Kalkabscheidende Cyanobakterien - Rivularia (?)

Begonnen von KayZed, Oktober 06, 2024, 10:52:27 VORMITTAG

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KayZed

Hallo Mikrofreunde,

im Nachbarforum hat Florian vor kurzem Onkoide aus der Alz vorgestellt.
In einer Antwort habe dazu ein altes Fundstück mit kalkabscheidenden "Blaualgen" gezeigt.
Diesen Kalktuffstein habe ich vor sieben Jahren an einer Quelle südlich des Wendelstein gefunden.
Hier nochmal ein kleinerer Ausschnitt mit den "Cyano-Noppen", die etwa zwischen 1 und 5 mm groß sind.



Meistens ist dabei Phormidium incrustatum beteiligt. Der Stein lagerte inzwischen 7 Jahre trocken und dunkel. Ich habe einige dieser Cyano-Erhebungen abgekratzt und etwa einen Tag in Wasser gelegt. Nun versuchte ich so gut es ging etwas von dem grünlichen Bewuchs auf ein Deckglas zu bringen. Das war gar nicht so einfach, weil diese Cyanos völlig mit Kalk verkrustet und zwangsläufig immer einige winzige Kalkbrösel dabei waren.

Der erste Blick durchs Okular überraschte mich. Zum einen waren nach dieser langen Trockenzeit viele Cyano-Fäden noch weitgehend erhalten (Unglaublich die Überlebensfähigkeit dieser Mikroorganismen!). Zum anderen wurde mir schnell klar, dass es sich nicht um Phormidium handeln konnte. Dazu eine Aufnahme im DIK 40. Durch die große Schichtdicke musste ich ein paar Bilder stapeln.



Die Cyanos befinden sich in einer Schleimhülle mit oft dünn auslaufender Haarspitze und einer konischen Basalzelle. Der Fadendurchmesser beträgt in der Mitte 8-10 µm. Ich dachte zunächst an Gloeotricha, diese befinden sich aber meist in fließenden oder stehenden Gewässern und gehören nicht zu den Tuffbildnern.
Am ehesten kommt die Kalkkrusten-Blaualge Rivularia sp. in Frage. Auf eine Artdefinition will ich mich mal nicht festlegen.

Im zweiten Bild sieht man die Schleimhüllen deutlicher. Sie sind schwach geschichtet. Die Knicke in den Fäden kommen möglicherweise durch die mechanische Präparation zustande.




Schönen Sonntag
Klaus
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7

Florian D.

Hallo Klaus,

super, sowas hätte ich eigentlich auch erwartet. Ist das vielleicht Calothrix?

Viele Grüsse
Florian

KayZed

#2
Hallo Florian,

danke für deine nette Rückmeldung. Ich war vor allem über die ungeheure Resistenz dieser Cyanos überrascht nach immerhin sieben Trocken-und Dunkeljahren.

Deine Vermutung mit Calothrix könnte durchaus auch zutreffen. Die Aufnahmen sind nicht so gut und die "Blaualgen" waren vermutlich auch nicht mehr so vital, dass ich eine Entscheidung treffen wollte. Rivularia scheint mir aber eher als kalkbildende "Alge" in Frage zu kommen.
Vielleicht liest noch ein Experte mit, der Genaueres sagen kann.

LG Klaus
Zeiss Stemi 508
Zeiss Jenaval Kontrast
Nikon Z7