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Thamnolia vermicularis

Begonnen von Ralf, November 28, 2010, 20:47:05 NACHMITTAGS

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Ralf

Liebe Flechtenfreunde,

Thamnolia vermicularis ist eine Flechte der alpinen Zwergstrauchheiden und findet sich meist erst in Höhen > 2000 m. Mein Fund stammt vom Thialkopf bei Landeck, Tirol.

- Fundortfoto. Podetien bis 5 cm, zylindrisch, hohl, meist liegend, kaum verzweigt mit weißgrauer Oberfläche. Keine Soredien oder Isidien. Apothecien und Pyknidien unbekannt. Es sind zwei Varietäten mit gleicher Morphologie aber unterschiedlicher Chemie bekannt:

    * T. vermicularis var. vermicularis mit Thamnolsäure; P+, gelb und K+ rotorange; UV stumpf braunrot bis braunviolett
    * T. var. subuliformis. mit Baeomycessäure und Squamaticsäure; P+ gelb, K+ schwach gelb; UV leuchtend messinggelb

Aufgrund ihres Aussehens wird diese Flechte auch Totengebeinsflechte genannt.





- Nahansicht Thallus



- Nahansicht Podetium.



- Querschnitt Podetium, Übersicht. Außen berindet (paraplektenchymatisch), Photobiont vom Trebouxia Typ.



- Querschnitt Podetium, Nahansicht


A. Büschlen

Hallo Ralf,

wiederum eine sehr sorgfältige und schöne Dokumentation! Besten Dank.

herzlich Arnold Büschlen
Schwerpunkt z.Z.:
- Laub- und Lebermoose.
- Ascomyceten als Bryoparasiten.

Roderich Römhild

Hallo!

Sehr schöner Beitrag. Mich interessieren noch ein paar wahrscheinlich sehr einfache Sachen:

Wie beziehen diese Lebensgemeinschaften aus Alge und Pilz Wasser? Über unterirdische Hyphen oder direkt über die "Rinde"?

Und was hälts du von dem Vorschlag Flechten als Klimaproxy zu nehmen? Das ganze soll über modifizierte Sinusfunktionen gehen, die sich an den Flechtenunterseiten ergeben...

FG

Rodi


Ralf

Hallo Rodi,

unterschiedliche Flechten beziehen auf unterschiedliche Art und Weise ihr Wasser:

- Rhizinen (Fadenartige Auswüchse auf der Unterseite) bilden ein Kapillarsystem, das dann Wasser aufsteigen lässt.

- Direkte Aufnahme des Niederschlagswassers

- Wasserversorgung allein durch die Luftfeuchtigkeit

Meist ist eine bestimmte Flechtenart auf eine oder eine Kombination der o.g. Aufnahmearten spezialisiert und hat dementsprecht spezielle Standortanforderungen. Flechten können ihren Wasserhaushalt nicht regulieren und können sehr lange Trockenphasen schadlos überstehen.

Empfehel als Einstieg dieses Buch hier: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=7370.0 .Das Buch ist für Anfänger sehr gut geeignet und dabei recht preiswert!



"Flechten als Klimaproxy"
.........Habe ich noch nie gehört und weiß dementsprechend nichts darüber.



Freue mich über Dein Interesse an den Flechten!

Roderich Römhild

Danke für die Antwort!

Das mit dem Klimaproxy habe ich auf dem TagDerTalente aufgeschnappt. Es handelt sich um eine Jugendforscht-Idee, die von der Uni München bereits als signifikant bestätigt wurde. Das ganze hat letztes Jahr den ersten Preis in Deutschland gemacht. Dabei wurde über mikroskopische Messwerte der welligen Oberflächen von Flechten eine Sinus-Funktion modelliert und daraus Daten über verganagen Luftzusammensetzung und Feuchtigkeit gewonnen. Diese solen hochgradig genau sein, und aufgrund des langen Alters der Flechten auch um einige Hundert Jahre zurückreichen.

FG

Rodi