Unterlagen zum Leitz-Mikrohärteprüfgerät nach Vickers

Begonnen von Alfons Renz, Februar 19, 2026, 23:01:33 NACHMITTAGS

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Alfons Renz

Hallo liebe Foristen;

Wer kennt das Mikrohärteprüfgerät von Leitz, bestehend aus einem Grundgerät mit Luftpumpe samt Auflagegewichten sowie einem Kopf mit RMS-Gewinde, der den Diamanten und das Beobachtungsobjektiv trägt?

Bilder siehe unten.

Mein Problem: Wenn ich das Gerät mit Spannung versorge und den Schalter auf 'an' stelle, tut sich - nichts. Eigentlich sollte nun die Luftpumpe arbeiten, um den nötigen Druck per Schlauch zum Eindringdiamanten zu schicken.

Eine Sicherung sehe ich nicht und es ist auch kein Ton oder sonstige Reaktion zu vernehmen.
Bevor ich nun die Pumpeneinheit aufschraube, wäre ich für einen klugen Rat sehr dankbar.

Zur Funktion: Durch Auflegen von Gewichten wird in der Pumpeneinheit ein genau definierter Luftdruck erzeugt, der über einen Silikonschlauch zum Kopf mit RMS-Gewinde am Objektiv-Revolver geschickt. Dort wird ein pyramidenförmiger Diamant in das Werkstück (polierten Anschliff) gedrückt. Der Abdruck wird nun mit dem statt dem Diamanten eingewechselten Objektiv vermessen. Dazu dient der Dreharm seitlich am Kopf.

Ich habe leider nur ein Bild des Umschlags der Bedienungsanleitung, vermute aber, dass die Funktion weitgehend selbsterklärend ist. Bzw. wäre, wenn die Pumpe laufen würde.

Mit herzlichem Dank für alle sachdienlichen Hinweise!

Alfons


olaf.med

Lieber Alfons, ich bin gerade unterwegs, kann Dir daher leider erst morgen Nachmittag einen Scan der Bedienungsanleitung schicken. Am Sonntag können wir uns dann ja weiter austauschen.

Herzliche Grüße, Olaf
Gerne per Du!

Vorstellung: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=4757.0

... und hier der Link zu meinen Beschreibungen historischer mineralogischer Apparaturen:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=34049.0

Alfons Renz

#2
Mit Olafs' Bedienungsanleitung und nach Öffnen des Gehäuses liess sich der Fehler bald lokalisieren:

Der Kontakt des Waagbalkens (im Bild oben links), der die Pumpe steuert, war korrodiert, so dass kein Strom mehr floss.
 
Leitz-Mikrohärteprüfgerät-Grundgerät-seitlich-2.jpg

Erst hatte ich an einen defekten Gleichrichter gedacht - aber nach Abschleifen des Kontakts lief der Motor wieder und bewegte den Pumpenkolben nach rechts im Bild. Das Potentiometer vorne links regelt die Drehgeschwindigkeit und der Schalter rechts aktiviert das Gerät.

Auf den Waagbalken (Ansicht von oben) werden Gewichte gelegt, die den Andruck des Diamantstempels definieren.

Leitz-Mikrohärteprüfgerät-Grundgerät-von-oben-2.jpg

Diese Gewichte werden separat aufbewahrt und sind jeweils mit der individuellen Gerätenummer graviert (C 492, im Bild nicht sichtbar, da auf der Unterseite der Gewichte):

Gewichte.jpg

Zu meiner Überraschung bewegt sich der Druckkolben sehr langsam, so dass ich zunächst an einen Defekt im Motor dachte, aber Olaf konnte mich beruhigen: Das müsse so sein! Es handelt sich um ein äusserst sensibles Messgerät, das den Diamanten langsam senkt, den Druck eine Zeit lang hält (deshalb der Kontakt des Waagbalkens) und dann den Diamanten im Druckkopf vorsichtig hebt.

Der Druckkopf hat ein RMS-Gewinde und lässt sich an jeden geeigneten Revolver anschrauben.

Leitz-Mikrohärteprüfgerät-Stempel-5.jpg

Mittels des seitlichen Zapfens (links) lässt sich entweder die 50x Objektiv-Linse einklappen, oder der Kopf mit dem pyramidenförmigen Diamanten: Die Positionierung wird durch Magneten in beiden Lagen stabilisiert, ganz ohne Spiel, was bei der hohen Vergrößerung (50x) auch nötig ist.

Leitz-Mikrohärteprüfgerät-Diamant.jpg

Über die Tülle rechts wird der Druckschlauch mit dem Basisgerät verbunden, die richtige Zentrierung über 3 (fummelige) Vierkantschräubchen vorgenommen und schon ist das Gerät einsatzbereit.

Als Versuchsobjekt diente ein normaler Objektträger aus Glas, mit einer schwarzen Markierung aus Filzstift. In diese schwarze Markierung sollte nun der Diamant eingedrückt werden.

Ursprünglich war das Leitz-Metalloplan für solche Zwecke konzipiert, mit Auflicht-Tubus (so wie in der Werkschrift), aber bei mir kam das Gerät ans ZEISS-Axioplan - und überraschte sehr positiv:

Das Leitz-Objektiv war parfokal mit den Zeiss-Objektiven und das Bild des Abdrucks gut genug, um für eine Vermessung zu taugen.

Abdruck-Leitz-Original.jpg
Abdruck mit Leitz NPL Fluotar 50x/0,85

Mit einem Zeiss 20x Apochromaten war das Bild natürlich besser - aber da dieser für ein Deckglas berechnet ist, hinkt auch dieser Vergleich (Bild leicht vergrößert)

Abdruck-Leitz-Zeiss-PlanApo-20x.jpg
Zeiss PlanApo 20x.

Nun waren schon alle Barrieren der Zeiss-Leitz-Kompatibilität gebrochen. Deshalb der nächste Versuch, nun mit einem Leitz NPL 50x unendlich / Auflicht / 0,85 P mit IC R Prisma, ebenso parfokal und mit einem durchaus brauchbaren Bild:
 
Abdruck-Leitz-Zeiss.jpg
Leitz 50x NPL ICR

Solche Kombinationen von Leitz-Objektiven an Zeiss-Mikroskopen verdienen sicher noch eine nähere Untersuchung, aber dies ist ein anderes Thema...

Jetzt könnte auch der Abdruck des Diamant-Stempels genau vermessen werden - dazu gibt es ausführliche Tabellen -, um die Härte des Objektträgers zu bestimmen. Leider kann dies vorerst nicht gelingen, denn ich habe 'auf die Schnelle' die Druckluft nur mit eigener Lungenkraft erzeugt.

Womit zugleich ein weiterer Verwendungszweck für dieses Gerät gefunden wäre: Man könnte auch den maximal erreichbaren Lungenpressdruck bestimmen...

Herzliche Grüße zu Wochenende,

Alfons