Polarisiertes Licht - Fotoeinstellungen

Begonnen von ChristianS, Dezember 08, 2023, 13:50:43 NACHMITTAGS

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ChristianS

Hallo zusammen,

ich habe ein paar Aufnahmen von Weinsäure gemacht, die gab's recht günstig in der Apotheke um die Ecke. Mit den Einstellungen von Mikroskop und Kamera habe ich etwas gespielt und vergleiche die Bilder. Mein Eindruck ist, dass bei kleinen Spannungen eher "warmes" rotes Licht erzeugt wird, bei großen Spannungen eher blaues "kaltes". Außerdem sieht man doch glaube ich sehr deutlich die Effekte der geschlossenen Blendenöffnung, man erzielt mehr Tiefenschärfe (und braucht weniger Bilder zu stacken?) komischerweise musste ich nicht länger belichten was ich eigentlich erwartet hätte.

https://www.dropbox.com/scl/fo/7acqx3pmjesgsa1ivj8y8/h?rlkey=qau87u18ukudtfhaldtfmlvtz&dl=0

Fällt euch sonst noch etwas an den Aufnahmen auf?

Eine andere Frage wäre was ich da eigentlich sehe? Die bunten Farben sind Interferenzen, die in doppelbrechenden, optisch anisotropen Matieralien entstehen. Aber mehr weiß ich auch nicht.
Verwendete Geräte:

Leitz Orthoplan

Kameras:

Canon Eos 650d
Nikon Z5

Gerd Schmahl

#1
Hallo Christian,
Zitat von: ChristianSMein Eindruck ist, dass bei kleinen Spannungen eher "warmes" rotes Licht erzeugt wird, bei großen Spannungen eher blaues "kaltes
Mit Spannungen haben die Farben in diesem Fall kaum etwas zu tun. Die unterschiedlichen Farben resultieren aus unterschiedlichen Dicken und unterschiedlichen Ausrichtungen der Kristalle. Drehe doch mal bitte Dein Präparat (echte Polarisationsmikroskope haben nicht umsonst einen Drehtisch mit Gradeinteilung), dann kannst Du sehen, wie abhängig von der Richtung, in der die Kristallnadeln verlaufen, die Farben sind, Aus Orange wird Blau und umgekehrt.

Natürlich erhöht eine stärker zugezogene Aperturblende die Tiefenschärfe und auch den Kontrast, aber beides darf man nicht zu sehr übertreiben, sonst opfert man zu viel Auflösungsvermögen. Oder meinst Du die Blende des Fotoapparates? Die Bildtitel könnten das nahe legen.

Zitat von: ChristianSkomischerweise musste ich nicht länger belichten was ich eigentlich erwartet hätte.
Aber Du hast doch sehr unterschiedliche Blenden und Belichtungszeiten.

Wie wurde das Präparat erstellt: mit oder ohne Deckglas? Für mich sehen die Fotos aus, als hättest Du ohne Deckglas gearbeitet mit einem Objektiv das für Deckglas berechnet ist. Da fehlt noch etwas Schärfe und Brillianz.

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

unkenheini

Moin Christian,
ist bei deiner Kamera eventuell die Iso Automatik aktiviert?Dann setzt die Kamera den Iso Wert hoch um die Belichtungszeit beizubehalten.
Gruss Jörg
Mit freundlichen Grüßen
Jörg G.

p.s. Mir ist es lieber mit Du angesprochen zu werden als mit Sie.Danke.

ChristianS

#3
Ich verwende im Manuellen Modus konstant ISO 100 also den niedrigsten Wert. Und Qualitätsverluste durch zu langes Belichten habe ich bisher keine.

Dass die bunten Farben durch die Doppelbrechung in optisch anisotropen Materialien hervorgerufen werden weiß ich doch, meine Frage war eine ganz andere:

Wenn man sich die Bilder mal genauer! ansieht fällt doch auf, dass manche vom Eindruck her kälter sind, manche wirken wärmer. Und meine Vermutung wäre, dass kleine Spannungen die Probe eher mit warmem, roten Licht beleuchten.

Aber das Deckglas macht absolut Sinn zumal die Kristalle wachsen. Ich habe da tatsächlich keins verwendet.
Verwendete Geräte:

Leitz Orthoplan

Kameras:

Canon Eos 650d
Nikon Z5

jochen53

Hallo Christian,
wenn Du mit "Spannung" die elektrische Spannung meinst, mit der eine Glüh- oder Halogenlampe betrieben wird, dann hast Du Recht. Bei niedrigerer Spannung hat das Licht ein höheren Rotanteil, bei höherer Spannung steigt der Blauanteil. Diese Verschiebung der sog. "Farbtemperatur" ist bei thermischen Kontinuumsstrahlern wie klassischen Glühlampen (z.B. der 6 V/5 A von Leitz) etwas stärker sichtbar als bei Halogenlampen (z.B. der 12 V/100 W), die aufgrund ihres Funktionsprinzips bereits mit einer höheren Glühwendeltemperatur betrieben werden können. Da die Wirkungsweise und die Helligkeitsregelung bei LEDs auf ganz anderen Prinzipien beruht, ändert sich die "Farbtemperatur" bei ihnen bei der Helligkeitsveränderung praktisch nicht.
Früher hatte man zum Anpassen der Farbtemperatur verschiedene blaue Korrekturfilter der KB- oder BG-Serie, sowohl für die visuelle Mikroskopie als auch für die Fotografie.
Viele Grüße, Jochen.

Gerd Schmahl

Hallo Christian,
ach um die Stromspannung der Beleuchtung geht es! Tja, dieses Missverständnis resultiert dann wohl aus der verkürzten Beschreibung des Problems. Ich hatte an die Spannungsdoppelbrechung im polarisierten Licht, wie sie in der Spannungsoptik technisch angewendet wird, gedacht.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Rawfoto

Guten Tag

Das die Spannung bei Glühmittel hat wurde ja bereits beschrieben. Was noch offen ist heißt Weißabgleich, der wird bei JPG in der Kamera und bei RAW im Rawkonverter eingestellt und vom automatischen Weißabgleich beeinflusst. Auch da kann man natürlich manuell einstellen. Der exakte Wert kann messtechnisch ermittelt werden.

Liebe Grüße
Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

ChristianS

Gut, dann stellt sich die Frage wie man einen Weißabgleich korrekt durchführt. Ich habe halt noch nicht die Muße das bei jedem Bild anzuwenden.

Meine Vorgehensweise ist auch recht einfach. Ich nehme einen weißen Hintergrund als Referenz und sage meinem Kontrollprogramm von Canon Utility dann beim manuellen Weißabgleich! das der Hintergrund jetzt weiß ist. Es gibt da so einen Pinsel als Button und ich klicke auf die weiße Fläche so geht das jedenfalls bei mir.
Verwendete Geräte:

Leitz Orthoplan

Kameras:

Canon Eos 650d
Nikon Z5

ChristianS

Andernfalls mal das Spektrum von der Leuchtquelle anschauen. Das sind bisher ganz gewöhnliche 100W Halogenlampen drin. Andererseits: Was gewinne ich dann?
Verwendete Geräte:

Leitz Orthoplan

Kameras:

Canon Eos 650d
Nikon Z5

Peter V.

Hallo Christian,

Weißabgleich am Mikroskop: Du nimmst einfach das Präparat heraus oder sucht eine "leere" Stelle im Präparat aus. Dann mit der Pipette dort hinein klicken und Du hast den korrekten Weißabgleich (aber nur genau für d i e s e Lampenspannunseinstellung). Wenn Du die Lampenspannung hernach veränderst, musst Du im Prinzip einen neuen Weißabgleich durchführen, wobei das im Utility doch nur 2 Klicks sind; das kann doch im Zweifelsfall vor jeder Aufnahme kurz machen!? Dazu bedarf es doch keiner "Muße"  ;)
ZitatAndernfalls mal das Spektrum von der Leuchtquelle anschauen. Das sind bisher ganz gewöhnliche 100W Halogenlampen drin. Andererseits: Was gewinne ich dann?

Das verstehe ich jetzt auch nicht. Was für ein Spektrum willst Du Dir wofür anschauen? Halogenlicht ist nach wie vor qualitativ das "beste" Licht an Mikroskop, an das immer noch keine LED in letzter Konsequenz herankommt (wenngleich es natürlich inzwischen sehr sehr gute LEDs gibt). Aber es ist schon so: Die Farbtemperatur ändert sich mit der Lampenspannung.

Zum Deckglas: Das hat jetzt weniger mit den kristallen zu tun als vielmehr damit, dass eben die höher vergrößernden Objektive (i.d.R. oberhalb von 10fach) für Durchlicht in der Regel für die Verwendung mit Deckglas gerechnet sind (erkennbar an der Aufschrift 0.17). Wenn man solche Objektive ohne Deckglas verwendet, führt das eben zu einen mehr oder weniger merklichen Qualitätsverlust. Schon aus dem Grund solltest Du ein Decklgas auflegen, wenn Du mit solchen Objektiven arbeitest.

Herzliche Grüße
Peter



Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Florian D.

Hallo,
 bei gekreuzten Polarisatoren funktioniert das mit dem Weißabgleich nicht so toll.
V G
Florian

Peter V.

Hallo Florian,

Uaaaahhhh....natürlich (!) muss zumindest der Analysator vorher "raus", ansonsten gibt es einen Schwarzabgleich  ;) Das hatte ich jetzt quasi stillschweigend vorausgesetzt, dass das vor einem Weißabgleich gemacht wird.

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.

Florian D.

Zitat von: Peter V. in Dezember 09, 2023, 15:10:11 NACHMITTAGSHallo Florian,

Uaaaahhhh....natürlich (!) muss zumindest der Analysator vorher "raus", ansonsten gibt es einen Schwarzabgleich  ;) Das hatte ich jetzt quasi stillschweigend vorausgesetzt, dass das vor einem Weißabgleich gemacht wird.

Herzliche Grüße
Peter


Das meinte ich jetzt gar nicht mal. Man kann vor dem Kreuzen einen perfekten Farbabgleich machen und die Farben, die man mit gekreuzten Polarisatoren photographiert, sind trotzdem fern von dem, was man aufgrund des optischen Eindrucks erwarten würde.

Viele Grüsse
Florian

Gerd Schmahl

Hallo Florian,
das hängt dann aber wahrscheinlich mit Deinen Polarisatoren zusammen, die nicht ganz "neutral" arbeiten. Man sieht das gelegentlich, dass manche Filter in 90-Grad-Stellung z.B. ein bläuliches Restlicht durchlassen.
Ich habe mit meinen Original-Filtern von Olympus das Problem nicht, oder zumindest nicht in dem Maße, dass es mir je negativ aufgefallen wäre.
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

peter-h

Liebe Polfreunde,

es wird sehr oft vergessen, dass Polfilter im nahen Infrarotbereich sehr durchlässig sind. Wenn nun noch mit einer Halogenleuchte, welche im Infrarotbereich die höchste Intensität hat gearbeitet wird, so werden die Verhältnisse sehr undurchsichtig und nebulös. Wer nun auch noch an eine totale IR-Blockung bei der Kamera glaubt  :(
Abhilfe ist ganz einfach. Keine Halogen, sondern LED als Lichtquelle nehmen.
Pol-var-log.jpg

Peter