Botanik: Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides

Begonnen von Hans-Jürgen Koch, Oktober 25, 2025, 13:48:58 NACHMITTAGS

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Hans-Jürgen Koch

Der Sieben Söhne des Himmels-Strauch gehört zur Familie der Geißblattgewächse. Der Strauch ist in Ost-China (Anhui, Hubei, Zhejiang) beheimatet. Heute kommt er an seinem natürlichen Standort sehr selten vor und steht aus diesem Grund auf der IUCN "roten Liste" Chinas für seltene und bedrohte Pflanzen.
Der Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Hepta
codium miconioides ist in Deutschland ein relativ unbekannter Baum. Er stammt ursprünglich aus China und wird in Deutschland erst seit 1980 angebaut.

Die Gattung Heptacodium (wurde 1916 von Alfred Rehder aufgestellt) ist monotypisch, heißt es gibt hier nur eine einzige Art, eben den Sieben Söhne des Himmels-Strauch, und zudem in China endemisch, kommt also nur hier vor. Für den europäischen Gartenbau wurde er erst 1907 erschlossen, nachdem der britische ,,Pflanzenjäger" Ernest Henry Wilson (1976-1930) ihn nach England brachte.

Alfred Rehder (* 4. September 1863 in Waldenburg (Sachsen); † 25. Juli 1949 in Jamaica Plain, Massachusetts) war ein deutsch-US-amerikanischer Gärtner und Botaniker mit Schwerpunkt auf Dendrologie. Rehder war der wohl bedeutendste Dendrologe (Baumforscher) seiner Zeit.

Bild 01 Habitus, Blühender Strauch im Botanischen Garten Chicago, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides

Quelle: 190908 105 Chicago Botanic Gdn - English Walled Gdn, Heptacodium miconioides Seven Son Flower Tree, Veronica 'Blue Pyramid', Pulmonaria angustifolia 'Diana Clare', Salvia 'Love and Wishes', Hemerocallis 'Going Bananas'
Verfasser:   cultivar413 aus Fallbrook, Kalifornien

Dieser Baum mehrstämmig. Die Rinde hat eine weiß-hellbraune Farbe und blättert in langen Streifen ab.
Gesamthöhe von 3 – 7 Meter.

Sieben Söhne des Himmels-Strauch, oft auch kurz Sieben Söhne des Himmels ist der ausgesprochen prosaische Name eines sommergrünen und ausgesprochen spät blühenden Strauches (August bis in den November), der erst vor einigen Jahren aus China eingeführt wurde und immer noch als Geheimtipp für den Garten gilt.

Er gehört zu den Geißblattgewächsen (Caprifoliaceae) und damit zur gleichen Familie wie unser heimisches Geißblatt, das allerdings als Klettterpflanze unterwegs ist.

Die Sieben Söhne des Himmels sind in China schon lange als Ziersträucher gebräuchlich; wild wachsen sie in lichten Wäldern, an Waldrändern, Felsklippen und in Steppen von den Mittelgebirgen bis in eine Höhe von 1000 Metern.

Bild 02 Älteres Exemplar als Baum, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides

Von Daderot - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4033613

Der Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch ist ein halb-immergrüner Strauch der breit und aufrecht wächst.
Es handelt sich bei Heptacodium miconioides um einen breitkronigen sehr hohen Baum (7 Meter), bei uns meistens mehrstämmigen Strauch mit unregelmäßiger Verzweigung der Äste. Seine papierartige dünne Rinde ist anfangs rotbraun, später wird sie graubraun und rissig und blättert in Streifen ab. Junge Zweige sind leicht behaart.

Bild 03 Einzelnes Blatt, Sieben Söhne des Himmels- Strauch – Heptacodium miconioides

Urheber:  Ptelea

Die gegenständigen Blätter sind 9-17 Zentimeter lang und 5-9 Zentimeter breit, länglich-eiförmig und matt dunkelgrün mit einem herzförmigen Grund und einem etwa einen Zentimeter langen Blattstiel ohne Nebenblätter; auffällig sind die drei vertieften, parallel zum Rand verlaufenden Blattnerven und die leicht nach oben gebogenen Ränder, die den Blättern ein kahnartiges Aussehen verleihen. Gegen Ende des Jahres bekommen sie eine braune bis purpurne Herbstfärbung.

Bild 04 Knospen vor charakteristischem Blattwerk, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides

Verfasser: Homoarborea

Die ledrigen und leicht behaarten Früchte werden in unseren Breiten so gut wie nie gebildet; sie sind etwa einen Zentimeter lang, leuchtend rosa bis purpurn und bleiben von den hellpurpurnen Kelchblättern umgeben. Sie bleiben lange am Strauch, oft bis in das nachfolgende Frühjahr hinein, und enthalten halbzentimetergroße Nüsse als Samen.

Bild 05 Knospen und offene Blüten, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides

Von Velotopist - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=174927081

Die Blüten duften spärlich, zygomorph, 5-zählig, endständig an diesjährigen Trieben in pyramidalen, rispenartigen 5 – 15 cm langen und 5 - 10 cm breiten Ständen.
Zygomorph bedeutet, dass eine Blüte nur eine einzige Symmetrieebene hat und aus zwei spiegelgleichen Hälften besteht, die jedoch Ober- und Unterseiten haben.

Seinen Namen verdankt Heptacodium miconioides der Struktur seiner Blüten. Die großen weißen, pflaumenförmigen Blüten bestehen aus kleineren Blütenteilen, die in sieben Teilen aufgebaut sind. Die Blüten erscheinen erst im August/September. Wenn die Blüten aufgeblüht und abgefallen sind, werden die Kelchblätter größer und färben sich schön rot.

Die kleinen wohlriechenden und bis zu 13 Millimeter breiten Blüten sitzen zu sechs Exemplaren gebüschelt in lockeren, bis zu 15 Zentimeter langen Scheinrispen an den Enden der diesjährigen Langtriebe.

Die Einzelblüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle, sternförmig und zwittrig, mit grünen behaarten Kelchblättern und zu einer Röhre verwachsenen Kronblättern mit auffällig langen Kronzipfeln.
Die Staubblätter sind weiß und kurz, ebenso wie der Griffel, der eine kopfige Narbe trägt. Die Kelchblätter wachsen nach dem Abfallen der Kronblätter weiter und bilden tiefrote Lappen.

Bild 06 Stamm, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides

Foto: H.-Koch
Ein sehr gutes Erkennungsmerkmal dieses Strauches ist die gelbbraun bis braune, sich abblätternde Rinde, die ihn auch im Winter unverwechselbar macht.

Systematik:
Ordnung:   Kardenartige Dipsacales
Familie:   Geißblattgewächse Caprifoliaceae
Gattung:   Heptacodium
Art:       Heptacodium miconioides
Wissenschaftlicher Name der Gattung: Heptacodium
Wissenschaftlicher Name der Art: Heptacodium miconioides
Syn.: Heptacodium jasminoides
Trivialnamen: Sieben-Söhne- bzw. Sieben-Glocken-Strauch

Englische Bezeichnung: Seven Sons of Heaven Shrub
Der Name ,,Hepta" = Vorsilbe für sieben (griechisch).
Der deutsche Name ist eine genaue Übersetzung seiner chinesischen Bezeichnung. Mit seinen prächtigen und wohlriechenden Blüten haben sich die Sieben Söhne des Himmels den prestigeträchtigen Award of Garden Merit der Royal Horticultural Society eingehandelt.

Der Award of Garden Merit (AGM) ist eine Auszeichnung der britischen Royal Horticultural Society (RHS) für Gartenpflanzen, die sich durch herausragende Leistung und Zuverlässigkeit unter britischen Bedingungen bewährt haben. Die Auszeichnung dient als Qualitätssiegel.

Teil 1
Spross, Querschnitt
35 Mikrometer

Meine Pflanzenprobe stammt aus dem Kräuter-Erlebnispark Altenau,
Deutschlands größtem Kräuterpark (Juli 2025).
https://www.kraeuterpark-altenau.de/

Bild 07 Schnittstellen, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides

Foto: H.-J_Koch
Der Schnitt ist 35 Mikrometer dick, mehrere Zellschichten liegen aufeinander. Die Querschnitte haben sich alle aufgerollt. Die Rinde ist papierartig.

Bild 08 Übersicht, ungefärbter Schnitt, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 09 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 10 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 11 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 12 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 13 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides

LED Modul 455 nm
Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 14 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 15 Detailaufnahme, ungefärbter Schnitt, Autofluoreszenz, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Arbeitsablauf:
1.Pflanzenprobe liegt in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 7 Minuten
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca.15 Sekunden !!
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 1 Minuten
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).

Tipp:
Eine schöne Variante erhält man, wenn man in der letzten Färbestufe eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3:1 verwendet. (3 Tropfen Astrablau und 1 Tropfen Acriflavin separat ansetzen und Gemisch mit der Pipette übertragen.
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste verbleiben.
9. Entwässern mit 3x gewechseltem Isopropylalkohol (99,9 %)
10. Einschluss in Euparal.

Ergebnis:
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Bei der Betrachtung wird eine Kontrastverbesserung bei Verwendung eines BG 38 Filters (blaugrün, 3 mm dick) erreicht.
Fotos: Nikon D5000, Sony Alpha 6000

Bild 16 Übersicht, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 17 Detailaufnahme mit Beschriftung, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides

MP = Markparenchym, PXY = primäres Xylem, T = Trachee, ST = Strahl, XY = Xylem, K = Kambium, SK = Sklerenchym, PH = Phloem, RP = Rindenparenchym, P = mehrschichtiges Periderm
Primäres Xylem ist das Xylem, das während des primären Wachstums einer Pflanze aus dem Prokambium gebildet wird.

Bild 18 Detailaufnahme, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 19 Detailaufnahme, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 20 Detailaufnahme, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 21 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides

Reflektormodul FL mit Filtersatz 67
Erregerfilter: BP 470 nm
Strahlenteiler: FT 477 nm
Emission (Sperrfilter): LP 485

Bild 22 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 23 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Teil 2
Spross, Längsschnitt
25 Mikrometer

W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)

Bild 24 Übersicht, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 25 Detailaufnahme, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 26 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz,  Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Bild 27 Detailaufnahme, Auflichtbeleuchtung Fluoreszenz, Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch Heptacodium miconioides


Quellen und weiterführende Informationen:

Wikipedia
P. Schmidt, U. Hecker ,,Die wildwachsenden und kultivierten Laub- und Nadelgehölze Mitteleuropas, ISBN: 978-3-494-01800-3
Andreas Roloff, Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. Bestimmung, Eigenschaften und Verwendung. Mit einem Winterschlüssel von Bernd Schulz. 3., korrigierte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5614-6, S. 331.
Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996).
Die Informationen für Beschreibungen werden von mir selbst aus verschiedenen Quellen zusammengetragen. Dabei benutze ich sowohl Bücher als auch Internet Quellen.
Ich recherchiere dann weiter, suche die zugrundeliegenden Studien heraus, werte sie aus und verbinde alles miteinander.
Beim Recherchieren öffnet sich oft nicht nur eine neue Tür, sondern gleich mehrere. Dahinter verbergen sich weitere spannende Informationen.

Für konstruktive Kritik bin ich ebenso offen wie für lobende Worte.
Hans-Jürgen


Plants are the true rulers - Pflanzen sind die wahren Herrscher.

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Gerne per "Du"

Peter T.

Lieber Hans-Jürgen,

ich musste schon beim Herzgespann schmunzeln, aber die Sieben Söhne des Himmels toppen namenstechnisch alles. ;)

Wie immer eine ausgezeichnete Darstellung dieser Pflanze, von der ich noch nie gehört habe. Klasse!

Eine Frage: Die Zellschicht unter dem Periderm (am besten auf Bild 20 zu erkennen) zeigt Zellen, die anders geformt und gefärbt sind als das Skleroderm. Ich habe den Verdacht, es könnten Steinzellen (Sklereiden) sein. Was meinst Du?
Liebe Grüße
Peter

Hans-Jürgen Koch

Lieber Peter,

danke für die Lob.
Die Sklereiden habe ich übersehen. In der Vergrößerung erkennt man die typischen Merkmale wie die Tüpfelkanäle, und die Sprünge im Schichtensystem.

Gruß
Hans-Jürgen
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Gerne per "Du"