe Grüße
KlausZ
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Kurt

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Re: Trompetentier, Glockentier oder was? - Geklärt: Vermutlich Ophrydium crassicaule
« Antwort #4 am: August 20, 2022, 15:01:28 Nachmittag »
Hallo Klaus,

ich habe auch diese sybiotenfreien Ciliaten rings um einer Detritusflocke gefunden, sehen Deinem Fund doch sehr ähnlich.
Hier ein Bild zur Übersicht mit dem 25er und eines mit mehr Details und dem WI 50er.

Grüße
Kurt




KayZed

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Re: Trompetentier, Glockentier oder was? - Geklärt: Vermutlich Ophrydium crassicaule
« Antwort #5 am: August 20, 2022, 16:01:17 Nachmittag »
Hallo Kurt,

das ist wirklich interessant und gleich eine solche Menge. Bei mir war es nur ein Exemplar, das sich bald vom Stiel gelöst hat.
Und ich muss es wieder mal feststellen - die Qualität deiner Bilder - einfach super!

Gut, mein Exemplar stammt von einem schwimmenden Deckglas, es war ein Zufallsfund und ich hab auch nicht auf die Schichtdicke geachtet.
Trotzdem sieht man wieder den frappierenden Unterschied. Meine Aufnahmen wirken immer ein Stück gröber als deine.

Übrigens wurden meine Bilder auch beim Nachvollziehen deiner DIK-Einstellungs-Methode am Jenaval Kontrast nicht wirklich besser. Und das können nicht alleine die Apertur bzw. deine Wasserimmersion sein. Auch beim Spielen mit der Abstandskorrektur beim 50er Trockenobjektiv merke ich keine erheblichen Veränderungen.

Ich habe einfach den Verdacht, dass es in meinem Kontrasttubus-Strahlengang ein Chromasie-Problem gibt, worunter letztendlich die Feinauflösung leidet.

Nun, ich will jetzt die Auflösungsdiskussion nicht neu entfachen. Ich kann damit leben und habe trotzdem viel Freude mit dem Gerät.
Letztendlich ist mir das Mikroskopieren wichtiger als die endlose und möglicherweise fruchtlose Suche nach Abbildungsfehlern.

Liebe Grüße
KlausZ
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Kurt

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Re: Trompetentier, Glockentier oder was? - Geklärt: Vermutlich Ophrydium crassicaule
« Antwort #6 am: August 20, 2022, 19:16:01 Nachmittag »
Hallo Klaus,

eigentlich wollte ich dieses Präparat mit diesen dicken Detritusflocken nicht mit dem 100er anschauen...
Habe es aber trotzdem mal probiert und konnte doch ganz brauchbare Fotos machen.
Die Cilaten hatten einen Wimpernkranz ausgebildet, lösten sich vom Detritus und schwammen umher.

Grüße aus FG
Kurt