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Carausius morosus Darm

Begonnen von Jürgen H., November 20, 2025, 19:35:27 NACHMITTAGS

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Jürgen H.

Liebes Forum, ein altes Präparat von mir offenbart unter Fluoreszenz plötzlich etwas Neues.

Im folgenden Bild 1 zeige ich einen Längsschnitt durch den Darm von Carausius morosus, einer Stabheuschrecke, die ich vor Jahren von Jörg Fahrenheit erhalten und zu einem Präparat verwandelt hatte: Paraffineinbettung, Färbung in Hämatoxylin Ehrlich/Azophloxin. Die Darmzotten des Mitteldarms sind unverkennbar. An dieser Stelle füllt der Darm fast den gesamten Querschnitt des Insekts aus. Im Inneren befindet sich eine unscheinbare Struktur, die ich für eine zusammengeschobene peritrophe Membran gehalten habe.

Das gleiche Präparat zeigt nun Bild 2 unter Blaufluoreszenz plötzlich ein Häutchen, dass mit stachelartigen Strukturen bedeckt sind.

Bild 3 ist eine Vergrößerung dergleichen Strukturen, jetzt aufgenommen mit dem 40er Objektiv.

Bild 4 gibt dieses Häutchen an anderer Stelle wieder.Auffällig ist, dass die stachelartigen Strukturen nicht überall an dem Häutchen auftauchen, sondern nur gelegentlich und dann gehäuft.

Ich halte das Häutchen immer noch für die peritrophe Membran des Insekts. Diese pM hat grundsätzlich die Funktion, die empfindlichen Darmzellen zu schützen und umgibt den Nahrungsbrei als eine Art Hülle. die gelösten Nährstoffe werden durch die Membran gefiltert und gelangen zu den Darmzotten. Solche Konglomerate der pM findet man im Darm oft.

Aber woher kommen die stacheligen Strukturen? Sitzen sie der Membran auf oder hat die Membran sie abgefangen?

Gefüttert wurde das Tier nach meiner Erinnerung mit Brombeerblättern. Vielleicht stammen die Stachelchen daher. Möglich wäre auch, dass sie aus dem Proventriculus kommen, dessen Inneres  bei manchen Insekten mit entsprechenden Strukturen bedeckt ist, die zur Nahrungszerkleinerung dienen.

Vielleicht hat jemand aus denm Forum eine passende Erklärung?

Viele Grüße
 Jürgen

Gerd Schmahl

Hallo Jürgen,
für mich sieht es so aus, als würden diese "Stachel" überwiegend auf der Schnittfläche der Membran liegen. Können das vielleicht Kristalle sein, die sich erst nach dem Schneiden im Zuge der Verarbeitung des Schnittes gebildet haben? Du hast schon recht, dass sie eher wie Stachel wirken, aber gewiss nicht von der Brombeere. Ich glaube, die sollten eine andere Dimension haben.

LG Gerd
Man sagt der Teufel sei, im Detail versteckt,
doch hab' ich mit dem Mikroskop viel Göttliches entdeckt.

Jürgen H.

Lieber Gerd, das ist eine hervorragende Beobachtung! Für sie spricht auch, dass ich im Hellfeld von den ,,Stacheln" nahezu nichts sehe. Selbst die Diagnose peritrophe Membran möchte ich jetzt nach noch näherer Betrachtung mit großen Fragezeichen versehen. An spezifischen Farbstoffen kann es andrerseits kaum  liegen: Die ,,Stacheln" sind auch nach einer Azanfärbung da.

Die Stücke sind in alk. Bouin fixiert worden. Aber wenn es sich um kristalline Rückstände oder kristalline Produkte des Fixiermittels handeln sollte, warum treten die dann nur an diesen Grenzflächen auf?

Ohne neue Schnitte gibt es wohl keine Klärung.

Danke, und viele Grüße

Jürgen