Vogelbestimmung durch Federmikroskopie: Manchmal klappt es doch ;)

Begonnen von Peter T., Oktober 12, 2026, 23:36:12 NACHMITTAGS

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Peter T.

Normalerweise bieten Federn unter dem Mikroskop nicht die Möglichkeit, einen Vogel bis auf Artebene zu bestimmen. Die meisten Merkmale weisen in Richtung Familie, kaum jemals bis zur Gattung.
In Zusammenhang mit makroskopischen Merkmalen und Fundort kann aber in Einzelfällen das Mikroskop doch letzte Klarheit verschaffen.

Es ging um folgenden Federfund:

Mymo 1.jpg

Sevilla_Feder_Spitze Kopie.jpg

Die Feder wurde in Sevilla im Stadtgebiet gefunden. Für solche Funde bietet sich iNaturalist an. Auf dieser Website gibt es viele Spezialisten, die Federn zu Familie, Gattung und eventuell Art zuordnen. Sobald 2 oder mehr dieser Bestimmer sich auf eine Art einigen, erreicht man "Forschungsqualität", Erfreulicherweise wird das nach meiner Einschätzung nicht leichtfertig vergeben, es muss schon eindeutig sein.

Für meine Feder kamen dann letzlich zwei Arten in Betracht: Einmal die Elster (Pica pica) und dann der Mönchssittich (Myiopsitta monachus). An dieser Stelle ging es nicht so richtig weiter.

Geholfen hat dann die KI, die folgende zwei Unterschiede herausgefunden hat: Die Elsterfeder hat an den Basalzellen der Barbulen Villi, die Papgeienfeder nicht. Zu Barbulen und Villi haben Gerd und ich vor kurzer Zeit einen Federthread gepostet:

https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=54699.0

Das Problem ist nur: Villi sind wirklich schwierig aufzufinden und die Krux ist: Wenn ich keine finde, heißt das nicht, dass keine da sind, es heißt nur, dass ich keine finde.
Aber dann kam noch ein Unterschied dazu: Die Farbe der Feder. Bei der Elster sitzt die Farbe in den Barbulen, beim Mönchssittich in den Ästen.

Also doch die Feder unters Mikroskop gelegt und mit Behelfsbeleuchtung Auflicht mit dem 5x Objektiv realisiert.

Woher kommt die Farbe?

405809073_Aussenfahne_Oberseite_Auflicht_DSC00563 Kopie.jpg

Auf diesem Bild sieht man es deutlich: Die blaue Farbe sitzt eindeutig in den Ästen und nicht in den zwischen ihnen liegenden Barbulen.
Auf diese Weise war dann klar: Die Feder stammt vom Mönchssittich (Myiopsitta monachus).

So hat in diesem Fall doch das Mikroskop bei der korrekten Zuordnung der Art seinen Beitrag geleistet:

Monk_parakeet_in_GWC_(25380) Kopie.jpg
(Wikimedia Commons, Autor Rhododendrites. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Monk_parakeet_in_GWC_(25380).jpg

Es ist der Mönchssittich, nach dem Halsbandsittich die zweithäufigste Papageienart in Sevilla.

https://www.inaturalist.org/observations/405809073

Schöne Grüße

Peter

P.S. Natürlich darf bei diesem Thema folgende Website nicht fehlen: Featherbase





ortholux

#1
Hallo Peter,

sehr cool. Wenn mans nicht weiß, dass sie auch vom Mönchssittich stammen könnte, dann wäre das eindeutig eine Elsterfeder gewesen.

Übrigens hier in Köln ist der Halsbandsittich auch reichlich vertreten.

Wolfgang

Peter T.

Hallo Wolfgang,

danke Dir!
Neulich war ich beruflich kurz in Düsseldorf, da waren sie auch sehr zahlreich vertreten.

Schöne Grüße

Peter

Florian D.

Hallo Peter,

ich bin wahrlich kein Federnexperte, aber dafür oft in Spanien. Ich würde auch an die Blauelster, Cyanopica cooki, denken.

Viele Grüße
Florian

ortholux

Zitat von: Florian D. in Heute um 15:59:54 NACHMITTAGSdie Blauelster, Cyanopica cooki,

Ein wahrhaft schönes Tier, das ich bisher erst einmal in Protugal bewundern durfte.


Peter T.

Hallo Florian,

vielen Dank für den Artikel und die Idee!

Die Blauelster hatten weder ich noch die anderen auf dem Schirm. Juan Sanz, der auch schon Blauelstern auf iNaturalist bestimmt hat, hat nicht daran gedacht.

Es könnte an folgendem liegen: Direkt am Fundort wurde am selben Tag ein Mönchssittich fotografiert (schlechtes Handyfoto, aber erkennbar). Außerdem gab es direkt am Fundort (Park des Hotels Alfonso XIII 37,382 N, 5,993 W) 251 bestätigte Beobachtungen vom Mönchssittich und keine der Blauelster. (Die nächste Beobachtung liegt etwa 3 km südlich davon.)

Das beweist natürlich nicht, dass die Feder nicht doch von einer (durchziehenden) Blauelster stammen könnte, aber die Wahrscheinlichkeit liegt eher beim Mönchssittich.
Weiter werden wir da wohl nicht kommen. Es gibt noch einige Unterscheidungsmöglichkeiten anhand der Dunenbarbulae, aber leider habe ich keine solche vorliegen.

Schöne Grüße

Peter