Vergleich der Tubusköpfe von Zeiss Universal und Phomi

Begonnen von Michael W., Januar 30, 2010, 22:47:10 NACHMITTAGS

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Michael W.

Hallo Mikroskopiker,

angeregt durch einen anderen Thread habe ich mal versucht, die Unterschiede zwischen den verschiedenen Tubusköpfen für die Zeiss-Mikroskope "Universal" und "Photomikroskop" deutlich zu machen. Vor einem Kauf sollte man unbedingt prüfen, welcher Tubuskopf angebaut ist. Die erwähnte Diskussion findet man hier: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4611.0

Der Übersichtlichkeit habler habe ich eine Tabelle erstellt. Da diese nur skaliert angezeigt wird, ist diese so nur schlecht lesbar. Unskaliert findet ihr sie hier: http://i442.photobucket.com/albums/qq144/88780489/Mikroforum/SchaltstellungenTubuskpfeUnivers-1.jpg





Das waren soweit die Informationen, die ich meinen Quellen entnehmen konnte. Es ist gut möglich, dass es noch andere Tubus-/Stativkombinationen gibt. Wer so eine kennt, darf hier gerne ergänzen  :D

Eine Unstimmigkeit ist mir noch aufgefallen: Das Teilungsverhältnis in Schaltstellung II beim Phomi III wird von Zeiss einmal mit 1/3 zu 2/3 und das andere Mal mit 20%/80% angegeben. Ob es diesen Unterschied nur in den Druckschriften gab, oder ob da noch mal was geändert wurde, weiß ich leider nicht.

Von TPL kamen folgende Infos:
- Phomi-I-Tubuskopf: Abweichend von diversen Anleitungen ist auch in Stellung 2 (roter Ring) Fotografie mit der eingebauten Kamera parallel zur Beobachtung möglich. Allerdings sieht man dabei nicht die Formatbegrenzung und die Einstellhilfen (diagonale Doppellinien für die Luftbild-Fokussierung).

- Universal-Tubuskopf mit Logo-Plakette: In Stellung 3 (schwarzer Ring) ist im Prismenschieber gar nichts eingebaut aber auch das umfassende Rohr nicht nach oben durchbrochen.


Universale Phomi-Grüße
Michael

PS: Wer weiß, wie das Prisma 10 geschalten wird, möge es mir bitte mitteilen. Einen "Schalter" konnte ich nämlich nicht finden.
Am liebsten per "Du"

alemanne

#1
Wie wird das Prisma beim Phomi II + III ausgeschaltet?
Neben dem Knopf für Integral- bzw. Punktmessung auf der linken Seite des Phomis (von vorne gesehen) ist ein Anschluss für einen Drahtauslöser angebracht. Verwendet man bei der Aufnahme den Drahtauslöser, so betätigt der Dorn einen Mechanismus, der die entsprechende Prismengruppe aus dem Strahlengang entfernt, und es gelangt alles Licht auf den Film (Schaltstange in Photostellung). Der Dorn des Drahtauslösers sollte mehr als 10 mm aus der Hülse vorstehen können. Die Schaltstellung ist besonders nützlich bei sehr lichtschwachen Bildern.
H.G.

reblaus

Hallo -

wollte nur die Info von TPL bestätigen:

Bei meinem Phomi I (Urtyp) war in Stellung II das Fotografieren mit eingebauter Kamera bei gleichzeitiger Beobachtung ohne Einstellhilfen möglich - das Bild im Bino war dabei viel heller als mit Hilfsrahmen etc. (Strahlen fürs Bino werden nämlich gleich bei Nr. 9 geteilt, statt den Weg über weitere 4 (in Worten vier) Strahlenteiler- oder Spiegel-Prismen zurücklegen zu müssen.

Man bewundere auch den Strahlengang in dem Foto: War es auch Wahnsinn, so hatte es doch Methode!

Gruß
RB

TPL

#3
Liebe Phomi-Freunde,
ich danke RB/reblaus für die Bestätigung, die außerdem auch zeigt, dass die Strahlenteiler-Baugruppen über viele Jahre nicht geändert wurden. Denn zwischen der Herstellung seines Ur-Phomi I und des Meinen müssen schon drei bis fünf Jahre ins Land gegangen sein und dennoch wurde weiterhin ein Tubuskopf eingesetzt, der zusätzlich zu den (in den diversen Gebrauchsanleitungen) dokumentierten Einstellungen auch eine Art 'Quick-and dirty' Foto-Position hatte:

In Position 2 (also ohne lange Verstellung) konnte man das gesamte Gesichtsfeld überblicken und zusätzlich - ohne den Blick von den Okularen zu nehmen - den Film belichten. In dieser Stellung war zwar der Lichtfühler (ein wunderbarer Begriff!) nicht im Strahlengang, aber seien wir doch einmal ehrlich: wenn die Belichtungsreihen erst einmal festgelegt waren und die Beleuchtung nicht verändert wurde, brauchte man die eingebaute Belichtungsautomatik (die erste automatisch belichtende Kamera der Welt!) ja nicht mehr - im Gegenteil: eine automatische Anpassung an verschieden absorbierende Objekte hätte nur Belichtungsfehler gebracht.

Das ist für uns heute vielleicht en alder Käs', aber Mitte der 1950er Jahre war das sicher eine fantastische Arbeitserleichterung!

Es mag ein Grund gewesen sein, warum Zeiss den anderen Produktnamen dieses 'wahnsinnigen Wunders', nämlich STANDARD Mikromat, noch in den 1960er Jahren hat fallenlassen.

Zu Michaels schöner Dokumentation: abgebildet ist wohl ein Phomi II. Allerdings sollte man nicht allen Details trauen. Oder hat jemand schon gesehen, dass sich der Arretierknebel für die Tische auf der rechten Site befindet ;D ?

Phomiphile Grüße, Thomas

Michael W.

Zitat von: TPL in Januar 31, 2010, 01:57:12 VORMITTAG
Lichtfühler (ein wunderbarer Begriff!)

Hallo Thomas,

also ich finde, dass der "Elektronen-Photovervielfacher" das noch überbietet  ;D

Viele Grüße
Michael
Am liebsten per "Du"

reblaus

Hallo Philphomis -

noch eine Gelegenheit die Sache weiter zu komplizieren, die ich nicht missen möchte:

Beim (meinem) Phomi I gab es noch einen Vergrößerungswechsler für die Fotos. Zu diesem Zweck wurde eine Projektionslinse vor dem Prisma zwischen 9 und 10 gewechselt und gleichzeitig eine Linsenkombination in die Rückprojektion eingeschwenkt, damit der Fotobereich wieder korrekt angezeigt wurde.

Übrigens zeigt das Schema wirklich ein Phomi II, bei dem diese Möglichkeit anscheinend wieder wegrationalisiert wurde.

Díe Fotozelle wurde übrigens in Position II weiter mit Licht versorgt (im Nebenzweig und nicht im Strahlengang) und das zum Bino rückgeleitete Licht landete im Nirwana, weil die betreffenden Prismen starr eingebaut waren. Nur das Bild im Bino war wesentlich heller, der Film hat vermutlich aber nicht mehr Licht abgekriegt als in Stellung III.

Gruß
Rolf

CäsarAnton

Ausgehend von den verschiedenen Schaltstellungen und Strahlengängen möchte ich mich hier noch mit einer Frage anschließen:

Sind die Tubusköpfe an den verschiedenen Stativen austauschbar?

Wobei sich dies wohl auf drei Fragen herunterbrechen läßt:
- Wenn das Stativ eine Schwalbenschwanzaufnahme für den Tubuskopf hat (bei den ältesten Phomis nicht der Fall) passen dann alle Tubusköpfe mechanisch?
- Passt dann auch die optische (vertikale) Achse?
- Sitzt der Tubuskopf (besser gesagt die Schwalbenschwanzführung des Objetivrevolvers) dann bei allen Tischen gleich hoch über dem Tisch oder gibt es da Probleme?

Kann mir bei diesen Fragen jemand helfen?
Mit herzlichen Grüßen
Alexander


Bevorzugt per Du.

Suche Hilfe und Unterstützung beim Aufbau eines Universal oder Phomis. Sehr schöner Tubuskopf vorhanden (Optovar, 7fach Objektivrev.)

<a href="http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=8440.0" target="_blank">Vorstellung

TPL

#7
Hallo Alexander,
ja, die Tubusköpfe der Modelle Universal und Photomikroskop sind (bis auf wenige Ausnahmen*) untereinander austauschbar.
Allerdings fehlen der massiven Platte mit der Schwalbenführung für das Universal die beiden Durchbrüche, mit denen das Licht zur Kamera und zum Sensor geleitet wird. Sitzt so ein Tubuskopf an einem Phomi, dann kriegt die eingebaute Kamera in keiner Schalterstellung Licht.

Zu Deinen "heruntergebrochenen" Fragen:
Zitat- Wenn das Stativ eine Schwalbenschwanzaufnahme für den Tubuskopf hat (bei den ältesten Phomis nicht der Fall) passen dann alle Tubusköpfe mechanisch?
Ich habe nicht alle Kombinationen durchgespielt, aber die Antwort ist grundsätzlich ja.

Zitat- Passt dann auch die optische (vertikale) Achse?
Ebenfalls ja, wenn auch wahrscheinlich nicht absolut perfekt (s.u.)

Zitat- Sitzt der Tubuskopf (besser gesagt die Schwalbenschwanzführung des Objetivrevolvers) dann bei allen Tischen gleich hoch über dem Tisch oder gibt es da Probleme?
Bei mir hat es, mit einem hellgrauen Tubuskopf am hammerschlag-grauen Universal der ersten Generation, keine Probleme gegeben. Auch nicht mit moderneren Tubusköpfen am Phomi I. Allerdings hat man bei Zeiss die Großgeräte (und das WL) vor der Auslieferung durchjustiert und dann für jedes Gerät einen Satz gleicher Nummern an verscheidenen Bauteilen aufgeklebt (kleine rote oder gelbe Aufkleber). Die Tubusköpfe bekamen einen eigenen Kleber. Das wird man wohl nicht ohne Grund getan haben...

Beste Grüße, Thomas

*das Universal R hat einen fest am Stativ verschraubten "Schrumpf-Tubuskopf" mit nur zwei Schalterstellungen.

CäsarAnton

Herzlichen Dank Thomas, das hilft mir weiter.
Auch weiß ich jetzt endlich was die roten Punkte mit Zahlen bedeuten.
Mit herzlichen Grüßen
Alexander


Bevorzugt per Du.

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