Erfahrung bei der Fotografie von Diatomeen gesucht

Begonnen von Rawfoto, Mai 16, 2026, 20:10:35 NACHMITTAGS

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Rawfoto

Liebe KollegInnen

Für eine Ausstellung über Mikrofotografie will ich auch gerne 6 Stück Diatomeenbilder zeigen, dazu fehlt es mir aber noch an Erfahrung. Daher bitte ich Euch um Tipps, wie ihr da vorgehen würdet.

Das Folgende Bild ist mit Hellfeld entstanden, Olympus BX-60, UPlanSAPO 40x Na:095 Trocken und zeigt die Diatomee Kittonia elaborata.



Würdet ihr da mit DIC drangehen, funktioniert das denn mit so vielen Schichten?

Zusammengerechnet habe ich die ca. 400 Bilder in 2 Paketen

Gespannte Grüße

Gerhard
Gerhard
http://www.naturfoto-zimmert.at

Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...

RainerTeubner

Hallo Gerhard,

 mir fällt auf, daß die Diatomee sehr duftig (high key) dargestellt wird. Wenn das so von Dir gewollt ist, ist es in Ordnung.
Ich hab mir mal erlaubt, die Kontraste zu spreizen (automatisch, mit gimp), das Bild zu entsättigen (Diatomeen benötigen im allgemeinen keine Farbe) und den Hintergrund zu putzen, der bei der automatischen Kontrastspreizung unruhig wird.
Das Ergebis anbei.

Glückwunsch zu dem schönen Präparat!

Viele Grüße!

Rainer


Mikroskop: Carl Zeiss Standard Universal
Bildbearbeitung: Gimp, Helicon focus und picolay
Kamera: Canon EOS 5D II

Lupus

Hallo Gerhard,

ich würde sagen dass DIC für Ausstellungsfotos - sofern es auf technisch möglichst realitätsnahe Darstellung ankommt - eine ungeeignete Technik für Diatomeen ist. Zwar erhält man einen viel höheren Helligkeitskontrast, und das könnte für die Darstellung einzelner schwach brechender Strukturen sinnvoll und sogar notwendig sein. Aber der allgemeine räumliche Eindruck, speziell von den auch im Hellfeld ausreichend gut kontrastierenden Schalenöffnungen, ist bei DIC in der Regel schlecht bis miserabel, jedenfalls nicht realitätsnah.
Hier ein Beispiel der Kittonia elaborata als REM-Aufnahme  https://live.staticflickr.com/65535/53507770018_8297ef8575_h.jpg
Bei DIC-Aufnahmen werden die Schalenöffnungen als Helligkeitsgradient dargestellt, ein Laie hat dann falsche Vorstellungen von der räumlichen Struktur.

Der geringe Kontrast im Hellfeld (der auch vom Brechungsindex des Einbettmediums abhängt), speziell wenn optimalerweise für geringe Interferenzartefakte und max. Auflösung mit möglichst offener Aperturblende gearbeitet wird, kann m.E. problemlos in der Nachbearbeitung erhöht werden wenn die Aufnahmen rauscharm sind. Und Du hast ja dazu an den rechten Histogrammrand belichtet.

Diatomeen sind optisch glasähnlich, im Hellfeld eigentlich fast wie geschliffene Trinkgläser im Gegenlicht. Um diesen Eindruck zu erreichen sollte m.E. Schwarz im Bild nicht vorkommen, max. eher mittlere Grautöne, aber auf jeden Fall "Glanzlichter". Nur wohl nicht so ausgeprägtes High-key wie in dem Beispiel, aber das ist auch Geschmacksache.

Hubert

Peter Reil

#3
Hallo Gerhard,

bei deinem obigen Bild bin ich im ersten Moment erschrocken, weil es so hell ist.

Mein Tipp bei Diatomeen ist einfach: Invertieren! Vor schwarzem Hintergrund treten die glasähnlichen Körper zerbrechlich hervor. Das ist natürlich Geschmackssache.
Habe es gerade schnell ausprobiert (geht bestimmt noch viel besser), mir gefällt es.
(Wenn es dich stört, nehme ich das Bild wieder raus.)

Hier traut sich ein einfacher Amateurs, einem Fachmann einen Rat zu geben....  ;)

Gruß
Peter

Rumgespielt.jpg
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

Rawfoto

#4
Guten Morgen Rainer, Hubert und Peter

Bei Diatomeen bin ich bei weitem kein Fachmann, daher bin ich über jeden Tipp dankbar und hoffe noch weitere zu bekommen.

Da gibt es bei der Aufnahme und der Bildbearbeitung noch einiges zu lernen. Der Hintergrund ist dann am Ende leicht zu tauschen.

Gespannte Grüße

Gerhard

Ps: an den Präparaten liegt es eindeutig nicht, da habe ich in den letzten beiden Jahren einiges zusammengesammelt .-)
Gerhard
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rlu

Hallo Gerhard,

die inverse Version ist nicht schlecht.
Hier noch in 3D, quick and dirty

2026-05-18 12_10_58-PICOLAY_ pyRL_zax40_pd1_vie3_x0_y0_z0.jpg.jpg

2026-05-18 12_12_42-.jpg

Liebe Grüße
Rudolf

anne

#6
Lieber Gerhard,
ich kann mir nicht vorstellen, dass Dein Bild so von Dir in einer Ausstellung gezeigt werden würde...(oder doch?), das ist doch kein "normales Hellfeld", so völlig blass und ohne Kontrast. (oder stimmt mit meinem Monitor etwas nicht?), Oder ganz schlechter RI beim Harz?
Hast Du das Bild absichtlich so verändert oder aufgenommen? Willst Du diesen Effekt?
Was willst Du hören?
Es ist sauber gestackt, das beherrscht du ohne unsere laienhafte Auskunft als Profifotograf und mit der vorhanden Technik sowieso. Bestimmt stimmt auch alles andere was man einstellen kann (Histogramm usw.), Du bist ja Profi.
Wie auch bei allen Wettbewerben kommen bei einer solchen Ausstellung plakative Bilder am besten an, dass weißt Du aber als Profifotograf auch. Daher ist mir nicht klar was Du mit Deiner Fragestellung erreichen willst.
Nimms mir nicht krumm, aber ich verstehe nicht was Du mit dem Zeigen dieses Bildes bezwecken willst.
lG
anne

Rawfoto

#7
Liebe KollegInnen, liebe Anne

Was will ich lernen? Wie man mit Diatomeen zu einem ansprechenden Bild kommt. Ich bin mit meinen Ergebnissen nicht zufrieden.

Wo will ich hin? Duftige, räumliche Darstellung auf einer Bildhöhe von 70 bis 85cm

Diatomeen sind für mich glasähnliche Gebilde, also ist der Start für mich ein weiches Bild (wie gelernt). Kontrast dazugeben ist kein Problem, Kontrast wieder weg zu bekommen geht nicht ohne Qualitätsverlust. Das macht man im Film und in der Fotografie so.

Ich bin sehr froh über die Interpretationen, die Kollegen bereits in diesem Faden gezeigt haben, auf die Farbumkehr bin ich selbst nicht gekommen. Ist aber eine spannende Anregung.

Also ja, das gezeigte Bild ist das Ausgangsprodukt für die Bildbearbeitung, der Hintergrund ist z.B. auch noch nicht retuschiert. So würde ich das natürlich nie in einer Ausstellung zeigen.

Ich habe schon mit den Olympus DIC Systemen Versuche unternommen, aber wieder gelöscht. Gerade bei so räumlichen Diatomeen ist das zum Vergessen (oder ich mache was falsch?).

Schiefe Beleuchtung und Dunkelfeld sind natürlich auch möglich ...

Ich zeige einmal ein Bild auf Basis des Feedbacks, Hintergrund ist getauscht:



So richtig am Ziel bin ich aber noch nicht, aber das Feedback der Kollegen ist bereits eingeflossen.

Liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
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Michael K.

Hallo Gerhard,


Du sagtest glasartig, Glas ist immer etwas bläulich wenn es nicht eingefärbt ist. Ich habe bei deinem
Bild den blauen Kanal leicht erhöht.
Im Bild selber gibt es noch Stackingfehler. Auch die Flecken in den Poren würde ich reduzieren oder
ganz löschen. Ich habe es mal am linken Porenrand und etwas zur Mitte hin gemacht.
Ich nehme an das das Originalbild viel höher aufgelöst ist als hier das Forumsbild.

Hier erst mal das leicht abgeänderte Bild.


LG
Michael


jcs

Hallo Gerhard,

in meinem Verständnis willst Du für die Ausstellung ein Kunstwerk darstellen und keine wissenschaftliche Abbildung. Für eine wissenschaftliche Abbildung ist eine korrekte, möglichst naturgetreue Darstellung der beobachteten Organismen das Ziel. In so einem Fall wäre ich z.B. mit Stacking sehr vorsichtig, da es bei transparenten Objekten sehr leicht zu Artefakten kommt. Für eine künstlerische Darstellung gelten klarerweise andere Regeln, und die Freiheit in der Darstellung ist naturgemäß viel größer.

Beide Ansätze haben ihren Wert und sind legitim. Ich würde mich nur klar für einen Ansatz entscheiden und keinesfalls versuchen, alle Aspekte der künstlerischen und wissenschaftlichen Mikrofotografie unter einen Hut zu bringen. Deine Aufnahmen gefallen mir eigentlich beide recht gut, die zweite allerdings besser. Sie vermittelt die "Luftigkeit" dieser Glasskelette recht schön und hat dennoch ausreichend Kontrast. Sie wirkt fast wie eine Bleistiftzeichnung, deshalb würde ich auch bei s/w-Darstellung bleiben. Hintergrund sollte natürlich sauber sein, ausgedruckt auf schönem Papier wird das dann sicher ein Blickfang.

LG
Jürgen

Lupus

Hallo Gerhard,

ZitatIch habe schon mit den Olympus DIC Systemen Versuche unternommen, aber wieder gelöscht. Gerade bei so räumlichen Diatomeen ist das zum Vergessen (oder ich mache was falsch).

Schiefe Beleuchtung und Dunkelfeld sind natürlich auch möglich ...
zum Thema DIC habe ich im vorangegangenen Beitrag schon meine kritische Meinung geäußert. Anne hat früher schon einmal die gleiche Diatome sowohl in HF als auch DIC abgebildet - da sieht man den Unterschied. M.E. ist DIC grundsätzlich nicht geeignet für Deinen Zweck.
Siehe 1. und 3. Bild:    https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=26296.msg197661;topicseen#msg197661
Das Gleiche gilt auch für die von Dir erwähnte schiefe Beleuchtung, da ist im Ergebnis kein Unterschied zum DIC.

Ich hatte im Rahmen einer Diskussion über ringförmige Beleuchtung einmal vier Beleuchtungsmethoden an einer Diatomee demonstriert: Offene Aperturblende, abgeblendete Aperturblende (zur Kontraststeigerung), ringförmige Beleuchtung (wegen behaupteter höherer Auflösung) und schiefe Beleuchtung (zur Kontrasterhöhung und um den Reliefeffekt zu erhalten).



https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=48001.msg363637;topicseen#msg363637

Bei den drei Alternativen zur offenen Aperturblende sehe ich nur Nachteile in der Objektwiedergabe, insbesondere Beugungsartefakte und verzerrte Darstellung der Strukturen sowie stärkere Interferenzeffekte bei Änderung der Fokuslage (hell-dunkel Übergang der Schalenöffnungen).

Eine weitere Alternative könnte Auflicht vor schwarzem Hintergrund sein, da hast Du selbst zu Zeiten des "Foto des Monats" ein Bild ausgezeichnet. Mit der Methode kann der glasartige Charakter sehr gut hervorgehoben werden wenn der Brechungsindexunterschied nicht eingebetteter Diatomeen sehr groß wird:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=31664.msg234775;topicseen#msg234775
Oder hier:  https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=28246.msg211396;topicseen#msg211396

Hubert

Rawfoto

Danke Michael

Das mit dem Blauanteil ist ein wirklich guter Tipp, muss mich damit spielen.

Ja, das Bild gibt es zum Glück höher aufgelöst, ist mit der Nikkon Z9 aufgenommen. Für das Forum herunter gerechnet.

Danke, Retusche steht an wenn ich sicher bin das dieses Bild passt.

Liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
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Rawfoto

Danke natürlich auch an Jürgen und Hubert

Danke auch auf die Verlinkung zu den Bildern von Anne ...

Liebe Grüße

Gerhard
Gerhard
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anne

#13
Hallo Gerhard,
aus heutiger Perspektive waren die Bilder von 2016, die ich von Kittonia elobarata gemacht hatte, die Hubert verlinkt hat  grauenhaft, Stackingfehler ohne Ende und auch ansonsten wären diese Bilder heute für mich keine Bilder mehr die ich zeigen würde und auch nicht mehr so machen würde. Ist schon erschreckend was man so schon ins Netz gestellt hat.....
Aber als Eindruck von DIC hilft es Dir evtl. weiter.
DIC gibt aber sicherlich keine duftige räumliche Darstellung.
lG
anne

P.S., evtl. wäre es fürs nächst Mal hilfreich, wenn Du vorher erklärt hättest, dass das erste Bild eine Art Rohbild ist.

Peter T.

Da möchte ich mich Jürgen anschließen: Kommt ganz darauf an, wofür das Bild gedacht ist. Soll es eine wissenschaftliche Abbildung sein oder ein Eyecatcher a la "was es nicht alles gibt"?

Über die "korrekte" Darstellung von Diatomeen wurde ja schon viel diskutiert. Schwierig, schwierig ...

Meine Einstellung: Alles, was Werbung macht für diese unglaublichen Strukturen, ist erlaubt.

Schöne Grüße

Peter
Liebe Grüße
Peter