Interessante Pilz- und Flechtenfunde 176 – Klebriger Gürtelfuß

Begonnen von Bernd Miggel, Februar 21, 2026, 08:38:42 VORMITTAG

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Bernd Miggel

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Der Fund

Im eigenen Garten (nördliches Schwarzwaldrandgebiet), bei einer 15-20 Meter hohen Salweide (Bild 1), findet sich alljährlich der Klebrige Gürtelfuß (Cortinarius saturninus) ein. Er wächst dort in einzeln, gesellig, sogar büschelig mit bis zu fünfzig Exemplarem (Bilder 2 und 3). Im Verlauf vieler Jahre konnte man beobachten, dass die Hutfarben mal rein braun, mal braun mit deutlichem Violettstich ausfallen. Auffällig sind auch die braunen, mitunter violettstichigen, mit einer deutlich weilichen Schneide versehenen Lamellen sowie das üppige, weiße Gesamtvelum (Bild 4).

Bild 1 - der Begleitbaum Salix caprea.jpg
Bild 1 – Der Begleitbaum, eine große Salweide.

Bild 2 - Cortinarius saturninus_Hüte braun mit Violettstich.JPG
Bild 2 – Büscheliges Wachstum, violettlichbraune, silbrig schimmernde Hüte.


Systematik, Rote Liste
Cortinarius saturninus ordnet sich innerhalb der Großgattung der Haarschleierlinge (Cortinarius) als eine der kleineren Arten in die Untergattung der Gürtelfüße (Telamonia) ein. In der Roten Liste Deutschland (2016) ist die Art in der Kategorie G (Gefährdung unbekannten Ausmaßes) gelistet.

Lebensweise
Wie haben einen Mykorrhizapilz vor uns, der obligat eine Symbiose mit Weiden und Pappeln eingeht. Er bevorzugt offene Landschaften, wie Gärten, Parks, Friedhöfe, vor allem von Menschen beeinflusste Bereiche.

Bild 3 - Cortinarius saturninus_Hütr rein braun, Velum weiß.JPG
Bild 3 – büscheliges Wachstum braune Hüte, weißlich überfaserte Stiele.

Makromerkmale (weitgehend nach BRANDRUD et al. 1989-2014)
Hüte: Angangs rundlich, glockig, spitzbuckelig, später ausgebreitet, mitunter stumpf gebuckelt, braun, manchmal mit leichtem Violetthauch, silbrig schimmernd, radialfaserig, hygrophan, bei feuchter Witterung klebrig bis schleimig, im Durchmesser 30-80 mm. Lamellen braun, manchmal violettlichbraun, Schneide weißlich. Stiel zylindrisch, steif, mitunter basal leucht keulig, vom üppigen, weißen Velum überfasert. Myzel weiß. Fleisch braun, im oberen Stielbereich auch violettlichbraun. Geruch und Geschmack unauffällig

Bild 4 - Cortinarius saturninus_Lamellen braun mit weißlicher Schneide, Velum weiß.JPG
Bild 4 – Hüte, Lamellen, Stiele braun, üppiges, weißes Velum.

Mikromerkmale
Sporen grob und niedrig warzig, ellipsoid bis mandelförmig.
Die gemessenen Werte bei einer Stichprobengröße von 29 Sporen und einem Vertrauensintervalls von 95 % waren:
L x B = 7-8,3 x 4,3-5 µm; Q = 1,6-1,67; V = 83-90 µm3.
Mit L Länge, B Breite, Q Schlankheitsgrad = L/B, V Volumen

Bild 5 Cortinarius saturninus_ Sporen.jpg
Bild 5 – Sporen ellipsoid bis mandelförmig, flach- und grobwarzig.

Literatur
BRANDRUD, T.E. et al. (1989-2014): Cortinarius, Flora Photographica I-V: Nr. C09.
BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN F. (2000): Pilze der Schweiz Bd. 5, Blätterpilze 3. Teil, Cortinariaceae: Nr. 362.


Viel Vergnügen beim Anschauen!
Bernd


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Wutsdorff Peter

Guten Morgen Bernd,
sehr interessant. Wenn er giftig ist, ist das etwas für die Vorsicht:
 Alle Pilze sind eßbar, manche nur einmal.

Die Geschichte von der dreifachen Witwe habe ich ja schon einmal erzählt
Gruß  Peter W

Bernd Miggel

Hallo Peter,
unser Pilz hier ist meines Wissens aber weder essbar noch giftig.
Einen lieben Gruß
Bernd