Botanik: Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis *

Begonnen von Hans-Jürgen Koch, Februar 22, 2023, 15:14:34 NACHMITTAGS

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Hans-Jürgen Koch

Je nach Auffassung werden 50 – 80 Arten oder bei Anerkennung oder Annahme apomiktischer Kleinarten bis über 400 Arten unterschieden.

Apomiktisch: ungeschlechtlich (ohne Befruchtung) fortpflanzend (von bestimmten Pflanzen).
Zwergmispeln sind von der meridionalen (in Nord-Süd-Richtung verlaufend) bis in die nemorale (kühl-gemäßigte) Zone Euroasiens verbreitet, vom Mittelmeergebiet auch bis N-Afrika reichend. Verbreitungsschwerpunkt sind der Himalaja und die Gebirgsregion Süd-Chinas.
Die von Tibet bis Süd-China verbreitete Art gelang um 1870 nach Europa.

Viele Arten, und vor allem Zuchtformen der Zwergmispel, sind als beliebte Zierpflanzen (z.T. Bodendecker) in Anlagen und Gärten zu finden.
Die meisten Arten stellen keine besonderen Ansprüche an den Boden und vertragen städtische Umweltbedingungen recht gut. Diverse Arten verwildern in Europa aus Kultur und treten dann wildwachsend auf.
Manchmal handelt es sich nur um aufgelassene Pflanzen (Kulturrelikte).

Bild 01 Habitus, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis

Foto: Filip Verloove

Cotoneaster horizontalis wächst vorrangig in kühlfeuchten Wäldern und auf Strauchflächen und ist meist in einer Höhe von 1500 Meter bis 3000 Meter anzutreffen.

Die Fächer-Zwergmispel ist ein sommergrüner 1 Meter hoher Strauch mit horizontal ausgebreiteten und senkrecht stehenden, fächerförmig, verzweigten Ästen, deren 2-zellig angeordneten Zweige auffällig in einer Ebene stehen (fischgrätenartig)

Bild 02 Früchte, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis

Quelle: www.baumschule-horstmann.de

Bild 03 Blüten, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis

Urheber: Père Igor

Die ziemlich kleinen Blüten (1-2 cm) stehen einzeln oder in vielblütigen Doldentrauben (Doldenrispen), meist endständig an kurzen Seitentrieben; Kronblätter aufrecht, weiß bis rosa.

Die Früchte sind kugelig bis ellipsoidisch, 5-6 mm Durchmesser und leuchtend rot.
Die Früchte sind kleine Nussapfelfrüchte, d. h. Scheinfrüchte mit 3 Steinkernen, die von einem mehligen Achsengewebe mit roter, gelegentlich auch schwärzlicher Außenhaut umgeben sind.

Wie giftig ist Cotoneaster?
Beim Zerreiben der Rinde ergibt sich ein Marzipangeruch (Blausäure).
In den Früchten, aber auch in anderen Pflanzenteilen ist das blausäurehaltige Glycosid ,,Amygdalin" enthalten, deshalb sind für den Menschen alle Pflanzenteile inklusive der Früchte schwach giftig.
Eine Verwendung als Heilpflanze oder ähnliches konnte nicht recherchiert werden.

Systematik:
Familie:   Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie:   Spiraeoideae
Tribus: Pyreae
Untertribus: Kernobstgewächse (Pyrinae)
Gattung:   Zwergmispeln (Cotoneaster)
Art:   Fächer-Zwergmispel
Wissenschaftlicher Name: Cotoneaster horizontalis
Trivialnamen: in Österreich und der Schweiz Fächer-Steinmispel
Englische Bezeichnung: rock cotoneaster

Bild 04 Illustration, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis

Photo: Pearson Su, Royal Botanic Gardens Victiria

Der lateinische Name Cotoneaster stammt bereits aus römischer Zeit und bedeutet so viel wie "unnütze Quitte".
Die Bezeichnung ,,Fächer" resultiert wahrscheinlich aus dem Wuchs der Zweige der Pflanze, da sich diese fächerförmig ausbreiten.
Der Name ,,Zwergmispel" verweist auf den niederen Wuchs.

Die Blühmonate sind Mai und Juni.
Weiterhin zeichnet die Pflanze noch etwas aus. Sie bietet Wildbienen und vielen weiteren heimischen Insektenarten Nektar und Pollen (Nektarwert 4 und Pollenwert 3).
Um eine klare Vorstellung davon zu bekommen, wie sinnvoll einzelne Pflanzen für das Bienenvolk sind, wurden die Begriffe ,,Nektarwert" und ,,Pollenwert" eingeführt.
Die Nummerierung erfolgt von 0 bis 4 für beide Werte, wobei 0 für keinen Nektar bzw. keine Pollen steht.
Zudem werden die Beeren von Vögeln verspeist, obwohl sie für diese nicht ganz so schmackhaft sind, wie z.B. Schlehe oder Weißdorn.   

Teil 1
Spross, Querschnitte
25 Mikrometer

Bild 05 Schnittstellen, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis

Foto: H.-J_Koch

Bild 06 Querschnitt in Ethanol, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 07 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 08 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 09 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 10 Autofluoreszenz, Detailaufnahme, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis

LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert

Arbeitsablauf:
1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 4 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.20 Sekunden!!!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 30 Sekunden.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.

Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000

Bild 11 Übersicht, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 12 Detailaufnahme, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 13 Detailaufnahme mit Beschriftung, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis

EP = Epidermis, CU = Cuticula, RP = Rindenparenchym, tangential erweiterter Phloemstrahl, SK = Skleremchym-Inseln, PH = Phloem, ST = Strahl, XY = Xylem, MP = Markparenchym

Bild 14 Detailaufnahme mit Beschriftung, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis

K = Kambium, T = Trachee

Das Kambium (Zuwachsschicht, Wachstumsschicht) liegt zwischen der Rinde und dem eigentlichen Holzteil und ist ein teilungsfähiges Bildungsgewebe (Zellschicht) im peripheren Bereich von Spross und Wurzel der mehrjährigen Nacktsamer (Nadelbäume) und der zweikeimblättrigen Pflanzen. Durch die Zellenteilung (tangentiale Teilung) parallel zum Spross werden jedes Jahr nach außen Bastzellen und nach innen Holzzellen gebildet.

Bild 15 Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis

LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 16 Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 17 Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 18 Markparenchym, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 19 Sprossgabel, Querschnitte, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Hans-Jürgen Koch

Teil 2
Spross, Längsschnitt
25 Mikrometer

Bild 20 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 21 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 22 Autofluoreszenz, Detailaufnahme, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 23 Autofluoreszenz, Detailaufnahme, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 24 Übersicht, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 25 Detailaufnahme, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 26 Schrauben Trachee, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Bild 27 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Fächer-Zwergmispel Cotoneaster horizontalis


Quellen und weiterführende Informationen:

Wikipedia; Freie Enzyklopädie
Dietrich Böhlmann ,,Gehölzbiologie", ISBN: 978-3-494-01547-7
Ulrich Hecker ,,Bäume und Sträucher", ISBN: 3-8354-0021-5
Peter A. Schmidt "Taschenlexikon der Gehölze", ISBN: 978-3-494-01448-7
Peter A. Schmidt ,,Die wildwachsenden und kultivierten Laub -und Nadelgehölze", ISBN: 978-3-494-01800-3
Martin Schretzenmayr ,,Taschenbuch der heimischen Bäume und Sträucher", 1954
,,Das Kosmos Wald & Forst – Lexikon". ISBN: 978-3-440-15219-5
Die Informationen für Beschreibungen werden von mir selbst aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Dabei benutze ich sowohl Bücher als auch Internet Quellen.
Gerne zeige ich euch die schönen Seiten der Pflanzen.
Viele Aufnahmen von einer Pflanze ermöglichen eine umfassende Wahrnehmung.
Es freut mich natürlich sehr, wenn auch euch die Bilder gefallen.
Für konstruktive Kritik bin ich ebenso offen wie für lobende Worte.

Hans-Jürgen

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wejo

Hallo Hans-Jürgen,
dann will ich mal loben: Mit diesem Beitrag ist Dir wieder ein sehr interessanter und informativer Beitrag mit prima Bildern gelungen. Aber bei Dir kenne ich es ja nicht anders! Danke fürs Zeigen!
Herzliche Grüße,
Werner

jcs

Hallo Hans-Jürgen,

wieder einmal interessante und sehr gut aufbereitete Aufnahmen! Vor allem die Details zur Sprossgabel sind inetressant, so etwas wird selten gezeigt.

LG

Jürgen

Hans-Jürgen Koch

Hallo Werner, hallo Jürgen,

es freut mich, wenn euch meine Arbeit gefällt.

Gruß
Hans-Jürgen
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Fahrenheit

Guten Morgen Hans-Jürgen,

wie immer ein schöner und interessanter Thread zu einer Pflanze, die viele aus dem Vorgarten oder dem städtischen Begleitgrün kennen.
Ein Querschnitt der Blättchen wäre sicher auch mal interessant.

Herzliche Grüße
Jörg

p.s.
Natürlich gelistet.
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Und hier zur Webseite des MKB: Klick !

Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

Wutsdorff Peter

Guten Morgen Hans-Jürgen,
ja. was soll ich da noch anderes sagen als meine Vorredner!
Gratulation zu diesem interessanten Beitrag.
Gruß Peter

Hans-Jürgen Koch

Hallo Jörg und Peter,

danke für eure Rückmeldung.

Gruß
Hans-Jürgen
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