Einschlussmittel Ultrakitt

Begonnen von Ole, März 19, 2011, 11:29:53 VORMITTAG

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Ole

Liebe Mikroskopiker,
da wir immer wieder einmal eine Frage zu Einschlussmedien im Forum bekommen, möchte ich an dieser Stelle gerne einmal auf ein Einschlussmittel namens "Ultrakitt" aufmerksam machen. Es wird von der Firma J.T.Baker hergestellt. Laut Prospekt soll es schnell trocknen und ungiftig sein. Und das schönste: Es wird an jedermann verkauft. Also hatte ich gleich einmal eine Flasche bestellt und getestet (Angaben ohne Gewähr!):
1) Ob das Produkt in der Tat ungiftig ist, hab' ich nicht bis zur letzten Konsequenz probiert  :), es ist jedoch geruchsneutral. Es riecht beim Verarbeiten nicht nach Lösungsmittel oder Terpenen.
2) Es trocknet recht schnell, nach etwa 2-3h kann gut mikroskopiert werden (ggf. auch Immersion), nach 1-2d ist es (recht) hart (bei Raumtemperatur)
3) In dünner Schicht zeigte das trocknende Medium nach 4 Wochen keinen spürbaren Volumenverlust / Schrumpfen
4) Es ist laut Hersteller mischbar mit Xylol und Isopropanol, nicht jedoch Ethanol oder Methanol. Ich habe 25µl Ultrakitt mit je 7µl Xylol, Isopropanol und Rotihistol gemischt und unter einem Deckglas trocknen lassen. Im Mik waren weder Trübungen noch Schlieren sichtbar (Hellfeld, Dunkelfeld & Phako).
5) Ich habe einige Schnitte (Azan gefärbt) direkt aus Isopropanol eingeschlossen, nach (bis jetzt) vier Wochen sind keinerlei Probleme mit den Präparaten aufgetreten. Die Haftung am Glas ist bislang ok.
6) Das Medium zeigte keine Eigenfluoreszenz (UV-, Violett-, Blau- und Grün-Anregung)
7) Die Zielgruppe sind laut Hersteller histologische Präparate
8 ) Die Viskosität ist verhältnismäßig hoch (im Vergl. zu Roti Histokitt, beim Eindecken benötigt man ggf. etwas mehr Geduld und eine "ruhige Hand").
9) weitere Infos vom Hersteller gibt es hier: http://www.mallbaker.com/overview/clinical/europe/Histology/Clearing.pdf (im PDF-File nach "Ultrakitt" suchen).

Aber so ganz selbstlos ist meine Darstellung auch nicht: Bevor ich größere Schnittserien mit Ultrakitt einschließe würde mich sehr interessieren, ob hier jemand schon eigene Erfahrungen mit Ultrakitt hat. Auch konnte ich bislang keine Infos zum Brechungsindex finden.
Vielleicht ist die Schilderung ja auch eine Anregung für andere Leser im Forum.
Und nein, ich werde weder vom Hersteller noch anderen Dritten "gesponsert"  >:(

Viele Grüße,
Ole

Klaus Herrmann

Hallo Ole,

eigenartiger Weise sagen die nichts über den Brechungsindex. Die sonstigen Eigenschaften hören sich ja gut an!

Und noch eine Frage: was koschts denn?
Mit herzlichen Mikrogrüßen

Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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Ole

Hallo Klaus,
bei Morphisto kosten 100ml 34,91€ (inkl. MwSt).
Viele Grüße,
Ole

CaDi

Hallo,

mit Ultrakitt habe ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Das kann aber auch mit meiner Technik
zusammenhängen.
Ich habe damals auf Helgoland ca. 800 Präparate darin eingedeckt, bei den meisten war nach einigen
Tagen/ Wochen sehr viel vom Ultrakitt unter dem Deckglas verschwunden. Dort habe ich mit Roti Histol
bzw. Xylol entparaffiniert und anschließend 2-3 Tropfen Ultrakitt auf den OT gegeben. Mit 2 Präpariernadeln habe
ich das Deckglas vorsichtig (schräg!) aufgelegt und Luftblasen ausgestrichen.

Ob es nun an dem Ultrakitt und/ oder an meiner Technik liegt, weiß ich nicht. Aber ich denke, bei dieser Technik sammelt
sich viel Xylol unter dem Deckglas auf einer Seite, auf der anderen ist dann das Eindeckmittel.
Daher habe ich vor ca. 2 Jahren angefangen mit einer neuen Technik einzudecken. Seit ca. 2 Jahren benutze ich aber auch
Cytoseal, damit habe ich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht (und bisher weit über 1000 Präparate eingedeckt).

Cytoseal härtet sehr schnell, kann gut mit einer Tropfflasche dosiert werden und lässt sich außerordentlich gut mit Xylol abwaschen
(z.B. störende Handschuh-Abdrücke auf dem Deckglas, die wärend des Eindeckens mal entstehen können). Bei anderen Eindeckmitteln
muss man meist oft mit einem Xylol-Tuch über die eingeschmierten Stellen wischen. Bei Cytoseal reichen idR. 1-2x.
Luftblasen entstehen nur selten, lassen sich dann aber gut ausstreichen (schön dünnflüssig).

Viele Grüße,
Carsten

Ole

Liebe Freunde des Kunstharzes,
Peter Höbel hatte netterweise angeboten, den Brechungsindex von Ultrakitt mit einem Refraktometer zu bestimmen. Die Meßergebnisse möchte ich jetzt noch einmal nachreichen: n=1,429  ± 0,002 (Meßwellenlänge @ 550nm).
Wer sich für die Meßmethode interessiert, findet Details auf Peters Homepage (http://www.mikroskopie-ph.de/).
Viele Grüße,
Ole
p.s.: Die Veröffentlichung der Ergebnisse der Bestimmung hier im Forum war natürlich mit Peter abgesprochen. Daher auch nochmals mein Dank an Peter, dass er den Brechungsindex bestimmt hat.