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Oxidierte Butter

Begonnen von rlu, Juni 07, 2026, 13:38:43 NACHMITTAGS

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rlu

Hallo,

ein viel zu vernachlässigtes Thema. oxidiertes Fett, bzw. Öl.
Hier ein Kühlschrankfund. Abgelaufen.

Aber es oxidiert ja nicht nur die Butter, sondern auch
euer gesundes Omega 3
das gesunde Leinöl
das Rapsöl, die nativen Öle beim Braten etc.

Liebe Grüße
Rudolf

IMG_2262.JPG

IMG_2263.JPG

beamish

Das erinnert mich an sogenannte "Moorbutter".
https://de.wikipedia.org/wiki/Moorbutter
Wahrscheinlich wurde überschüssige Butter unter Luftabschluß zur Konservierung im Moor versenkt.

Ähnlich ist die Tradition im Himalaya sogar einen Großteil der produzierten Butter in mehrere Lagen Birkenrinde (von Betula utilis)zu verpacken und in der Region der Hochalmen über 4000m zu vergraben, wo es kaum Insekten oder schädliche Mikroorganismen gibt. Jede Familie hat da ihren eigenen, geheimen Ort. Diese Butter wird entweder zu besonderen Gelegenheiten, wie Hochzeiten, oder als Arznei bei bestimmten Krankheiten ausgegraben. Oft erst nach Jahrzehnten. Der Geschmack ist jetzt scharf, wie ein alter Blauschimmelkäse.

Grüße
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
No-Name China-Stereomikroskop mit Trinotubus
beide mit Canon EOS 500D

rlu

Hallo Martin,

ich habe die Butter sofort wieder aus dem Müll geholt und eingegraben.
Und werde sie bei der nächsten Hochzeit dem Braupaar überreichen, dazu noch lecker Rakfisk.
Se Gordon Ramsay teste rakfisk på Røros; National Geographic

Ist schon interessant, dass es nicht überall, also in ganz Europas Brauch war.

"Warum die Butter im Moor vergraben wurde, ist nicht abschließend geklärt. Als wahrscheinlichste Variante gilt, dass überschüssige Butter im Sommer auf diese Weise unter Luftabschluss konserviert wurde."

"In dem etwa einen Meter langen, 35 kg wiegenden Eichenfass, das in einem Stück aus einem Baumstamm geschnitzt wurde, fanden Archäologen 3000 Jahre alte Butter. Das Moor bei Gilltown hat sie über Jahrtausende konserviert, sogar der Deckel sitzt noch auf. "
2026-06-07 22_02_55-Butterfass von Gilltown – Wikipedia – Mozilla Firefox.jpg

Liebe Grüße
Rudolf

purkinje

Hallo werte Freunde der heftigen Fermentation,
egal ob surströmming / ragfisk oder Moorbutter, so etwas verkostet der Skandinavier
1) auf Gebot der Herrin des Hauses am Ende des Grundstücks (Windrichtung ist zu beachten!)
2) nur mit ausreichenden Mengen von Aquavit oder ähnlichen Wässerchen
 ;)
Beste Grüße Stefan

A. Büschlen

#4
Hallo,

Martin hat die Tradition der Milchverarbeitung im Himalaya angesprochen. In vielen Gebieten des Himalaya wie Bhutan, Sikkim, Nepal und Tibet wird die Kuh - oder Jakmilch zu Butter verarbeitet. Die Buttermilch wird in einem zweiten Schritt zu Käse und Joghurt verarbeitet.
Butter wird für rituelle Zwecke verwendet z.B. als Brennstoff in den Butterlampen auf den Altären in den Wohnhäusern und in den Tempeln.
Neugeborene Kinder bekommen schon kurz nach der Geburt und dann immer wieder kleine Brocken Butter in den Mund und auf die Kopfhaare gestrichen!
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass guter Buttertee wirklich gut schmeckt! Buttertee wird in Bhutan bei den Hirten mit folgenden Zutaten gemacht:
Absud mit einem kräftigen, dunklen Schwarztee. Siehe dazu hier: https://www.weltmuseumwien.at/objekte/teeziegel-413275 . Dieser Absud steht in der Küche bereit und daraus wird die nötige Menge in eine Pfanne geschöpft, verdünnt aufgekocht mit einer Prise Salz und Soda. In diesen Tee wird dann ein Stück Butter eingemischt, entweder in der Pfanne direkt mit einem Holzquirl oder in einem speziellen Holzgefäss mit einem Stössel gestossen, bis der Tee cremig und schokoladenbraun ist.
Geschöpft wird der Tee mit einer Kelle aus Rhododendron-Holz in flache Holzschalen (Tassen). Dem Gastgeber ist es eine Ehre, den Gästen immer wieder Tee anzubieten. Dabei nimmt man sich Zeit, viel Zeit!
In Bhutan werden die Butterballen in grosse Rhododendron-Blätter eingewickelt. Diese Pakete werden mit Rindenstreifen der Seidelbast-Sträucher zusammengebunden.
Butter hatte im Tauschhandel einen grossen Handelswert.

Eine Küche in Bhutan. Die Gastgeberin bereitet dem Gast einen Buttertee zu. Die Einladung erfolgt spontan, sie besteht aus einem Wortspiel das gerlernt werden muss: Die Gastgeberin bittet den Gast zum Tee, komm trink ein Tee! Der Gast leht ab, dann kommt wieder die Einladung ... so wechselt die Einladung zur Ablehnung mehrmals ab bis man in der Küche sitzt.
Das Bild wurde zwischen 1975-1978 von mir gemacht. Ab Negativ gescannt.

Buttertee .jpg
Grüsse Arnold Büschlen
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

beamish

Hallo Arnold,
genau den von dir beschriebenen Buttertee kenne ich sehr gut aus Baltistan, wo ich sehr lange gearbeitet habe (die östlichen Himalaya-Länder kenne ich nicht aus eigener Erfahrung). Gerade zum Frühstück zusammen mit in einem in Fett herausgebackenen Fladenbrot (Paratha) ist das eine herzhafte Mahlzeit, die lange vorhält.
Bist du dir mit dem Seidelbast sicher? Das meiste Gift dieses Strauchs steckt in der Rinde....
Oder meinst du Sanddorn, der im Himalaya massenhaft vorkommt?

Herzlich
Martin
Zeiss RA mit Trinotubus 0/100
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beide mit Canon EOS 500D

A. Büschlen

Hallo Martin,

nein, es war nicht Sanddorn. In der Region in der ich gearbeitet hatte, wurde die Rinde vom dort vorkommenden Seidelbast als Rohstoff für Papier gesammelt. Die Rinde wurde auch zum Schnüren benutzt.
Ich kenne Daphne mezerum als hochgiftig.

Grüsse Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

beamish

Auch die im Himalaya vorkommende Daphne papyracea scheint giftig zu sein:
https://pfaf.org/user/Plant.aspx?LatinName=Daphne+papyracea
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beide mit Canon EOS 500D

A. Büschlen

Hallo Martin,

Ich habe keine Übersicht über die Seidelbast-Arten, die in Bhutan vorkommen. Ich habe aber gestern Abend bei einer kompetenten Stelle in Bhutan per Email nachgefragt und es wurde mir meine Beobachtung bestätigt:
Die Bauern verpacken Butter und Käse in Rhododendron-Blätter und binden diese Pakete mit der Rinde von Seidelbast.

Grüsse Arnold
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

beamish

Ja, und hier gibt es solche Schnüre zu sehen:
https://images.mandala.library.virginia.edu/image/threads-made-out-daphne-tree-bark-drying-outside-office-jungshi-paper-factory

Gut möglich, daß das Gift während der Bearbeitung verfliegt.

Grüße
Martin
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purkinje

Hallo Martin und Arnold,
Daphnetoxin ist nicht ohne, unterliegt zwar über die Zeit autoxidativen Prozessen, macht aber schwerste Vergiftungen. Entweder werden die Rinden noch gebeizt, mazeriert, wochenlang getrocknet... oder es wird auf die Abschirmung durch die Rhododendronblätter vertraut  :o
Diese Stoffgruppe wird in China seit einigen Jahren auch bzgl ihrer möglichen pharmazeutischen Verwendbarkeit erforscht: Phytochemistry and Pharmacological Activities of the Diterpenoids...
Beste Grüße Stefan