Lebensgemeinschaft mit Thiospirillum jenense im Dunkelfeld

Begonnen von MikroManni, Dezember 14, 2024, 17:33:09 NACHMITTAGS

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MikroManni

Hallo ins Forum,

möchte wieder etwas Farbe ins das triste Grau draußen bringen.

Hier zeige ich Bilder von Lebensgemeinschaften mit Thiospirillum jenense im Dunkelfeld, die ich im Laufe des Jahres aufgenommen habe. Man kann sehr gut die eingelagerten Schwefelkörnchen erkennen. Die Tümpelproben waren über einen Zeitraum von 4 Wochen gut zu einer interessanten Lebensgemeinschaft herangewachsen.

Aufnahmen Zeiss Axiophot mit Plan Apochromat 63er Objektiv.

Beste Grüße
Manfred
Axiophot und Axioskop mit Fluoreszenz, Zeiss Standards

MikroManni

Hallo, 
ist natürlich im Hellfeld/Durchlicht aufgenommen worden-sorry.
Manfred
Axiophot und Axioskop mit Fluoreszenz, Zeiss Standards

Peter T.

Diese Bakterien mit ihren Schwefeleinschlüssen sind schon etwas ganz Besonderes.

Sind sie aus einem anoxischen Bereich?
Liebe Grüße
Peter

schmidt

Hallo Peter,
ja genau, diese Lebensgemeinschaft kommt im Bereich ohne gelösten Sauerstoff, aber mit Lichteinfall vor.
Chem. gebundener Sauerstoff kann aber vorhanden sein und durchaus für den Stoffwechsel genutzt werden.
In solchen Bereichen finden sich die lichtmikroskopisch lohnendsten Bakterien.
Bei denen sind unter günstigen Bedingungen auch am einfachsten ohne Präparation Geißelbeobachtungen möglich. Günstig ist dazu Phasenkontrast oder noch besser Dunkelfeld mit entsprechendem Kondensor.
Es erfordert aber in jedem Fall größte Sauberkeit von Objektträger und Deckglas, genaue Einstellung und minimale Schichtdicken im Präparat.
Interessant sind in dem Milieu auch die Magnetospirillen. Die besitzen einen kleine eigene Kompassnadel, mit der sie sich orientieren können. Die ist als feiner brauner Grat auf den Zellen erkennbar.
Anbei mal eine Zusammenschau, was man so z.B. erwarten kann.  Erfordert aber Geduld und viele Sitzungen
Mikroskope:
Lomo Biolam Ph+; DF; HF-Abbe; Epi HF/DF/Pol; Epi-Fl; //Biolar DIK, IK, Ph variabel+-//
Nikon Eclipse -U  HF; DIK, Ph+, Epi-Fl//
MBS 10

Peter T.

Faszinierende Lebewesen in der Tat. Die "Kompassnadel" ist natürlich ein echtes Schmankerl.

Übrigens sehr schön, dass Du auch eigene Aufzeichnungen teilst.
Liebe Grüße
Peter

schmidt

Hallo Peter,
 
Fotos sind schwierig habe keine Blitzeinrichtung. Die Magnetospirillen wurden meines Wissens nach erst 1975 erstmalig beschrieben.
 
https://de.wikipedia.org/wiki/Magnetospirillum_magnetotacticum

Ich weis nicht ob sie sehr häufig sind. Ich habe sie erst 2 x im Sediment gefunden, obwohl ich recht oft Teichsedimente ansehe. Sie waren wie dargestellt recht kurz, also keine typischen Spirillen.
Ich müsste nachsehen, aber die Beobachtung wurde mit recht klassischer Technik gemacht. Abbe-Kondensor 1,4 mit Wasser immergiert und 70x 1,23 Wasser- oder 90x1,30 Ölimmersion.

VG
pschmidt
Mikroskope:
Lomo Biolam Ph+; DF; HF-Abbe; Epi HF/DF/Pol; Epi-Fl; //Biolar DIK, IK, Ph variabel+-//
Nikon Eclipse -U  HF; DIK, Ph+, Epi-Fl//
MBS 10

MikroManni

Hallo Peter, Hallo pschmidt,

erstmals vielen Dank für die weiteren Informationen, besonders den persönlichen Aufzeichnungen. Falls weiteres Interesse an Magnetospirillen besteht, schaut bitte in den angehängten pdf-file oder auf die Seite der Uni Bayreuth Mikrobiologie. Dort forscht Dirk Schüler seit Jahrzehnten an diesen Bakterien.
 
Die Entdeckung der Bakteriengruppe war meines Wissens früher, jedoch wurden bei der Erstbeschreibung keine Magnetosomen entdeckt--anderer physiologischer Zustand. Erst 1975 wurden die sogenannten Magnetosomen beschrieben. 2019 war Magnetospirillum als das Bakterium des Jahres von der VAAM (Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie) auserkoren worden.
Im Großpraktikum in Göttingen haben wir in der Mikrobiologie jahrelang Magnetospirillen aus einer kleinen Quelle isoliert. An der Anreicherungskultur wurde eine Magnet befestigt. Mit der Zeit habe sich die Magnetospirillen in dessen Umgebung angereichert.
Schüler Magnetospirillum.pdf

Beste Grüße
Manfred

Axiophot und Axioskop mit Fluoreszenz, Zeiss Standards

Peter T.

Hallo Manfred,

das ist wirklich faszinierend. Vielen Dank für den Artikel.

Ich hänge hier noch den Link an zu einem Artikel von Salvatore Bellini, der überall zitiert wird als erster, dem dieses Phänomen aufgefallen ist, der aber, wie es so schön heißt, "auf Unglauben gestoßen ist".

https://www.yumpu.com/en/document/read/11939732/microbiology-institute-university-of-pavia-dr-salvatore-bellini-

Der Artikel trägt kein Datum, nach dem Inhalt zu schließen, denke ich aber, es könnte seine Originalarbeit aus den 1960er Jahren sein.

Liebe Grüße
Peter

schmidt

Hallo Manfred, danke für das Dokument von Schüler, sehr interessant.

Hallo Peter, Bellini hat die Beobachtung wie ich inzwischen gelesen habe 1963 gemacht, also gut geschätzt das Alter der Arbeit. Wie man sieht hatte ich 2001, als ich die Magntobakterien das erste mal sah auch noch keine Ahnung was das ist, habe ich erst später recherchiert. Die Zellen in meinem Teich sind recht groß und keine wirklich langen Spirillen. Aber es gibt ja scheinbar doch einige Arten, die diese Struktur ausbilden können.
Mikroskope:
Lomo Biolam Ph+; DF; HF-Abbe; Epi HF/DF/Pol; Epi-Fl; //Biolar DIK, IK, Ph variabel+-//
Nikon Eclipse -U  HF; DIK, Ph+, Epi-Fl//
MBS 10

purkinje

Hallo,

nur kurzer Hinweis: magnetische Partikel (magnetic beads) welche an Proteine, Antikörper, Immunglobuline, etc. gekoppelt sind werden heute in der Biotech kräftig genutzt.
Beste Grüße Stefan