Staubfänger Fett/Wachs

Begonnen von Jürgen Boschert, Juni 01, 2026, 18:23:03 NACHMITTAGS

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Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

immer wieder beeindruckt mich die Wirksamkeit dieser Art der Staubbekämpfung an unseren geliebten Instrumenten. Zumindest bei Zeiss-West sind/waren die Innenflächen der optiktragenden Gehäusekammern bei den Großgeräten großzügig mit einer Fett-Wachspampe bestrichen. Auch nach Jahrzehnten sind die optischen Oberflächen noch erstaunlich sauber! Das ist ja insofern nicht trivial, als Fette u.U. ausgasen und so selbst zur Ursache für Beschläge werden können.
Daher meine Frage (für eigene Bauvorhaben und auch ggf. Erneuerung bei zu renovierenden Gerätschaften):
Weiß jemand hier -evtl. auch ein "alter" Zeissianer- was das für Mischungen sind, wo man sie bekommen oder selber herstellen kann?
Beste Grüße !

Jürgen

jochen53

Möglich wäre es, da man dafür Polymere mit sehr hoher Molmasse verwendet hat, die extrem hochviskos, aber praktisch nicht mehr fließfähig sind, z.B. ein "Oppanol" von der CASF (Chinesische Anilin und Sodafabrik).
https://fuel-and-lubricants.basf.com/global/en/portfolio/oppanol
Jochen

Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

@ Jochen: Danke Dir für den Hinweis. Du bist bisher der einzige, der geantwortet hat.

Weiß darüber keiner der ehemaligen Zeissianer etwas? Oder gilt das evtl. als Betriebsgeheimnis? Wäre auch gut zu wissen.
Beste Grüße !

Jürgen

jochen53

Hallo Jürgen,
ich kann mich erinnern, daß es einmal eine Liste der bei Zeiss verwendeten Hilfsstoffe, alo Klebstoffe, Schmierstoffe, Dämpfungsöle usw. gab:
ZEISS_HILFSSTOFFKATALOG_SPU-EC_DE_DEZ_2024_final_420232_3.pdf
Da stehen hinten unter Pkt. 6.1 auf S. 102 solche Staubbindelösungen drin, leider ohne Handelsnamen.
Jochen

Peter Reil

Hallo Jürgen,

von OLYMPUS kenne ich nur kleine (ca. 5 Cent Größe), kreisförmige Kunststoffeinsätze. Diese sind in einigen Bino/Trinotuben eingeklebt worden und die offene Fläche ist sehr klebrig. Ich denke, das soll auch gegen Staub helfen und diesen vielleicht sogar anziehen.
Ehrlich gesagt kann ich nicht  berichten, dass das wirklich funktioniert hat. Ich kann keinerlei Staub-Unterschied bei den Tuben mit oder ohne dieses Dingens erkennen.

Wenn man fest an die Funktion glaubt, könnte man im Innenraum auch doppelseitiges Klebeband verwenden. Das sollte den gleichen Effekt haben.

Gruß
Peter
Meine Arbeitsgeräte: Olympus BHS, BHT, CH2, CHK, Olympus SZ 30, antikes Rotationsmikrotom

Jürgen Boschert

Hallo Jochen,

nochmal danke für Deine Hilfe, auf das Nächstliegende kommt man manchmal nicht. In dem Hilfsmittelkatalog finden sich tatsächlich sog. Staubbindelösungen; zunächst habe ich versucht mit Stichwort, Material-Nr. ... das auf der Zeiss-Seite zu finden -ohne Erfolg. Jetzt habe ich einfach mal den Service in Oberkochen angemailt und warte auf Antwort. Werde dann nochmals hier berichten.

Hallo Peter,

ich habe schon einige Phomis und inverse Großgeräte von Zeiss Oberkochen aufgearbeitet; am Anfang habe ich mich über die "blödsinnige, schmierige Pampe" geärgert, mit der die Innenflächen der optiktragenden Gehäuseteile flächendeckend belegt sind (wehe, wenn da etwas auf Optikflächen kommt, dann hat man beim Säubern richtig was zu tun). Allerdings habe ich auch festgestellt, dass selbst bei äußerlich furchtbar verrantzten Geräten die Prismen- und Linsenflächen astrein staubfrei waren. Insofern überzeugt mich das Konzept. Zeiss hat solche Schmierstoffe offensichtlich auch heute noch in der Anwendung. Der Trick ist möglicherweise die wirklich großflächige Anwendung.
Beste Grüße !

Jürgen

Peter_le

Guten Tag,

Ich verfolge den Faden auch seit Veröffentlichung.

Ich habe bereits vorher mit Osim-Fett großzügig gearbeitet.

Die Frage nach der richtigen Substanz ist wegen möglicher Ausdünstungen und Substanzmenge nicht gerade trivial.

Je kleiner Staubpartikel sind, desto geringer ist die Rolle der Schwerkraft bei der Ausbreitung. Daher ist die großzügige, flächendeckende Anwendung sinnvoll.

Hätte ich die Analytik zur Verfügung würde es mich in den Fingern jucken das zu untersuchen.

Grüße
Peter

bernd552

Hallo Jürgen,

ausgasungssicher und für deine Zwecke bestimmt überdimensioniert aber wirkungsvoll sind Vakuum und Hochvakuumfette für Dichtungsringe.

LG
Bernd

jochen53

Hallo Jürgen,
ich könnte mir so ein Produkt theoretisch vorstellen, z.B. aus Oppanol B 10, evtl. mit etwas Flammruß schwarz pigmentiert und evtl. mit einem Benzin verdünnt. Polyisobutylene lösen sich in Kohlenwasserstoffen, aber z.B. nicht in Aceton. Mir fällt allerdings auf die Schnelle keine einfache Herstellmethode ein, wie man sowas luftblasenfrei zusammen mischen könnte. Das Oppanol B 10 wird in glasklaren 20 kg-Blöcken in mit Antihaftfolie augeschlagenen Krtons geliefert. Das Zerteilen ist eine echte Herausforderung, über Nacht fließt das Zeug und läuft in die Breite. Beim Erhitzen wird es etwas "mobiler". Am besten, man verarbeitet immer gleich einen ganzen Block.
Jochen

Jürgen Boschert

Hallo Bernd,

herzlichen Dank für Deine Mithilfe. Auf diese (Hoch-)Vakuumfette greife ich ggf. zurück, abhängig davon, ob Zeiss die dort angewandte Staubbindelösung überhaupt veräußert und natürlich auch abhängig vom evtl. Preis (gerade wurden mir 100ml Optikreinigungslösung für 64.-€ angeboten).
Beste Grüße !

Jürgen

Jürgen Boschert

Hallo Jochen,

mit Deinem Rezept liegst Du wohl sehr nahe an der Zeiss-Formel. In Katalog für Hilfsstoffe findet sich folgender Eintrag zu der infrage kommenden Staubbindelösung:

b SBL 2010.jpeg
Beste Grüße !

Jürgen

jochen53

Als Fungizid könnte ich mit z.B. "Thiomersal" vorstellen, als Füllstoff hydrophobisiertes Aerosil vom R-Typ.
Jochen

Jürgen Boschert

Hallo zusammen,

habe tatsächlich aus Oberkochen freundlich Auskunft bekommen. Aber halt Zeiss-Preise: Jeweils Netto für 1 Liter 233.- €, für 5 Liter satte 955.- €. Für mich sind die Mengen zu groß. Wenn aber bei anderen auch Interesse bestünde, wäre ich bereit, die Aufteilung (Umfüllen in kleinere Gebinde) vorzunehmen und zu verschicken. Daher bitte ich um diesbezügliche Rückmeldungen, bevorzugt per PM.
Beste Grüße !

Jürgen

rlu

Hallo Jürgen,

hast du ein paar Bilder, wo man sieht wie flächig diese Fettschichten aufgetragen werden und wo das genau passiert?
Vermutlich ist es auch wichtig, wie dick/dünn/gleichmäßig diese Schichten aufgetragen werden.
Und mit was? Reicht da ein Tuch?

Falls es erfolgreich ist, werde ich natürlich das 10kg Gebinde ordern und Staubfänger aufstellen. Staubwischen Adé. ;-)

Liebe Grüße
Rudolf

Peter V.

Hallo Jürgen,

welche Mikroskope wurden eigentlich mit einem solchen Fett innen gefettet, an welcher Stelle und wie dick wurde da aufgetragen? Das macht ja vermutlich nur Sinn bei vielen innen liegenden Linsen / Prismen, oder? Und ist das überhaupt effektiv zur Staubreduktion oder ist das nur eine theoretische Überlegung von Zeiss gewesen, nach dem Motto: Kann man ja mal versuchen...
Weißt Du, ob andere Hersteller das auch gemacht haben und ob Zeiss das heute noch macht?

Herzliche Grüße
Peter
Dieses Posting ist frei von kultureller Aneigung, vegan und wurde CO2-frei erstellt. Für 100 Posts lasse ich ein Gänseblümchen in Ecuador pflanzen.