Orchideen(teile) unter dem Mikroskop *

Begonnen von dude, Dezember 06, 2024, 23:28:08 NACHMITTAGS

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dude

Guten Abend,

heute möchte ich euch mal ein paar Fluoreszenzversuche vorstellen. Von einem freundlichen Forumskollegen habe ich Fluoresceindiacetat erhalten (an dieser Stelle nochmals vielen Dank dafür) und mit diesem jetzt eine Viabilitätsbestimmung an Orchideensamen vorgenommen. Die Ergebnisse seht ihr anbei:

Vanda testacea 10x.jpg

Vanda testacea im Hellfeld (Leitz Fluoreszenz 10/0.45 Oel, trocken verwendet)

Vanda testacea 10x fluo.jpg

Vanda testacea unter Fluoreszenz (Blauanregung, Leitz Fluoreszenz 10/0.45 Oel, trocken verwendet)

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Phalaenopsis parishii im Hellfeld (Leitz Fluoreszenz 10/0.45 Oel, trocken verwendet)

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Phalaenopsis parishii unter Fluoreszenz (Leitz Fluoreszenz 10/0.45 Oel, trocken verwendet)

Phal parishii - 25x.jpg

Phalaenopsis parishii unter Fluoreszenz (Leitz PL Fluotar 25/0.60)

Phal parishii - 40x.jpg

Phalaenopsis parishii unter Fluoreszenz (Olympus LWD CDPlan 40/0.60)

Dichaea hookeriana.jpg

Dichaea hookeriana im Hellfeld (Leitz PL Fluotar 25/0.60)

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Dichaea hookeriana unter Fluoreszenz (Leitz PL Fluotar 25/0.60). Schön zu sehen die unterschiedliche Emission von Fluoresceindiacetat (Kristalle) und Fluorecein (im Samen).

Viele Grüße
Tim


A. Büschlen

Hallo Tim,

Wie viele Samenkörner / Probe werden untersucht damit du brauchbare Werte zur Vitalität hast?
Warum verwendest du dein Objektiv 10/0.45 Oel ohne Oel?
Und, ist P. parishii ein Wild- oder ein Zuchttyp?

Gruss Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

dude

Hallo Arnold,

ich selbst schaue nur qualitativ, zähle also nicht aus. Dennoch werden sicherlich einige hundert Samenkörner angefärbt, einfach weil sie staubfein sind.

P. parishii ist eine Naturform und die Samen habe ich selbst durch Bestäubung erzeugt. Interessant ist hier auch, dass eine solche Samenkapsel fast ein Jahr braucht, um heranzureifen.

Das 10x habe ich nur ohne Öl verwendet, weil ich noch kein Immersionsöl besitze. Bin aber überrascht, dass das doch ziemlich gut klappt.

Viele Grüße,
Tim

K. B.

Hallo Tim,

die Bilder sind ja super geworden und die Färbung sieht perfekt aus!
Welche Konzentration des FDA hast du benutzt?

Viele Grüße
Kay
Mikroskop: Olympus BH-2 BHTU/ BHS mit Trino (DL; PH; Fluo; DF; AL)
                  Zeiss GFL Trinokular (DL; PH; Fluo; AL)
                  Olympus CK2 Invers Trino (DL; PH; Fluo)
                  Olympus GB (DL; PH)
Mikroskopkamera: Canon EOS 550D; EOS RP

dude

Hallo Kay,

vielen Dank! Ich habe 2.5 mg/mL (6 mM) Fluoresceindoacetat verwendet. Die Samen waren vorher in 10% m/m Sucroselösung für 24 Stunden und ich habe einfach 1:1 mit einer Lösung von 5 mg/mL in DMSO verdünnt.

Aufgrund der geringen Löslichkeit sieht man auch die Kristalle. Ich denke im Idealfall wäscht man die Samen nochmal mit DMSO oder iPrOH nach der Färbung (wobei das mit den Kristallen finde ich schon hübsch aussieht).

Viele Grüße,
Tim

dude

Hallo Forum,

heute möchte ich ein paar Fotos von Samen meiner Lieblingsgattung zeigen: Chiloschista.

Chiloschista sind blattlose, epiphytische Orchideen aus Asien. Aktuell tut sich in dieser Gattung sehr viel, und es werden regelmäßig neue Arten beschrieben.

Hier seht ihr nun Samen von Chiloschista lindstroemii, die aus Thailand stammt und 2020 wissenschaftlich beschrieben wurden.

Samen von Chiloschista weisen als Besonderheit eine Art spiralförmige "Anker" auf, die sich im Wasser entfalten und wohl dem Anhaften des Samens an z.B. Baumstämme dient. Mehr dazu findet ihr bei Interesse in dieser Publikation: https://www.researchgate.net/publication/269275652_Orchid_seed_diversity_A_scanning_electron_microscopy_survey

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Alle Fotos wurden mit dem Leitz PL 20x/0.60 aufgenommen. Die Fluoreszenzaufnahme wurde mit einem Samen nach Oberflächensterilisation und Viabilitätsfärbung mit FDA angefertigt.


Ich hoffe diese etwas ungewöhnlichen Präparate sind interessant.

Viele Grüße,
Tim

Jürgen Boschert

Hallo Tim,

und ob die Aufnahmen interessant sind!

Eine Frage noch zur Fluoreszenzaufnahme: Oberflächensterilisation, wozu?
Beste Grüße !

JB

dude

Hallo Jürgen,

die Aussaat von Orchideensamen findet unter Sterilbedingungen statt, da sie am besten auf stark sucrosehaltigem Nährboden funktioniert. Ohne die Oberflächensterilisation kommt es sofort zu Kontamination.

Wichtig ist dabei, Bedingungen zu finden unter denen die Viabilität des Samens erhalten bleibt und zusätzlich Sporen effektiv abgetötet werden.

Daher ist es nützlich, die Viabilität auch nach der Sterilisation zu überprüfen.

Viele Grüße,
Tim

Jürgen Boschert

Beste Grüße !

JB

Spectrum

Hallo Tim,
Ich lese hier nun auch schon eine Weile still und leise mit, und wollte nur mal sagen, dass mich deine Arbeit wirklich schwer beeindruckt! Sehr interessant!
Mikrogrüße Holger
Holger
Duzen und meine Bilder (auch ungefragt)  bearbeiten, mit eigenen Aufnahmen ergänzen und weitergeben erwünscht!

Peter T.

Hallo Tim,

allererste Sahne, Deine Orchideenbilder! Ganz tolle Ecke der Mikroskopie, in der Du da unterwegs bist. Ich würde mich freuen, wenn Du ein Bild von Chiloschistra lindstroemii posten könntest (also die ganze Pflanze).
Liebe Grüße
Peter

dude

Hallo Holger und Peter,

vielen Dank für Eure Worte und das Interesse!

Hier zwei Fotos der Pflanze von letztem Jahr, aktuell bereitet sie sich aber wieder auf die nächste Blüte vor:

1000058815.jpg

1000058814.jpg

Viele Grüße,
Tim

A. Büschlen

Hallo Tim,

weil ich mit dem natürlichen Lebensraum etwas vertraut bin, eine Frage zur Kultivierung: wie simulierst du die kühlen Trockenphasen im Gewächshaus?

Grüsse Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

dude

Hallo Arnold,

da die Pflanzen in einer Orchideenvitrine in meinem Heimlabor untergebracht sind, kann ich keine wirklich kühle Trockenphase simulieren.

Im Winter reduziere ich aber die Wassergabe. Das klappt natürlich nicht für alle Arten, aber bis jetzt scheint es den Chiloschistas nichts zu machen und sie blühen regelmäßig.


Viele Grüße,
Tim

Gerd Schmahl

Hallo Tim,
ich war 2 Tage offline und habe Deine Bilder erst jetzt gesehen. Was sind das im Beitrag #20 für schraubenartige Strukturen um den Samen herum? Reste von Schraubentracheen einer weggefaulten Samenhülle?
LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.