Tischzentrierung beim Polarisationsmikroskop POLADUN II von ROW

Begonnen von Nils86, November 08, 2010, 19:49:25 NACHMITTAGS

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Nils86

Hallo Zusammen,

ich besitze ein schönes altes Poladun II Polarisationsmikroskop für Auflicht- und Durchlichtpolarisation. Da der Tisch schwergängig war, hatte ich ihn demontiert und nur mit etwas Wundbenzin wieder schön leichtgängig bekommen. Dabei habe ich natürlich die in der Anleitung beschriebene voreingestellte Zentrierung des Tisches verstellt.

Dummerweise können aber die ganzen Objektive ebenfalls mit Einstellschrauben zentriert werden, was bedeutet, dass ich den Tisch nicht einfach nur auf die Mitte eines Objektives einstellen kann, da ich nicht weiß, ob dieses zentriert ist oder (vermutlich eher) nicht. Wenn mir also das Zentrum des Präparates beim Drehen aus der Mitte wandert ist nicht klar, ob ich an den Schrauben zur Tischzentrierung oder denen der Objektivzentrierung drehen muss.

Bisher hatte mich die leichte Dezentrierung bei meinen Untersuchungen nicht groß gestört, da ich zu präzisen Messungen eh nicht die Zeit hatte. Aber da ich ein wunderschönes Leitz Labolux Pol ergattern konnte, muss ich das Poladun nun verkaufen und dazu sollte der Tisch gut zentriert sein.

Hat da evtl.  jemand eine Idee oder Erfahrungen damit? Das wäre super.

Schöne Grüße

Nils



Bernhard Lebeda

Hallo Nils

ich hab mal ne Weile gewartet, ob die Profis was sagen, aber normalerweise montieren die wohl selten vorzentrierte Tische ab.  ;)

Dein Problem kenne ich nur zu gut: an meinem indischen PolMik sind noch nicht mal Tischzentrierschrauben, sondern nur Tischbefestigungsschrauben. Mit denen lässt sich der Tisch zwar bewegen, das ganze aber sehr grobmotorig und auf was man eigentlich zentrieren soll bleibt die zu lösende Frage!

Im Sommer hab ich noch mal lange nachgedacht und hab es dann so gemacht:

zwei Stück Angelschnur mittels der Tischgradeinteilung möglichst genau mittig und über Kreuz auf den den Tisch gelegt und mit Klebeband fixiert. es entsteht so eine Art Fadenkreuz. Ein Objektiv (10x) raus geschraubt und den Tisch nun zumindest zentrisch zur Bohrung der Leerstelle eingestellt. Dann Objektiv reingeschraubt , dessen Zentrierschrauben ziemlich weit draussen gelassen, in neutraler Position sozusagen und versucht den Tisch über das Fadenkeuz noch besser mittig zu bekommen. Den Rest dann über das Objektv zu Ende justiert nach der üblichen Methode mit Mineralkorn im Präparat.

Ob das der Weisheit letzter Schluss ist weiss ich nicht, aber immerhin bleiben nun die Mineralkörner auf der Stelle, nach fünf Jahren ein schöner Erfolg  :D :-\


Vielleicht musst Du Dir auch gar keinen so grossen Kopf machen, der Käufer wird doch nach dem Versand sowieso nachjustieren müssen!


Vielleicht hilft Dir das weiter.


viele zentrierte Grüsse

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

TPL

Hallo Nils,
schönes Mikroskop, das Poladun!
Ich hatte in einem etwas anderen Zusammenhang einmal beschrieben, wie man einen zentrierbaren Drehtisch zentriert (http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=1236.msg7455#msg7455 und hier http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=6432.msg43969#msg43969. Der Aufwand ist bei urspünglich einmal werkseitig zentrierten Tischen natürlich um Einiges größer, aber mit Geduld und dem richtigen Werkzeug bekommst Du das sicher hin.
Wichtig wird es sein, kein Polobjektiv zu verwenden, sondern am besten eine bereits zentrierte Linse einzusetzen. Deren Abbildungsqualität ist für diese Anwendung ja wurscht. Ich fand es praktisch, die Bertrand-Amici-Linse (ohne weiteres Objektiv!) dafür zu benutzen und ein Pol-Okular als Referenz für den Mittelpunkt zu verwenden.

@ Bernhard: normalerweise muss man auch nach einem Versand nicht neu zentrieren, wenn die Befestigungsschrauben ordentlich fest gezogen sind. Meine Sorge als Käufer gälte eher der Entfettung mit Wundbenzin. Irgendwie sollte da auch wieder ein Fett hin, und zwar am Besten nicht das Alte...

Viel Erfolg, Thomas

Hugo Halfmann

Hallo Thomas,

nur als kleine Anmerkung am Rande, bevor der Nils fettet:

Zeiss hat mir auf Anfrage kürzlich geschrieben, daß für den Drehtisch Haftöl vorgesehen ist.
Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann

TPL

Zitat von: Hugo Halfmann in November 10, 2010, 09:54:27 VORMITTAGZeiss hat mir auf Anfrage kürzlich geschrieben, daß für den Drehtisch Haftöl vorgesehen ist.

Hallo Hugo,
das halte ich für ein Missverständnis. Sicher gibt es auch Tische, die mit Haftöl 'gut bedient' sind, aber da denke ich eher an die Auflage vom (ebenfalls drehbaren) Gleittisch. Ein POL-Drehtisch hat aber üblicherweise eines oder zwei Kugellager und da wäre ein Öl für mein Empfinden zu dünn. Ob das nun beim Poladun auch so ist, weiß ich nicht. E. Busch und später ROW waren ja bekannt dafür, die Produktion zu vereinfachen und dadurch erschwinglicher zu machen und vielleicht wurde am Drehtisch des Poladun ein Gleitlager eingesetzt, bei dem ein Öl sinnvoller wäre. Wenn es so wäre, kann man das ja auch einfach mal ausprobieren, denn der Aufwand ist um ein Vielfaches geringer als das Entfetten und Neu-Fetten eines Kugellager-Drehtischs.

Viel Spaß beim Frickeln, Thomas

Bernhard Lebeda

#5
Hallo Thomas

wahrscheinlich liegt es daran, dass ich so ein bastelresistenter Volltrottel bin, aber ich kapier's schon wieder nicht.

Du schreibst:

Zitates führt sicher nicht nur eine Lösung zum Ziel, aber einen nicht werkseitig zentrierten Tisch man kann z.B. dadurch absolut (also nicht relativ zu möglicherweise dezentrierten Objektiven) zentrieren, indem man ein Objektiv entfernt und mit der Amici-Bertrand-Linse* durch das offene Gewinde auf ein unverrutschbar auf dem Drehtisch liegendes, möglichst kleines und gut zu erkennendes Objekt fokussiert. Dann braucht man noch ein Okular (am besten in einem schlichten Monokulartubus) mit einem werkseitig zentrierten Fadenkreuz und los gehts:


Genau da (allerdings in Unkenntnis Deiner Anleitung) setzten ja meine sommerlichen Überlegungen an: wenn ich kein Präparat habe bzw. so positionieren kann, dass es mit der Drehachse des Tisches (wo ja üblicherweise ein Loch ist  ;D) zusammenfällt, wie kann ich dann den Tisch zentrieren??  Vielmehr zentriere ich doch dann den Tisch in Bezug auf das Mineralkorn, aber nicht zwingend die Tischmitte auf die optische Achse. Daher ja mein Kabuki Theater mit dem gespannten Fadenkreuz auf dem Tisch.


Viele dezentrierte Grüsse

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

TPL

#6
Lieber Bernhard und andere Tisch-Verdreher,
Das Mineralkorn auf dem Tisch muss nicht in dessen Mitte liegen. Es muss nur während des Zentriervorgangs unverrückbar sein. Sofern auf die Referenz für diesen Zentriervorgang, nämlich das Fadenkreuz im Okular, dessen Passung und die Zentrierung des Beobachungstubus zur Mikroskpachse Verlass ist, wird die Zentrierung des Tischs danach so gemacht, wie bei den Objektiven:
- Ein Korn wird durch rechts-links-Bewegung möglichst exakt unter das Fadenkreuz bewegt,
- der Tisch wird so weit gedreht, bis das Korn die maximale Entfernung zum Fadenkreuz hat,
- Azimut des Tisches arretieren (wenn möglich) und  durch rechts-links-Bewegung des Tisches das Korn auf die Hälfte der Strecke bis zum Fadenkreuz bewegen,
- Tischschrauben so sachte festziehen, dass dadurch die Zentrierung nicht gleich wieder futsch ist,
- fertig.

Das Alles wird nicht gleich beim ersten Mal klappen (sonst müsste ich mich ja ärgern ;)), aber mit einem bisschen Ruhe bekommt man das hin.
Viel Erfolg, Thomas

PS: warum eigentlich Mineralkorn? Die Zentrierung muss nicht bei gekreuzten Polarisatoren stattfinden, sondern kann (und sollte) mit möglichst wenigen Hilfsmitteln durchgeführt werden. Am besten eignet sich deshalb ein möglichst kleines, undurchsichtiges Staubkorn (nicht unbedingt ein mineralisches). Es ist also nahezu jedes Präparat geeignet.

Bernhard Lebeda

Hallo Thomas

vielen Dank!!

So sei es denn, ich werde es mal so machen ohne gross nachzudenken, warum das so geht.  ;D

Man muss ja nicht immer alles verstehen, Hauptsache man dreht sich auf der Stelle  ;D

Wenn es klappt, woran ich nicht zweifle, schicke ich Dir ne Flasche Rotwein, ich zentrier nämlich schon 5 Jahre lang ziemlich erfolglos hier rum.  ;)

Viele Grüsse

Bernhard
Ich bevorzuge das "DU"

Vorstellung

Nils86

Hallo Bernhard, Thomas und Hugo,

vielen Dank erst einmal für Eure nützlichen Hinweise. Hier mein kleiner Bericht über deren Umsetzungsversuche.

Ich bin erst heute dazu gekommen, diese tatsächlich in die Praxis umzusetzen. Dabei habe ich erst einmal probiert, mit dem "Bernhardschen"- Fadenkreuz auf dem Kreuztisch eine Zentrierung über die im Poladun vorhandene Bertrand-Amici-Linse und das Fadenkreuz im Okular - ohne Pol-Objektiv - hinzubekommen.
Die ging einigermaßen, war aber nicht ganz zu meiner Zufriedenheit.

Anschließend hatte ich mir überlegt, dass doch eigentlich auch das Pol-Objektiv sich über die Bertrand-Amici-Linse zentrieren lassen müsste. Mithilfe der voll zugezogenen Kondensorblende und dem Fadenkreuz im Okular ließ sich das beim 6,3er Objektiv relativ leicht bewerkstelligen.

Anschließend habe ich den Tisch über ein festgeklebtes Stück kariertes Papier nach Thomas' Methode in mehreren Durchläufen recht gut zentriert bekommen und dann mit einem Durchlichtpräparat das 45er-Duchlicht-Objektiv mithilfe des jetzt recht gut zentrierten Tisches zentriert, was auch recht gut klappte.

Da mir Thomas' Kommentar zur Fettung und Entfettung nicht aus dem Kopf ging, hab ich den schön zentrierten Tisch wieder abgeschraubt und nochmals von unten unter die Lupe genommen.

Das Wundbenzin hatte ich vor über einem dreiviertel Jahr sehr sparsam eingesetzt und damals mit einer Spritze mit Kanüle eingeführt. Es ist da wohl nur zu einer Verflüssigung des verharzten Gleit- oder Schmiermittels gekommen, nicht zu einer vollständigen Entfettung. Der Fettfilm scheint aber doch zu dünn zu sein.

So wie die Tischkonstruktion unten aussieht, könnte es durchaus mit einem Haftöl funktionieren. Ich glaube nicht, dass da ein Kugellager drinnen ist, dazu scheinen die zwei Teile zu nahe aneinander vorbei zu laufen.
Welches Haftöl könnt Ihr denn in so einem Fall empfehlen und wo bekommt man das am besten her?

Nochmals vielen Dank für die Hilfe.

Schöne, zur Zeit wieder dezentrierte Grüße

Nils







Nils86

Hallo Zusammen,

Haftöl war die richtige Wahl! Der Tisch ist wieder zentriert und läuft 1A. Ich bin nun wieder so begeistert vom POLADUN II, dass ich es doch nicht mehr hergeben will.
Vielen Dank für die guten Ratschläge.

Schöne Grüße

Nils