Zeiss Mikroskop fit machen

Begonnen von Tunnelblick, August 21, 2024, 15:13:28 NACHMITTAGS

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K. B.

Hallo Jürgen,

ich kenne zwar die genauen Preise der Leitz Zwischenringe nicht, aber ich bin mir sicher, das man für das Geld einfacher ein gutes und passendes Zeiss Objektiv bekommt.
Für das Leitz Objektiv findet sich ja eventuell auch jemand der es tauschen würde und das passende Mikroskop dazu besitzt.

Viele Grüße
Kay
Mikroskop: Olympus BH-2 BHTU/ BHS mit Trino (DL; PH; Fluo; DF; AL)
                  Zeiss GFL Trinokular (DL; PH; Fluo; AL)
                  Olympus CK2 Invers Trino (DL; PH; Fluo)
                  Olympus GB (DL; PH)
Mikroskopkamera: Canon EOS 550D; EOS RP

Jakob_Wittmann

#16
Guten Abend Niko,

ich zeige hier bitte Bildbeispiele, die verdeutlichen wie so ein RMS-Adapter (am Objektiv und ,,solo") aussieht. Dieser hat eine Länge von 12 mm, stammt aus China und kostete € 9,-.

Nur angedacht, bitte: Es mag sein, dass man solche Teile mittels 3D-Drucker herstellen kann, allerdings bin mit 3D-Druck überhaupt nicht vertraut und auch eher skeptisch, ob ein 3D-Drucker es schaffen kann, die notwendigen Feingewinde mit ausreichender bzw. akzeptabler Präzision zu drucken.

Ich füge auch als Beispiel ein Bild bei, das mit genau dem gleichen Leitz 3,5-fach erstellt wurde. Eben mit angeschraubtem (oben erwähnt) Adapter UND an einem ZEISS STANDARD RA.

Als Kondensor diente ein aplanatischer von ZEISS mit abgeschraubter Frontlinse (zwecks tauglicher Ausleuchtung bei der Verwendung eines gering vergrößernden Objektivs).  Die Beleuchtung war die originale von ZEISS mit einer 6 Volt/15 Watt Niedervoltlampe.

Als Kamera habe ich eine QHY 183c mit einem CMOS-Sensor von SONY verwendet (20 Megapixel, 5544 x 3684 Pixel). Eigentlich eine Astrokamera aber absolut tauglich für Mikrofotografie. Die genutzte Capture-Software war SharpCap.

Anmerkung: Diese Kamera ist nur rein mechanisch mit einem simplen Adapter ohne irgendwelche optische Elemente für Korrektur/Kompensation ans Mikroskop ,,gesteckt".

Das originale RAW-Format wurde auf 3000 x 1993 verkleinert und als JPEG-Bild hochgeladen. So etwas geht immer mit Einbußen einher. Aber: ist halt so ... ;)  ;)  ;D


Dieses Leitz 3,5-fach-Objektiv ist meiner Meinung nach eines sehr guter Qualität, was aber eh bei allen Leitz Optiken der Fall ist. Die Tage mal mache ich noch einen direkten Vergleich mit einem Leitz Mikroskop, um zu sehen ob sich Unterschiede in der Abbildungsqualität (Stichwort Tubuslänge :) ) zeigen.

Ich hoffe, dass Du zumindest ein wenig Eindrücke gewinnen kannst, Niko ... :)  ;)


Liebe Grüße

Jakob
jakob.wittmann@hotmail.com


,,Ein Leben mit nur einem schwarzen Mikroskop ist möglich aber sinnlos."

Bernhard-Viktor ,,Vicco" Christoph-Carl von Bülow zugeschrieben

Tunnelblick

#17
Hallo Jakob,
...wow. Was für eine Aufnahme! Klingt grundsätzlich spannend mit dem Adapter. Eigentlich suche ich nach einer 4-fachen Vergrößerung, mir stellt sich allerdings die Frage, wie sehr sich das am Ende bemerkbar macht.
Magst du mir verraten, wo du den Adapter erstanden hast? Bestimmt nicht verkehrt sich die Option offen zu halten. :)

Aufnahmen interessieren mich auch, allerdings muss ich vorerst mit einer pragmatischen und spartanischen Lösung Ausschau halten.


LG Niko

Tunnelblick

#18
Die Tabelle ist aus der Mikrofibel - ist meine Annahme korrekt, dass Olympus und mein Zeiss von den Objektiven her Kompatibel sind? Oder machen mir unterschiedliche Gewinde eine Strich durch die Rechnung?
Bei einer potentiellen gebrauchten Neuanschaffung eines Objektivs: Sollte ich ein epiplanes Objektiv einem planachromatem vorziehen, weil ich es zum Auszählen von Mikroorganismen nutzen möchte?
LG
Niko

Gerd Schmahl

#19
Hallo Nico,
ZitatSollte ich ein epiplanes Objektiv einem planachromatem vorziehen, weil ich es zum Auszählen von Mikroorganismen nutzen möchte?
Epiplanobjektive sind für die Auflichtmikroskopie optimiert und i.d.R. ohne Deckglas gerechnet. Darüber hinaus haben viele Epi-Objketive Ringkondensoren integriert. Damit das Licht parallel an dem eigentlichen Objektiv vorbei zum ringförmigen Spiegel geleitet werden kann, haben diese Objektive meist sehr viel größere Gewindedurchmesser.
Du musst darauf achten, dass Dein Objektiv
- RMS Gewinde hat
- für 160mm Tubuslänge gerechnet ist
- 45mm Abgleichlänge hat (was leider nicht auf den Objektiven vermerkt ist)

Optimal und ohne viel Kopfzerbrechen wäre eine Objektiv von ZEISS aus der gleichen Serie wie die 3 anderen Objektive. Am besten Du fragst mal im Mikrosmarkt unter "Suche" danach. Das sind ja recht häufige Objektive, im Gegensatz zu denen von Olympus. Da sollte sich was finden lassen. Olympus würde schon auch passen, aber Du musst wirklich aufpassen, dass die Parameter stimmen!

Ich wiederhole noch einmal meine Frage: WAS WILLST DU DENN AUSZÄHLEN?

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

jochen53

#20
Hallo,
in dieser Tabelle von Klaus Henkel sind m.E. mehrere Fehler, die OAL von Olympus bei 160 mm TL kann unmöglich 65 mm sein, das ist sehr wahrscheinlich ein Tippfehler und sollte 45 mm heißen. Bei Leitz ab 1980 fehlt die Angabe der OAL ganz, sie sollte doch 45 mm nach DIN sein. Und bei Leitz mit TL 170 mm steht eine OAL von 4537 mm (36,86 mm), das paßt nicht zusammen und kann doch auch nur ein Tippfehler sein.
Jochen

K. B.

#21
Hallo Niko,

zwar sind Zeiss und Olympus von den Zahlen her kompatibel, jedoch sind sie unterschiedlich korrigiert, wodurch du mit Olympus an Zeiss meistens deutlich mehr Farbfehler bekommst.
Auserdem sind Olympus Objektive fast immer um einiges teurer als die entsprechenden von Zeiss und auf dem deutschen Markt deutlich seltener.

Viele Grüße
Kay
Mikroskop: Olympus BH-2 BHTU/ BHS mit Trino (DL; PH; Fluo; DF; AL)
                  Zeiss GFL Trinokular (DL; PH; Fluo; AL)
                  Olympus CK2 Invers Trino (DL; PH; Fluo)
                  Olympus GB (DL; PH)
Mikroskopkamera: Canon EOS 550D; EOS RP

Jakob_Wittmann

#22
Zitat von: Tunnelblick in August 25, 2024, 13:52:50 NACHMITTAGSHallo Jakob,
...wow. Was für eine Aufnahme! Klingt grundsätzlich spannend mit dem Adapter. Eigentlich suche ich nach einer 4-fachen Vergrößerung, mir stellt sich allerdings die Frage, wie sehr sich das am Ende bemerkbar macht.
Magst du mir verraten, wo du den Adapter erstanden hast? Bestimmt nicht verkehrt sich die Option offen zu halten. :)

Aufnahmen interessieren mich auch, allerdings muss ich vorerst mit einer pragmatischen und spartanischen Lösung Ausschau halten.


LG Niko

Hallo zusammen, guten Morgen,


lieber Niko, gleich an den Anfang gestellt bitte eine Anmerkung: Gerd, Jochen und Kay sind ganz sicher sehr erfahrene Mikroskopiker. Daher ist es bitte unbedingt ratsam, auf deren Tipps bzw. Hinweise zu achten. 

Noch ein Rat, bitte:

Da die Mikroskopie ein komplexes Fachgebiet darstellt, ist es besonders für Einsteiger sinnvoll, sich nicht zu überfordern. Kurzum, es ist gut, sich der Sache in Ruhe zu nähern. Man kann also Schritt für Schritt angehen/vorgehen. Auf diese Weise verzettelt man sich weniger oder gar nicht, zahlt kein Lehrgeld etc.

Zum erwähnten ,,Lehrgeld zahlen": Es ist immer eine gute Idee, sich zu informieren, bevor man etwas kauft ... ;), was Du ja gerade machst ... ;)


4-fach oder 3,5-fach:
Macht sehr wenig Unterschied. Dazu kommt noch, dass die Brennweiten von Objektiven aus fertigungstechnischen Gründen gewisse Schwankungen aufweisen und damit auch deren Vergrößerungsmaßstab.


Auch ich rate Dir, ein Objektivset einheitlich zu gestalten. In Deinem Fall wäre daher das Beschaffen eines 4-fach-Objektivs für ZEISS-STANDARDs über den Mikro-Markt1) hier im Forum unbedingt vorteilhaft. Vielleicht bekommst Du sogar eines aus der passenden Baureihe, das auch äußerlich gut zu Deinen anderen Objektiven passt.
UND in diesem Fall wären alle Objektive ,,parfokal", was bedeutet dass beim Wechsel der Vergrößerung (Drehen des Revolvers) alle 4 Stück schon eine erkennbare Abbildung eines Präparats zeigen. Man braucht somit nur mehr die Feineinstellung, um eine optimale Schärfe zu erzielen.

Mit einem ,,fremden" Objektiv musst du meistens erst nach einer passenden scharfen Einstellung suchen. Das kann oft sehr lästig sein.

1) Sinngemäß wäre ein solches Vorgehen auch für das Beschaffen eines RMS-Adapters eine gute Idee.


Bei den China-made-Adaptern kann eine Lieferung durchaus 3 bis 4 Wochen dauern.

https://www.ebay.at/itm/134619510629?var=434141797410



Die etablierten, sehr zuverlässigen Gebrauchthändler haben so etwas auch. Diana etwa. Oder Thilo Immel.



Liebe Grüße


Jakob

jakob.wittmann@hotmail.com


,,Ein Leben mit nur einem schwarzen Mikroskop ist möglich aber sinnlos."

Bernhard-Viktor ,,Vicco" Christoph-Carl von Bülow zugeschrieben

Tunnelblick

Zitat von: plaenerdd in August 25, 2024, 16:54:18 NACHMITTAGSIch wiederhole noch einmal meine Frage: WAS WILLST DU DENN AUSZÄHLEN?

Beste Grüße
Gerd

Moin Gerd,
Vielen Dank für die Erklärungen und Hinweise! Ich habe vor Bakterien, Wimpertierchen, Amöben, Fadenwürmer, Pilzhyphen, etc. zu beobachten. :)

LG
Niko

K. B.

Hallo Niko,

für die genannten Objekte wirst du die niedrig vergrößernden Objektive kaum brauchen, selbst bei Pilzen (Lamellen- und Huthautschnitte) benötige ich fast nie das 4x Objektiv und auch die 10x und 20x Objektive sind eher was für den Überblick.
Beim Auszählen von Mikroorganismen hilft z.B. ein Hämozytometer und das 40x Objektiv.

Viele Grüße
Kay
Mikroskop: Olympus BH-2 BHTU/ BHS mit Trino (DL; PH; Fluo; DF; AL)
                  Zeiss GFL Trinokular (DL; PH; Fluo; AL)
                  Olympus CK2 Invers Trino (DL; PH; Fluo)
                  Olympus GB (DL; PH)
Mikroskopkamera: Canon EOS 550D; EOS RP

Tunnelblick

Ich hätte da mal eine Frage... Was bedeutet die Zahl, in meinem Falle 0,9, auf meinem Klappkondensor? Mir wurde "mindestens 1,2" empfohlen.
LG

liftboy

Hallo Niko,

0,9 ist die Angabe der Apertur und für Trockenobjektive völlig ausreichend. NA 1,2 muss, wenn du das ausreizen willst, immergiert werden (schöne Panscherei und eigentlich nicht nötig).
Nun hab ich gelesen, dass Du Dir die wirklich kleinen Sachen ansehen willst und da kommst Du um Immersion nicht herum (Kondensor- wie Objektivmäßig). Meine Empfehlung: leg Dir ein 80x Trockenobjektiv zu, das sollte reichen, wenn Du keine Forschung betreiben willst.

Grüße
Wolfgang
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=785.msg3654#msg3654
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Niels Bohr

Jakob_Wittmann

#27
Hallo Niko,

0,9 und 1,2 sind Zahlenwerte für die Größe der sogenannten Apertur von Objektiven und auch Kondensoren. Bei einer Apertur, deren Größe bestimmt bzw. bekannt ist, spricht man von ,,Numerischer Apertur".

Was meint man mit Apertur? Das Wort ist eine Abwandlung des lateinischen Verbs ,,aperire" (= öffnen) in Richtung eines Hauptworts, nämlich ,,Apertur". In etwa ,,Öffnung". Nimmt man deren Größe mit: ,,Öffnungsweite" und Ist die Öffnung zahlenmäßig bestimmt, bezeichnet man dies nun in der Optik als ,,Numerische Apertur" (NA).


Die genauen Zusammenhänge dieser Thematik hängen von Brennweiten, Brechungsindizes und noch einigen Eigenschaften ab, die man mit paar Formeln beschreiben kann. Ich möchte vorläufig aber versuchen, dies möglichst einfach zu beschreiben. Falls Du dies aber möchtest, Niko, können wir später ruhig in die Details gehen.

Der Strahlengang zwischen der Frontlinse eines Objektivs und einem scharf eingestellten Präparat schaut in etwa so aus: Die Spitze eines Lichtkegels liegt in der Ebene des Präparates und die Weite seiner Grundfläche sollte die Öffnung des Objektivs abdecken.

Also ist bei Objektiven einer gegebenen Brennweite ebenso deren Öffnung --> NA von zentraler Bedeutung. Sehr wichtig: Sie bestimmt deren Auflösung! Man kann den Zahlenwert der NA eines Objektivs durch die eingravierte Zahl nach dem Schrägstrich (nach) der Vergrößerungsangabe ablesen.

Der Kondensor sollte bei den am stärksten vergrößernden Objektiv (100 x) im Idealfall diesen Lichtkegel gleichmäßig ohne Abdunklungen ausleuchten und sollte daher zumindest die gleiche NA wie das 100-fach Ölimmersionsobjektiv aufweisen.

Wohlgemerkt, bitte: Idealfall! In der Praxis ist das allerdings weiter nicht schlimm und man kommt mit einem NA 0,9 Kondensor auch beim Einsatz eines 100 x/ NA 1,25 Objektivs prima zurecht.


Liebe Grüße


Jakob


jakob.wittmann@hotmail.com


,,Ein Leben mit nur einem schwarzen Mikroskop ist möglich aber sinnlos."

Bernhard-Viktor ,,Vicco" Christoph-Carl von Bülow zugeschrieben

purkinje

Hallo Niko,
zu ergänzen wäre nur noch, dass der nicht-immergierte, also "trocken" verwendete Kondensor einer Apertur von 1,2 mit Luft nur etwa 0,7 bringt; d.h. bei regelhafter Vermeidung von Öl schlechter dasteht als ein Trocken-Kondensor von 0,9 n.A.
Beste Grüße Stefan

Peter Reil

Zitat von: purkinje in August 28, 2024, 08:48:21 VORMITTAGHallo Niko,
zu ergänzen wäre nur noch, dass der nicht-immergierte, also "trocken" verwendete Kondensor einer Apertur von 1,2 mit Luft nur etwa 0,7 bringt; d.h. bei regelhafter Vermeidung von Öl schlechter dasteht als ein Trocken-Kondensor von 0,9 n.A.
Beste Grüße Stefan

Hallo Stefan,

sei mir nicht böse, aber diesen Zusammenhang verstehe ich nicht.
Wieso soll der "Trockenkondensor" volle NA von 0,9 bringen und der trocken verwendete "Öl-Kondensor" nur NA 0,7 ?

Gruß
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom