Mattscheiben in Beleuchtungssystemen von Zeiss/West

Begonnen von Jürgen Boschert, Dezember 23, 2025, 00:00:16 VORMITTAG

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Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

angeregt durch diesen Faden, habe ich einmal bei den mir zur Verfügung stehenden Beleuchtungseinrichtungen von Zeiss/West nachgeschaut, welche Mattscheiben so verbaut wurden. Das Ergebnis habe ich im Technik-Unterforum als PDF eingestellt. Überraschend war für mich übrigens Huberts (Lupus) Feststellung, dass es sich bei den vermeintlich konvexen Mikrolinsen der geätzten Scheiben tatsächlich um Konkavitäten handelt; mit dem Feintrieb konnte ich das bei meinen "Untersuchungen" aber einwandfrei nachvollziehen!

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=52971.0

Anregungen, Fragen und Kritik: Gerne doch!
Beste Grüße !

JB

M59

Hallo Jürgen,

dein Vergleich ist sehr interessant. Ich hatte nach Huberts Erklärung nach anderen Bildern im www gesucht und fand eine Seite der Firma IMTAG, die eine Aufnahme eines geätzten Schottglases (Foturan2 )zeigen.  Ich mag eine Firmenseite aber nicht verlinken. Auch dort sieht man, dass das Ätzen eine recht komplex strukturierte Oberfläche hinterlässt. Dass die Optimierung der Lichtausbeute vor Jahrzehnten intensiv bearbeitet wurde, ist interessant nachzulesen. Dennoch waren ja enorm wattstarke Leuchten nötig. Die Beleuchtung in meinem Peraval war trotz 20W Halogen und auch aufgrund des komplexen Strahlengangs wenig beeindruckend. Das hat man im späteren Jenaval offensichtlich besser gelöst.

Auch deine Aufnahmen sehe ich konvex und nicht konkav. Nach den Feiertagen schau ich mal im Fundus nach meinen Mattgläsern, vielleicht sehe ich das wenigstens  am Mikroskop.

Ich wünsche allen schöne Festtage und ein Gutes Neues Jahr!

Grüße,

Michael/M59




Jürgen Boschert

Hallo Michael,

Zitat... Auch deine Aufnahmen sehe ich konvex und nicht konkav. ...
.

Ich glaube, das geht bei dieser Art der Darstellung (DIC, übrigens auch im Schieflicht) fast allen so, auch mir; aber wenn man bewusst am Feintrieb dreht, wird rasch klar, dass man das Objektiv an das Objekt annähern muss, um die "Gipfel" der vermeintlichen Aufwölbungen scharf zu stellen. Das ist so bei allen diesen Mikrolinsen, also müssen es ja Mulden sein.
Beste Grüße !

JB

Lupus

Hallo,

dass es Vertiefungen sind ergibt sich im Prinzip auch aus dem Material abtragenden Ätzvorgang. Die Flusssäure greift das die Hauptstruktur bildende SiO2 im Glas an und zerlegt es in gasförmiges SiF4 und H2O. Warum es dann relativ gleichmäßig strukturierte Bereiche gibt die verstärkt angegriffen werden und rundliche Mulden bilden ist mir nicht klar, vielleicht hat es etwas mit der makroskopischen Glasstruktur zu tun, vielleicht auch  mit örtlichen Sättigungsprozessen unbewegt einwirkender Säure.
Um genau die gewünschten Strukturen zu erreichen ist wohl eine genaue Prozessführung erforderlich. Man kann mit entsprechender Säurerezeptur (+ Schwefelsäure zum Entfernen unlöslicher Fluoride) auch Glätten ("Blankätzen"), dabei muss die Säure stark bewegt werden.

Hubert

jochen53

Hallo,
ich habe mal Fotos von einer mattverchromten Oberfläche gesehen, wie sie z.B. früher an Kameras verwendet wurde. Dabei wählt man den Elektrolyten, die Badbedingungen (Temperatur, Bewegung) und die Stromdichte so, daß bei der Elektrolyse nicht nur Chrom, sondern auch gasförmiger Wasserstoff abgeschieden werden. Die Gasbläschen haften ein Zeit lang an der Oberfläche und um sie herum wird ein Wulst von Chrom abgeschieden. Wenn die Bläschen groß genug werden, perlen sie an die Oberfläche und es bilden sich statistisch verteilt immer neue. So entsteht dann eine in alle Richtungen unterschiedlich reflektierende, matt erscheinende Oberfläche aus lauter kleinen Mikro-Kratern. Vielleicht ist der Mechanismus bei der Glasätzung ja damit verwandt.
Viele Weihnachtsgrüße, Jochen