Interessante Pilzfunde 93 - Braunvioletter Samttäubling

Begonnen von Bernd Miggel, Oktober 19, 2023, 17:23:40 NACHMITTAGS

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Bernd Miggel

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Einführung, Lebensweise und Verbreitung

Der Braunviolette Samttäubling Russula brunneoviolacea, ein recht seltener, mittelgroßer, geruchloser, mildschmeckender Cremesporer, begegnet uns meist in recht gedeckten, braunen bis violetten Hutfarben, reif cremefarbenen Lamellen und weißem Stiel. Er wächst bei Laubbäumen, vor allem bei Rotbuchen, aber auch bei Eichen, Edelkastanien, Birken oder Haselmusssträuchern, und er liebt saure Böden. Die Rote Liste Deutschlands (2016) führt ihn in der Kategorie 3 (gefährdet).

Die Zeichnungen und Fotos verdanke ich Rose Marie Dähnke, Helga Marxmüller und Hans Stern.

Bild 1 (oberes Bild) – Russula brunneoviolacea, mit dunkel violettem, bis 9 cm breitem Hut, weißlichen Lamellen und weißem Stiel, unter einer Rotbuche im Fichtenwald über Buntsandstein in 760 mNN. Foto: Hans Stern.
Bild 2  (unteres Bild) –  Russula brunneoviolacea mit violettem bis schwarzviolettem Hut, weißen Lamellen und weißem Stiel; Studiofoto. Foto: Rose Marie Dähnke.

Bernd Miggel

#1
Makroskopische Merkmale

Die Hüte können bis 10 cm breit werden, sind anfangs halbkugelig, breiten sich rasch aus und bekommen schließlich ein leicht vertieftes Zentrum. Der Hutrand reifer Exemplare ist auf ca 1 cm gerieft. Die Huthaut ist glatt bis fein gerunzelt, feucht glänzend und klebrig und bis zu zwei Dritteln des Radius abziehbar. Die Hutfarben variieren von braun über violettbraun, braunviolett, violett bis dunkel violett, doch auch Farben wie weinrot oder ocker kommen vor. Dabei ist die Hutmitte oft dunkler als der restliche Hut. Junge Hüte sind manchmal violettschwarz. Die Lamellen sind brüchig, weißlich bis creme, kaum untermischt und selten gegabelt, die Schneiden ganzrandig und gleichfarben mit den Flächen. Die Stiele sind zylindrisch bis schlankkeulig, mitunter basal bis 25 mm verdickt, schwach längsaderig und rein weiß. Das Fleisch ist weiß, auch unter der Huthaut, bei jungen Exemplaren ist es fest, bei älteren weich und im Stiel ausgestopft. Die Pilze sind geruchlos und im Geschmack mild.

Bild 3
(oben) und Bild 4 (unten) – Russula brunneoviolacea, mit halbkugeligem, braunem Hut, cremefarbenen Lamellen und weißem Stiel, bei Rotbuchen. Foto: wikipedia.org. Lizenzhinweis: James Lindsey at 
Ecology of Commanster, Russula spec. - Lindsey 6a, CC BY-SA 3.0

Bernd Miggel

#2
Sporenstaubfarbe
Das frisch ausgefallene Sporenpulver ist creme, etwa IIb nach der Farbtafel in MARXMÜLLER, H. (2014).

Makrochemische Farbreaktionen
FeSO4 ergibt eine rosa, Phenol eine braune, Guajak eine rapide und intensive, dunkelgrüne Reaktion.


Bild 5 – Makrochemische Farbreaktionen auf der weißen Stielrinde. Foto: Hans Stern.

Bernd Miggel

#3
Mikroskopische Merkmale

Die Sporen sind ellipsoid.
ihre Ornamentation besteht aus 1,0-1,5 µm, vereinzelt bis über 2 µm hohen, spitzen Stacheln, die teils isoliert stehen, teils durch feine Linien verbunden sind. Mitunter sind Zebrierungen, d.h. parallele, reihige Verschmelzungen, erkennbar. Die gesamte Ornamentation ist deutlich amyloid. Werte (mit L Länge, B Breite):

GALLI 1996:  L X B = 7-9 x 6-7,5 µm 
Hans Stern:    L X B = 6,9-8,6 x 5,7-6,7µm     

Die Epikutis (oberste Schicht der Huthaut) besteht aus Epikutishaaren und Pileozystiden. Die Epikutishaare (,,eh" in Bild 6) sind langgliedrig, oft geradezu fadenförmig, mitunter gewellt, selten einmal verzweigt, basal 2,5-4 µm, apikal 1,5  µm breit. Die Pileozystiden (,,pz" in Bild 6) sind meist zylindrisch und multiseptiert, mitunter keulenförmig, 4-8 µm breit und in Sulfovanillin schwärzend.


Bild 6
–  Mikromerkmale von R. brunneoviolacea : pz = Pileozystiden, eh = Epikutishaare, sp = Sporen, hz = Hymenialzystiden. Aus MARXMÜLLER 2014.

Bernd Miggel

#4
Täublinge mit ähnlichen Hutfarben
•    Der Purpurschwarze Täubling (Russula atropurpurea) teilt mit unserer Art das Habitat und kann ähnlich aussehen. Er ist jedoch im Geschmack scharf, besitzt reinweiße Lamellen und reinweißes Sporenpulver, und seine Sporen besitzen ein niederwarzig-netziges Ornament.
•    Der  Lederstiel-Täubling (Russula viscida) ist wesentlich festfleischiger als unsere Art. Vor allem der Stiel ist fast holzig hart. Auch schmeckt er in den Lamellen scharf. Seine Sporen besitzen ein niederwarzig-netziges Ornament.
•    Der Scharfe Brauntäubling (Russula adulterina) ist ebenfalls viel festfleischiger, er riecht fruchtig und schmeckt sehr scharf. Seine Sporen sind deutlich größer. Außerdem wächst er bei Nadelbäumen auf Kalkboden.
•    Der Amethysttäubling (Russula amethystina) besitzt im reifen Zustand dottergelbe Lamellen. Sein Sporenpulver ist ebenfalls dottergelb, und in der Huthaut hat er keine Pileozystiden, sondern inkrustierte Primordialhyphen. Er ist Nadelbaumbegleiter.
•    Der Weißblättrige Reiftäubling (Russula azurea) besitzt reinweiße Lamellen und reinweißes Sporenpulver. Wie der Amethyst-Täubling besitzt er in der Huthaut Primordialhyphen und ist Nadelbaumbegleiter.

Literatur
•    BON, M. (1988): Pareys Buch der Pilze: 62-63.
•    DÄHNKE, R.M. (1993): 1200 Pilze in Farbfotos: 884.
•    EINHELLINGER, A. (1985): Die Gattung Russula in Bayern. Hoppea, Denkschr. Regensb. Bot. Ges. 43: Nr. 22.
•    GALLI, R. (1996): Le Russule: 336-337.
•    KRIEGLSTEINER, G.J. (2000): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2: 521-522.
•    KRÄNZLIN F. (2005): Pilze der Schweiz Bd. 6, Russulaceae: Nr. 102.
•    MICHAEL, M., Hennig, B. & Kreisel, H. (1983): Handbuch für Pilzfreunde Band V Blätterpilze – Milchlinge und Täublinge: Nr. 95.
•    MARXMÜLLER, H. (2014): Russularum Icones: 468-471.
•    https://de.wikipedia.org/wiki/Violettbrauner_T%C3%A4ubling
(abgerufen am 19.10.2023).
•    https://fundkorb.de/pilze/russula-brunneoviolacea-braunvioletter-samtt%C3%A4ubling

Viel Freude beim Anschauen!
Bernd



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