Botanik: Pflasterritzenflora 13: Behaartes Schaumkraut (Cardamine hirsuta) *

Begonnen von Peter T., März 19, 2025, 20:37:42 NACHMITTAGS

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Peter T.

Eines der Probleme bei Pflanzen, die im Vorfrühling sprießen, ist die Geschwindigkeit, mit der sie wachsen. Man kann fast zuschauen, wie schnell sich das zarte Grün zwischen den Pflastersteinen entwickelt.
Für die Pflanze ist das sicher sinnvoll, für den armen Pflanzenmikrotomisierer aber schwierig. Denn diese Wachstumsgeschwindigkeit geht einher mit weichem Gewebe, wenig Lignin, lockeren Zellverbänden, wenig differenzierten Zellwänden und hohem Wassergehalt.
Trotz behutsamem Schneiden reißt das Gewebe, es wird gequetscht und gedrückt.

Aber jetzt genug gejammert, schließlich zwingt mich keiner dazu, weiche Frühlingssprösslinge zu mikroskopieren.

Das Behaarte Schaumkraut ist in Europa weit verbreitet und tatsächlich ein Spezialist für Pflasterritzen und andere "schwierige" und belastete Biotope. Es ist ein - aufgepasst! - Saftdruckstreuer. Das bedeutet, es schießt seine Samen bis über einen Meter weit aus den Samenkapseln.

Hier ist das Exemplar, von dem meine Probe stammt

Ch u.jpg

Und jetzt die Übersicht über die Sprossachse. Man erkennt das ausgedehnte Markparenchym mit lockeren und wasserhaltigen großen Zellen. Der Ring der Leitbündel ist an die Peripherie gedrängt und sitzt unmittelbar unter dem Rindenparenchym. Die Leitbündel sind klein. Während also im Mark sehr viel Platz vorhanden ist, herrscht im Rindenbereich Gedränge. Die Sprossachse ist dadurch insgesamt sehr zart und weich.

Ch 1.jpg

Während bei vielen Pflanzen in den "Ecken" der Sprossachse ein sogenanntes Eckenkollenchym zu sehen ist, also eine Zellwandverstärkung zur Erhöhung der Stabilität, sehen wir beim Behaarten Schaumkraut auch in den Ecken eher lockere Zellverbände. Hier geht es um Geschwindigkeit und nicht um Festigkeit.

Ch 4.jpg

Hier ein Leitbündel im Detail. Wir sehen das außen liegende Phloem, daran angrenzend die ziegelartig aufgeschichteten Zellen des Kambiums und weiter innen das Xylem mit seinen Wasserleitungen, den Tracheen. Daran angrenzend das Markparenchym mit ballonartig aufgeblähten Zellen.

Ch 2.jpg

Zum Abschluss noch ein Überblick über das Markparenchym, die im Sprossachsenquerschnitt vorherrschende großlumige  Zellart mit dünnen (und instabilen) Zellwänden.

Ch 3.jpg

Wie immer freue ich mich über Kommentare, Berichtigungen und Ergänzungen.
Liebe Grüße
Peter

Fahrenheit

Lieber Peter,

vielen Dank für den schönen und informativen Beitrag, den ich gerne gelistet habe.

Beste Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

Peter T.

Liebe Grüße
Peter