Wer hat Erfahrungen mit dem Erhalt von Chlorophyll in pflanzlichen Schnitten?

Begonnen von Gerd Schmahl, April 21, 2025, 19:41:18 NACHMITTAGS

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Gerd Schmahl

Hallo,
auf der Suche nach Möglichkeiten, um Pflanzenschnitte dauerhaft so einzuschließen, dass sie ungefärbten Frischpräparaten weit möglichst gleichen, Chlorophyll also grün dargestellt wird, bin ich in "Mikroskopie für Lehrer und Naturfreunde von W. SCHLÜTER auf Culactol und Culactolgelatine gestoßen. Es werden auch Herstellungsanweisungen für beide Substanzen gegeben, wobei erste zum fixiren und zweite zum Eindecken genutzt werden:
Culactol:
Zitat von: SCHLÜTER, W. Mikroskopie20g Phenol (Karbolsäure, kristallisiert), 20g Milchsäure, 20g Aqua destillata und 40g Glycerin werden gemischt. Dieses Gemisch heißt Lactophenol. 0,2g Kupferchlorid werden in 50cm3destilliertem Wasser und 0,2g Kupferazetat in 45g destilliertem Wasser gelöst. Beide Lösungen werden vermischt. Diesem Gemisch werden 5cm3 Laktophenol zugesetzt. Colactol ist nur 3 bis 4 Wochen haltbar. Wenn es sich grün färbt, ist es nichtmehr brauchbar.
In Culactol werden die Pflanzen, z.B. Algen, schon am Sammelort eingelegt und mindestens 5 bis 6 Stunden fixiert. Für sehr zarte Objekte wird besser zunächst 5:1 mit Wasser verdünnt. Nach einigen Stunden können die Objekte dann in reines Culactol übertragen werden.
Culactolgelatine:
Zitat von: SCHLÜTER, W. MikroskopiZur Herstellung von Culactolgelatine werden 4g feinste Gelatine in 22 cm3 erwärmtem destilliertem Wasser aufgequollen und 15g Glycerin zugesetzt. Das Ganze wird im Wasserbad aufgekocht (5g Lactophenol zuführen und heiß filtrieren!). In diesem vorzüglichen Einschlußmittel behalten beispielsweise grüne Algen, Moosblätter sowie Blätter der Wasserpest ihre grüne Frabe (Deckglasringe ziehen!)

Die nur geringe Haltbarkeit von Culactol erfordert das eigene Ansetzten der Lösung.
Phenol wird aber nicht an Privatpersonen verkauft.
Gibt es Alternativen zum Erhalt des grünen Farbstoffes?
Außerdem scheint mir die Herstellungsvorschrift für Culactolgelatine suspekt: Müsste nicht Culactol zugeführt werden und nicht Lactophenol, das gar kein Cu enthält?

Beste Grüße
Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

K. B.

Hallo Gerd,

zu den angeführten Mischungen kann ich leider nichts sagen, aber um die Farbe des Chlorophyll zu erhalten benötigt man soweit mir bekannt immer Kupferionen, die stabilisieren das Chlorophyll als Chlorophyllin welches einen etwas bläulicheren Grünton hat.
Für Moosblättchen und Algen gibt es eine Fixierlösung nach Kisser, von der aus man z.B. in Glycringelatine eindecken kann, die sollte bei höheren Pflanzen auch funktionieren.

Phenol würde ich wenn möglich durch Thymol ersetzen wenn nachher Kinder damit arbeiten sollen, da erspart man sich einiges an Ärger, besonders an Schulen wo CMR-Stoffe schnell zu Großeinsätzen der Feuerwehr führen.

Viele Grüße
Kay
Mikroskop: Olympus BH-2 BHTU/ BHS mit Trino (DL; PH; Fluo; DF; AL)
                  Zeiss GFL Trinokular (DL; PH; Fluo; AL)
                  Olympus CK2 Invers Trino (DL; PH; Fluo)
                  Olympus GB (DL; PH)
Mikroskopkamera: Canon EOS 550D; EOS RP

Florian Stellmacher

Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)

Gerd Schmahl

Hallo Kay,
ZitatPhenol würde ich wenn möglich durch Thymol ersetzen wenn nachher Kinder damit arbeiten sollen, da erspart man sich einiges an Ärger, besonders an Schulen wo CMR-Stoffe schnell zu Großeinsätzen der Feuerwehr führen.
Das ist sicher nicht das Problem, weil ich zu Hause mit dem Zeug arbeiten werde und die Schüler nur die Dauerpräparate in die Hand bekommen. Thymol ist aber trotzdem ein guter Hinweis, denn das habe ich da. Fragt sich nur, ob das auch so gut fixiert wie das Phenol.

Hallo Florian,
danke für den Link, aber Chromessigsäure und Alizarinviridinchromalaun klingt für mich auch nicht gerade, als gäbe es das in der Apotheke, wobei ich jetzt nicht nachgeschaut habe, wie da die Beschränkungen sind. Da hast Du in Deinem Institut sicher etwas bessere Voraussetzungen, an aller heran zu kommen.

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Florian Stellmacher

Moin Gerd,

tatsächlich betreibe ich die Mikroskopie schon so lange, dass ich die Zeit, in der man noch an wirklich alles herankam, voll miterlebt habe. Früher konnte man das alles bei Chroma per Postkarte bestellen. Wohlgemerkt schon als Schüler und Student.

Heute kannst Du als Pathologe mitunter nicht einmal unter der Adresse der eigenen Praxis vollkommen harmlose Chemikalien bestellen, ohne dass irgend ein Idiot im Verkauf dreimal nachfragt, ob man das in der Uni (das scheint der Parnass des verantwortungsvollen Chemikalienhandlings zu sein :o) oder nur so benutzen möchte. Einen Sach- und Fachkundenachweis gibt es offiziell nicht. Man muss dankbar sein, noch einigermaßen arbeiten zu können.

Mir ging es eher um die Vitalfixierung nach Kisser. Dass die Präparate nach Jahrzehnten nicht mehr so schön sind, ist wohl zu erwarten. Aber für längere Zeit bringt diese schon befriedigende Ergebnisse.

Herzliche Grüße,
Florian
Vorwiegende Arbeitsmikroskope:
Zeiss Axioskop 2
Olympus BHS (DL, Pol, Multidiskussionseinrichtung)
Zeiss Axiophot (DIK und AL-Fluoreszenz)
Zeiss Axiovert (Fluoreszenz)
Wild M400 Fotomakroskop (DL, DF, AL, Pol)