Interessante Pilzfunde 94 – Dunkelscheibiger Fälbling

Begonnen von Bernd Miggel, November 08, 2023, 09:22:59 VORMITTAG

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Bernd Miggel

Einführung, Lebensweise und Verbreitung

Der häufige Dunkelscheibiger Fälbling Hebeloma mesophaeum ist eine der wenigen Fälblingsarten, die man bereits am Fundort bestimmen kann. Die Fruchtkörper sind nur mittelgroß, die Hüte typisch zweifarbig. Man findet die Pilze in kleineren oder größeren "Trupps" in den verschiedensten Waldgesellschaften, in Gärten, Baumschulen und an Wegrändern, wo sie eine Mykorrhiza sowohl mit Laub- als auch mit Nadelbäumen eingehen.

Die Bilder 1 und 4 verdanke ich Alexander Reichert.

Bernd Miggel

#1
Makroskopische Merkmale

Unsere Art wird nicht sehr groß, Hutbreiten von 5 cm werden kaum einmal überschritten. Die anfangs halbkugeligen oder glockigen Hüte behalten nach dem Aufschirmen einen kleinen, zentralen Buckel. Die Oberfläche ist im feuchten Zustand klebrig oder sogar schleimig und glänzend. Auffallend ist die Färbung des Hutes: mittig orangebraun, weiter außen hell gelbbraun. Der Hutrand ist ungerieft und manchmal mit kleinen Fetzen des Universalvelums behangen. Die Lamellen sind anfangs blass, später bräunlich und an der Schneide bewimpert (Lupe).
Den anfangs cremefarbenen, später braunen Stiel kann man als mehr oder weniger zylindrisch beschreiben. Er besitzt oft eine deutliche Ringzone, die von der faserigen Cortina herrührt. Oberhalb dieser Ringzone ist die Oberfläche flockig, unterhalb vom Universalvelum überfasert. Das Fleisch ist anfangs cremefarben, später bräunlich und im Stiel hohl. Die Pilze riechen und schmecken schwach rettichartig.

Sporenstaubfarbe

Das frisch ausgefallene Sporenpulver ist rostbraun.


Mikroskopische Merkmale

Die Sporen sind ellipsoid, ovoid oder mandelförmig, hellbräunlich und relativ dickwandig, mit rauer Ornamentation.

Maße aufgrund 22 repräsentativer Sporen (mit L Länge, B Breite, Q = L/B Schlankheitsgrad, V Volumen):

L x B = 7,0-10,7 x 4,7-6,4 µm    Q = 1,55-1,65    V = 128-160 µm3

Bernd Miggel

Die Cheilozystiden sind sehr üppig in Form eines regelrechten Rasens vorhanden. Sie erscheinen lang zylindrisch, oft mit etwas verdickter Basis und messen 30-60 x 4-6 µm.

Bernd Miggel

#3
Die Huthaut besteht aus einer Schicht liegender Hyphen, die in eine schleimige Masse eingebettet sind (eine Ixokutis). In Bild 4 ist der Schleim, bedingt durch die Tannin-Eisen-Toluidinblau-Färbung, in Blau zu sehen.

Bernd Miggel

#4
Notizen zur mikroskopischen Darstellung verschleimter Huthäute
1.    Es wird ein Huthautstreifen 10 x 3 mm tangential nahe dem Hutrand abgezogen.
2.    Der Huthautstreifen wird in 100-prozentigem Isopropylalkohol entwässert und
3.    auf einem Objektträger in Histowachs PEG 4000 eingeschmolzen.
4.    Unter dem Stereomikroskop werden nun mit scharfer Rasierklinge feinste Querschnitte erstellt und diese
5.    für 15 Min. in einem großen Tropfen Tannin (Tannin 3 % in Borsäure 2 %) vorgebeizt.
6.    Danach sorgfältig in Wasser gewaschen und
7.    für 5 Min. in Eisen-III-Chlorid (FeCl3 5 % in Wasser) gefärbt.
8.    Danach in Wasser gewaschen und
9.    für 5 Min. in stark wasserverdünntem Toluidinblau nachgefärbt.
10.    In Wasser mikroskopiert, zeigen sich Schleim und Hyphenwandungen blau gefärbt.

Literatur
•    BON, M. (1988): Pareys Buch der Pilze: 230-231.
•    BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN F. (2000): Pilze der Schweiz Bd. 5, Blätterpilze 3. Teil, Cortinariaceae: Nr. 102.
•    DÄHNKE, R.M. (1993): 1200 Pilze in Farbfotos: 682.
•    GMINDER, A. (2014): Handbuch für Pilzsammler. 340 Arten Mitteleuropas sicher bestimmen: 239.
•    KRIEGLSTEINER, G.J. (2010): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5: Nr. 113.
•    LUDWIG, E. (2017): Pilzkompendium Bd. 4: Nr. 126.9.
•    VESTERHOLT, J. (2005): The genus Hebeloma. Fungi of Northern Europe, Vol. 3: 34-37.
•    https://de.wikipedia.org/wiki/Dunkelscheibiger_F%C3%A4lbling
(abgerufen am 07.11.2023).
•    https://fundkorb.de/pilze/hebeloma-mesophaeum-dunkelscheibiger-f%C3%A4lbling


Viel Freude beim Anschauen!
Bernd



Alle Fundberichte in der Übersicht: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=42360.msg312080#msg312080
Fachausdrücke, Abkürzungen: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=41611.msg306729#msg306729

rlu

#5
Hallo Bernd,

wenn du mit Isopropanol entwässerst(wie lange und wie oft) und dann in PEG einlegst:
Wird dann das Objekt im PEG hart oder bleibt das PEG teilweise flüssig an den Berührstellen?
Warum nimmst du PEG 4000 und kein 1500er oder 2000er?

Waschen passiert bei dir in einem Uhrmachergläschen oder in einer Färbeschale?

Wo ist die Schneide, Berg oder Tal der Lamelle?

Hast du eine Übersichtstabelle aller räumlichen Merkmale a la: ellipsoid, ovoid oder mandelförmig


Übrigens - sehr schöne Bilder und eine akribische Arbeit.

Liebe Grüße
Rudolf

Bernd Miggel

#6
Hallo Rudolf,

Entwässern 3 x je 1 Min.
Das Objekt wird durch das vorherige Entwässern im PEG hart, so dass man es schneiden kann.
Bei PEG 1500 verkleben die Schnitte an der Schneide der Kinge, das ist nicht gut. PEG 2000 kenne ich nicht.
Die 5-10 Schnitte werden miteinander mittels Rasierklinge in einen großen Tropfen Tannin auf einem Objektträger geschoben.
Der gesamte Färbevorgang geschieht auf diesem einen Objektträger, so dass die Schnitte nicht berührt werden. Anderenfalls würde die Schleimschicht beschädigt werden. Auch das Waschen (je 3x für 1 Min.) erfolgt natürlich auf demselben Objektträger.
Nur am Schluss zum Mikroskopieren übertrage ich die Schnitte vorsichtig mit einer feinen Kanüle (wegen der angeschrägten Spitze) in einen Wassertropfen auf einem anderen, sauberen Objektträger.
Schneide der Lamelle: in Bild 3 zeigt sie nach oben.
Sporenform: eine Tabelle habe ich nicht. Ist eigentlich selbsterklärend. Bild 2 enthält alle erwähnten Formen.

Viele Grüße
Bernd

Peter Reil

Hallo Bernd,

die Darstellung der Schleimschicht ist genial!
Irgendwann werde ich das hoffentlich auch mal so hin bekommen.

Freundliche Grüße
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, Olympus CHK, Olympus SZ 30

Bernd Miggel

Hallo Peter,

du hast sicher gesehen, dass die "Schleimarbeit" von Alexander ist. Anscheinend hat der kleine Workshop etwas gebracht.

Herzlichen Gruß
Bernd

rlu

#9
Hallo Bernd,

mit dem Tannin und Bor wird die Färbbarkeit erhöht(vorgebeizt)?
3g und 2g und auf 100ml auffüllen?

Erwärmst du das PEG 4000 auf dem Objektträger mit einem Feuerzeug oder auf einer Wärmeplatte?

Wir werden uns mal an das Thema herantasten für einen Mikroskopierabend.

Liebe Grüße
Rudolf

Bernd Miggel

#10
Hallo Rudolf,

irgendwie habe ich deine Frage erst jetzt bemerkt, tut mir leid.

Wie kann man es denn hinkriegen, dass man bei Antworten automatisch benachrichtigt wird?

Zu deinen Fragen:

Die Lösungen sind in Gewichtsprozenten angegeben:
Zuerst 2-prozentige Borsäure-Lösung in Wasser herstellen.
Dann 3-prozentige Tannin-Lösung in obiger 2-prozentigen Borsäure herstellen, also z.B. 3 Gramm Tannin (100 prozentig) in 100 Gramm der 2-prozentigen Borsäure-Lösung).

Erwärmen/Verflüssigen von PEG:
Entweder mit dem Feuerzeug oder auf einem Tassenwärmer (USB-Anschluss für PC), auf den ich den OT lege und mit großer Plastikdose abdecke. Nach 15 min ist alles verflüssigt.

Viele Grüße
Bernd

Nochnmikroskop

Zitat: Wie kann man es denn hinkriegen, dass man bei Antworten automatisch benachrichtigt wird?

Hallo Bernd,

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LG Frank

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Bernd Miggel