Interessante Pilzfunde 177 – Feuerfüßiger Gürtelfuß

Begonnen von Bernd Miggel, Februar 22, 2026, 10:19:16 VORMITTAG

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Bernd Miggel

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Der Fund
Am nördlichen Schwarzwaldrand, in der Nähe der Teilgemeinde Keltern-Dietlingen, liegt auf 338 mNN der als Waldschutzgebiet gelistete ,,Römerberg", ein Laubmischwald mit eingestreuten Nadelbäumen,  auf Rendzina über Oberem Muschelkalk (Bild 1). Dieser Boden ist wasserdurchlässig und kalkhaltig, und es finden sich dort nur bei dauerhaft feuchtem Wetter Blätterpilze oder Röhrlinge. So auch Anfang November 2024, als wir an mehreren Stellen den Feuerfüßiger Gürtelfuß (Cortinarius bulliardii) fanden. Er wuchs dort, bei Eichen und Feldahorn, in kleinen Gruppen, unauffällig, fast verborgen unter dem Laub (Bild 2).
Braune Gürtelfüße, wie unsere Pilzart, sind oft nur schwer bestimmbar. Der Feuerfüßige Grürtelfuß bildet eine angenehme Ausnahme, die nur beim Aufsammeln erkennbar wird: Er besitzt, bedingt durch das Velum, eine leuchtend rote Stielbasis, ein Alleinstellungsmerkmal für diese Art. Auf Bild 2 wirkt das Rot, wohl aufgrund des trüben Wetters, nicht sehr leuchtend.

Bild 1 - Umgebung.jpg
Bild 1 – Der Fundort Anfang November, dicke Laubschicht bei Eichen und Feldahorn.

Bild 2, am Fundort - P1150241_b.JPG
Bild 2 – Am Fundort. Auffällig ist die leuchtend rote Stielbasis.


Systematik, Rote Liste
Cortinarius buillardii ordnet sich innerhalb der Großgattung der Haarschleierlinge (Cortinarius) als eine der mäßig großen Arten in die Untergattung der Gürtelfüße (Telamonia) ein. Die Rote Liste Deutschland (2016) führt die Art in der Kategorie 2 (stark gefährdet).

Lebensweise
Wie haben einen Mykorrhizapilz vor uns, der eine Symbiose mit Laubbäumen, wie Eichen und Rotbuchen, eingeht und dabei kalkreiche Böden bevorzugt.

Makromerkmale (weitgehend nach BRANDRUD et al. 1989-2014)
Hut 20-70 mm, anfangs rundlich bis konisch, später flach gewölbt, schließlich ausgebreitet, kahl, hygrophan, feucht kastanienbraun, manchmal mit Violettton, trocken hellocker, äußerster Rand junger Exemplare vom Velum rot getönt. Lamellen graubraun, stark untermisch, Schneide heller, gesägt. Stiel zylindrisch mit keuliger, oft zugespitzter Basis, steif, längsfaserig, hell bräunlich, Basis vom Velum meist leichtend zinnoberrot. Myzel rot. Fleisch hell bräunlich, in der Stielspitze mitunter violettlich. Geruch und Geschmack unauffällig.

Mikromerkmale
Sporen relativ stark warzig, besonders am unteren Ende; in der Form ellipsoid bis mandelförmig.
Die gemessenen Werte unserer Aufsammlung bei einer Stichprobengröße von 27 Sporen und einem Vertrauensintervalls von 95 % waren:
L x B = 8,4-10,5 x 5,3-6,4 µm; Q = 1,6-1,7; V = 160-175 µm3.
Mit L Länge, B Breite, Q Schlankheitsgrad = L/B, V Volumen.

Bild 3 - Sporen.jpg
Bild 3 – Sporen ellipsoid bis mandelförmig, relativ grobwarzig.

Literatur
BRANDRUD, T.E. et al. (1989-2014): Cortinarius, Flora Photographica I-V: Nr. A37.
BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN F. (2000): Pilze der Schweiz Bd. 5, Blätterpilze 3. Teil, Cortinariaceae: Nr. 305.
GMINDER, A. (2010): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 5. Blätterpilze III: 221-222.


Viel Vergnügen beim Anschauen!
Bernd


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Peter T.

Hallo Bernd,

schöne Doku!
Auch eine tolle Pilzliste, die Du da im Alleingang zur Verfügung gestellt hast.

Schöne Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter

Bernd Miggel