Schirm-Glockentier - Opercularia nutans

Begonnen von KayZed, Dezember 28, 2022, 13:06:43 NACHMITTAGS

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KayZed

Hallo Mikrofreunde,

zum Ausklang eines reichen Mikro-Jahres noch einmal ein Blick auf ein interessantes Glockentier.
Ich fand Opercularia nutans im Uferbereich eines fast zugefrorenen Teiches. Die bäumchenartige Kolonie hatte sich an einem Wassermoos festgeheftet und war bereits im Stereomikroskop schön zu beobachten.

Nachdem die dichtom verzweigten Stiele geringelt und nicht kontraktil waren, dachte ich zunächst an die Epistylis-Gattung.
Bei genauerer Betrachtung im DIK 40-100 wurde jedoch schnell klar, dass es sich um Opercularia handeln musste.

Zu dieser Gattung gibt es im Forum bislang noch kaum Beiträge. Lediglich Ole hat zwei hervorragende Aufnahmen aus seinen Moosproben gezeigt.

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=40382.msg297841#msg297841

Artbestimmungen sind bei vielen Ciliaten mit Vorsicht zu unternehmen. Trotzdem vermute ich mal, dass es bei meinen Exemplaren wahrscheinlich im Opercularia nutans handelt, da sich so gut wie alle bei Foissner genannten Eigenschaften (Band 2 S. 176ff) wiederfinden konnten:
Der Stiel hat eine feine Längsstreifung. Die ca. 60-70 µm langen Zellen besitzen eine spindelartige Form, besonders im eingezogenen Zustand. Die Pellicula ist fein quergestreift. Der Makronukleus umfasst halbkreisförmig den unteren, insgesamt sehr groß ausgebildeten Mundtrichter. Einen Mikronukleus konnte ich nicht sicher erkennen. Die einzige Kontraktile Vakuole befindet sich auf der ventralen Seite unter dem Vestibulum. Besonders auffällig ist der schräg sitzende, herausgehobene Peristomdiskus mit den weit ausladenden Wimpernspiralen.

Die Tierchen reagieren sehr empfindlich auf Störung und Deckglasdruck und sind dann meist eingezogen. Um die schöne Entfaltung der Wimpernspiralen zu beobachten, habe die Schichtdicke etwas größer gelassen.
Zur Verdeutlichung der Morphologie und der Ästhetik dieser Mikrowesen möchte ich zunächst drei Aufnahmen im DIK 100 zeigen:







Die Lebensvorgänge sind naturgemäß eindrucksvoller im Video zu beobachten. Dabei konnte ich vor allem die Membranellen- und Wimpernbewegungen sowie das Ein- und Ausstrudeln von Nahrung(steilchen) festhalten.

https://youtu.be/ZW26sIb-gJI

Viel Spass und einen guten Rutsch
KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

Ole Riemann

Lieber Klaus,

danke für diese ästhetisch und auch dokumentarisch sehr ansprechenden Peritrichen-Bilder. Besonders das zweite Bild fängt die Dynamik der Wimpernspirale in schönster Weise ein - bin sehr beeindruckt.

Ich habe mich in der Ruhe der Weihnachtstage übrigens wieder mit winterlichen Moosproben befasst. Ein paar exemplarische Dokumentationen zu Tardigraden und Nematoden - diese beiden Taxa hatten wir uns in der von Dir verlinkten Beitragsserie ja vorgenommen - fehlen noch.

Eine gute Zeit und bis bald

Ole

KayZed

Lieber Ole,

ich freue mich über deine nette Rückmeldung.

Bin schon gespannt auf deine neuen "Mooswesen".

Wäre schön, wenn wir im Neuen Jahr wieder mal zu einem analogen Austausch zusammenfinden könnten.

Herzliche Grüße
KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

SNoK / Stephan Krall

Lieber Klaus,

ich schließe mich Ole an, sehr schöne Aufnahmen. Aber auch das Video finde ich gelungen. Oft ist es ja interessanter, die Organismen in Bewegung anzuschauen, als auf ein Foto zu bannen, außer bei z. B. Zieralgen. Und apropos, wie wäre es dieses Jahr mit dem Pillerseetreffen? Nicht nur eine Stippvisite, sondern gleich richtig.

Grüße
Stephan
Mikroskope: Leica DMRB, Leitz Dialux (beide mit DIK), Lomo MBD-1 ("Für-alle-Fälle-Mikroskop")
Stemis: Zeiss 508, Wild Heerbrugg M5
Kameras: Sony alpha 6500 und 6400
Webseite: https://kralls.de
Vorstellung: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=41749.msg308026#msg308026

Siegfried

#4
Hallo Klaus
Fachlich kann ich zwar nichts zu Opercularia nutans
sagen, aber ästhetisch und von der Aufnahme her,
sind es sehr ansprechende Mikrofotos.
Da wirst du immer besser.
Auch der etwas neue Hintergrund gefällt mir ausgezeichnet.
Ich befasse mich ja in erster Linie mit der Verbesserung meiner Mikrofotos,
der Suche der Objekte in der Natur,
und weniger mit der Morphologie, da nur das Nötigste.
Es soll halt jeder machen wie er es mag.
Beides hat seine Berechtigung.
Wer beides macht und kann, den bewundere ich.
   Gruß von Siegfried

KayZed

Hallo Stephan und Siegfried,

herzlichen Dank für eure lobenden Kommentare.

@Stephan
Das Pillerseetreffen ist schon ein ernsthafter Gedanke bei mir. Allerdings machen wir um diese Zeit in der Regel einen Bergblumen-Wanderurlaub (Fotografieren ist ja ein weiteres Hobby von mir).
Mal sehen wie ich das hinkriege. Wünsche mir jedenfalls auch mehr als einen Kurzbesuch. Ich habe allerdings kein mobiles Mikroskop. Ich denke, da sollte sich eine Lösung finden.

@Siegfried
Mittlerweile ist mir der tiefblaue Hintergrund in den meisten Fällen zu aufdringlich geworden. Deshalb experimentiere ich im Augenblick mit eher sanfteren Tönen. In der Raw-Entwicklung lässt sich das einfach bewerkstelligen.
Wie du bemerkst interessiert mich schon sehr die Biologie der Mikrowesen. Dazu ist es auch nötig, sich etwas mit dem Aufbau der Mikroorganismen zu beschäftigen. Du kennst ja den alten Spruch "Wer etwas weiß, sieht mehr". Ich bin allerdings weit davon entfernt, ein morphologischer oder taxonomischer Experte zu werden. Mein Wissenzuwachs ist eher sporadisch, je nachdem was mir unters Objektiv schwimmt. Neben ansprechenden Mikrofotos und-videos faszinieren mich immer wieder die hochkomplexen Lebensvorgänge auf allen Skalen der Natur.

Liebe Grüße
KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

Siegfried

Hallo Klaus
Ja, den neuen Hintergrund finde ich sehr gut.
Deine ursprünglichen Gedanken zum Wechsel vom
Jenaval zu Leica haben sich mit diesen Bildern bestimmt erübrigt.
Sie stehen denen mit Leica-Mikroskopen in keinster Weise nach.
Entscheidend ist natürlich auch, wer am Mikroskop arbeitet.
   Gruß von Siegfried

KayZed

Hallo Siegfried,

deine und eure positiven Einschätzungen ermuntern mich natürlich auch am Jenaval weiterzuarbeiten.
Im Augenblick habe ich deshalb mein Ansinnen, zum DMR zu wechseln, aufgegeben.
Ich bin mit einigen Ergebnissen an meinem Zeiss-Gerät mittlerweile recht zufrieden.

Trotzdem möchte ganz unvoreingenommen feststellen, dass die Aufnahmen von Martin, Ole, Roli, Stephan, Kurt u. a. oft noch einen Tick mehr an Brillianz, Schärfe und Feinauflösung haben.
Ich will damit aber in keinen Wettbewerb um Highend-Fotos entfachen, sondern das in Bewunderung dieser Qualitäten einfach so stehen lassen.

Wie schon mehrfach hier angemerkt bietet das Jenaval Kontrast umfangreiche Kontrastierverfahren in guter bis sehr guter Qualität (insbesondere beim DIK) und eine angenehme Anpassung der Bildausschnitte durch den Vergrößerungswechsler. Zuweilen ist die Justierung etwas fummelig und es kann in meiner Ausstattung durch die Aperturbegrenzung verständlicherweise keine Höchst-Auflösungen liefern.

Alles andere ist, wie du richtig feststellst, eine Frage der Erfahrung, die wir hoffentlich mit der gleichen Freude im Neuen Jahr weiter ausbauen dürfen.

In diesem Sinne liebe Grüße und einen guten Rutsch
KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

Frank Fox

Lieber Klaus,

das sind tolle Aufnahmen, die Du uns hier zeigst.

Ich sehe, Du hast das Zeiss Jena Kontrast bestens im Griff, weiter so.

Herzliche Grüße aus Konz
Frank
Mikrofotografie
www.mikro-foto.de
www.fotofind.eu

Faszination Mikroskopie
www.dustri.com/nc/de/hachinger-verlag/category/sachbuch.html

Zeitschrift Mikroskopie
http://www.mikroskopie-journal.de/

YouTube - Kanal
www.youtube.com/channel/UC32f7n_zGHMphTHSTC5wylg

KayZed

Lieber Frank,

schön wieder was von dir zu hören.
Ich freue mich über dein positives Feedback.

Ich darf an dieser Stelle mal dankend anmerken, dass du es warst, der mir mit dem Verkauf des feinen Jenavals einen wunderbaren Wiedereinstieg in mein lange brach liegendes Hobby ermöglicht hast.

Ich wünsche Dir ein gesundes und erlebnisreiches (Mikroskopier)-Jahr und würde mich freuen, wenn du uns wieder mal an deinen Fotoschätzen ein wenig teilhaben lässt.

Herzliche Grüße
KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

Kurt

Hallo Klaus,

auch von mir ein positives Feedback zu Deinen Bildern und der sehr guten Entscheidung das Jenaval Kontrast weiterhin "lieb zu haben"....!

Heute war ich auch am Weiher mit dem Planktonnetz und habe diese beiden Trompetentierchen gefunden. Sie waren noch mit einer Plasmabrücke verbunden, trennten sich kurze Zeit später und gingen ihre Wege...

Viele Grüße und einen Guten Rutsch

Kurt
   

KayZed

Hallo Kurt,

zum Jahresausklang zeigst du uns zwei sehr ästhetische, rötliche Trompetentiere. Mit dem kugeligen Makronukleus vermute ich mal Stentor igneus.
Die scheinen sich im Winterplankton sehr wohl zu fühlen. In meinen letzten Proben waren sie massenhaft unterwegs.
Sie sind auch leicht mit einem Getreidekorn zu vermehren.

Der leicht graublaue Hintergrund des ersten Bilder gefällt mit außerordentlich.

Liebe Grüße
KlausZ
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

Siegfried

Hallo Kurt
Wieder zwei klasse Fotos von Weiherbewohnern.
Und eine schöne Beschreibung ihres Verhaltens.
Geschichten, die das Mikroleben schreibt.
     Gruß von Siegfried

Kurt

Hallo Klaus und Siegfried sowie technisch Interessierte,

hier ist noch einmal das rötliche Trompetentierchen mit dem 100er-Objektiv.
Es ist bei einem so großen Objekt natürlich schwierig es frei schwimmend in guter Qualität ins Bild zu bekommen. Ich habe bei diesem Bild die Beleuchtungsapertur etwas geschlossen um eine größere Schärfentiefe zu bekommen.
Der Farbgradient im Bild liegt nicht am DIK, sondern resultiert aus der nicht ganz exakten Justierung der Blitzröhre im Strahlengang. Die Farbe des Hintergrundes kann ich durch sehr kleine Höhenverstellung des Kondensors erzielen. Ist er minimal höher als in exakter Stellung (Abb. der LFB scharf) geht der Farbton des Hintergrundes ins Blaue. Ist die Kondensorstellung etwas tiefer wird der Hintergrund gelblicher. Die Blitzstärke regel ich manuell, klappt perfekt. Ich brauche 1-2 Fotos für einen Test, dann folgt Foto auf Foto, alle gleich gut oder gleich schlecht. Bei Objektiv.- oder Verfahrenswechsel muss ich natürlich wieder mit 1-2 Fotos neu anpassen.
Ich fotografiere immer nur auf die SD-Karte und stelle grundsätzlich nur über den Blick in die Okulare scharf. Ausgelöst wird die Fuji X-T20 per Hand-Fernauslöser, der Metz-Blitz zündet über Funk-Auslöser. Die Blitzröhre ist aus dem Metz-Blitz ausgebaut, befindet sich direkt im Strahlengang und lässt sich in der optischen Achse verschieben, so dass ich sie auch köhlern kann. Ist alles Eigenkonstruktion, gibt es höchstwahrscheinlich nur an meinem modifizierten Jenaval Kontrast.

Viele Grüße aus FG
Kurt