Autor Thema: Dünnschliff einer Septarie (Karbonat-Knolle)  (Gelesen 12088 mal)

TPL

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Dünnschliff einer Septarie (Karbonat-Knolle)
« am: Februar 24, 2010, 00:15:04 Vormittag »
Hallo Rätsel- und Dünnschlifffreunde,
ich grabe gerade uralte Dünnschliffe (eigener Anfertigung) aus, darunter auch diesen:


Photomikroskop, Planachromat 1/o,o4, ohne Kondensor, LPL (!), Powershot A70.

Wer traut sich?

Geschliffene Grüße, Thomas
« Letzte Änderung: Februar 24, 2010, 22:06:33 Nachmittag von TPL »

Ragin

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Re: Dünner Stein - mehr wird nicht verraten
« Antwort #1 am: Februar 24, 2010, 00:39:21 Vormittag »
Hallo Thomas
Mich erinnert das etwas an meine Labradoritdünnschliffe die ich gemacht habe.
liege ich da richtig?
Schönen Gruß
Rainer
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TPL

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Re: Dünner Stein - mehr wird nicht verraten
« Antwort #2 am: Februar 24, 2010, 00:52:06 Vormittag »
Labradoritdünnschliffe

Hallo Rainer
schön, dass Du Dich traust, aber es ist schwer. Bildhauerisch ist dieses Gestein übrigens völlig uninteressant. Kein Labradorit :(
Schönen Gruß, Thomas

Klaus Herrmann

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Re: Dünner Stein - mehr wird nicht verraten
« Antwort #3 am: Februar 24, 2010, 09:20:23 Vormittag »
Hallo Thomas,

also sieht erst mal toll aus!

 Richtig??? :D

Außen schwarz, also keine Doppelbrechung - ein vulkanisches Glas?
innen eine nachträgliche Füllung des "Schlotes" durch 2 aus Lösung auskristallisierter Mineralien. Vielleicht sogar das selbe Mineral in anderer Orientierung?
Ein Carbonat?
Ein Zeolith?

Kannst Du am Samstag mitbringen ich habe ein Laborlux 12 Pol dabei!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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Ragin

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Re: Dünner Stein - mehr wird nicht verraten
« Antwort #4 am: Februar 24, 2010, 10:35:53 Vormittag »
Hallo
Sieht  jedenfalls  toll aus. Das bläulich schimmernde müsste meines Erachtens nach
irgend ein Feldspat sein. auf 3 Uhr sieht es für mich so aus, als wenn der gelb-braune
Kristall der den blauen umgibt von unten durch scheint. das dunkle aussen ist eine recht feinkörnige
Matrix. Ich schätze auch, dass es vukanischem Ursprungs ist wie Basalt. Wie groß ist denn der Kristall?
was bedeutet denn LPL?
Bin mal gespannt auf die Auflösung des Rätsels.
Gruß
Rainer
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Erik W.

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Re: Dünner Stein - mehr wird nicht verraten
« Antwort #5 am: Februar 24, 2010, 12:49:45 Nachmittag »
Hallo Thomas,

Toller Schliff!!! Ich tippe mal auf Hauynit.

Viele Grüße

Erik
« Letzte Änderung: Februar 24, 2010, 12:51:56 Nachmittag von Erik W. »

Holger

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Re: Dünner Stein - mehr wird nicht verraten
« Antwort #6 am: Februar 24, 2010, 14:30:31 Nachmittag »
Hallo Thomas,

mein Tipp lautet: ein dichtes, vulkanisches Effusivgestein (in der Art von Basalt oder "Melaphyr") mit einem durch Quarz verfüllten Spaltenhohlraum. Die blaue Farbe kommt wahrscheinlich durch das blaugefärbte Einschlußmittel (um Hohlräume klarer erkennen zu können).

Gruß,
Holger

TPL

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Re: Dünner Stein - mehr wird nicht verraten
« Antwort #7 am: Februar 24, 2010, 16:32:07 Nachmittag »
Ich schätze auch, dass es vukanischem Ursprungs ist wie Basalt. Wie groß ist denn der Kristall?
was bedeutet denn LPL?

Hallo Rainer,
auch wenn Du mit Deinem Tipp noch genau so weit von der Lösung entfernt bist wie alle Anderen: Du hast die besten Fragen gestellt!

Im Gesichtsfeld sind sehr viele einzelne Kristalle und die Bildkanten sind mehrere Millimeter lang.
LPL bedeutet linear polarisiertes Licht (und heißt, dass nur der Polarisator im Strahlengang ist!).

@ Klaus: in Deiner Antwort stecken auch gute Ansätze (z.B. das Lob ;D). Ob ich den Schliff mitbringen kann? Wohl kaum. Du müsstest das wissen!

Schönen Gruß, Thomas
« Letzte Änderung: Februar 24, 2010, 18:03:35 Nachmittag von TPL »

Udo Maerz

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Re: Dünner Stein - mehr wird nicht verraten
« Antwort #8 am: Februar 24, 2010, 21:23:13 Nachmittag »
Hallo Thomas,

weiß der Kuckuck was sich rechts und links am Bildrand als schwarze Ränder abzeichnet; die Füllung scheint tatsächlich eine Gangfüllung zu sein, die bräunlich erscheinenden Kristalle besitzen ein hohes Relief, dazwischen haben sich auch noch ein paar farblose Kristalle gezwängt. Das blaue Innenleben zeigt eine hervoragende Spaltbarkeit mit annähernd rhombischen Winkeln.

Könnte es sein, dass es sich um eine ängefärbte Probe zur besseren Unterscheidung von Karbonatphasen handelt (Siderit --> Ankerit --->Dolomit ---->Calcit)? Möglicherweise ist das blaue angefärbter Calcit und die braun erscheinende Phase mit dem hohen Relief etwas aus der Mischkristallreihe Siderit-Ankerit ?

zumindestens ein Versuch
Udo Maerz


Klaus Herrmann

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Re: Dünner Stein - mehr wird nicht verraten
« Antwort #9 am: Februar 24, 2010, 21:32:48 Nachmittag »
Hallo Udo,

Deiner Interpretation möchte ich mich anschmiegen!  :-*

Die Schlotmatrix könnte ein Basalt sein, die Füllung innen Ankerit/Siderit, der durch seinen Eisengehalt die Berlinerblau -Färbung zeigt und so vom umgebenden Calcit; Dolomit unterschieden wird. Wenns in die Richtung geht, dann Hut ab vor der wunderschönen Differenzierung.

Auf jeden Fall ist das Blaue keine Interferenzfarbe , wie ich ursprünglich annahm, sondern eine reaktive Färbung!

# Thomas ich hatte an einen Tausch gedacht mein Laborlux gegen Deinen schönen Schliff - aber gut, wenn Du nicht willst, dann ziehe ich das Angebot eben zurück! :P
« Letzte Änderung: Februar 24, 2010, 21:48:45 Nachmittag von Klaus Herrmann »
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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TPL

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Re: Dünner Stein - mehr wird nicht verraten
« Antwort #10 am: Februar 24, 2010, 21:53:40 Nachmittag »
Bravo, Udo: das war - petrografisch - ein Volltreffer!

Es handelt sich um eine Septarie aus dem Ober-Alb (höchste Unterkreide) von Mutriku/Nordspanien/Provinz Gipuzkoa. Septarien sind meist karbonatisch zementierte Konkretionen (Synonyme: Knauern, Knollen, Geoden), die evtl. unter dem Einfluss verschieden großer Gebirgsspannungen innerlich aufgerissen sind. In den dabei entstehenden Rissen kristallisieren nun Minerale aus, von denen man glauben darf, dass sie dem Wechsel unterschiedlicher Porenflüssigkeiten des Wirtsedimentes über die geologischen Zeiträume nach der Entstehung der Septarie entsprechen ("Diagenesekonserven").

Das Original dieses Dünnschliffs (in einer Größe von etwa 10x10 cm!) war mein "Gesellenstück" für meine Diplomarbeit und Kartierung im Baskenland. Die Risse sind mit (mindestens) zwei Generationen von Kalzit und zentral mit Baryt gefüllt (Letzterer ist in dem abgebildeten Schliff leider ausgebrochen):


Diaschliff 50x50 mm, eingescannt mit 1200x1200 dpi.

Der ungefärbte Zement ist Niedrig-Mg-Kalzit. Im REM kann man darin noch eine weitere Unterteilung erkennen. Der (mit Kaliumhexacyannoferrat III) tiefblau gefärbte Zement ist ein Fe-Kalzit (ein Mg-armer Mischkristall irgendwo zwischen stöchiometrischem Kalzit, Dolomit und Siderit).

@ Klaus: das Original dieses Dünnschliffs habe ich Dir im Dezember 2007 geschenkt ::). Das Laborlux nehme ich in Wuppertal gerne entgegen.

Schönen Gruß, Thomas
« Letzte Änderung: Februar 24, 2010, 23:02:19 Nachmittag von TPL »

Eckhard

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Re: Dünnschliff einer Septarie (Karbonat-Knolle)
« Antwort #11 am: Februar 24, 2010, 22:52:50 Nachmittag »
Lieber Thomas,

Zitat
@ Klaus: das Original dieses Dünnschliffs habe ich Dir im Dezember 2007 geschenkt . Das Laborlux nehme ich in Wuppertal gerne entgegen.
;D ;D ;D

Ich bin gerade vom Sofa gefallen!

Herzliche Grüsse
Eckhard
Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
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TPL

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Re: Dünnschliff einer Septarie (Karbonat-Knolle)
« Antwort #12 am: Februar 24, 2010, 23:05:03 Nachmittag »
Ich bin gerade vom Sofa gefallen!

Forumskonsum auf dem Sofa? Hast Du denn schon eine iPad, lieber Eckhard?
Neidische Grüße, Thomas

Eckhard

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Re: Dünnschliff einer Septarie (Karbonat-Knolle)
« Antwort #13 am: Februar 24, 2010, 23:29:54 Nachmittag »
Zitat
Forumskonsum auf dem Sofa?
Natürlich, fast so gut wie selber mikroskopieren :D

Zitat
Hast Du denn schon einen iPad
Ne :( Derzeit noch Macbook Pro. Aber neugierig bin ich schon. Und ich liebe mein iPhone!

Glückwunsch zu dem neuen Mikroskop  ;D!

Herzlicher Gruss
Eckhard
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Klaus Herrmann

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Re: Dünnschliff einer Septarie (Karbonat-Knolle)
« Antwort #14 am: Februar 26, 2010, 11:03:48 Vormittag »
Lieber Thomas,

ich freue mich schon Dich  - und andere - morgen zu treffen.

Ich bringe natürlich wie versprochen mein Polmikroskop mit. Zum Glück hatte ich ja beim Angebot dieses sogleich zurückgezogen. So dass das mit dem einfachen Tausch leider nichts wird, aber ein angemessenes Aufgeld könnte dann doch noch zu einem Eigentumsübergang führen!  ;)

Aber bei den wunderschönen "Kirchenfenstern", die ich von Dir habe liegt dieses Präparat nicht.
Ich habe einen Marmor und diesen "Granit" (steht drauf) von Dir. Ich bring sie beide mit. Und dann noch 3 kleinere "Kirchenfenster" bei denen ich aber nicht sicher bin, ob sie von Dir sind. Das ist meine Minikiste "Kirchenfenster" mehr ist nicht.

Pol und Lambda. Der Weißabgleich stimmt nicht - da habe ich ein grundsätzliches Problem: wenn ich den nach der üblichen Methode mache neben dem Präparat und dann die Beleuchtungsverhältnisse nicht mehr ändern stimmt er trotzdem nicht - im Gegensatz zu HF-Aufnahmen!

Kann mir da jemand einen Tipp geben?

Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


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