Hand-Zylindermikrotom

Begonnen von peter-h, Juli 05, 2010, 23:30:32 NACHMITTAGS

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peter-h

Liebe Schnipler,

nach der tollen Einführung in Darmstadt habe ich nun auch noch einmal mein Hand-Zylindermikrotom genommen und genau nach Anleitung versucht mit der Leicaklinge + Halter einige Schnitte vom Stiel eines Magnolienblattes zu bekommen.
Unter 50µm absolut keine Chance  >:(
Gefärbt dann in (schon 2 Jahre altem) Etzoldgrün von Chemlab. Erste kurze Durchsicht - blau und blauviolett  >:(

Nun würde mich interssieren, welche Erfahrungen in der Schichtdicke mit dieser einfachen Methode vorliegen. Gibt es eine Liste mit Fehlerbeschreibungen? Die Karotte war frisch !  ;)

Hilfesuchend
Peter Höbel

Rolf-Dieter Müller

Hallo Herr Höbel,

die erzielbare Schnittdicke ist sehr objektabhängig, wobei 50 µm von Frischmaterial schon gut ist. Objektfixiertes (= gehärtetes) Material läßt sich immer dünner schneiden.

Ansonsten immer eine frische Klinge verwenden.

Etzold grün färbt differenziert an, d.h. es ist durchaus möglich aufgrund der Objektbeschaffenheit eine dominante Blaufärbung zu erhalten. Weitere Gründe sind Auszug von Alciangelb durch wassehaltigem Alkohol und/oder Verwendung eines Mikroskoplichts mit Grünschwäche.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter Müller

Eckhard

Hallo Herr Höbel,

dunkle Schnitte sind oft das Ergebnis nicht hinreichender Fixierung. Bei 50 µm kann es sein, dass 15 Minuten nicht ausreichen. Der Schnitt muss nach dem Fixieren komplett farblos sein (Lupenkontrolle). Dünner werden die Schnitte von selbst, wenn man etwas Übung hat.

Der Blattstiel eines Walnussbaumes ist ein hervorragendes Übungsobjekt bei dem etwa 30 µm erreichbar sind.

Wichtig ist, wie Rolf-Dieter schon gesagt hat, eine frische Klinge und immer schön "nass" schneiden.

Viel Erfolg!

Herzliche Grüsse
Eckhard Völcker
Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
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peter-h

Herzlichen Dank für die Tipps,

hier nun die Ergebnisse nach der Trocknung . Die Farblösung ist nur mit FCA beschriftet und somit ganz sicher Fuchsin-Chrysoidin-Astrablau nach Etzold (FCA-Färbung). Es könnten also Fehler bei der Fixierung vorliegen. Klnge war neu und frisch, Klinge und Präparat immer schön feucht gehalten. Nächste Versuche werden folgen und ich hoffe auch irgendwann einmal hinter die "Geheimlichkeiten" zu kommen.




Blattstiel Magnolie, Zeiss PlanApo 10/0,32 , Kameraadapter Faktor 0,5 , C-Mount Kamera. Die Farben sind wie auch im Okular gesehen !

Nächste Versuche mit Etzold grün  ;D  Welche Fehler kann man an den Bildern noch erkennen ? Bin für Anregungen dankbar.
Allen einen schönen Tag und Grüße
Peter Höbel

Klaus Herrmann

Lieber Peter,

dass Du da noch einsteigst - wer hätte das gedacht :D
Schnitt ist doch ganz schön. Färbung sicher auch, aber es sieht so aus, als ob sich das Rot ziemlich verflüchtigt hat. Da warst Du in der Isopropanol-Entwässerungsstufe zu zögerlich! Nach dem Färben auswaschen bis keine Farbe mehr abgeht, Wasser weitgehend entfernen, aber nicht trocknen lassen und schnell mit Isopropanol drauf - dabei nicht sparen, also nicht 3 Tropfen, sonden ordentlich!. Nach 10-15 sec abgießen und gleich frisches Isoprop nachgeben. Jetzt 1 min einwirken lassen dann abkippen und - aller guten Trocknungen sind 3...
  danach noch leicht feucht vom Isoprop mit Euparal eindecken.

Bei der Dir eigenen Akribie werden wir in Kürze Meisterwerke sehen! Freu mich schon drauf.

Lass Dich nicht irritieren von abweichenden Angaben aus der Bonner Ecke - die trinken auch kein fränkisches Bier  ;D
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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Eckhard

#5
Hallo Herr Höbel,

bei FCA ist das Rot manchmal ein Problem. Man kann die Färbung erwärmen, bei 60° zieht Chrysoidin besser auf. Sollte es immer noch fehlen, versuchen Sie mal erst FCA, dann mit Chrysoidin nachfärben und dabei erwärmen. Chrysoidin gibt es bei Miraculix alias Klaus Herrmann.

Der Hinweis von Klaus zum Thema Handhabung des Isopropanols ist richtig. Wenn der Alkohol nicht ganz trocken ist, nützt der ganze Hokuspokus mit Erwärmen und Nachfärben gar nichts.

Ansonsten ist der Schnitt doch ausgezeichnet geworden. Ihr erster Beitrag lies mich viel Schlimmeres befürchten. Sie habe die Zellen perfekt im rechten Winkel getroffen.

Herzliche Grüsse
Eckhard Völcker
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peter-h

Danke an Beide !

1) mein Isoprop ist mit Zertifikat und gibt 0,023% Wassergehalt und 99,97% Gehalt an. Reicht das ?
2) Farbstoffe muß ich mir noch eine ganze Reihe zulegen, aber nun konnte ich noch schnell mit Etzold-Grün von Klaus einen kleinen Test (Rosenstängel) machen und es sieht schon weit besser aus. Klaus hast Du eine genaue Färbevorschrift veröffentlicht?
3) die Fixierung habe ich auf 20 min ausgedehnt und die Schnitte waren praktisch farblos.

Ein Knackpunkt ist ganz sicher das kleine Mikrotom mit der Einspannvorrichtung. Hier muß ich wohl eine Eigenentwicklung starten  ;) Aber zunächst soll es so reichen. Unter 40µm ist jedenfalls bei mir kein Schnitt gelungen.

Demnächst dann ein 2. Versuch mit einem Rosenstängel  :D

Schönen Nachmittag und Grüße
Peter

Klaus Herrmann

#7
Lieber Peter,

ZitatKlaus hast Du eine genaue Färbevorschrift veröffentlicht?
Nö ich glaube nicht. Rolf-Dieter hat akribische Vorschriften hier im Methodenteil, auch Jörg hat eine vielseitige Dok zur Schnitt-Herstellung und Verarbeitung dort eingestellt. Ich habe Vorträge, die aber zum hier einstellen zu mächtig sind.
Eine 2-seitige Methodenbeschreibung der Herstellung von Einzelpräparaten und von Massen-Färbungen gibt es von mir.

Wenn sie nicht hier ist, dann stell´ ich sie zur Verfügung. Ich eile ja schon!  ;)

Edit: täte ich gerne, aber das ist irgendwie nicht möglich: es gibt keinen Button: "Neues Thema"
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


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Fahrenheit

#8
Lieber Klaus,

irgendwie hast Du schon Recht: zur Erfrischung trinke ich gerne ein Kölsch, wenn ich Lust auf BIER hab', trinke ich Jever.
;D

Ansonsten würde ich gerade Rolf-Dieters Erfahrung mit der Präparation von Pflanzenschnitten nicht so schnell wegwischen, wie man eine Stange Kölsch leert.
;)

Lieber Herr Höbel,

Ihre Bilder von der FCA-Färbung und Ihre geschilderten deutlich besseren Erfahrungen mit Etzold Grün bringen mich auf eine Idee. Ist das FCA schon etwas älter? Ich hatte anfänglich gleiche Färbeergebnisse und nach einer Neulieferung von Etzold FCA von unserem Miraculix sah das plötzlich ganz ganz anders aus. Mein erstes FCA war schlicht verdorben.

Edit: vielleicht noch ein Nachtrag zur Schnittdicke: ich liege meistens auch so bei 50 µm, bei homogenem Material komme ich mit mehr Ausschuss und mit der Möhre auch auf 30 µm. Da gilt wohl tatsächlich: Üben, Üben, Üben.

Herzliche Grüße
Jörg
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Arbeitsmikroskop: Leica DMLS
Zum Mitnehmen: Leitz SM
Für draussen: Leitz HM

Rolf-Dieter Müller

Zitat von: peter-h in Juli 06, 2010, 17:15:59 NACHMITTAGS
...
1) mein Isoprop ist mit Zertifikat und gibt 0,023% Wassergehalt und 99,97% Gehalt an. Reicht das ?
2) Farbstoffe muß ich mir noch eine ganze Reihe zulegen, aber nun konnte ich noch schnell mit Etzold-Grün von Klaus einen kleinen Test (Rosenstängel) machen und es sieht schon weit besser aus. Klaus hast Du eine genaue Färbevorschrift veröffentlicht?
...

Hallo Herr Höbel,

der Isopropylalkohol ist zum Entwässern geeignet.

Wenn Sie mir noch einmal Ihre Email-Adresse senden, können Sie einen Arbeitsplan für Etzold FCA und Etzold grün bekommen.

Übrigens ist diese Färbung sehr ausführlich in der Mikrofibel beschrieben. Klaus Henkel beschreibt zuerst die Etzold FSA-Färbung und danach kommt das was hier interessiert, färben mit FCA. Etzold grün wird genauso wie Etzold FCA verarbeitet.

Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter Müller

peter-h

Ein 2. Versuch mit Etzold Grün.

Mit den Hinweisen, guten Ratschlägen und der anderen Färbung kam nun dieses Ergebnis heraus. Noch gibt es Fehler über Fehler und vermutlich ist das Rot auch zu schnell ausgezogen worden. Ob das Grün nun LED-grün oder Halogen-grün ist darf jeder selbst entscheiden.
Vermutlich gibt die Möhre als "Halterung" und die Klemmvorrichtung des kleinen Mikrotoms zu stark nach, so dass Schnitte unter 40µm ein großer Glücksfall sind (natürlich nur bei mir  ;) )


PlanApo 4/0,16


PlanApo 10/0,32

Wie immer freue ich mich zu Verbesserungsvorschlägen und Fehlerhinweisen.

@ Jörg,
das FCA ist gut über 2 Jahre alt.

Viele Grüße
Peter

Eckhard

Hallo Herr Höbel,

genauso sollte es aussehen. An Schnitt und Färbung gibt es nichts auszusetzen.

Wenn die Möhre zu doll nachgibt kann man dass Mikrotom weiter hochdrehen, so dass der aus der Klemme guckende Teil der Möhre kürzer ist. Oftmals hilft auch ein Drehen des Mikrotoms, um von einer andere Seite anzuschneiden.

Herzliche Grüsse
Eckhard Völcker



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Klaus Herrmann

Hallo Peter,

so ausgesprochen schlecht ist Dein Präparat nicht: ;D

Sauber planparalleler Schnitt, die Dicke ist gerade so, dass das filigrane Mark noch voll intakt ist - habe ich beim Rosenstängel selten so schön gesehen; das Rot ist intensiv, das Grün sowieso. Das Foto sauber belichtet und gut aufgelöst

Also wenn ich das alles zusammenzähle: ich wäre froh, er wäre von mir! :D

Ps: meine Prognose hat schon gestimmt!

pps: zum Thema Wasser im Isoprop: auch wenn es 100%ig ist - Wasser kommt beim ersten Schwung automatisch rein, deshalb muss man eben Überschuß nehmen und schnell wechseln!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Fahrenheit

Lieber Herr Höbel,

Klaus' und Eckhards Urteil schließe ich mich voll und ganz an. An Schnitt und Färbung ist nichts auszusetzen - sehr schön!

Da die Prozesse bei Etzold Grün und FCA identisch sind, gehe ich nun ganz sicher davon aus, dass Ihre Etzold-FCA-Lösung nicht mehr ganz in Ordnung ist.
Zumindest die Sklerenchymkappen der Leitbündel im Blattstiel der Magnolie müssten in der gleichen Intensität angefärbt sein, wie Xylem und Sklerenchymkappen des Rosenquerschnitts.

Herzliche Grüße
Jörg
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